!Lötkolben an einer Platine beim Anlöten von Kontakten

In der offiziellen Tasmota-Dokumentation gibt es eine Liste mit Methoden, die Firmware ohne Kabel aufzuspielen. Sie liest sich inzwischen wie ein Friedhof. Hinter Tuya-Convert steht fett: "Does not work in 99% of cases". Hinter esp2ino für Wyze-Geräte: "Does not work anymore". Und hinter dem Sonoff-DIY-Modus, der jahrelang der bequemste Weg war, einen Sonoff-Schalter von der eWeLink-Cloud zu befreien, steht derselbe Satz: "Does not work anymore".

Wer heute nach "Tasmota flashen Sonoff" sucht, findet trotzdem vor allem Anleitungen, die genau diesen Weg beschreiben. Viele davon stammen aus den Jahren 2019 bis 2021. Sie waren damals richtig und führen heute in eine Sackgasse. Dieser Artikel sortiert, was 2026 tatsächlich funktioniert, welche Modelle sich lohnen und bei welchem Sonoff Sie sich die Mühe von vornherein sparen können.

Der DIY-Modus: bequem, dokumentiert, erledigt

Die Idee war elegant. Itead, der Hersteller hinter Sonoff, hatte einigen Geräten einen DIY-Modus spendiert, über den sich per HTTP-Befehl eine fremde Firmware einspielen ließ. Laut Tasmota-Doku betraf das den Sonoff Basic R3, den RF R3 und den Mini. Kein Lötkolben, kein Adapter, nur ein paar curl-Befehle im Terminal.

Schon in der Blütezeit war das Verfahren zickig. Die Doku warnt, dass Firmware-Versionen 3.5.0 und 3.6.0 beim Download stur den Servernamen dl.itead.cn mitschicken, egal welcher Server angegeben ist. Ab Version 3.7.6 ignoriert das Gerät den Befehl, wenn die Geräte-ID fehlt. Die Firmware durfte höchstens 508 KB groß sein, was die normale Tasmota-Version ausschließt, und tasmota-minimal an dieser Stelle hätte das Gerät laut Doku unbrauchbar gemacht. Dazu kam, dass der DIY-Weg kein Backup der Originalfirmware anlegt. Wer einmal geflasht hatte, kam nicht mehr zurück.

Im Itead-eigenen Repository für die DIY-Werkzeuge steht seit Oktober 2020 ein Fehlerbericht (Issue 95), in dem jemand alle Schritte laut Anleitung durchläuft, das OTA-Flashen sogar freischaltet und beim eigentlichen Befehl nur "Empty reply from server" zurückbekommt. Eine Antwort des Herstellers gibt es dort bis heute nicht. Die Tasmota-Doku hat inzwischen eine eigene Warnung über die Seite gesetzt: Das Verfahren habe sich mit neueren DIY-Versionen geändert, Tasmota leiste dafür keinerlei Support, man möge sich an Sonoff wenden.

Mein Fazit dazu ist schlicht: Wenn eine Anleitung mit "Aktiviere den DIY-Modus" beginnt, schließen Sie den Tab.

Was bleibt: das serielle Flashen

Der Weg, der zuverlässig funktioniert, ist der alte. Gehäuse auf, vier Kontakte an der Platine (3,3 Volt, Masse, RX, TX) mit einem USB-Seriell-Adapter verbinden, das Gerät in den Programmiermodus bringen und die Firmware aufspielen.

Das klingt nach Elektronikwerkstatt. Ehrlich gesagt ist das Anlöten der vier Stifte der fummeligste Teil, der Rest ist Klicken. Die Tasmota-Doku empfiehlt als Adapter einen mit CH340G-Chip, weil der am zuverlässigsten und zugleich am billigsten sei. Aufgespielt wird am einfachsten mit dem Tasmota Web Installer, der in einem Chrome-basierten Browser läuft und sowohl ESP8266- als auch ESP32-Geräte bedient. Alternativ geht es mit esptool auf der Kommandozeile.

