Mein Schwager hat sich Anfang Juni ein IKEA TRETAKT bestellt, eine smarte Steckdose, sieben Euro fünfzig im Aktionsregal vom IKEA Augsburg-Gersthofen. Er wollte den Geschirrspüler in der Mietküche fernsteuern, weil er gern Nachts startet, wenn der Strom günstiger ist. Drei Tage später steht das Ding ausgepackt auf der Küchenanrichte, daneben sein iPad, die Apple Home App ist offen, und der QR-Code auf der Steckdose blinkt ihn an. "Soll ich jetzt einfach scannen?", fragt er.

Ich habe ihn gefragt, ob er die Steckdose lieber in Apple Home einbinden will, in seine vorhandene Alexa, oder ob er sie an mein Home Assistant koppeln möchte, das ich ihm letztes Jahr für die Heizung eingerichtet habe. Er hat eine Weile überlegt und dann gesagt: "Alles drei wäre nett."

Genau dafür wurde Matter gebaut. Genau dafür gibt es Multi-Admin. Und genau hier wird es in der Praxis dann manchmal kniffliger als die Werbeprospekte versprechen. Was Matter ist, wie Home Assistant als Matter Controller funktioniert, welche Hardware du brauchst, was 2026 zuverlässig läuft und wo die Hersteller noch dichthalten, das ist der Praxisbericht.

Was Matter eigentlich ist

Matter ist ein anwendungsschicht-Protokoll für Smart-Home-Geräte, das auf IP basiert und herstellerübergreifend funktionieren soll. Es wurde von der Connectivity Standards Alliance entwickelt, der Branchenvereinigung, in der Apple, Google, Amazon, Samsung, IKEA, Aqara und über fünfhundert weitere Hersteller mitarbeiten. Version 1.0 erschien am 4. Oktober 2022. (Wikipedia: Matter Standard))

Seitdem hat die CSA jährlich eine Major-Version nachgelegt. Version 1.2 brachte Kühlschränke, Waschmaschinen, Saugroboter und Luftqualitätssensoren. Version 1.3 ergänzte Energiemanagement und Küchengeräte. Version 1.4 vom 7. November 2024 erweiterte den Standard um Solaranlagen, Batterien, Wärmepumpen, Wassererhitzer und EV-Ladestationen, dazu Enhanced Multi-Admin und HRAP für Router, die gleichzeitig WLAN-Access-Point und Thread Border Router sein dürfen. (CSA: Matter 1.4 enables more capable smart homes) Version 1.5 vom 20. November 2025 brachte endlich Kameras, Bodensensoren, vereinheitlichte Bewegungsmelder für Tore und Garagentore sowie eine Tarif-Schnittstelle für Energieversorger. (macrumors: Matter 1.5 launches with camera support) Und Version 1.6 vom 17. Juni 2026, also vier Tage vor diesem Artikel, hat NFC-Commissioning, Joint Fabric und intelligente Thermostat-Vorschläge eingeführt. (CSA: Matter 1.6)

Was Matter nicht ist: ein Funkstandard. Matter sagt nur, wie die Bits aussehen müssen, sobald sie irgendwo angekommen sind. Den Transport machen WLAN, Ethernet oder Thread, wobei Thread ein eigener Mesh-Funkstandard für Batteriegeräte ist, der auf dem gleichen 2,4-GHz-Radio läuft wie Zigbee. (Home Assistant: Thread Integration)

Wozu ein Matter Controller nötig ist

Ein Matter Controller macht vier Dinge. Er commissioniert neue Geräte, das heißt er nimmt sie ins Vertrauen, übergibt Netzwerkschlüssel und vergibt eine Identität. Er hält die Fabric, also den verschlüsselten Verbund aus Geräten und Controllern, die einander vertrauen. Er routet Steuerungs-Kommandos an die Geräte. Und er empfängt Status-Meldungen zurück.

Jedes Matter-Gerät muss zu mindestens einem Controller gehören, sonst ist es eine teure Plastikbox. Der Controller kann Apple Home auf einem HomePod sein, Google Home auf einem Nest Hub, Alexa auf einem Echo, Samsung SmartThings, Home Assistant, oder zukünftig ein zertifizierter Router mit HRAP-Funktion. Genau hier sitzt der Punkt: wer einen lokalen, herstellerunabhängigen Controller will, landet bei Home Assistant.

Home Assistant als Matter Controller

Home Assistant unterstützt Matter offiziell seit Version 2022.12. Die Integration ist über die Jahre erwachsen geworden. Im Juni 2026 nutzen sie 38,5 Prozent aller aktiven Home-Assistant-Installationen, die laut Telemetrie ihre Daten freigeben. (Home Assistant: Matter Integration) Das ist für eine Integration, die noch keine drei Jahre alt ist, ein respektabler Wert.

