!Reihe von Stromzählern an einer Außenwand mit Leitungsrohren
Im Juli 2025 schrieb ein Nutzer namens Chuwachilo im simon42-Forum, sein USB-Lesekopf werde von Home Assistant zwar erkannt, liefere aber nichts. Kein Wert, keine Entität. Er hatte die PIN beim Netzbetreiber angefordert und eingegeben, den Kopf gedreht, die Integration gewechselt, auf die WLAN-Variante umgestellt. Der Test auf der Kommandozeile blieb leer. Sein Zähler war ein Holley DTZ541-ZEBA. Am Ende fand er die Ursache: Die Sendediode des Zählers war schlicht zu schwach für seinen Lesekopf. Er gab auf und setzte einen eigenen Messzähler auf die Hutschiene.
Das ist kein typischer Verlauf, aber ein lehrreicher. smarterkram.de beschreibt die Einrichtung als Sache ohne komplizierte Hardware und ohne lange Bastelei, und für die meisten Zähler stimmt das auch. Wer aber an der falschen Stelle hängenbleibt, sucht lange. Und die falschen Stellen sind fast immer dieselben: die PIN, die Firmware, die Art, wie Home Assistant die Werte einordnet, und eine Handvoll Zählermodelle mit Eigenheiten.
Es gibt drei übliche Wege, den Zähler in Home Assistant zu holen. Wir gehen sie der Reihe nach durch, mit den Fallen, die Nutzer tatsächlich dokumentiert haben, und am Ende steht, welchen wir selbst nehmen würden.
Was Ihr Zähler überhaupt verrät
In den meisten deutschen Zählerschränken hängt inzwischen eine moderne Messeinrichtung. Laut Verbraucherzentrale hatten Ende 2025 mehr als 54 Prozent der Messstellen eine, bis 2032 sollen alle Haushalte digital gemessen werden. Eine moderne Messeinrichtung sendet von sich aus nichts nach außen. Sie zeigt den Verbrauch auf dem Display an und hat vorne eine kleine Infrarot-Schnittstelle, ein kleines Fenster für Infrarotlicht, eingefasst von einem Metallring. An diesem Ring hält der Magnet, den praktisch jeder Lesekopf mitbringt.
Hängt an Ihrem Zähler zusätzlich ein Smart-Meter-Gateway, ist es ein intelligentes Messsystem. Das Gateway hat eine eigene Schnittstelle fürs Heimnetz, die HAN-Schnittstelle, über die Sie laut Wikipedia Ihre Verbrauchs- und Einspeisewerte abfragen können. Die Infrarot-Schnittstelle am Zähler selbst bleibt davon unberührt und ist, so steht es im selben Artikel, "für den Kunden offen". Für den Lesekopf ist es also egal, ob ein Gateway dranhängt.
Was der Zähler über die Schnittstelle schickt, hängt von seiner Einstellung ab. Die wichtigsten Werte tragen sogenannte OBIS-Kennzahlen:
| OBIS-Kennzahl | Bedeutung |
|---|---|
| 1.8.0 | Zählerstand Bezug in kWh |
| 2.8.0 | Zählerstand Einspeisung in kWh |
| 16.7.0 | Aktuelle Leistung in Watt, über alle Phasen |
| 36.7.0, 56.7.0, 76.7.0 | Leistung je Phase L1 bis L3 |
Erst die PIN, dann der Lesekopf
Bevor Sie Geld ausgeben, rufen Sie den Messstellenbetreiber an. Das ist nicht unbedingt Ihr Stromanbieter. Die WEMAG weist in ihren FAQ ausdrücklich darauf hin, dass sie als Versorger die PIN aus Datenschutzgründen gar nicht herausgeben darf, Sie müssen sich an den zuständigen Messstellenbetreiber wenden. Wer das ist, steht auf der Stromrechnung. Bei der WEMAG Netz etwa lässt sie sich über die Website anfordern.
Eingegeben wird sie am Zähler selbst. Die Home-Assistant-Dokumentation zur EDL21-Integration beschreibt den Ablauf: PIN eingeben, ins Menü "InF" wechseln und von "InF=Off" auf "InF=On" umstellen. Das geschieht entweder mit einer Taste am Zähler oder, wenn keine da ist, mit einer Taschenlampe, die Sie auf das optische Feld richten. Ziffern mit Lichtblitzen in einen Zähler einzugeben, hat etwas von Morsen, und rechnen Sie ruhig damit, dass es beim ersten Versuch nicht klappt. bitShake nennt in seiner Anleitung als Zielzustand "Inf" auf On und "Pin" auf Off.
