Die deutsche Gartenelektronik-Welt erlebt 2026 eine Revolution, die im Stiller-im-Marketing weniger Aufmerksamkeit bekommt als sie verdient. Mähroboter ohne Begrenzungsdraht, also ohne den dünnen Kupferdraht, den man vor 10 Jahren in den Boden einlassen musste, sind das neue Normal. Stiftung Warentest hat 2025 acht solcher kabellosen Modelle getestet, neben sechs traditionellen. Die kabellosen sind technisch deutlich anspruchsvoller, oft besser, und sie sind auch deutlich teurer.

In dieser Klasse stehen sich zwei Marken gegenüber, die regelmäßig in Foren miteinander verglichen werden: Kress Mission und Worx Landroid Vision. Beide setzen auf KI-basierte Navigation, beide kosten 1.500 bis 2.500 Euro, beide versprechen den Garten ohne Drahtverlegung sauber zu schneiden. Aber sie machen das auf grundlegend unterschiedlichen Wegen, und der Unterschied ist groß genug, dass die falsche Wahl für deinen spezifischen Garten teurer wird als der Preisunterschied vermuten lässt.

In diesem Artikel räumen wir auf, was beide Marken anders machen, welche für welchen Garten passt, und was Stiftung Warentest in ihrer 2026er Übersicht nicht erwähnt.

Das Grundprinzip: Wie man ohne Draht mäht

Bevor wir zum Vergleich kommen, ein technischer Hintergrund. Ein Mähroboter ohne Begrenzungsdraht muss wissen, wo der Garten beginnt und endet, wo er mähen darf und wo nicht. Es gibt 2026 drei dominierende Technologien.

RTK-GPS (Real-Time Kinematic GPS). Hochpräzises GPS-Signal, das die Position auf 1 bis 3 Zentimeter genau bestimmt. Erfordert eine Basisstation, die ein Korrektursignal sendet, plus den Roboter, der dieses Signal empfängt. Sehr zuverlässig in offenem Gelände, schwach unter Bäumen oder neben hohen Hauswänden (GPS-Schatten). Das Verfahren, das Kress mit Mission setzt. Kamera-Vision plus Computer-KI. Der Roboter nutzt eine oder mehrere Kameras zur visuellen Erkennung der Umgebung. Mit lernender KI klassifiziert er Rasen, Beet, Pflaster, Hindernisse. Funktioniert auch unter Bäumen, hat aber Probleme bei schlechtem Wetter und schlechter Beleuchtung. Das Verfahren, das Worx mit Landroid Vision setzt. Hybride Systeme. Manche Hersteller (Husqvarna EPOS, Mammotion Luba) kombinieren RTK-GPS mit Kamera oder LiDAR. Aufwendiger, oft teurer, theoretisch das beste Ergebnis.

Die Kernfrage für deinen Garten lautet: Hast du viel offenes Gelände (RTK-Vorteil) oder verwinkelte Bereiche mit viel Beschattung (Kamera-Vorteil)?

Kress Mission: RTK-GPS-basierte Präzision

Kress ist eine deutsche Marke aus Bietigheim-Bissingen, gegründet 1928. Mission ist die Mähroboter-Linie ohne Begrenzungsdraht, eingeführt 2023, mittlerweile in dritter Generation. Stand 2026: Kress Mission KR133E (für mittlere Gärten) und KR175E (für Großgärten).

Stärken:
  • RTK-GPS-Präzision auf 1 bis 2 cm. Schnittlinien gleichmäßig, gerade Bahnen.
  • Sehr zuverlässig auf offenem Rasen, auch in komplexen Geometrien.
  • Solide Mechanik mit Allwetter-Härte (IP56).
  • Schnitt-Höhe per App einstellbar 20 bis 60 mm.
  • Basisstation kann auf 100 Meter von der Mähfläche stehen.
Schwächen:
  • Unter dichten Bäumen oder neben Hauswänden GPS-Probleme. Mäher fährt manchmal stundenlang nicht oder verliert die Position.
  • Erste Inbetriebnahme: GPS-Kalibrierung kann 2 bis 4 Wochen dauern, bevor die Mähpfade optimal sind.
  • Keine optische Hinderniserkennung. Kleine Hindernisse (Kinderspielzeug, herumliegende Tools) werden überfahren oder den Mäher gestoppt.
  • Preis am oberen Ende: KR133E ab etwa 1.800 Euro, KR175E ab 2.300 Euro.
Wer zu Kress Mission greifen sollte: Garten mit offenem Rasen, wenig Bäume, klar definierte Beetkanten, Wunsch nach geometrischer Präzision beim Schnittbild.