Technisch besteht die Matter-Integration aus zwei Teilen. Erstens dem Matter Server, einer eigenständigen Anwendung, die als Add-on installiert wird und die eigentliche Matter-Stack-Arbeit macht. Zweitens der Home-Assistant-Integration, die per WebSocket mit dem Matter Server spricht und Geräte als Entities ins HA-Modell einbindet.

Den Matter Server hat Nabu Casa unter dem Dach der Open Home Foundation entwickelt. Er basierte ursprünglich auf dem offiziellen Matter-SDK von der CSA, geschrieben in Python. (GitHub: matter-js/python-matter-server) Seit Mitte 2025 läuft eine Rewrite auf TypeScript-Basis mit matter.js, weil das Python-SDK an seine Grenzen gestoßen war. In Home Assistant 2026.06 ist die neue matter.js-Variante als Beta verfügbar, der python-matter-server steht offiziell auf "Maintenance Mode" mit Stand Dezember 2025. (Matter Alpha: Home Assistant shifts to matter.js)

Für Endnutzer ändert sich erstmal nichts. Wer Home Assistant OS auf Pi, Yellow oder Green nutzt, klickt im Add-on-Store auf "Matter Server", wartet zwei Minuten und ist fertig. Wer in Docker fährt, hängt sich ein extra Image dazu. (Open Home Foundation Matter Server)

Hardware: was du wirklich brauchst

Drei Sachen entscheiden, ob Home Assistant als Matter Controller bei dir taugt.

Bluetooth Low Energy. Wird gebraucht, um neue Geräte zu commissioneren. Pi 4 und Pi 5 haben BLE eingebaut, Home Assistant Yellow und Green ebenso. Wer Home Assistant in einer VM auf NUC, Synology oder Proxmox laufen lässt, hat in der Regel kein BLE durchgereicht, und commissioning per Smartphone-App war bis Anfang 2026 der einzige Weg. Seit Home Assistant 2026.06 ist mit dem Matter Server 0.7.1 erstmals Bluetooth-Proxy-Support drin, das heißt eine ESPHome-Box oder ein Shelly mit BLE im gleichen WLAN kann das Pairing übernehmen. (SmartHomeScene: Home Assistant Matter Setup ohne Smartphone) Wer also irgendwo im Haus einen ESP32 mit ESPHome stehen hat, braucht für Commissioning keinen USB-BLE-Dongle mehr am HA-Server. Thread Border Router. Pflicht, sobald du Matter-over-Thread-Geräte einbinden willst. Das sind alle Batterie-Sachen: Bewegungsmelder, Tür-/Fenster-Sensoren, Wasserleck-Sensoren, Heizkörper-Thermostate, dazu die meisten Lampen und manche Stecker. Für WLAN-basierte Matter-Geräte, etwa Stromzähler oder Saugroboter, brauchst du keinen TBR. Mehr zur Wahl gleich im nächsten Abschnitt. WLAN-Reichweite. Für Matter-over-WiFi-Geräte muss dein Router die Stelle zuverlässig versorgen, an der das Gerät hängen soll. Bei Steckdosen kein Problem, bei Wasserzählern im Keller-Hauswasseranschluss kann es eng werden. Mesh-WLAN hilft, Repeater auch.

Was 2026 kein Pflicht-Posten mehr ist: Ein eigener Smartphone-Pairing-Bypass. Bis vor ein paar Monaten brauchtest du zwingend die Home-Assistant-Companion-App auf iOS 16+ oder Android 12+, um neue Matter-Geräte aufzunehmen. Heute geht es auch über die Web-Oberfläche, sofern der BLE-Pfad da ist. (Matter Alpha: Home Assistant 2026.1 offers better access to Matter and Thread)

Thread Border Router Optionen 2026

Das ist die Stelle, an der bei Smart-Home-Neulingen die meisten Fragen aufschlagen. Du hast praktisch sechs Wege:

OptionPreisKombiBemerkung
Home Assistant Connect ZBT-1rund 35 EuroZigbee plus ThreadUSB-Stick von Nabu Casa, plug and play in HA OS
Home Assistant Connect ZBT-2rund 58 EuroZigbee plus Thread, stärkere AntenneNachfolger des ZBT-1, seit Q4 2025
Home Assistant Yellowrund 250 EuroKomplettsystem inkl. ThreadEingebauter SkyConnect-Chip
Apple HomePod mini, HomePod 2, Apple TV 4K99 bis 199 EuroApple Home plus ThreadTBR-Credentials werden mit HA geteilt
Google Nest Hub 2, Nest Hub Max, Nest Wifi Pro100 bis 250 EuroGoogle Home plus ThreadCredentials in HA seit 2024.6 nutzbar
Aqara Hub M3rund 100 EuroZigbee, Thread, Matter Bridge, IREthernet plus PoE, Premium-Lösung
Eigener Raspberry Pi plus OpenThread BRrund 80 Euronur ThreadBastellösung über OTBR-Add-on
In der Praxis hat sich der ZBT-2 als die unkompliziertste Wahl etabliert, wenn man Home Assistant ohnehin betreibt. Stick rein, OpenThread Border Router wird automatisch installiert, fertig. Wer schon einen HomePod mini im Wohnzimmer hat, kann den als TBR mitbenutzen, Home Assistant erkennt ihn und holt sich die Netzwerk-Credentials, sobald sie über iCloud Keychain freigegeben sind.

Ein Detail, das oft Ärger macht: Mehrere TBRs im gleichen Haus bilden nicht automatisch ein einziges Thread-Netz. Apple-TBRs spannen ein eigenes "Apple-Network", Google ein "Google-Network", Home Assistant ein "HA-Network". Bis Matter 1.4 mussten Geräte sich für eines entscheiden. Mit den Multi-TBR-Funktionen von HomeKit (iOS 18) und HA 2025.4 lassen sich die Netze inzwischen mergen, aber das ist eher manuelle Bastelei als Plug-and-Play. (Home Assistant Forum: Thread Border Router recommendations)

In meinem eigenen Setup nutze ich Home Assistant auf einem Pi 5 mit einem ZBT-2 als Hauptknoten, dazu einen HomePod mini im Schlafzimmer für die Reichweite im hinteren Stockwerk. Die Konfiguration hat eine Stunde gekostet, davon vierzig Minuten Lesen.

Matter Server installieren

In Home Assistant OS ist es einfach. Settings, Add-ons, Add-on Store. Suche nach "Matter Server". Installieren, Starten, auf grünes Häkchen warten. Settings, Devices and Services, Add Integration, Matter aussuchen, fertig. Der Matter Server läuft im Hintergrund auf dem gleichen Pi, kommuniziert per WebSocket mit der HA-Core und ist transparent.

Für Container-Setups, also Home Assistant Core in Docker auf NAS, Proxmox oder Linux-Server, brauchst du ein eigenes Compose-File für den Matter Server. Wichtig: der Container muss network_mode: host haben, weil Matter mDNS und Thread-Multicast braucht, dazu Zugriff auf den D-Bus-Socket, wenn BLE-Commissioning lokal laufen soll. (Tutorial: Thread/Matter with Home Assistant Docker) Nabu Casa empfiehlt offen, dass Self-Hoster mit Sonderwünschen besser HA OS nutzen. Wer Docker mag, darf, soll aber wissen, was er sich antut.

Eine letzte Voraussetzung, die viele übersehen: IPv6. Thread ist ein reines IPv6-Netz, und auch zwischen Matter-Geräten und Controllern wird IPv6 gebraucht. Wenn dein Router IPv6 abgeschaltet hat, weil "wir brauchen das ja nicht", wird Matter-over-Thread bei dir nicht funktionieren. Bei Fritz!Box ab Werk an, bei vielen Vodafone-Routern an, bei alten TP-Link-Modellen oft aus. (Home Assistant: Thread Integration, Common Issues)

Ein Gerät zum ersten Mal einbinden

Zurück zu meinem Schwager und seiner TRETAKT-Steckdose. Wir haben uns für Home Assistant entschieden, weil er die Steckdose in eine Energie-Automation einbinden wollte, die seine Strompreis-Daten von Tibber liest, und solche Logiken sind in HA ungleich flexibler als in Apple Home.

So lief das Pairing ab:

Schritt 1. Steckdose in die Wand. LED beginnt zu pulsieren. Pairing-Modus aktiv. Auf der Verpackung klebt ein vierzehnstelliger numerischer Code plus ein QR-Code. Schritt 2. Home Assistant Companion App auf seinem iPhone öffnen. Settings, Devices and Services, der dicke blaue Plus-Knopf. Matter aussuchen. Schritt 3. Die App fragt: "Hat dein Gerät einen QR-Code?" Ja. Kamera-Permission erteilt. QR-Code gescannt. Innerhalb von zwei Sekunden meldet die App: "TRETAKT plug gefunden". Schritt 4. Die App fragt nach dem WLAN-Passwort. Eintragen. Pairing läuft etwa 45 Sekunden. Die TRETAKT bekommt einen Namen, "TRETAKT Küche", einen Raum, "Küche". Fertig. Schritt 5. In HA taucht die Steckdose als drei Entities auf: ein Switch, ein Strommesser und ein Energiezähler. Genau das, was die IKEA-Hardware kann.

Gesamt-Aufwand: knapp vier Minuten, ohne dass irgendwann irgendwo "IKEA Home Smart" oder DIRIGERA eingetragen werden musste. Das ist der eigentliche Punkt von Matter.

Bei Thread-Geräten ist der Ablauf identisch, mit einem Unterschied: in Schritt 4 fragt die App nicht nach WLAN, sondern wählt automatisch das nächstgelegene Thread-Netzwerk. Wenn du keinen Thread-Border-Router hast, scheitert es hier, und du kriegst eine entsprechende Fehlermeldung.

Multi-Admin und das Fabric-Konzept

Die Frage, die mein Schwager eigentlich gestellt hatte: kann das Gerät jetzt parallel in Apple Home leben, damit seine Frau es ohne Home Assistant App schalten kann?

Antwort: ja. Genau dafür gibt es Multi-Admin. Jedes Matter-Gerät kann laut Spezifikation in mindestens fünf Fabrics gleichzeitig sein, also fünf voneinander unabhängigen Vertrauensverbänden. Apple Home, Google Home, Alexa, SmartThings und Home Assistant können alle ein und dasselbe Gerät steuern, ohne dass eines davon "Hauptkontrolle" hätte. (Home Assistant: Matter Integration, Multi-Fabric)

Wie geht das? Über sogenannte Sharing-Codes. In Home Assistant öffnest du das Gerät, klickst auf "Share Device with Other Apps", die Integration generiert einen neuen elfstelligen Setup-Code, der 15 Minuten gültig ist. Diesen Code gibst du in der zweiten App ein (Apple Home, Google Home, Alexa, ...), und die zweite App führt ein erneutes Commissioning durch. Das Gerät ist jetzt in zwei Fabrics. (Matter Alpha: How to use Multi-Admin to share devices across ecosystems)

In Apple Home funktioniert das analog: lange auf das Gerät tippen, "Zubehör-Einstellungen", "Kopplungs-Modus aktivieren", Code wird angezeigt. Diesen scannst oder tippst du in HA ein. Bei Google Home heißt es "Verknüpfte Matter-Apps" mit anschließendem "Kopplungscode kopieren".

Bei meinem Schwager haben wir die TRETAKT erst in HA aufgenommen, dann den Sharing-Code generiert, in Apple Home eingegeben, und nach 30 Sekunden tauchte die Steckdose in seinem iPad auf, ohne den Pairing-Modus erneut auslösen zu müssen.

Wo es klemmt: Apple Home spannt zwei Fabrics gleichzeitig auf, eine für den eigentlichen lokalen Controller und eine fürs iCloud-Keychain-Sync. Das frisst zwei der fünf Plätze. Bleiben drei für Google, Alexa, SmartThings und HA. (Matter Alpha: Multi-Admin Limitations) Wer also Apple plus Google plus Alexa plus HA gleichzeitig parallel fahren will, läuft Gefahr, dass das Gerät kein weiteres Fabric mehr aufnimmt. Bei IKEA-Geräten sind aktuell sogar nur drei Fabrics garantiert, bei Aqara meist fünf.

Mit Matter 1.6 vom Juni 2026 kommt das sogenannte Joint Fabric, das genau diese Begrenzung umgeht: ein gemeinsamer Vertrauensverband, in dem mehrere Controller schreiben dürfen, gilt nur als ein Fabric in der Zählung. (macrumors: Matter 1.6 announced with NFC setup and Joint Fabric) In der Praxis wird das aber erst spürbar, sobald sowohl Apple als auch Google als auch HA das eingebaut haben, was nach realistischer Schätzung im Lauf von 2027 passieren wird.

Eine wichtige Einschränkung von Multi-Admin: Automationen wandern nicht mit. Wenn du in HA eine Routine "Sonnenuntergang, Steckdose an" baust, lebt die nur in HA. Apple Home kann das Gerät zwar schalten, weiß aber nichts von der Automatik. Du musst jede Logik in jedem System einzeln aufbauen.

Was 2026 wirklich klappt

Drei Wochen Realbetrieb in meinem eigenen Setup, dazu Erfahrungswerte aus zwei Bekannten-Installationen, ergeben folgende Praxis-Tabelle für Matter via Home Assistant Mitte 2026:

GeräteklasseVerlässlichkeitAnmerkung
Steckdosen mit Strommessungsehr gutTRETAKT, Eve Energy, Aqara P3T-EU laufen sauber
Smarte Lampen (E27, GU10)sehr gutIKEA, Nanoleaf Essentials, Philips Hue ab Bridge 2.0
LED-StreifengutEve Light Strip, Govee H6190 stabil
Bewegungsmelder über ThreadgutIKEA MYGGSPRAY, Aqara Motion, Eve Motion
Tür- und FenstersensorengutIKEA MYGGBETT, Aqara P1, Eve Door
Heizkörper-ThermostatemittelEve Thermo, tado X funktionieren, Vorlage-Temperatur-Sensoren teilweise nicht ausgelesen
Klima-Thermostate (Wandregler)mittelHoneywell T9, ecobee Smart Thermostat Premium klappen, Presets erst seit HA 2026.5
Wasserleck-SensorengutIKEA KLIPPBOK, Aqara Leak
LuftqualitätssensorenmittelIKEA ALPSTUGA läuft, manche Werte fehlen
SaugrobotermitteliRobot Roomba ab j-Serie, Roborock S8 Pro, Service Areas erst seit HA 2026.3
TürschlössergutAqara U200, U300 funktionieren
Markisen und RolllädengutEve MotionBlinds, Aqara Curtain Driver E1
Energiezähler (Stromzähler)aufkommenderste Hersteller seit Matter 1.4, in HA noch experimentell
Solaranlagen, Heimspeicher, Wärmepumpensehr aufkommendMatter 1.4 hat die Klassen definiert, lieferbare Hardware Mitte 2026 noch dünn
Kamerasnicht produktivMatter 1.5 ist da, HA 2026.5 Beta legt Grundlagen, in produktiver Nutzung noch nicht fertig
Das ist Stand Juni 2026. Lampen, Steckdosen, Sensoren und Schlösser sind in der grünen Zone. Thermostate und Saugroboter sind brauchbar, mit Restproblemen. Energieklasse und Kameras sind noch Baustelle, gewinnen aber Tempo. (Home Assistant 2026.3: initial support for Matter RVC service areas) (Home Assistant 2026.5: thermostat presets, neue Vacuum-Oberfläche)

Bekannte Stolperfallen

Vier Sachen, an denen ich mir in den letzten Monaten die Finger verbrannt habe.

Commissioning per Bluetooth auf Pi 4 ist instabil. Mein erster Versuch mit einer Eve Door, der die alte Pi-4-BLE auf 20 Zentimeter Abstand zur Sensorbox brauchte und trotzdem dreimal abbrach. Pi 5 löst das. Wer noch Pi 4 fährt, sollte entweder den Commissioning-Vorgang am Smartphone machen (die App nutzt das deutlich bessere iPhone- oder Pixel-BLE) oder einen ESPHome-Proxy nutzen. IKEA-Geräte halten sich an ihren ersten Thread Border Router fest. Wenn du eine MYGGBETT zuerst über deinen HomePod commissioniert hast, sucht sie auch nach Tagen noch beharrlich den HomePod, selbst wenn der ZBT-2 dichter wäre. Workaround: Long-Press-Reset, neu commissioneren. (Home Assistant Forum: ZBT-2 vs Dirigera) Aqara verschlüsselt seine Bridge-Funktionen. Der M3 ist offiziell Matter-Controller plus Matter-Bridge, das heißt er kann Aqara-Zigbee-Geräte als Matter-Geräte an HA durchreichen. In der Praxis klappt das für die meisten Standardklassen (Sensoren, Steckdosen), aber spezifische Aqara-Funktionen, etwa die IR-Blaster-Steuerung, kommen nicht durch. (ChrisHansenTech: Aqara M3 Hub Setup mit Home Assistant) Wer alle Funktionen will, braucht parallel die Aqara Home App, was den Multi-Vendor-Charme von Matter etwas konterkariert. Fabric-Limit überrascht im Familienbetrieb. Bei der Familie eines Freundes haben wir versucht, eine IKEA-Glühbirne in Apple Home, Google Home und HA gleichzeitig zu haben. Apple, Google plus iCloud, das waren schon vier Fabrics, IKEA garantierte nur drei. HA-Pairing schlug ab dem dritten Versuch fehl. Workaround: Glühbirne aus Apple Home werfen, in HA aufnehmen, von HA aus zurück zu Apple Home teilen. Ergebnis: gleiches Endbild, anderer Weg.

Vergleich zu Zigbee2MQTT und Z-Wave

Wer Home Assistant betreibt und schon einen Zigbee-Stick mit Zigbee2MQTT laufen hat, fragt sich: brauche ich Matter überhaupt?

KriteriumZigbee2MQTTZ-Wave (Z-Wave JS)Matter
Geräte-Katalog 20263500+2700+rund 1500 zertifiziert, schnell wachsend
Hersteller-Mixsehr breitkonservativ, viele Herstellerbreit, alle grossen Plattformen
Lokal vs. Cloudrein lokalrein lokalrein lokal
Meshja, Zigbee meshja, Z-Wave meshja, bei Thread
Batteriesehr gutsehr gutsehr gut bei Thread, mau bei WiFi
Multi-Hubnein, ein Stick = ein Netzneinja, Multi-Admin
Updates der GeräteherstellerabhängigOTA über Z-WaveOTA über CSA DCL
Reife (Mitte 2026)sehr ausgereiftsehr ausgereiftjung, aber stabil
Reaktion bei Netzproblemenautonomautonombei Thread auf TBR angewiesen
Empfohlen fürVeteranen, Bastler, grosse Setupslanglebige Verkabelungenherstellerübergreifende Setups, Multi-Vendor
Mein Rat für 2026: Wer komplett neu startet und nur eine Handvoll Geräte plant, kann mit Matter beginnen und sich Zigbee oder Z-Wave sparen. Wer schon ein gewachsenes Zigbee-Setup hat, hält das parallel und nimmt Matter zusätzlich für neue Sachen dazu. Wer auf maximale Auswahl bei Spezialsensoren angewiesen ist (Indoor-Luftqualität, Geruchssensoren, exotische Schalter), bleibt bis auf weiteres bei Zigbee2MQTT, weil der Katalog dort schlicht größer ist. (Home Assistant Forum: Zigbee2MQTT statt ZHA) (Wired Haus: Zigbee vs Z-Wave vs Matter 2026)

Mehr zur Frage Zigbee vs. Matter steht im Vergleichs-Artikel Zigbee, Thread, Matter im Überblick, den ich Anfang 2025 geschrieben und seitdem zweimal überarbeitet habe.

Matter over Thread oder Matter over WiFi

Beide Welten haben ihre Berechtigung, und du wirst beide haben.

Matter over Thread. Vorteil: extrem stromsparend, Mesh-Routing, kein WLAN-Lärm. Nachteil: braucht TBR, IPv6 muss laufen, einzelne Schlechtwetter-Tage am Heim-Router können Geräte abhängen, weil der TBR nach Internet-Unterbruch oft erst neu aufsetzt. Geeignet für: alles auf Batterie, alle Sensoren, alle Aktoren in Räumen, in denen das WLAN nicht der Held ist. (eufy: Matter vs Thread vs Zigbee Ultimate Review 2026) Matter over WiFi. Vorteil: kein TBR, direkter Anschluss ans bestehende Netz, einfacher Sharing zwischen Ökosystemen. Nachteil: zappelt am WLAN-Strom, Batterie-Tage statt -Monate, kann das WLAN bei vielen Geräten ausbremsen. Geeignet für: Steckdosen am Strom, Saugroboter, Stromzähler, alles mit Display oder Streaming. (Matter Alpha: Why manufacturers use Matter over Wi-Fi, not Thread)

Konkret in meinem Haus laufen sieben Thread-Geräte (zwei Bewegungsmelder, drei Tür-/Fenstersensoren, ein Wasserleck-Sensor, ein Eve Heizkörperthermostat) und vier WLAN-Matter-Geräte (zwei IKEA-Steckdosen, ein Saugroboter, eine Aqara-Steckdose mit Strommessung). Das Verhältnis spiegelt ungefähr, was sich am Markt etabliert hat: Batteriegeräte gehen mehrheitlich auf Thread, Strom-Gespräche aufs WLAN.

Matter 1.4 und 1.5 in der Praxis

Was bedeuten die jüngeren Major-Versionen konkret für jemanden, der heute ein Home-Assistant-Setup hat?

Matter 1.4 (November 2024). Energy-Reporting für Solarwechselrichter, Heimspeicher und Wärmepumpen. Erweiterte Kategorien für EV-Lader. HRAP-Router, also Geräte, die gleichzeitig Wi-Fi-Access-Point und Thread Border Router sind, dürfen sich offiziell zertifizieren. Enhanced Multi-Admin, das den Sharing-Vorgang zwischen Ökosystemen vereinfachen sollte. (Silicon Labs: Matter 1.4 Continues the CSA's Commitment to Unifying the Home)

Für mich als HA-Nutzer war 1.4 das erste Mal interessant, als Matter-fähige Solar-Wechselrichter angekündigt wurden. Bis Mitte 2026 ist der Markt da aber noch dünn: Eve hat zwei Solar-Devices angekündigt, Aqara einen Energiezähler. Die Mehrheit der Wallboxen, Photovoltaik-Wechselrichter und Wärmepumpen kommt 2026 noch nicht mit Matter-Zertifizierung, sondern bleibt herstellerabhängig.

Matter 1.5 (November 2025). Kameras werden ein vollwertiger Matter-Gerätetyp, mit WebRTC-Streaming, Pan-Tilt-Zoom, Bewegungserkennung, Privacy-Zonen und Aufnahme-Modi (Dauerlauf oder Event-Trigger). Soil-Moisture-Sensoren für Garten. Vereinheitlichte Closures-Kategorie, die Rollos, Markisen, Tore und Garagentore unter eine API zwingt. Tarif-API für Energieversorger. (CSA: Matter 1.5 release)

Samsung SmartThings hat als erstes Ökosystem im Februar 2026 Matter-Kamera-Support produktiv ausgerollt. (Matter Alpha: SmartThings announces Matter 1.5 camera support) Home Assistant ist Stand 2026.5 noch in der Beta-Vorbereitung, die WebRTC-Grundlagen sind aber gelegt. Realistisch wird Matter-Kamera-Support in HA ab Herbst 2026 produktiv nutzbar. Bis dahin bleibt es bei Reolink-Integration, go2rtc-Bastelei und herstellereigenen Apps.

Matter 1.6 (Juni 2026). NFC-Commissioning, Joint Fabric, Thermostat-Suggestions. Keine neuen Gerätetypen, dafür Verbesserungen im Alltag. Joint Fabric wird das Fabric-Limit auflösen, NFC macht Pairing ohne QR-Code-Scan möglich, Suggestions erlauben Thermostat-Empfehlungen ohne fixen Befehl. Hardware mit NFC-Matter-Chip kommt voraussichtlich ab CES 2027 (techtimes: Matter 1.6 Fixes Smart Home Setup and Ecosystem Conflicts).

Empfehlung für Einsteiger 2026

Wer mit Home Assistant als Matter Controller anfängt, kauft sich am besten:

  • einen Home Assistant Pi 5 mit 8 GB plus Original-Gehäuse und Lüfter, rund 130 Euro
  • einen Home Assistant Connect ZBT-2, 58 Euro
  • die Home Assistant Companion App auf seinem Handy (kostenlos)
  • als erstes Matter-Gerät eine IKEA TRETAKT für sieben Euro, um den Workflow zu üben
Wer es etwas premium mag, ersetzt den ZBT-2 durch einen Aqara M3 (rund 100 Euro), bekommt damit zusätzlich Zigbee-Bridge, IR-Blaster und gleich noch einen vollwertigen Matter Controller dazu, der parallel zu HA Apple Home und Alexa bedient.

Wer schon Apple Home im Haus hat, schließt einen vorhandenen HomePod mini als zweiten Thread Border Router an, ohne extra Hardware. Wer schon Google Home läuft, nimmt den Nest Hub 2nd Gen. Die Credentials werden in HA mit ein paar Klicks importiert.

Was du nicht brauchst: einen IKEA DIRIGERA. Die Hub-Hardware von IKEA ist zwar Matter-fähig, aber redundant, sobald HA mit ZBT oder einem TBR im Haus läuft. (Tara Guides: Pair IKEA Matter-over-Thread Devices in Home Assistant Without Cloud)

Sollst du Matter oder Zigbee parallel halten?

Meine ehrliche Antwort: ja. Parallel.

Matter ist 2026 erwachsen genug für Lampen, Steckdosen, Sensoren, Schlösser und einige Thermostate. Es ist noch nicht erwachsen für Kameras, exotische Sensoren, viele Marken im günstigen Segment und einige Energie-Geräte.

Zigbee2MQTT hat den deutlich größeren Katalog, ist seit Jahren reif, läuft komplett lokal und kennt auch die billigen Aliexpress-Sensoren, die kein Matter-Logo haben. Z-Wave bleibt erste Wahl, wenn du wirklich rock-solid Stand-Alone-Mesh willst und keine WiFi-Abhängigkeit erträgst, etwa für Vermietungs-Objekte.

Wer eine reine Matter-Insel bauen will, scheitert 2026 noch an dünnem Katalog. Wer Matter konsequent boykottiert, verpasst die Multi-Vendor-Vorteile, die in keinem anderen System so funktionieren. Die Wahrheit liegt dazwischen: ein bisschen Zigbee, ein bisschen Matter, beides über Home Assistant verwaltet.

In den letzten zwölf Monaten habe ich in vier Haushalten Matter eingeführt. Drei davon hatten vorher Zigbee. In allen drei läuft jetzt beides parallel, und in allen drei hat sich Matter still und langsam einen wachsenden Anteil neuer Geräte abgegabelt, ohne dass das alte Zigbee verdrängt wäre. Das ist 2026 das realistische Bild.

Was nach Matter 1.6 noch kommt

Drei Trends zeichnen sich ab.

NFC-Commissioning wird Pairing radikal vereinfachen, sobald Hardware verfügbar ist. Statt QR-Code zu scannen wirst du dein Phone an die Lampe halten, und die Pairing-Daten werden über NFC übertragen, bevor das Gerät überhaupt eingeschaltet ist. Glühbirnen können vor dem Einschrauben commissioniert werden. (CNX Software: Matter 1.6 specification adds NFC-based commissioning) Joint Fabric wird das Fünf-Fabric-Limit auflösen, das heute oft beim dritten Ökosystem zur Bremse wird. Bis das in allen Apps ankommt, wird es zwölf bis achtzehn Monate dauern. Energie-Klassen werden 2027 ernst, sobald die ersten Wallboxen, Wechselrichter und Wärmepumpen mit Matter-Zertifikat in Stückzahl auf den Markt kommen. Damit wird Matter dann auch für komplexe Energie-Setups interessant, die heute noch über herstellereigene Cloud-APIs laufen.

Home Assistant wird voraussichtlich ein bis drei Versionen brauchen, um jede dieser Neuerungen sauber zu integrieren. Wer heute investiert, kauft kein fertiges Produkt, sondern eine Plattform, die mit jedem Update wächst.

Was ich aus drei Jahren Matter-Praxis mitgenommen habe

Mein Schwager hat seine TRETAKT inzwischen seit zwei Wochen in Betrieb. Sie schaltet jeden Abend um 22:30 Uhr den Geschirrspüler an, wenn der Tibber-Stundenpreis unter zwölf Cent liegt. Funktioniert, jede Nacht, ohne Aussetzer. Apple Home zeigt sie als "TRETAKT Küche", seine Frau kann sie ohne irgendeine App auf dem iPad einschalten, und in Home Assistant rennt die Automation lokal, ohne Cloud, ohne Konto bei IKEA.

Genau das war das Versprechen von Matter, als ich es 2022 das erste Mal in einer Presse-Folie gesehen habe. Bis vor zwölf Monaten war ich skeptisch, weil zu vieles wackelig war, zu wenige Geräte am Markt, zu viele Hersteller halbherzig. 2026 sieht das anders aus. Die Hardware-Auswahl ist nicht mehr peinlich, die Home-Assistant-Integration ist erwachsen, Multi-Admin funktioniert in den meisten Konstellationen, und Matter 1.5 plus 1.6 haben die größten Lücken (Kameras, Energie, Fabric-Limit) entweder geschlossen oder den Weg dafür freigemacht.

Was bleibt: Matter ist 2026 keine Plug-and-Play-Magie für Smart-Home-Neulinge. Du brauchst nach wie vor jemanden, der einen IPv6-fähigen Router betreibt, einen Thread Border Router auswählt, ein Add-on installiert, das Fabric-Konzept verstehen will und beim Pairing nicht aufgibt, wenn der erste Bluetooth-Versuch hängt. Wer das hat, kriegt damit das offenste und herstellerneutralste Smart-Home, das es bisher gegeben hat. Ohne Cloud-Zwang, ohne IKEA-Bridge, ohne Apple-only-Geheimnisse.

Wer mit Home Assistant einsteigen will, liest am besten zuerst Smart Home Zentrale 2026 einrichten, danach den Vergleich Zigbee, Thread, Matter und für die nächste Stufe den Aqara M3 Test, der genauer zeigt, was so eine Bridge im Alltag leistet. Wer schon weiter ist und Sprachsteuerung lokal will, schaut in den Voice-Preview-Edition-Test. Und wer Matter zu langweilig findet, kann sich an Home Assistant Infrarot-Steuerung versuchen, da gibt es auch 2026 noch handfeste Bastelarbeit zu erleben.

Mein Schwager sitzt jetzt schon mit dem nächsten Karton auf der Couch. Aqara P3T-EU, ein Aqara-Steckdosen-Set, vier Stück, weil ihm die TRETAKT zu groß ist und er für seine Stehlampen kompaktere Adapter wollte. "Können wir die heute Abend einrichten?", hat er gefragt. Sechs Minuten pro Steckdose. Wir schaffen das vor dem Tatort.