Unsere Meinung dazu ist deutlich: Ohne PIN sollten Sie keinen Lesekopf kaufen, jedenfalls nicht, wenn Sie mehr wollen als einen Zählerstand, den Sie auch einmal im Monat abschreiben könnten.
Weg 1: WLAN-Lesekopf mit Tasmota
Das ist der Weg, den die meisten gehen. Ein kleiner Kopf mit Magnet sitzt auf der Schnittstelle, ein Kabel führt zu einem ESP-Modul mit WLAN, das per USB-Netzteil Strom bekommt. Die bekannten Anbieter in Deutschland sind bitShake und Hichi. Den bitShake SmartMeterReader in der UART-Version nennt smarterkram.de im Juli 2025 mit 26,90 Euro.
Was in kaum einer Kaufberatung steht: Die normale Tasmota-Firmware kann gar keine Stromzähler lesen. Laut Tasmota-Dokumentation steckt die Smart-Meter-Schnittstelle in keiner der fertig kompilierten Versionen. Wer sie will, muss Tasmota selbst kompilieren, mit Scripting und dem SML-Treiber. Die fertigen Leseköpfe lösen das, indem sie eine eigene Tasmota-Version mitbringen. bitShake schreibt dazu, der Kopf habe ab Werk eine "speziell für die bitShake-Hardware kompilierte Tasmota-Version", Updates sollen ausschließlich über deren eigene Software laufen. Wer also nach unserem Artikel zum Tasmota-Flashen aus Gewohnheit eine Standard-Firmware aufspielt, hat danach einen Lesekopf, der nichts mehr liest.
Die Einrichtung läuft so:
- Kopf per USB mit Strom versorgen, mit dem WLAN "tasmota-xxxxx" oder "bitShake-xxxxx" verbinden, unter 192.168.4.1 Ihr Heimnetz eintragen.
- Unter "Tools" und "Script Configure" das Skript für Ihren Zähler einfügen, "Script enable" anhaken, speichern.
- Den Kopf mit dem Kabel nach unten auf die Schnittstelle setzen.
- Unter "Configure MQTT" Ihren Broker eintragen. Home Assistant erkennt das Gerät dann über die Tasmota-Integration.
>D
>B
=>sensor53 r
>M 1
+1,3,o,0,9600,METER,1
1,1-0:1.8.0*255(@1,Energy In,kWh,E_in,3
1,1-0:2.8.0*255(@1,Energy Out,kWh,E_out,3
1,1-0:16.7.0*255(@1,Power,W,Power,0
Die Zeile mit dem Pluszeichen beschreibt den Zähler: GPIO 3 als Empfangspin, Typ "o" für OBIS im Textformat, 9600 Baud. Spricht Ihr Zähler das binäre SML-Protokoll, steht dort ein "s". Die Zeilen darunter holen sich je einen Wert. Sie müssen das nicht verstehen, um es zu benutzen, aber es hilft, wenn ein Wert fehlt: Steht eine Kennzahl nicht im Skript, kommt sie auch nicht in Home Assistant an.
Unser Rat: Suchen Sie das Skript nach dem genauen Modell auf dem Typenschild, nicht nach dem Hersteller. Bei Holley gibt es in der Doku drei verschiedene Einträge für DTZ541, DTZ541-ZDBA und EHZ541-BE, bei Iskra noch mehr.
Weg 2: USB-Lesekopf und die EDL21-Integration
Steht Ihr Home-Assistant-Rechner in Kabelnähe zum Zählerschrank, geht es auch ohne WLAN. Ein USB-Lesekopf hängt direkt am Rechner, und Home Assistant liest die Daten mit der eingebauten EDL21-Integration. Die gibt es seit Version 0.107, sie spricht SML und braucht laut Dokumentation als Hardware nur einen Infrarot-Transceiver. Als unterstützte Zähler nennt die Seite APATOR Norax 3D, DZG DWS76, Iskraemeco MT175, EMH eHZ Generation K, efr SGM-C4, easymeter Q3 und EBZ DD3.
Die Integration hat einen Trick, der den Weg auch für entfernte Zählerschränke interessant macht: Statt eines lokalen Ports können Sie eine Netzwerkadresse in der Form socket:// angeben. Ein kleiner Rechner im Keller reicht dann die seriellen Daten weiter.
