Es war ein Donnerstag im Februar, und meine Frau saß bei sieben Grad im Wohnzimmer, eingewickelt in den dicken Wollpullover, den ihr ihre Mutter zu Weihnachten gestrickt hatte. Sie sagte nichts. Sie schaute mich nur mit diesem speziellen Blick an, den Ehefrauen weltweit beherrschen, einem Blick, der ohne Worte mitteilt, dass die Technik, in die ich vor zwei Jahren so viel Geld gesteckt habe, ihren Test gerade auf spektakulärste Weise nicht bestanden hat.

Was war passiert? Die Homematic-IP-Cloud war über Nacht ausgefallen. Stundenlang. Und mit ihr stand der Heizplan, den ich liebevoll für jeden Wochentag eingerichtet hatte. Die Thermostate fielen auf ihren Notbetrieb zurück, der bei meinem Setup auf eine Wohlfühltemperatur von etwa "Bergsteiger im Basislager" eingestellt war. Sieben Grad. Ich war in einem Hotel auf Geschäftsreise und konnte nicht mal per App nachschauen, was los war, weil die App ohne Cloud nichts macht. Im Smart-Home-Forum schrieben hunderte Nutzer dasselbe: keine App-Verbindung, keine Zeitprogramme, keine Sprachsteuerung, kein gar nichts. (smarthomeassistent.de, mobiflip.de)

An diesem Abend habe ich beschlossen, dass es so nicht weitergeht. Nicht weil ich an Homematic-IP-Geräten irgendetwas auszusetzen hätte. Die Heizkörperthermostate sind solide gebaut, das Funkprotokoll ist verschlüsselt, die Batterien halten ewig. Sondern weil mir kein Hersteller der Welt zwischen meine Heizung und mich gehört, schon gar nicht über eine Cloud, die ich nicht kontrolliere.

Was folgt, ist die Geschichte, wie ich Homematic IP von der eQ-3-Cloud abgenabelt habe: mit einer CCU3, dann mit RaspberryMatic (das inzwischen OpenCCU heißt), und am Ende mit einem WireGuard-Tunnel auf einen Hetzner-Server, der mir den Fernzugriff zurückgegeben hat, den die Cloud mir nahm. Und natürlich mit Home Assistant als Gehirn obendrauf, weil ich ohnehin schon alles andere dort verkabelt habe.

Warum die Cloud bei Homematic IP überhaupt mitmischt

Bevor wir an die Lösung gehen, lohnt ein Blick auf das Problem. Homematic IP ist nicht das gleiche wie das ältere Homematic-System, auch wenn der Name verwirrend ähnlich klingt. Das alte Homematic lief seit jeher rein lokal mit einer Zentrale wie der CCU2. Homematic IP hingegen wurde 2014 mit einem Cloud-First-Ansatz gelauncht. Der Standardweg ist: Du kaufst einen Access Point (HmIP-HAP), steckst ihn ins Heimnetz, lädst dir die App runter, und die App spricht über die eQ-3-Cloud mit deinem Access Point, der seinerseits per Funk mit den Geräten redet. Ohne Cloud, keine App, keine Zeitprogramme, keine zentrale Logik. (Contronics Newsletter, HIFI.DE)

Bemerkenswert ist, dass die Geräte selbst keinen Datenleck-Skandal sind. Das HmIP-Funkprotokoll ist mit AES-128 verschlüsselt und authentifiziert, das VDE-Institut hat die Plattform mehrfach für ihre Protokoll-Sicherheit zertifiziert. (Homematic IP, Homematic Inside) Die Geräte tun also genau das, was sie sollen. Es ist die Architektur drumherum, die einen Single Point of Failure namens "eQ-3-Cloud" hat.