Das Wichtigste steht in der Doku in Großbuchstaben: niemals flashen, solange das Gerät am Netz hängt. Ein Sonoff-Schalter hängt im Betrieb an 230 Volt. Während des Flashens darf er ausschließlich über den Adapter versorgt werden.

Fast genauso teuer wird ein Fehler bei der Spannung. Manche Adapter lassen sich für die Datenleitungen auf 3,3 Volt umschalten, liefern auf dem Versorgungspin aber weiter 5 Volt. Das zerstört den Chip laut Doku dauerhaft.

Der dritte Punkt klingt harmlos und kostet die meisten Nerven: Ein ESP braucht laut Doku mindestens 150 mA, und viele einfache Adapter liefern das nicht. Wie das in der Praxis aussieht, steht in einer Tasmota-Diskussion auf GitHub vom Februar 2024 (Discussion 20692): Ein Nutzer flasht einen Sonoff Mini R4 fehlerfrei, lötet die Kabel ab, schließt das Gerät an und nichts passiert, keine LED, kein Access Point. Die Ursache war nicht die Firmware, sondern zu wenig Strom auf der 3,3-Volt-Leitung. Mit einer externen 3,3-Volt-Versorgung über einen AMS1117-Regler startete das Gerät. Im selben Thread kommt der zweite Hinweis, der viele Stunden spart: Für das erste serielle Flashen eines ESP32 gehört die Datei tasmota32.factory.bin auf den Chip, nicht die normale tasmota32.bin.

Außerdem empfiehlt die Doku, vor dem Aufspielen den Speicher komplett zu löschen, weil Reste der alten Firmware sonst Ärger machen können. Im Web Installer ist das die Option "Erase before flashing". Wer die Originalfirmware sichern will, kann das mit esptool vorher tun. Beim DIY-Weg ging das nie, beim Kabelweg schon, und das ist ein Argument mehr für ihn.

Welche Sonoff-Modelle sich eignen

Itead hat in den letzten Jahren den Chip gewechselt, von ESP8285 auf ESP32, und nicht jedes neue Modell lässt sich noch öffnen.

Sonoff Basic R2 und R3, Mini der ersten Generation. In Basic R2 und R3 stecken laut Tasmota-Doku ESP8285-Chips mit integriertem 1-MB-Speicher, für den Mini dokumentiert die Doku die komplette Pinbelegung samt TX und RX. Alle drei sind Klassiker der Tasmota-Welt, die Lötpunkte sind bekannt. Wer noch welche in der Schublade hat, kann sie ohne Bedenken umrüsten. Sonoff Basic R4. Die vierte Generation setzt laut digiblurDIY auf einen ESP32-C3 mit Bluetooth. Die Vorlagensammlung von blakadder führt fertige Tasmota-Templates, eines davon mit Unterstützung für den sogenannten Magic-Switch-Modus am Eingang. Flashen geht seriell über die Entwicklerkontakte. Sonoff Mini R4 (MINIR4). ESP32, laut blakadder seriell flashbar, dafür werden die vier Kontakte angelötet. Das ist der Kandidat aus der Diskussion mit dem Stromproblem, und er funktioniert, wenn die Versorgung stimmt. Sonoff Mini R4M (Matter-Variante). Finger weg, jedenfalls für Tasmota. Die Vorlagensammlung von blakadder führt ihn ausdrücklich unter "unsupported", weil Sonoff den Chip gesperrt hat, um serielles Flashen neuer Firmware zu verhindern. Begründet wird das mit den Anforderungen der Matter-Zertifizierung. Der Chip wäre an sich kompatibel, der Hersteller lässt es nur nicht zu.

Zwischen MINIR4 und MINIR4M liegt ein einziger Buchstabe. Dieses "M" in der Modellbezeichnung entscheidet, ob Sie das Gerät umflashen können. Daraus leite ich eine Faustregel ab, die über dieses eine Modell hinausgeht: Steht auf einem Sonoff-Gerät Matter, prüfen Sie vor dem Kauf in der Vorlagensammlung, ob es als flashbar gilt. Zertifizierung und offene Firmware vertragen sich offenbar nicht immer.