Unsere Einschätzung: Die EDL21-Integration ist schlank und kommt ohne Firmware-Gebastel aus, solange Ihr Zähler auf der Liste steht. Für alles, was dort fehlt, ist Tasmota mit seiner langen Skriptliste die robustere Wahl. Und der Fall vom Anfang zeigt die Grenze: Chuwachilo probierte genau diesen Weg mit EDL21 zuerst, und als die Sendediode des Zählers zu schwach war, half auch die beste Software nichts.
Weg 3: ESPHome im Eigenbau
Wer schon mit ESPHome arbeitet, kann sich den Lesekopf selbst bauen. Die SML-Komponente von ESPHome braucht laut Dokumentation einen Fototransistor wie den BPW40, Emitter an Masse, Kollektor an den RX-Pin des ESP. Die Schnittstelle läuft mit 9600 Baud, je nach Zähler mit 8N1 oder 7E1. In der YAML-Datei legen Sie dann pro Wert einen Sensor mit OBIS-Kennzahl an, etwa 1-0:1.8.0 für den Zählerstand und 1-0:16.7.0 für die Leistung.
Der Vorteil ist, dass die Sensoren sauber über die ESPHome-Integration in Home Assistant landen. Der Nachteil ist der Lötkolben und die Frage, wie Sie den Fototransistor exakt vor der Schnittstelle halten. Für die meisten Haushalte ist ein fertiger Kopf für rund 30 Euro die bessere Rechnung. Wer aber ohnehin einen ESP in der Schublade hat und gern bastelt, bekommt hier die meiste Kontrolle.
Ins Energie-Dashboard, und warum es oft nicht klappt
Die Werte sind in Home Assistant, Sie öffnen das Energie-Dashboard, wählen "Stromnetz" und Home Assistant meldet: keine passenden Sensoren gefunden. Genau so beschrieb es ein Nutzer namens Equicon im Oktober 2024 im simon42-Forum. Sein Hichi-Lesekopf lieferte Daten, im Dashboard tauchte nichts auf.
Der Grund war eine Kette kleiner Fehler: "unit of measurement" ohne Unterstriche, "KWH" statt "kWh" und vor allem ein fehlendes state_class: total_increasing. Die Home-Assistant-Dokumentation zum Energie-Dashboard verlangt für manuell eingebundene Sensoren ausdrücklich device_class, state_class und unit_of_measurement. Fehlt eines davon, bleibt die Liste leer.
Die Lösung im Forum war eine Ergänzung in der configuration.yaml, ungefähr so:
homeassistant:
customize:
sensor.tasmota_sm_1_8_0:
device_class: energy
unit_of_measurement: "kWh"
state_class: total_increasing
Ein Hinweis zur Leistung: Im Forum wurde für den Watt-Sensor state_class: total vorgeschlagen. Für einen Momentanwert ist nach unserem Verständnis measurement die passende Klasse, denn die Leistung ist kein aufsummierter Zähler. Für das Energie-Dashboard brauchen Sie ohnehin nur die Zählerstände 1.8.0 und 2.8.0, die Leistung nutzen Sie in Automationen und Karten.
Wer lieber klickt als YAML schreibt: Die gleichen Eigenschaften lassen sich auch über Template-Helfer setzen, smarterkram.de beschreibt beide Varianten.
Die Zähler mit Eigenheiten
Negative Werte beim Holley DTZ541
Wer eine PV-Anlage oder ein Balkonkraftwerk hat, will sehen, wann er einspeist. Manche Zähler signalisieren die Richtung aber nicht über das Vorzeichen des Werts, sondern über ein Bit in einem Statusregister. Die Tasmota-Dokumentation nennt dafür die Sonderoption "so1" und listet als Beispiele den EMH ED300L, den Elster AS2020 und den Holley DTZ541. Ohne diese Option sehen Sie bei Einspeisung falsche oder springende Werte. Im openHAB-Forum beschrieb ein Nutzer schon im April 2022 dasselbe Modell mit genau diesem Effekt.
Doppelte Werte beim DTZ541 unter ESPHome
Die ESPHome-Dokumentation warnt, der Holley DTZ541 setze das SML-Protokoll fehlerhaft um und sende widersprüchliche Werte. Empfohlen wird ein Throttle-Filter von 0,5 Sekunden.
300 Baud zum Aufwecken
Einige ältere Zähler im Textformat verlangen, dass man sie erst mit 300 Baud anspricht und dann auf 9600 umschaltet. Tasmota kann das per Skript. Die Doku rät aber, es zuerst direkt mit 9600 Baud zu versuchen, weil das bei den meisten Zählern funktioniert.