Was bei einem Cloud-Ausfall trotzdem noch funktioniert: die direkten Funkverbindungen zwischen einzelnen Geräten, sogenannte Direktverknüpfungen. Wenn du also einen Wandtaster direkt mit einem Heizkörperthermostat gekoppelt hast, schaltet der weiterhin, weil das lokal über Funk läuft. Was nicht mehr läuft: alles, was die zentrale Logik braucht, also Zeitprogramme, App-Zugriff, Sprachassistenten, Automationen über mehrere Geräte hinweg. (CoHoB, haustechnikverstehen.de)

Genau dieses Geflecht ist bei mir im Februar gerissen, und genau das war der Grund, eine lokale Zentrale ins Haus zu holen.

Die CCU3 als lokaler Anker

Die offizielle Antwort von eQ-3 auf den Cloud-Wunsch heißt CCU3. Sie ist eine kleine schwarze Box mit Funkmodul, Web-Oberfläche und Ethernet-Anschluss, kostet je nach Aktion zwischen 160 und 200 Euro und ist die einzige eQ-3-eigene Zentrale, die Homematic-IP-Geräte komplett lokal betreibt. Sie kann beides: das klassische Homematic-Funkprotokoll und das neuere HmIP-Protokoll. Damit ist sie auch der einzige sinnvolle Weg, wenn du Bestandsgeräte aus beiden Welten hast. (Techtest, Homematic IP)

Die Web-Oberfläche der CCU3 sieht aus wie ein Industrieanlage-Konfigurator aus 2008, in dem sich ein Maschinenbau-Praktikant ausgetobt hat. Es gibt unzählige Menüs, kryptische Bezeichnungen, eingebettete Java-Reste. Das ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil man sich am Anfang fragt, ob hier wirklich kein Designer reingeschaut hat. Segen, weil unter der häßlichen Oberfläche ein extrem mächtiges System steckt, das alles lokal beherrscht, was die App-Welt nur über die Cloud kann. (DigitalDad)

Was die CCU3 lokal kann und was der Access Point nur über die Cloud kann, ist eine längere Liste. Auf der CCU3 laufen Zeitprogramme, komplexe Verknüpfungen, Skripte in einer Sprache namens HM-Script, dazu Add-ons über CCU-Add-on-Pakete. Per Plugin lässt sich die CCU3 sogar an die Homematic-IP-Cloud anbinden, falls du parallel die App nutzen willst, aber das ist optional. (Homematic-Inside CCU3-Plugin PDF)

Eine wichtige Information, die in vielen Kaufberatungen fehlt: eQ-3 hat im Frühjahr 2026 angekündigt, dass die CCU3 keine Updates mehr für neue Geräte bekommt. Bestehende Setups laufen weiter, aber wer ein nigelnagelneues Homematic-IP-Produkt von 2027 nutzen will, soll auf die neuere HCU umsteigen. Ab 2027 will eQ-3 immerhin die CCU3 offen genug machen, dass Community-Anpassungen möglich sind. Für Bestandsnutzer ist das eher beruhigend als alarmierend. (HomeMatic-Forum CCU3 Ende 2026, HomeMatic-Inside)

RaspberryMatic, jetzt OpenCCU

An dem Punkt, wo viele Smart-Home-Hobbyisten in Zukunftssorgen verfallen, kommt die Community ins Spiel. Seit Jahren pflegt der Entwickler Jens Maus ein Buildroot-Image, das die CCU-Firmware auf praktisch jeder Hardware lauffähig macht: Raspberry Pi, x86-Server, virtuelle Maschinen, Docker-Container. Das Projekt hieß lange "RaspberryMatic" und wurde im Oktober 2025 in "OpenCCU" umbenannt, weil der Funktionsumfang über Raspberry Pi hinausgewachsen ist. Es ist frei, es ist Open Source, und es zielt explizit auf hundertprozentige Kompatibilität mit der originalen CCU3-Firmware. (OpenCCU/GitHub, OpenCCU Website)