Worx Landroid Vision: KI-Vision plus Cloud

Worx ist eine Marke der Positec-Gruppe, China-basiert, aber international agierend. Landroid ist das etablierte Mähroboter-Sortiment seit 2014. Vision ist die kameragesteuerte Linie ohne Draht. 2026 neu: Vision Cloud und Vision Cloud 4WD.

Stärken:
  • Kamera-KI erkennt Rasen, Beet, Pflaster auch in komplex bewachsenen Gärten.
  • Funktioniert unter Bäumen und in beschatteten Bereichen besser als GPS-only.
  • Echte Hinderniserkennung: Vision sieht und meidet Kinderspielzeug, Gartenwerkzeug, kleine Tiere (Igel als Verkaufsargument).
  • Cloud-basierte KI lernt mit der Zeit und verbessert die Mähpfade automatisch.
  • 4WD-Variante: Allradantrieb für hangige Gärten bis 35 Prozent Steigung.
Schwächen:
  • Cloud-Abhängigkeit. Wenn der Worx-Server down ist, läuft der Roboter eingeschränkt.
  • Datenschutz-Bedenken: Garten-Kamerabilder werden zur Cloud übertragen. Worx sagt, die Verarbeitung sei lokal, aber die Cloud-Nutzung ist erforderlich.
  • Bei schlechtem Wetter (Regen, dichter Nebel) wird die Kamera unzuverlässig.
  • Bei sehr geometrischen Gärten ist das Schnittbild weniger präzise als bei RTK-Modellen.
  • Preis: Vision Cloud ab etwa 1.500 Euro, Vision Cloud 4WD ab 2.200 Euro.
Wer zu Worx Landroid Vision greifen sollte: Garten mit Bäumen, beschatteten Bereichen, oft Kindern oder Tieren auf der Fläche, weniger geometrisch geschnittenen Beeten.

Direkter Vergleich: 12 Kriterien

KriteriumKress Mission KR133EWorx Landroid Vision Cloud
Navigations-TechRTK-GPSKamera-KI
Schnittpräzision offenes Geländesehr gutgut
Schnittpräzision unter Bäumenmäßigsehr gut
Hinderniserkennungschwachsehr gut
Wetterresistenzsehr gut (IP56)gut, schwächer bei Regen
Hangtauglichkeitbis 30 %bis 35 % (4WD-Variante)
Lautstärkeetwa 56 dBetwa 60 dB
Cloud-Abhängigkeitgeringhoch
DatenschutzunkritischKamera-Daten in Cloud
App-Steuerunggutsehr gut
Home Assistant Integrationüber inoffizielles Pluginüber inoffizielles Plugin
Preisklasse1.800 bis 2.300 Euro1.500 bis 2.200 Euro

Was Stiftung Warentest 2026 übersieht

Die Stiftung-Warentest-Übersicht 2026 hat 14 Mähroboter getestet, davon 8 ohne Draht. Die Methodik ist solide, aber drei Aspekte werden in der Schreib-Reduktion meist nicht behandelt.

Aspekt 1: Langzeit-Verlässlichkeit der KI. Worx aktualisiert die Vision-Software regelmäßig per Cloud-Update. Das ist meist gut, kann aber selten zu Verhaltens-Änderungen führen, die der Käufer nicht bestellt hat (etwa veränderte Mäh-Strategien nach Update). Bei RTK-Geräten von Kress sind die Updates seltener und konservativer. Aspekt 2: Service-Verfügbarkeit. Kress hat ein Netz von zertifizierten Händlern in Deutschland mit Werkstatt-Service. Worx setzt mehr auf Online-Support. Wenn dein Roboter im Sommer ausfällt, ist die Reparatur bei Kress oft schneller (5 bis 10 Tage statt 3 bis 4 Wochen). Aspekt 3: Langzeit-Wertbeständigkeit. RTK-Technologie ist robuster gegen Software-Änderungen (GPS-Signale ändern sich nicht). Kamera-KI altert mit den Trainingsdaten. Wer einen 5-Jahres-Horizont hat, ist mit Kress vermutlich zukunftssicherer aufgestellt.

Home Assistant Integration

Beide Marken haben keine offizielle Home Assistant Integration. Es gibt aber Community-Lösungen.

Kress Mission in HA: Über die kress-robotics-Python-Bibliothek und ein Custom Integration auf GitHub. Funktioniert grundsätzlich, ist aber wartungsintensiv. Stand 2026 unterstützt die Bibliothek Status-Abfrage, Start/Stop, Schnitthöhen-Steuerung. Worx Landroid in HA: Über pyworxcloud und Custom Integration. Vollständigere Funktionsabdeckung, weil Worx eine offene Cloud-API hat. Sensor-Werte (Akku, aktuelle Position, Mähzeit) plus Steuerung verfügbar.

Wenn HA-Integration ein zentrales Kriterium ist, hat Worx leicht die Nase vorn.

