Familie Reichert aus Friedberg, sie Lehrerin am Gymnasium, er Maschinenbau-Ingenieur, ein Sohn im Studium, ein Hund namens Pelle, hat sich vor vier Jahren einen 600 Quadratmeter großen Garten leisten können. Hinterm Reihenendhaus, Süd-West-Hang, Apfelbaum, zwei Hochbeete, Rasen rundherum, hinten eine Hecke zum Bahndamm. Frau Reichert wollte den Garten von Anfang an nicht mit Schiebmäher und Gartenschlauch pflegen, weil die Schule sie unter der Woche frisst und sie das Wochenende lieber im Liegestuhl verbringen wollte. Also haben die Reicherts 2022 das volle Gardena-Programm bestellt: smart Sileno Life 1000 für den Rasen, smart Water Control mit acht Sprinklern für die Hochbeete und die Apfelbaumscheibe, ein smart Sensor im Beet für Bodenfeuchte und Lichtmenge, dazu das smart Gateway, das im Hauswirtschaftsraum am LAN-Kabel hängt.

Drei Jahre lief das. Mäher fuhr nach Plan, Sprinkler ging morgens und abends an, Pelle hat sich daran gewöhnt, dass der Sileno gelegentlich an seinen Pfoten vorbeischiebt. Im Sommer 2026 war damit Schluss. Anfang Juni gab es eine Hitzeperiode mit über 36 Grad, und an einem Mittwochnachmittag war die Gardena-Cloud weg. Nicht für Minuten, sondern für sechs Stunden. App hat nur eine endlos drehende Spinner-Animation angezeigt, kein Befehl ist beim Sileno angekommen, der Wasserhahn am Apfelbaum lief weiter, weil der eingestellte Zeitplan nur einen Start, aber keinen Stop kannte, sobald die Cloud verstummte. Vierzig Liter Wasser über Pflastersteine, bis Frau Reichert von der Schule kam und den Wasserhahn manuell zudrehte. Ihr Mann hat noch am selben Abend bei mir angerufen: ob es eine Möglichkeit gibt, dass die Gartensteuerung weiterläuft, wenn Husqvarnas Server in der polnischen Pampa wieder einmal aussteigen. Und ob man das Ganze nicht mit dem Wetterbericht koppeln könnte, damit der Sileno nicht losfährt, wenn in zwei Stunden ein Gewitter angekündigt ist.

Drei Wochen später läuft bei den Reicherts Home Assistant auf dem Pi 5, das gesamte Gardena-System ist drin, die Steuerung folgt jetzt einer DWD-Wettervorhersage und der Bodenfeuchte im Hochbeet, nicht mehr starren Zeitplänen aus der App. Der Cloud-Zwang bleibt teilweise, aber die kritischen Entscheidungen treffen die Reicherts wieder selbst. Wie das genau geht, was die offizielle Integration kann, was sie nicht kann, und welche Bluetooth-Geräte sich komplett ohne Husqvarna-Cloud betreiben lassen, das ist der Praxisbericht.

Was das Gardena Smart System eigentlich ist

Gardena gehört seit 2007 zur schwedischen Husqvarna-Gruppe, und seit Husqvarna 2016 das smart system gestartet hat, läuft die komplette Geräte-Familie über eine einheitliche Cloud-Plattform. Das smart Gateway ist die Brücke. Es hängt per LAN oder WLAN am Heimnetz-Router und spricht in den Garten hinein über eine proprietäre 868-Megahertz-Funkstrecke mit den Geräten. (GARDENA Help Center zur Reichweite) Die Reichweite liegt unter guten Bedingungen bei rund 100 Metern, was die meisten Privatgärten abdeckt. Walls und dichte Hecken kürzen das schnell, deshalb sollte das Gateway möglichst zentral stehen.