Praktisch heißt das: Du brauchst einen Raspberry Pi 4 (oder eine x86-Kiste oder einen Proxmox-Server), einen kompatiblen Funkstick (HmIP-RFUSB oder das RPI-RF-MOD-Modul für den Pi), und das fertige Image. Image auf eine SD-Karte oder SSD schreiben, einstecken, einschalten. Beim ersten Boot meldet sich der Pi als http://openccu/ im Browser, und du landest in derselben Web-Oberfläche, die du auch bei einer richtigen CCU3 sehen würdest. Eine Migration von einer CCU3 ist über das Backup-Restore möglich, das funktioniert genauso wie zwischen zwei CCU3s. (OpenCCU Wiki Installation)

Was viele unterschätzen: OpenCCU ist nicht "ähnlich wie die CCU3", sondern in vielen Aspekten besser. Schneller, weil moderne Hardware. Stabiler, weil aktiv gepflegt. Erweiterbar, weil die Community Add-ons baut, die eQ-3 selbst nie anbieten würde. Und vor allem: Du wählst die Hardware. Ein Raspberry Pi 5 mit M.2-HAT und SSD läuft jahrelang stabil und kostet inklusive Funkmodul nicht mehr als eine CCU3, oft sogar weniger.

Wer sich nicht an einen Raspberry Pi traut, bekommt das gleiche Konzept als ELV-Charly-Bausatz fertig, also Pi plus Funkmodul plus Gehäuse plus Netzteil. Charly läuft wahlweise mit OpenCCU oder mit der originalen CCU3-Firmware. Das ist die bequeme Variante für Leute, die löten kein Hobby finden. (Homematic-Inside Charly)

Migration: Vom Access Point zur lokalen Zentrale

Hier wird es technisch, weil eQ-3 die Migration nicht ganz so glatt gemacht hat, wie man es sich wünschen würde. Wer Homematic-IP-Geräte am Access Point hat und sie auf die CCU3 (oder OpenCCU) übernehmen will, muss durch einen geordneten Schritt-für-Schritt-Prozess. (ELV Forum, HomeMatic-Forum Wechsel von AP zu CCU3)

Schritt eins ist die System-Übertragung in der App. eQ-3 bietet einen Migrations-Assistenten, der die Geräte vom Access Point auf eine neue Zentrale umzieht. Wichtig dabei: Du kannst optional die Messdaten der letzten 12 Monate mitnehmen, aber nur einmalig bei der Migration. Vergisst du den Haken, sind die historischen Verbrauchsdaten weg. Wer auf eQ-3s neuere HCU umzieht, hat einen offiziellen Migrationspfad inklusive Cloud-Daten-Transfer. (Homematic IP Blog Systemübertragung)

Schritt zwei ist das Anlernen an die CCU3 oder OpenCCU. Das funktioniert ähnlich wie am Access Point: In der Web-Oberfläche "Geräte anlernen" klicken, dann auf jedem Gerät die Systemtaste kurz drücken, und das Gerät meldet sich nach etwa 60 Sekunden im Posteingang der Zentrale. Wenn du die Geräte vorher nicht sauber am alten Access Point abgemeldet hast, bekommst du eine Fehlermeldung, weil das Gerät noch denkt, es gehöre der alten Zentrale. In dem Fall: kurz beim Hersteller-Reset-Vorgang die Zuordnung löschen und neu anlernen. (Symcon Community, HomeMatic-Forum)

Schritt drei und der pragmatische Tipp aus eigener Erfahrung: Mach das geräteweise, nicht im Big-Bang. Erst die Heizkörperthermostate, weil die am wichtigsten sind. Dann Wandtaster, dann Türfenster-Kontakte, dann die kleinen Helferlein wie Schaltsteckdosen. So vermeidest du, dass du an einem Wochenende plötzlich ohne funktionierendes Heizungssystem dastehst, weil ein Pairing-Schritt nicht durchgegangen ist.