Schwache Sendediode
Siehe Anfang. Wenn bei einem Holley partout nichts ankommt, obwohl die PIN eingegeben und "InF" eingeschaltet ist, liegt es nicht zwingend an Ihnen. Den Kopf exakt ausrichten und das optische Fenster reinigen hilft manchmal. Manchmal hilft nur ein anderer Messweg.
WLAN im Keller
bitShake nennt als Richtwert eine Signalstärke über 70 Prozent. Zählerschränke sind Metallkästen, oft im Keller. Prüfen Sie das Signal, bevor Sie einen Fehler im Skript suchen.
Welcher Weg zu Ihnen passt
| Ihre Lage | Unsere Empfehlung |
|---|---|
| Zählerschrank weit vom Home-Assistant-Rechner, WLAN vorhanden | WLAN-Lesekopf mit vorinstalliertem Tasmota |
| Rechner steht neben dem Zählerschrank, Zähler auf der EDL21-Liste | USB-Lesekopf mit EDL21-Integration |
| Sie nutzen ESPHome ohnehin und löten gern | Eigenbau mit SML-Komponente und Fototransistor |
| Kein WLAN am Zählerschrank, kein Kabelweg | Erst das Netz klären, ein Lesekopf mit Aussetzern bringt nichts |
| Der Zähler sendet nichts, obwohl alles stimmt | Eigenen Messzähler oder Messklemmen nachrüsten, siehe Stromverbrauch messen mit Shelly |
Unser Fazit
Ein IR-Lesekopf ist das günstigste und ehrlichste Stück Energietechnik, das Sie in Ihr Smart Home holen können. Er misst nicht ungefähr, er liest den Wert, nach dem Sie bezahlt werden. Für rund 30 Euro bekommen Sie laufende Leistungsdaten, ohne Cloud und ohne Elektriker, denn am Zähler wird nichts geöffnet.
Die Reihenfolge entscheidet aber, ob es ein entspannter Nachmittag wird oder ein Wochenende im Forum. Erst die PIN beim Messstellenbetreiber besorgen und am Zähler freischalten. Dann das genaue Zählermodell vom Typenschild abschreiben und das passende Skript suchen. Dann erst kaufen. Und wenn Sie einen Holley DTZ541 haben, planen Sie die Sonderoption für die Einspeiserichtung gleich mit ein.
Für die meisten Haushalte würden wir einen fertigen WLAN-Kopf mit Tasmota nehmen und die Standard-Firmware nie anrühren. Die EDL21-Integration ist eleganter, aber nur, wenn Zähler und Rechner zusammenpassen. Der Eigenbau lohnt sich für Bastler, nicht für Leute, die einfach ihren Verbrauch sehen wollen.
Quellen: simon42 Community, Thread "Hichi IR USB Lesekopf ins Home Assistant einbinden" (ab 05.07.2025, Holley DTZ541-ZEBA) und "Energy dashboard/Tasmota/Hichi Leskopf" (11.10.2024) · Tasmota-Dokumentation, "Smart Meter Interface" (Build-Hinweis, Skriptsyntax, Beispielskripte, Sonderoption so1, 300-Baud-Ablauf, Apator 12EC3 und 12EC3G) · Home Assistant, Integration "EDL21" (unterstützte Zähler, PIN und InF-Menü, Socket-Verbindung, seit 0.107) · Home Assistant, Dokumentation "Integrating your electricity grid" (Pflichtangaben für Sensoren im Energie-Dashboard) · ESPHome, Komponente "SML" (Fototransistor BPW40, 9600 Baud, Hinweis zum Holley DTZ541) · bitShake, Support-Seite "Erste Schritte" (Firmware, WLAN-Einrichtung, PIN und InF, Signalstärke) · smarterkram.de, "Stromzähler lokal auslesen: bitShake für Home Assistant" (25.07.2025, Preis und Einrichtung) · WEMAG, FAQ "Wie erhalte ich den PIN für meine moderne Messeinrichtung vom Netzbetreiber?" · Verbraucherzentrale, "Smart Meter: Was Sie über die Stromzähler wissen müssen" (Rollout-Stand Ende 2025) · Wikipedia, "Smart-Meter-Gateway" (HAN-Schnittstelle, Infrarot-Schnittstelle am Zähler) · openHAB-Forum, "Tasmota smartmeter mit Holley dtz541 Stromzähler" (07.04.2022).