Wirtschaftlichkeit

Was kostet ein Mähroboter ohne Draht über 5 Jahre?

Kress Mission KR133E:
  • Anschaffung: 1.900 Euro
  • Stromverbrauch jährlich: etwa 40 Euro
  • Wartung (Klingen-Wechsel, Akku nach 3 bis 4 Jahren): etwa 100 Euro/Jahr
  • 5-Jahres-Gesamtkosten: etwa 2.600 Euro
Worx Landroid Vision Cloud:
  • Anschaffung: 1.700 Euro
  • Stromverbrauch: etwa 40 Euro/Jahr
  • Wartung: etwa 80 Euro/Jahr (etwas günstigere Verschleißteile)
  • 5-Jahres-Gesamtkosten: etwa 2.300 Euro
Worx ist über die Lebensdauer etwa 300 Euro günstiger. Bei Premium-4WD-Variante schrumpft der Vorteil.

Praktische Kaufempfehlung

Du hast einen Garten mit überwiegend offenem Rasen, klaren Beetkanten, wenig Bäumen: Kress Mission KR133E. Die RTK-Präzision belohnt jeden Quadratmeter. Du hast Bäume, Buschwerk, Spielwiese mit Kindern oder Hund, viele kleine Hindernisse: Worx Landroid Vision Cloud (oder 4WD bei Hang). Die Kamera-KI ist hier deutlich überlegen. Du hast einen Hang über 25 Prozent: Worx Landroid Vision Cloud 4WD. Die Allradkraft ist nicht zu unterschätzen. Du legst Wert auf Datenschutz und keine Cloud: Kress Mission. Funktioniert auch ohne Cloud-Zugang, nach erster Inbetriebnahme. Du betreibst Home Assistant ernsthaft und willst tiefe Integration: Worx mit Custom Integration. Du suchst Premium-Service in Deutschland: Kress, weil deutsches Händlernetz.

Was du vor dem Kauf prüfen solltest

Vier Praxis-Tipps.

Tipp 1: GPS-Empfang vor Ort testen. Wenn du Kress kaufst, bestelle nicht ohne vorher mit einer Smartphone-GPS-App zu prüfen, dass am gewünschten Standort der Basisstation guter GPS-Empfang ist. In manchen Stadt-Bereichen ist das ein Problem. Tipp 2: Garten-Geometrie zeichnen. Bevor du kaufst, mach dir eine Skizze: Wo Bäume, wo Beete, wo Pflaster, wo Steigung. Diese Skizze macht die Entscheidung Kress vs Worx einfach. Tipp 3: Probe-Tag organisieren. Manche Händler bieten 48-Stunden-Testfahrten an. Das ist Gold wert. Beide Hersteller geben dir kein Geld zurück nach Inbetriebnahme. Tipp 4: Bei Husqvarna gegen-prüfen. Husqvarna EPOS ist Premium-Drahtlos-Mäher der nächsten Stufe, kostet aber 3.500 Euro plus. Wenn du dich zwischen Kress und Worx unschlüssig bist und Geld nicht das Hauptkriterium ist, lohnt sich eine kurze Husqvarna-Recherche.

Eine kurze Praxis-Geschichte

Ein Nachbar von mir, Garten 600 m² mit drei großen Bäumen und einer länglichen Beetreihe entlang der Hauswand, hat 2024 mit Kress Mission angefangen. Erste 6 Wochen war das Ergebnis durchwachsen: GPS-Schatten unter Bäumen führte zu unregelmäßigen Schnittbildern, der Mäher fuhr manchmal stundenlang im Kreis. Nach Software-Updates und Anpassung der virtuellen Grenzen wurde es besser, aber unter den Bäumen blieb es problematisch.

2025 hat er gewechselt zu Worx Landroid Vision Cloud. Erste Eindruck: deutlich höheres Vertrauen unter Bäumen, weniger Schnittlinien-Präzision auf den offenen Flächen. Nach 6 Monaten Lernkurve ist das Ergebnis insgesamt besser als bei Kress, weil sein Garten überwiegend in der "schwierigen" Kategorie ist (Bäume, Beete).

Wäre sein Garten ein offenes Spielfeld, wäre die Antwort umgekehrt. Es kommt wirklich auf den Garten an.

Quellen und Weiterführendes

  • Stiftung Warentest 2026, Mähroboter ohne Begrenzungsdraht
  • Kress Robotik Deutschland, Mission KR133E und KR175E Spezifikation
  • Positec Tool Corporation (Worx), Landroid Vision Cloud Dokumentation
  • smart-home-fox.de, Worx Vision Cloud 4WD Test 2026
  • Roboter-Forum.de, Vergleichs-Diskussionen Kress vs Landroid
  • GitHub: pyworxcloud (Worx Cloud Python Library)
  • GitHub: kress-robotics (inoffizielle Kress API)