Bei mir hat die Migration für ein Setup mit zwölf Thermostaten, drei Wandtastern, vier Türfenster-Kontakten und zwei Schaltsteckdosen einen halben Sonntagnachmittag gedauert. Mit Tee und Musik im Hintergrund war das fast meditativ. Mit einer schreienden frierenden Familie wäre es Horror gewesen.

Fernzugriff ohne Cloud: WireGuard auf einen Hetzner-VPS

Sobald die Geräte lokal an der CCU3 oder OpenCCU hängen, gibt es ein letztes Problem zu lösen: Wie komme ich von unterwegs an meine Heizung? Die offizielle Antwort wäre, die CCU3 doch wieder über das Plugin an die Cloud anzubinden. Aber dann wäre der ganze Migrationsaufwand für die Katz, denn die Cloud bleibt der Single Point of Failure.

Die elegantere Lösung heißt VPN. Konkret: WireGuard, ein modernes VPN-Protokoll, das in den Linux-Kernel eingebaut ist, schnell wie der Wind und absurd einfach zu konfigurieren. Du baust einen verschlüsselten Tunnel zwischen deinem Smartphone und deinem Heimnetz, und sobald der Tunnel steht, bist du im Heimnetz, als säßest du daheim. Du rufst die CCU3-Weboberfläche unter ihrer lokalen IP auf, oder Home Assistant unter seiner. Keine Cloud im Spiel, kein Mittelsmann. (Hetzner Docs WireGuard, Hetzner Community Tutorial)

Jetzt kommt der eigentliche Trick. Viele Internetanschlüsse in Deutschland sind mittlerweile bei DS-Lite oder CGNAT, was bedeutet, dass dein Router keine eigene öffentliche IPv4-Adresse hat. Damit ist klassischer VPN-Zugang von unterwegs aus erstmal nicht möglich, weil dein Router von außen nicht direkt erreichbar ist. Die Lösung: ein günstiger virtueller Server, etwa bei Hetzner, der eine feste öffentliche IP hat und als Relay zwischen Smartphone und Heimnetz dient. (ToreSalvatore Tutorial)

Der Aufbau sieht so aus: Auf dem Hetzner-VPS läuft WireGuard. Dein Raspberry Pi (oder ein Gerät im Heimnetz) baut einen permanenten WireGuard-Tunnel zum Hetzner-Server auf, sobald er startet. Dein Smartphone baut ebenfalls einen Tunnel zum Hetzner-Server. Der Hetzner-Server routet zwischen den beiden, und plötzlich kann dein Smartphone direkt mit deinem Raspberry Pi und damit auch mit der CCU3 reden. Für etwa 4 bis 10 Euro im Monat hast du damit einen Fernzugriff, der vollständig in deiner Hand ist.

Wer keinen DS-Lite-Anschluss hat, kann das gleiche direkt zwischen Smartphone und Heimnetz machen, ohne Zwischenstation, indem auf dem heimischen Router WireGuard konfiguriert wird. Eine Fritzbox kann das nicht von Haus aus, ein OPNsense-Router oder ein modernes Mesh-System mit OpenWrt schon. Wer eine FritzBox mit aktuellem FritzOS hat, kann alternativ das integrierte WireGuard-Feature nutzen, aber mit Einschränkungen bei der Routing-Flexibilität.

Für den Hetzner-Setup gibt es eine vorkonfigurierte WireGuard-App im Cloud-Marketplace, die einem fast alles abnimmt. Ein paar Klicks, eine Schlüsselgenerierung im Web-Interface, fertige Config-Datei runterladen, in die WireGuard-App auf dem Smartphone importieren. Konkret habe ich mir einen CX22-Server (2 vCPU, 4 GB RAM, 40 GB SSD) für 4,55 Euro im Monat gegönnt. Für reines VPN-Routing absoluter Overkill, aber so habe ich nebenbei noch Platz für andere Sachen.