Tasmota in Home Assistant einbinden

Nach dem Flashen öffnet das Gerät einen eigenen WLAN-Access-Point, über den Sie es ins Heimnetz bringen. Dann folgt die Anbindung an Home Assistant, und die läuft über MQTT.

Die offizielle Tasmota-Integration gibt es seit Home Assistant 0.117. Laut Dokumentation braucht sie drei Dinge: einen MQTT-Broker samt MQTT-Integration in Home Assistant, Tasmota ab Version 9.2 und die native Erkennung auf dem Gerät. Letztere schalten Sie in der Konsole des Tasmota-Webinterfaces mit dem Befehl SetOption19 0 ein. Die aktuelle stabile Tasmota-Version ist 15.6.0 mit dem Beinamen "Sylvie", veröffentlicht am 25. August 2026, die Mindestversion ist also kein Thema.

Zwei Stolpersteine nennt die Doku. Die Variante tasmota-lite wird von der Integration nicht unterstützt. Und der MQTT-Topic sollte auf dem Standard bleiben, weil ungültige Einstellungen nicht abgefangen werden. Relais erscheinen je nach Einstellung von SetOption30 als Schalter oder als Licht. Die Integration arbeitet im Modus Local Push, also ohne Umweg über eine Cloud.

Und wenn Sie gar nicht flashen wollen?

Es gibt eine Alternative, die man fairerweise nennen muss. Die Community-Integration SonoffLAN von AlexxIT steuert Sonoff-Geräte mit der Originalfirmware direkt aus Home Assistant, auf Wunsch im lokalen Netz. Der Haken steht in der Beschreibung selbst: Der lokale Modus braucht die Zugangsdaten zum eWeLink-Konto, weil die Geräte verschlüsselt kommunizieren und die Schlüssel von dort kommen. Außerdem empfiehlt der Entwickler den Modus "auto" statt reinem Lokalbetrieb, weil das lokale Protokoll nicht immer stabil sei und Geräte gelegentlich aus dem Netz verschwinden.

Das ist für viele völlig ausreichend. Es ist nur eben nicht dasselbe wie ein Gerät, das nie von einem Hersteller-Server wusste.

Meine Empfehlung

Für wenige Schalter, die schon verbaut sind: SonoffLAN ausprobieren, bevor Sie irgendetwas aufschrauben. Wenn es stabil läuft, ist die Sache erledigt.

Für alle, die Sonoff gezielt kaufen, um es lokal zu betreiben: Basic R4 oder Mini R4 ohne M, dazu ein CH340G-Adapter mit ordentlicher 3,3-Volt-Versorgung, und einen Nachmittag einplanen. Das erste Gerät dauert. Ab dem dritten geht es schnell.

Und wer beim Stichwort Lötkolben schon abwinkt, sollte ehrlich überlegen, ob Tasmota das richtige Ziel ist. Für neue Projekte lohnt sich der Blick auf ESPHome, das auf denselben Chips läuft und sich enger mit Home Assistant verzahnt. Das eigentliche Problem, nämlich das Kabel zur Platine, bleibt allerdings bei beiden gleich.


Quellen: Tasmota-Dokumentation "Getting Started" (Liste der OTA-Methoden mit Status, Adapter-Empfehlung CH340G, 150 mA, 3,3-Volt-Warnung, Factory-Binaries, Erase) · Tasmota-Dokumentation "Sonoff DIY" (kompatible Geräte, 508-KB-Grenze, Firmware 3.5.0/3.6.0/3.7.6, kein Backup) · Tasmota-Dokumentation "Sonoff Basic" (ESP8285 bei R2 und R3) · itead/Sonoff_Devices_DIY_Tools, Issue 95, Oktober 2020 · arendst/Tasmota, Discussion 20692, Februar 2024 · templates.blakadder.com, Einträge Sonoff MINIR4, MINIR4M (unsupported) und BASICR4 · digiblurDIY Wiki, Sonoff Basic R4 ESP32-C3 · Home Assistant, Integrationsdokumentation "Tasmota" · GitHub arendst/Tasmota, Release v15.6.0 "Sylvie", 25.08.2026 · GitHub AlexxIT/SonoffLAN, README