Was an dem Gateway hängen kann, ist über die Jahre gewachsen. Die relevanten Geräte 2026:

  • smart Sileno City für 250 bis 600 Quadratmeter, je nach Variante
  • smart Sileno Life für 750, 1000 und 1500 Quadratmeter, mit 22 Zentimetern Schnittbreite, 57 dB(A) Lautstärke und der neuen LONA-Kartierungstechnologie (gartenpanda.de zum Sileno Life Praxistest)
  • smart Sileno Free und smart Sileno Sense, die seit 2026 ohne Begrenzungsdraht arbeiten und stattdessen Kamera, Satelliten-Ortung und LONA Intelligence kombinieren (heise online zum Sileno Free Test)
  • smart Water Control, der direkt auf den Wasserhahn geschraubt wird und 252 Bewässerungs-Zyklen pro Programm steuert
  • smart Sensor für Bodenfeuchte, Bodentemperatur, Lufttemperatur und Lichtmenge
  • smart Power als Zwischenstecker für gewöhnliche Steckdosen, in der Praxis selten gekauft
Der Trick und das Problem ist die einheitliche Cloud. Jedes dieser Geräte funkt zum Gateway. Das Gateway funkt zur Husqvarna-Cloud. Die Gardena-App auf dem Handy funkt ebenfalls zur Cloud. Die App spricht nie direkt mit dem Gateway, auch wenn beide im selben WLAN hängen. Das ist Architektur-Entscheidung, kein Versehen, und sie ist der Grund, warum ein Cloud-Ausfall alles lahmlegt. Bei den Reicherts hieß das im Juni: kein Stopp-Befehl, weil die App nicht direkt mit dem Wasserventil reden darf.

Wer das offizielle Gateway öffnen will, scheitert zuerst

Es gibt im Husqvarna-Konzern keinen Modus "lokales Steuerprotokoll". Das Gateway ist nicht dokumentiert, der Funkverkehr auf 868 Megahertz nutzt die proprietäre Lemonbeat-Stack, die Husqvarna 2017 von einem deutschen Anbieter übernommen hat. Versuche, das aus der Ferne zu reverse-engineeren, gibt es seit Jahren in der Open-Source-Szene, sie sind nie über experimentelle Eigenbauten hinausgekommen. Was Gardena 2018 freigegeben hat, ist eine Cloud-API: die Husqvarna Group Developer Plattform, über die Drittanbieter mit OAuth2-Token auf dieselben Endpunkte zugreifen wie die offizielle App. Das ist genau die Tür, durch die Home Assistant einsteigt. Sie führt aber durch die Cloud, nicht am Gateway vorbei.

Wer das Gateway lokal aufmachen will, hat seit Anfang 2026 eine Option: das Community-Projekt cloudless-garden auf GitHub bietet eine HA-Integration plus Anleitung, wie man Shell-Zugang auf dem Gateway aktiviert und einen lokalen WebSocket-Service startet. Der Aufwand ist hoch (root-Zugriff auf ein Konsumelektronik-Gerät, das Husqvarna jeden Moment per Firmware-Update zumachen kann), das Risiko ist real (Garantieverlust, Brick-Gefahr), und für die meisten Gärten lohnt sich der Aufwand nicht. Genauer beschreibt das Vorhaben der Thread "GARDENA smart Gateway local cloud free Matter MQTT bridge" im Home Assistant Forum, der seit Februar 2026 von einer Handvoll Bastler betrieben wird.

Bei den Reicherts war klar: Wir gehen den offiziellen Cloud-Weg. Das verkürzt das Setup auf einen Nachmittag und macht das System updatesicher.

Die offizielle Integration: was sie ist, was sie nicht ist

Home Assistant hat seit Anfang 2024 eine Gardena-Integration im Kern. Sie heißt Husqvarna Automower und deckt die Mähroboter ab, weil Husqvarna die Automower-Linie und die Gardena-Sileno-Linie auf dieselbe Cloud-API gehoben hat. Für die Bewässerungs- und Sensorgeräte ist die offizielle Lösung die Custom Integration hass-gardena-smart-system aus der py-smart-gardena-Familie, die seit Jahren vom Community-Maintainer gepflegt wird und die Gardena Cloud API v2 nutzt. Die Integration ist über HACS installierbar und benutzt dieselben OAuth2-Endpunkte wie die offizielle App.

Was die Integration in Home Assistant als Entitäten anlegt:

  • lawn_mower.* mit den Aktionen Start, Pause, Park
  • valve.* für jedes Bewässerungsventil, mit Open und Close
  • switch.* für jeden smart-Power-Zwischenstecker
  • sensor.* für Bodenfeuchte, Bodentemperatur, Lufttemperatur, Lichtmenge, Akkustand des Sileno
  • binary_sensor.* für Online-Offline-Status jedes Geräts
Was sie nicht liefert (und das ist der Punkt, an dem viele enttäuscht sind):
  • Mähroboter-Karte. Die LONA-Kartierung des Sileno Life lebt komplett in der Gardena-Cloud und wird nicht über die API ausgespielt. Wenn der Mäher Lücken im Rasen hat, sieht man das nur in der Gardena-App, nicht in Home Assistant.
  • Schedule-Editor. Die wöchentlichen Bewässerungsprogramme der App lassen sich auslesen, aber nicht über die API editieren. Wer Zeitpläne ändern will, muss das in der App tun oder die Bewässerung komplett über HA-Automationen statt über die App-Schedules fahren. (README der py-smart-gardena-Integration)
  • Mowing-History. Wann der Sileno wie lange wo gemäht hat, bleibt App-only.
  • Cut-Length-Einstellung. Die Schnitthöhe wird mechanisch am Sileno verstellt, die API spielt das nicht.
  • Geofencing für Pelle. Wenn der Hund im Garten ist, darf der Sileno nicht mähen. Das war in der App über die Standortfreigabe vom Handy möglich, in HA muss man das über andere Sensoren bauen.
Bei den Reicherts war der Verlust der LONA-Karte verschmerzbar. Die fehlende Schedule-API hat dafür einen kompletten Rebau aller Bewässerungs-Zeitpläne in HA-Automationen erzwungen. Drei Stunden Arbeit, dann lief es. Was sie dafür bekommen haben, war Wetter-Kopplung, Bodenfeuchte-Steuerung und ein Notfall-Stopp, der auch funktioniert, wenn die Husqvarna-Cloud ausfällt.

Setup mit Application Key, Schritt für Schritt

Voraussetzung: ein laufender Home Assistant, mindestens Version 2026.3, ein Husqvarna-Account, in dem das Gateway und alle Geräte schon eingerichtet sind, und die HACS-Erweiterung (siehe HACS installieren). Bei den Reicherts lief HA seit Februar auf einem Pi 5 mit 8 GB, der seither auch die Heizung und das Licht im Haus steuert. Wer noch keinen HA-Server hat, sollte vorher die Smart Home Zentrale einrichten 2026 lesen und sich für eine Hardware entscheiden.

Schritt 1: Application Key holen. Auf developer.husqvarnagroup.cloud einloggen mit dem bestehenden Gardena-Account. Auf "Your applications" eine neue Application anlegen, Name beliebig (Frau Reichert nannte sie "HA Friedberg"), die anderen Felder leer lassen. Dann auf "Connect new API" klicken und sowohl die Authentication API als auch die GARDENA smart system API mit der Application verknüpfen. Application Key und Application Secret kopieren, die werden gleich gebraucht. Hinweis aus dem Maintainer-README: Wer Probleme hat, sollte die Application erst löschen und neu anlegen, weil ältere Versionen ohne die API-Verknüpfung nicht funktionieren. Schritt 2: Integration installieren. In Home Assistant unter HACS auf "Integrationen", oben rechts die drei Punkte, "Benutzerdefinierte Repositories", die URL https://github.com/py-smart-gardena/hass-gardena-smart-system mit Typ "Integration" hinzufügen. Dann nach "Gardena Smart System" suchen, installieren, HA neustarten. Bei den Reicherts dauerte das knapp zwei Minuten. Schritt 3: Konfiguration. Einstellungen > Geräte und Dienste > Integration hinzufügen, "Gardena Smart System" auswählen. Im Konfigurationsdialog Application Key, Application Secret, sowie die E-Mail-Adresse und das Passwort des Gardena-Accounts eingeben. Die Integration baut eine OAuth2-Verbindung zur Husqvarna-API auf, lädt alle Geräte und legt die Entitäten an. Im Hintergrund läuft eine WebSocket-Verbindung zur Cloud, über die Statusänderungen quasi-live durchgereicht werden. (Husqvarna Authentication API Doku, dokumentiert im Forum der ElabNET-Community) Schritt 4: Plausibilitäts-Check. Nach dem Hinzufügen sollten in HA neue Entitäten erscheinen. Bei den Reicherts waren das: ein lawn_mower.sileno_life_1000, zwei valve.smart_water_control_apfelbaum und valve.smart_water_control_hochbeet, ein sensor.smart_sensor_bodenfeuchte_hochbeet mit drei zugehörigen Subsensoren für Temperatur und Licht, und vier binary_sensor.*_online. Alle Sensoren updaten alle 30 bis 60 Sekunden, was für Bewässerungsentscheidungen reicht. Schritt 5: Erster Steuerbefehl. Im HA-Dashboard auf den lawn_mower.sileno_life_1000 klicken, Start drücken. Der Sileno sollte binnen weniger Sekunden anrollen. Klappt das, ist die Pipeline durchgängig. Häufiges Problem: Wenn nach 30 Sekunden noch nichts passiert, liegt es fast immer am Application Key, der nicht mit beiden APIs verknüpft wurde. Schritt 1 nochmal prüfen.

Was die Reicherts mit Wetter-Kopplung gebaut haben

Die ursprünglichen App-Schedules waren stumpf: jeden zweiten Tag um 6:00 Uhr 20 Minuten Sprinkler, jeden Werktag um 14:00 Uhr Mähen. Mit HA wollte Frau Reichert das in eine bedingte Logik überführen: nur gießen, wenn der Boden trocken ist und in den nächsten 48 Stunden weniger als 5 Millimeter Regen fallen. Nur mähen, wenn der Rasen trocken ist und kein Gewitter aufzieht.

Dafür braucht es eine Wetter-Quelle. Die DWD-Integration in HA ist die naheliegende, weil sie offizielle Daten des Deutschen Wetterdienstes bezieht, regional fein aufgelöst und ohne Limits oder API-Schlüssel arbeitet. Es gibt zwei Varianten:

  • Die HACS-Integration hg1337/homeassistant-dwd, die Messstationen und Vorhersagen liefert, mit konfigurierbarer Station und einer Forecast-Entity, die stündliche und tägliche Werte ausgibt.
  • Die ebenfalls verfügbare FL550/dwd_weather-Integration, die alle 15 Minuten aktualisiert und eine klassische weather.*-Entity anlegt.
Bei den Reicherts haben wir hg1337 genommen, weil die Forecast-Entity feinere Auflösung hat. Die zweite Option ist solider integriert, beide funktionieren.

Dazu kommt die offizielle DWD Weather Warnings Integration, die im HA-Kern liegt und Unwetterwarnungen für eine bestimmte Region als Sensor ausgibt. Das ist die Quelle für den Gewitter-Schutz des Sileno.

Beispiel-Automation: Bewässerung mit Bodenfeuchte und Regen-Check

alias: "Hochbeet Bewaesserung mit DWD"
description: "Giesst nur wenn Boden trocken und kein Regen in 48h"
mode: single
trigger:
  - platform: time
    at: "06:00:00"
condition:
  - condition: numeric_state
    entity_id: sensor.smart_sensor_bodenfeuchte_hochbeet
    below: 30
  - condition: template
    value_template: >-
      {% set forecast = state_attr('weather.dwd_friedberg', 'forecast') %}
      {% set rain = forecast[:2] | map(attribute='precipitation') | sum %}
      {{ rain < 5 }}
action:
  - service: valve.open_valve
    target:
      entity_id: valve.smart_water_control_hochbeet
  - delay: "00:15:00"
  - service: valve.close_valve
    target:
      entity_id: valve.smart_water_control_hochbeet
  - service: notify.familie_reichert
    data:
      message: "Hochbeet wurde 15 Minuten gegossen, Bodenfeuchte war bei {{ states('sensor.smart_sensor_bodenfeuchte_hochbeet') }} Prozent."

Drei Bedingungen, eine Aktion. Triggert um 6:00 morgens. Prüft, ob die Bodenfeuchte unter 30 Prozent liegt und ob die nächsten zwei Forecast-Slots zusammen weniger als 5 Millimeter Regen ankündigen. Wenn ja, Ventil auf, 15 Minuten warten, Ventil zu, Familie informieren. Wenn nein, passiert nichts. Genau das, was die App nicht kann.

Beispiel-Automation: Sileno nur bei trockenem Wetter mähen

alias: "Sileno mit Wetter Schutz"
mode: single
trigger:
  - platform: time
    at: "14:00:00"
condition:
  - condition: state
    entity_id: binary_sensor.dwd_weather_warnings_aktiv
    state: "off"
  - condition: template
    value_template: >-
      {% set forecast = state_attr('weather.dwd_friedberg', 'forecast') %}
      {% set rain_3h = forecast[:1] | map(attribute='precipitation') | sum %}
      {{ rain_3h < 1 }}
  - condition: numeric_state
    entity_id: sensor.sileno_battery
    above: 40
action:
  - service: lawn_mower.start_mowing
    target:
      entity_id: lawn_mower.sileno_life_1000

Drei Conditions: keine Unwetterwarnung aktiv, in den nächsten drei Stunden weniger als 1 Millimeter Regen, Akkustand über 40 Prozent. Erst dann fährt der Sileno los. Wenn um 14:00 ein Gewitter angekündigt ist, bleibt er in der Ladestation, und es passiert genau nichts. Frau Reichert hat dazu noch eine Benachrichtigung gebaut, die ihr morgens sagt, ob heute gemäht wird. So plant sie ihre Wäsche danach.

Notfall-Stopp bei Cloud-Ausfall

Das war der eigentliche Auslöser. Sobald der binary_sensor.smart_water_control_hochbeet_online auf "off" springt und gleichzeitig im HA-Log ein API-Fehler steht, schaltet eine kleine Automation den smart-Power-Zwischenstecker ab, an dem der Wasserdruckschlauch hängt. Hardware-Cut auf 230-Volt-Ebene. Wer ganz sicher gehen will, ergänzt eine smarte Steckdose am Brunnen oder am Hauswasserwerk. Bei den Reicherts war die smart-Power, die seit 2022 ungenutzt im Schrank lag, plötzlich die wichtigste Komponente.

Die Bluetooth-Alternative: ein Stück Garten ohne Cloud

Wer von der Cloud-Abhängigkeit komplett weg will, ohne das Gateway zu öffnen, kann auf Gardena-Bluetooth-Geräte ausweichen. Die laufen über eine eigene, lokale Funkstrecke, brauchen kein Gateway, kein Konto, keine Husqvarna-Cloud. Home Assistant unterstützt sie seit Version 2023.8 über die offizielle Integration gardena_bluetooth, die im HA-Kern liegt.

Was die Bluetooth-Linie kann:

  • Water Control Bluetooth (Artikelnummer 1889-20), direkt auf dem Wasserhahn, batteriebetrieben, bis zu drei Bewässerungs-Zyklen pro Tag
  • Soil Moisture Sensors (1867-20)
  • Irrigation Valve 9 Volt Bluetooth (1285-20), für Ventilkästen im Boden
  • Garden Pump 6300 und 6500 (9058-61, 9059-61)
  • Aqua Precise Overground und Underground (16000-20, 16001-20)
Was sie nicht unterstützt: Mähroboter. Die Sileno-Linie nutzt ein anderes Protokoll und ist nicht über die Bluetooth-Integration erreichbar.

Die Funkreichweite ist bei Bluetooth Low Energy auf ungefähr 10 Meter limitiert. Das heißt: der HA-Server (oder ein per ESPHome eingerichteter Bluetooth-Proxy) muss in Reichweite des Geräts sein. Wer einen Wasserhahn am hinteren Ende eines 600-Quadratmeter-Gartens hat, braucht entweder einen Bluetooth-Proxy in der Nähe (ESP32 mit ESPHome, Materialkosten unter 10 Euro) oder muss den HA-Server umziehen. Die Reicherts haben sich für den Bluetooth-Proxy entschieden, einen ESP32-S3 im wettergeschützten Gehäuse am Gartenhäuschen.

Setup-Schritte: Einstellungen > Geräte und Dienste > Integration hinzufügen > Gardena Bluetooth. HA scannt das Umfeld, erkennt die Geräte automatisch und legt zwei Entitäten an: sensor.gardena_soil_moisture und switch.gardena_water_control. Alle Werte werden lokal gelesen, ohne Cloud-Detour. (Blog technikkram.net zur Integration)

Eine Einschränkung im Kleingedruckten der HA-Doku: bei der Water Control Bluetooth ist Offline-Scheduling nicht unterstützt. Das heißt, der Zeitplan, der in der offiziellen Gardena-Bluetooth-App auf dem Handy gespeichert wird, läuft in der App, nicht im Gerät. Wer das Gerät über HA steuert, muss die Schedules in HA-Automationen abbilden. Gleichzeitiger Betrieb mit der App führt zu Konflikten. Bei den Bewässerungsventilen 1285-20 ist Firmware 1.7.23.29 oder neuer notwendig, ältere Firmwares sind nicht getestet.

Vergleich: Gardena vs Eve Aqua vs Tuya

Frau Reichert wollte beim Neukauf eines Wasserhahn-Computers für ein zweites Grundstück bei der Schwiegermutter wissen, ob es eine günstigere Alternative gibt. Ich habe ihr drei Optionen verglichen, alle drei sind in deutschen Haushalten verbreitet.

KriteriumGardena smart Water ControlEve AquaTuya Smart Life
Funk868 MHz zu Gateway oder BluetoothBluetooth oder ThreadZigbee oder WLAN
Hub-PflichtJa (Smart-System) oder nein (Bluetooth)Nein bei Bluetooth, Apple-Hub bei ThreadTuya-Hub oder Gateway
CloudHusqvarna-Cloud (Smart-System)Apple HomeKit, lokalTuya-Cloud (China)
Home AssistantÜber Cloud-API oder BluetoothÜber HomeKit-IntegrationÜber Tuya-Integration oder lokal mit LocalTuya
Programme252 pro Gerät (Smart-System), 3 pro Tag (BT)beliebig in HomeKitüber App
Sensor-IntegrationBodenfeuchte direktnur über separate Eve-Gerätesehr modellabhängig
Preis100 Euro (single) / 140 Euro (dual)145 Euro25 bis 60 Euro
Batterien3x AA, nicht inkl.2x AA, inkl.je nach Modell
HomeKit-Supportseit 2019 vorhandennativüber Bridge
DatenhaltungHusqvarna-Server (Deutschland)lokal, optional iCloudTuya-Server (China)
Quellen für die Tabelle: Galaxus-Vergleich Gardena vs Eve, tink.de Vergleich Eve Aqua vs Gardena, GARDENA Help Center zu technischen Daten.

Für die Schwiegermutter ist Eve Aqua am Ende geworden. Sie hat keinen Garten-Server, keinen Gardena-Gateway, kein Tuya-Konto, dafür ein iPad und ein HomePod-Mini im Wohnzimmer. Eve Aqua geht direkt per Bluetooth in HomeKit, kein Hub nötig, kein Konto, lokale Datenhaltung. Wer ohnehin schon im Apple-Ökosystem lebt, braucht für Bewässerung am Wasserhahn nichts mehr außer dem Gerät.

Privacy: was die Cloud mitschneidet

Husqvarna ist ein börsennotierter schwedischer Konzern mit europäischen Servern, was die DSGVO-Lage einfacher macht als bei Tuya. Trotzdem läuft viel an Daten durch ihre Cloud. Konkret sind das:

  • Wasserverbrauch pro Bewässerungszyklus, in Litern, getrennt nach Ventil
  • Mähzyklen des Sileno, Start, Stop, Strecke (mit LONA: auch Pfad), Akkustand
  • Bodenfeuchte und Bodentemperatur, alle paar Minuten, langfristig gespeichert
  • Lichtmenge im Garten, als Indikator für Sonnenstunden und indirekt Anwesenheit
  • Geolocation des Gateways, IP-basiert und über die App-GPS-Berechtigung
  • Fehler- und Statusmeldungen, dauerhaft
Was die HA-Integration daran ändert: nichts. Die Integration ist ein Wrapper über dieselbe API, die auch die App nutzt. Alle Daten, die in HA landen, sind vorher durch Husqvarnas Cloud durchgegangen. Wer das nicht will, geht den Bluetooth-Weg oder den experimentellen Gateway-Hack. Die Reicherts haben sich pragmatisch entschieden: HA spiegelt die Cloud-Daten, weil der Komfortgewinn (Wetter-Kopplung, Notfall-Stopp, Bodenfeuchte-Logik) für sie wichtiger ist als komplette Datenautonomie. Wer einen anderen Maßstab anlegt, sollte vor dem Kauf entscheiden, welche Linie es wird.

API-Limits, Updates und Maintainer-Drama

Eine Sache, die die Reicherts überrascht hat: die Husqvarna-API hat Rate-Limits, die nicht öffentlich dokumentiert sind. Aus dem HomeSeer-Forum ist bekannt, dass Konten temporär gesperrt werden, wenn ein Client dauerhaft mit kurzen Polling-Intervallen die Cloud löchert. Die py-smart-gardena-Integration arbeitet deshalb mit WebSockets statt mit ständigem Polling, was das Problem in der Praxis entschärft. Wer aus Versehen ein zweites Polling-Tool parallel laufen lässt, riskiert eine Sperre. Der Access-Token läuft nach 86399 Sekunden ab, also fast genau 24 Stunden, und wird automatisch refreshed.

Updates der Integration kommen unregelmäßig. Die py-smart-gardena-Community ist klein, der Hauptmaintainer hat öfter monatelange Pausen. Das ist ein Risikofaktor: wenn Husqvarna die API-Endpunkte umzieht (passiert seit Jahren ein- bis zweimal, zuletzt 2024 in der Authentication API), bleibt die Integration solange kaputt, bis ein Maintainer reagiert. Dauer historisch: zwei bis acht Wochen. Wer auf den Garten als 24/7-Steuerung angewiesen ist, sollte das einkalkulieren und sich nicht auf eine einzige Quelle verlassen.

Es gibt seit Anfang 2026 mit thecem/gardena-smart-system eine zweite, parallel gepflegte Variante derselben Integration, die teils schneller auf API-Änderungen reagiert. Wer Bock auf den Vergleich hat, kann sie alternativ probieren. Funktional sind beide vergleichbar.

Was kostet das, und was bringt es

Bei den Reicherts war die Gardena-Hardware ohnehin da, die HA-Integration hat nichts zusätzliches gekostet. Wer neu einsteigt, kalkuliert grob so:

  • smart Gateway: ab 82 Euro im Preisvergleich, im Set oft inbegriffen (Geizhals-Preisvergleich)
  • smart Sileno Life 750: rund 1100 Euro UVP, im Set mit Gateway 1200 Euro
  • smart Water Control: 100 Euro, das Dual-Set 140 Euro
  • smart Sensor: 80 Euro
  • HA-Server (Pi 5 mit 8 GB): rund 110 Euro, plus Netzteil und SD-Karte
  • ESP32 als Bluetooth-Proxy: unter 10 Euro
Ein komplettes Setup für einen mittleren Garten landet bei rund 1500 bis 1800 Euro. Wer Sileno-Roboter nicht braucht und nur Bewässerung will, kommt mit 250 bis 400 Euro hin.

Was die HA-Integration konkret bringt: keine zusätzliche Funktion, die Gardena ohne HA nicht kann. Was sie bringt, ist Kontrolle. Wetter-Kopplung mit DWD, Bodenfeuchte als echte Trigger-Quelle statt nur als Anzeige, Notfall-Stopps bei Cloud-Ausfall, eingebettete Steuerung im selben Dashboard wie Heizung, Licht und Rollladen. Wer mit Gardena zufrieden ist und nichts vermisst, braucht HA dafür nicht. Wer schon HA hat, will den Garten nicht in einer separaten App haben, und für den ist die Integration genau richtig.

Eine längere Kostenrechnung für Smart-Home-Projekte steht in Smart Home Installation Kosten 2026. Tiefer in die Hardware-Auswahl von Mährobotern jenseits von Gardena gehen Mähroboter Home Assistant 2026 und der Vergleich Kress vs Worx Landroid Vision 2026.

Was 2026 sonst noch passiert: Matter, Roadmap, Husqvarnas Pläne

Das große Thema ist Matter. Die Connectivity Standards Alliance hat im Herbst 2025 die Geräteklassen für Bewässerung und Rasenmäher in den Matter-Standard aufgenommen, mit Ratifizierung in Matter 1.5 Ende 2025 und produktiver Verfügbarkeit erwarteter Geräte ab 2026 und 2027. (Matter-Smarthome zum Status 2026) Husqvarna ist Gründungsmitglied der CSA, hat aber bislang keine Matter-Bridge für das smart system veröffentlicht. Auf Nachfragen im Forum verweist der Hersteller auf 2027 ohne konkrete Zusagen.

Was das praktisch hieße: ein Matter-fähiges Gardena-Gateway würde ohne Cloud-Umweg direkt mit jedem Matter-Controller sprechen (Home Assistant, Apple Home, Google Home, SmartThings), die Daten blieben lokal, die Steuerung würde unabhängig vom Internetzugang. Das ist genau die Architektur, die viele User sich seit Jahren wünschen. Ob Husqvarna sie liefert, ist offen. Solange das nicht da ist, ist die Cloud-API der einzige offizielle Weg, und die Bluetooth-Linie der einzige offizielle lokale Weg.

Mehr zum Matter-Stand insgesamt steht in Matter 1.5 neue Features 2026 und in Matter Controller Home Assistant.

Geeignet für wen, ungeeignet für wen

Klares Ja: Wer schon Gardena-Hardware hat und sie in HA reinholen will. Wer ohnehin Home Assistant nutzt und einen neuen Garten plant. Wer die Bewässerung mit dem Wetter koppeln will. Wer einen Notfall-Stopp braucht, weil die Cloud regelmäßig wackelt. Wer Pellet-Hund-Garten-Situationen über mehrere Sensoren orchestrieren will. Vielleicht: Wer einen kleinen Garten unter 250 Quadratmetern hat und vielleicht mit Eve Aqua plus HomeKit besser fährt. Wer kein HA betreibt und nicht aufbauen will. Wer mit der Gardena-App komplett zufrieden ist und nichts ändern muss. Klares Nein: Wer Cloud-Abhängigkeit grundsätzlich ablehnt und nicht den experimentellen Gateway-Hack mitgehen will, sollte zur Bluetooth-Linie greifen oder gleich zu einem komplett lokalen ESPHome-Setup mit eigenen Sensoren und Ventilen. Beschrieben unter anderem im Blog von Alex Kly, der seit Jahren ein eigenes ESPHome-basiertes Bewässerungssystem dokumentiert. Wer keine Lust auf Application-Key-Hantieren hat und nichts an YAML schreiben will, bleibt bei der Gardena-App.

Was die Reicherts heute machen

Nach drei Wochen Betrieb hat Frau Reichert mir ihre Bilanz geschickt. Der Sileno fährt jetzt durchschnittlich vier Mal pro Woche statt der ursprünglichen sieben, weil die Wetter-Bedingungen häufiger gegen ihn entscheiden. Der Rasen ist trotzdem kürzer und gleichmäßiger, weil er bei tatsächlich gutem Wetter länger läuft. Die Bewässerung am Hochbeet hat in drei Wochen 23 Mal stattgefunden, vorher mit App-Schedule wären es 42 Zyklen gewesen. Wasserverbrauch ist um geschätzt 40 Prozent gesunken. Der Apfelbaum bekommt jetzt mehr Wasser, weil ein zweiter Sensor zeigte, dass die Wurzelballen unter dem Schotter trockener waren als gedacht.

Cloud-Ausfälle gab es seit Mitte Juni zwei. Beide hat die Automation gemerkt und den Wasserzulauf vorsorglich getrennt. Pelle hat es nicht gemerkt. Die Reicherts auch nicht, weil HA ihnen nur eine Push-Notification geschickt hat: "Gardena Cloud offline, Bewässerung gestoppt, kein Eingriff nötig." Genau das war der Punkt, den sie wollten.

Was sie konkret vermissen, ist die LONA-Karte des Sileno. Wenn an einer Stelle der Rasen länger steht, müssen sie immer noch die Gardena-App aufmachen, um zu sehen, ob der Roboter die Fläche überhaupt befährt. Vielleicht löst Husqvarna das mit der nächsten API-Version, vielleicht nie. Bis dahin ist die Gardena-App eine Spezial-App für Karten-Ansichten, alles andere läuft über HA.

Fazit, ehrlich

Das Gardena Smart System ist 2026 ein gutes, ausgereiftes, teures System. Die Cloud-Abhängigkeit ist sein größtes Defizit, vor allem im Hochsommer, wenn Husqvarnas Server gelegentlich überlastet sind und der Garten unter Hitze schreit. Die Home-Assistant-Integration löst dieses Problem nicht (die API geht durch dieselbe Cloud), aber sie macht es beherrschbar: Notfall-Stopps, Wetter-Logik, Bodenfeuchte-Trigger, alles in einem Dashboard mit dem Rest des Smart Homes.

Wer nichts vom Cloud-Zwang loswerden will und nichts braucht außer der App, sollte die Integration ignorieren und bei der Gardena-App bleiben. Wer schon HA hat und die App nervt, holt sich die zwei Stunden Setup ins Haus und gewinnt damit Kontrolle, die kein einzelner App-Hersteller anbietet. Wer komplett ohne Cloud auskommen will, schaut auf die Bluetooth-Linie oder baut sich mit ESPHome und ein paar Magnetventilen ein eigenes System, das auch dann läuft, wenn Husqvarna in fünf Jahren beschließt, die Gardena-Cloud abzuschalten. Diese Variante zeigt unter anderem Smarte Gartenbewässerung mit Home Assistant.

Frau Reichert hat es letzte Woche so formuliert: "Ich wollte einen Garten, der sich selber versorgt. Mit Gardena hatte ich das, solange das Internet ging. Mit Home Assistant habe ich das jetzt auch, wenn es nicht geht." Genau die Lücke, die viele Smart-Garden-Käufer zu spät bemerken, schließt die Integration. Für mehr braucht es Matter, und auf Matter wartet die ganze Branche.