Home Assistant als Gehirn

Wenn du, wie ich, ohnehin schon Home Assistant betreibst, willst du die Homematic-IP-Geräte natürlich dort einbinden. Genau dafür gibt es die HACS-Integration "homematicip_local", entwickelt von SukramJ, die als de-facto-Standard für die HomeMatic-Anbindung an Home Assistant gilt. Sie spricht direkt mit der CCU3 oder OpenCCU über lokale XML-RPC- und JSON-RPC-Schnittstellen, ohne Umweg über die Cloud. (SukramJ/homematicip_local, Home Assistant Blog 2022)

Die Einrichtung ist deutlich weniger schmerzhaft als man erwarten würde. HACS installieren, Custom Repository hinzufügen, "Homematic(IP) Local" suchen, installieren, Home Assistant neu starten. Dann in den Integrationen die CCU3 mit ihrer IP-Adresse und einem Benutzernamen plus Passwort hinzufügen. Innerhalb von wenigen Minuten erscheinen alle deine Geräte als Entitäten in Home Assistant, mit allen Funktionen, die die CCU3 selbst exponiert. Heizkörperthermostate haben Soll- und Ist-Temperatur, Aktoren haben Schaltzustände, Türkontakte haben Auf-Zu, Wandtaster haben Tastendrücke als Events. (OpenCCU Wiki Home Assistant Integration, Home Assistant Community)

Was dann erst die wirkliche Stärke ausspielt: Mit Home Assistant kannst du die Homematic-IP-Geräte in deine bestehenden Automationen einbauen, ohne dass du an die CCU3-Web-Oberfläche denken musst. Soll deine Heizung sich nach deinem Tibber-Strompreis richten und an günstigen Stunden vorheizen? In der CCU3 wäre das ein Albtraum aus HM-Script und Kompromissen. In Home Assistant ist es eine Automation mit drei Bedingungen. Mehr dazu in unserem Artikel zu Tibber und smarter Heizungssteuerung und zur Logik in Heizkosten senken mit smarter Steuerung.

Eine wichtige Beobachtung: Die HACS-Integration funktioniert technisch auch mit dem Homematic-IP-Access-Point, aber dann läuft die Verbindung über die eQ-3-Cloud, und du hast nichts gewonnen. Erst die Kombination mit einer lokalen Zentrale (CCU3 oder OpenCCU) macht das Setup wirklich cloud-frei. (Home Assistant Community HmIP-HAP only)

Was du auf Cloud nicht ersetzen kannst

Bei aller Begeisterung für lokale Setups gibt es Funktionen, die ohne Cloud schlicht nicht laufen, und es ist fair, sie zu nennen.

Die Sprachassistenten-Integration ist Cloud-Only. Wer Alexa oder Google Home benutzen will, um per Sprache die Heizung anzupassen, ist auf die Anbindung des Homematic-IP-Access-Points über die eQ-3-Cloud angewiesen. Es gibt zwar Workarounds über Home Assistant plus Nabu Casa, plus Alexa-Custom-Skill, aber das ist eine andere Kette mit anderen Abhängigkeiten. Wer rein lokal denkt, nimmt sowieso einen lokalen Sprachassistenten wie Rhasspy.

Die Wetter-basierten Automationen, die eQ-3 in der App anbietet, basieren auf einem Wetter-Service in der Cloud. Lokal müsstest du dir die Wetterdaten anders besorgen, etwa über die DWD-API in Home Assistant. Funktioniert, ist aber Eigenarbeit.

Push-Benachrichtigungen auf das Smartphone der Standard-App gehen nicht ohne Cloud. Wieder: über Home Assistant und Pushover oder ntfy.sh sind Push-Benachrichtigungen kein Problem, aber halt nicht aus der Homematic-IP-App heraus.

Die Standard-Energie-Statistiken, die in der App angezeigt werden, sind ein Hybrid aus lokalen Sensordaten und Cloud-Verarbeitung. Lokal hast du die Rohdaten, kannst sie aber selbst aufbereiten, etwa über die Energy-Komponente in Home Assistant. Eine schöne, hübsche Darstellung "out of the box" wie in der eQ-3-App gibt es nicht.

Welcher Weg für wen

Nach zwei Jahren mit drei verschiedenen Setups in drei verschiedenen Wohnungen (lange Geschichte, anderer Artikel) sortiere ich es so ein:

Wer einen reinen Homematic-IP-Access-Point hat und gerade erst gemerkt hat, dass die Cloud-Abhängigkeit ein Problem ist, sollte sich nicht überstürzt auf OpenCCU stürzen. Die einfachste und sauberste Lösung ist die offizielle CCU3 für ungefähr 180 Euro. Migration über den Assistenten, Bestandsgeräte übernehmen, Cloud-Plugin optional bei Bedarf zuschalten. Risiko gering, Lernkurve flach. Anschließend WireGuard auf Hetzner einrichten, wenn Fernzugriff gebraucht wird.

Wer Spaß an offenen Systemen hat, schon ein paar Raspberry Pis im Haus stehen hat oder bewusst keine zusätzliche Hardware kaufen will: OpenCCU auf einem Raspberry Pi 4 oder 5, plus HmIP-RFUSB-Stick (etwa 35 Euro) oder RPI-RF-MOD-Modul. Etwas mehr Bastelarbeit, aber dafür mehr Kontrolle, mehr Add-ons, und du bist vom eQ-3-Releaseplan unabhängig.

Wer ganz neu in Smart Home einsteigt und sich überlegt, ob Homematic IP überhaupt das richtige System ist, sollte zuerst unseren Artikel zu tado vs. Homematic IP lesen. Homematic IP ist nicht für jeden die richtige Wahl, gerade wenn du in der Mietwohnung wenig modifizieren willst. Auch interessant in dem Kontext: unser Z-Wave vs. Zigbee Vergleich 2026, weil mit Z-Wave eine ähnliche Logik (lokal-first, ohne Cloud) ohne den HmIP-Eigenheiten verfügbar ist.

Wer schon ein gewachsenes Home-Assistant-Setup hat und Homematic-IP-Geräte aus Bestandsgründen einbinden will: OpenCCU plus HACS-Integration ist heute der Pfad mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Stabilität. Vorausgesetzt, du hast ohnehin schon Spaß an dem Werkzeug. Für die Grundlagen lohnt sich unser Einsteiger-Artikel zu Home Assistant Fernzugriff einrichten, der die WireGuard-Konzepte aus diesem Text vertieft, und für die Auswahl der Funkbrücke der Aqara Hub M3 Test, der die Multi-Hub-Problematik aus einer anderen Perspektive zeigt.

Was meine Frau dazu sagt

Die kurze Antwort: Sie sagt nichts mehr, was ein gutes Zeichen ist. Seit der Migration steht die Heizung auch dann brav auf 21 Grad, wenn die eQ-3-Cloud sich mal wieder freinimmt. Die letzte Cloud-Störung im April 2026 haben wir gar nicht gemerkt, weil unsere Geräte gar nicht mehr mit der Cloud reden. (mobiflip.de April 2026 Störung)

Die etwas längere Antwort: Sie hat aufgehört zu fragen, wann ich endlich was vernünftiges am Computer arbeite, weil sie selbst gemerkt hat, dass Bastelnachmittage am Raspberry Pi durchaus konkrete Auswirkungen auf Komfort und Stromrechnung haben können. Ein guter Tag im Smart-Home-Hobby ist genau der Tag, an dem du die Heizung anpasst, ohne dass das jemand merkt.

Und der Wollpullover? Hängt jetzt griffbereit am Garderobenständer. Nicht weil wir ihn brauchen, sondern als Mahnmal. Manchmal hilft so etwas, sich an die Gründe zu erinnern, warum man Wochenenden in Konfigurationsdateien versenkt.


Quellen: