!Geöffneter Sicherungskasten mit Leitungsschutzschaltern an einer weißen Wand
Am 25. Oktober 2025 eröffnete ein Nutzer im GitHub-Repository von Home Assistant ein Issue: Die Entität „Total active returned energy“ seines Shelly Pro 3EM sei falsch. Er hatte die drei Phasenwerte daneben gelegt. Phase A: 0,339 kWh zurückgelieferte Energie. Phase B: 649,324 kWh. Phase C: 0,316 kWh. Die Summe: 649,979 kWh. Er hielt das für einen Bug der Integration, denn sein Zähler, ein eBZ-D, den er parallel per BitShake SmartMeterReader auslas, hatte am selben Tag nur 23 Wh Einspeisung gezählt. Home Assistant meldete 0,56 kWh. Das Issue lief mit Home Assistant 2025.9.3 und wurde am 2. Dezember 2025 vom Bot als inaktiv geschlossen, eine bestätigte Ursache steht nicht darin.
Rechnen Sie nach, dann stimmt die Summe der Phasen exakt mit dem Gesamtwert überein. Die Integration summiert also korrekt. Auffällig ist etwas anderes: Phase B trägt fast alles. Meine Lesart, nicht die des Issues: Auf Phase B speist vermutlich ein einphasiger Erzeuger ein, während auf A und C Strom verbraucht wird. Der Zähler im Keller rechnet beides gegeneinander auf. Der Shelly nicht. Darum geht es in diesem Artikel, neben Hardware, Einbau und Einrichtung.
Welcher Shelly eigentlich
Hinter dem Namen „Pro 3EM“ stecken mehrere Geräte. Die Unterschiede liegen bei den Stromwandlern.
- Shelly Pro 3EM mit drei Klappwandlern bis 120 A pro Phase. Laut Shelly Knowledge Base misst es mit ±1 % Genauigkeit zwischen 2 und 120 A, speichert mindestens 45 Tage lang Minutenwerte und sitzt auf der Hutschiene (94 × 19 × 69 mm). Ethernet, WLAN und Bluetooth sind an Bord.
- Shelly Pro 3EM-400 für CT-400A-Wandler. Die Doku nennt ±1 % im Bereich 5 bis 400 A und ±2 % darunter bis 5 A. Es hat vier Wandlereingänge, drei für die Phasen, einen für den Neutralleiter.
- Shelly Pro 3EM-3CT63 mit Wandlern für 63 A. Genauigkeit ±1 % ab 2 A, Datenspeicher 60 Tage, dazu Modbus, MQTT und RPC.
- Shelly 3EM-63 Gen3, das aus einer anderen Familie stammt: kein Pro-Gerät mit separaten Wandlern, sondern ein Gerät, das laut Knowledge Base über oder unter den Leitungsschutzschaltern auf der Hutschiene sitzt, 0 bis 63 A misst (Sättigung bei 130 A), per WLAN und Bluetooth angebunden wird und mindestens 7 Tage Minutenwerte speichert.
Der Einbau gehört in Profihände
Die Klemmen werden um die Leiter gelegt, die Spannungseingänge der drei Phasen und der Neutralleiter kommen ins Gerät. Im Sicherungs- oder Zählerkasten. Damit sind Sie bei § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung. Absatz 2 sagt, dass Arbeiten an der elektrischen Anlage außer vom Netzbetreiber nur von einem Installationsunternehmen durchgeführt werden dürfen, das in ein Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. Das betrifft auch den Anschluss der Spannungsabgriffe. Dass Sie nur Klemmen aufklappen, ändert daran nichts, denn ohne die Spannungsmessung gibt es keine Leistung.
Mein Rat: Lassen Sie den Elektriker den Shelly setzen. Alles danach ist Software und liegt bei Ihnen.
Einbindung: lokal, ohne Cloud
Die Shelly-Integration von Home Assistant spricht mit Gen2- und neueren Geräten per RPC. Laut Doku ist dafür bei Netzgeräten keine zusätzliche Konfiguration nötig, die Cloud wird nicht gebraucht. Das Gerät wird im Netzwerk gefunden, Sie bestätigen, fertig. Wie sich das bei den neueren Modellen verhält, steht im Artikel Shelly Gen4 in Home Assistant, die Grundlagen zur Strommessung mit Shelly im Beitrag Stromverbrauch messen mit Shelly.
Wichtig ist das Geräteprofil. Die Shelly-API-Doku kennt zwei: Im Standardprofil „triphase“ gibt es genau einen Energiemesser (EM), der alle drei Phasen zusammenfasst. Im Profil „monophase“ stehen stattdessen drei einzelne EM1-Komponenten bereit, die Verlaufsdaten liegen dann in em1data:0 bis em1data:2. Das hat Folgen für alles, was von außen auf das Gerät zugreift. Im September 2026 meldete ein Nutzer im GitHub-Projekt „Zendure-Stuff“, sein Regelskript melde auf einem Pro 3EM-3CT63 im monophase-Profil „em:0 nicht gefunden“. Die Abfrage EM1.GetStatus antwortete, EM.GetStatus lieferte 404. Ein Skript, das em:0 erwartet, läuft also nur im triphase-Profil.
Ein zweiter Stolperstein ist die Firmware. Im Issue #178354 vom 6. August 2026 berichtet ein Nutzer, dass sein Pro 3EM nach dem Update auf Firmware 2.0.0 mit Home Assistant 2026.8.0 nur drei Entitäten anlegt (Firmware, Beta-Firmware, Neustart), keine Leistungs- oder Energiesensoren. Im Log steht ein TypeError in utils.py. Die Antwort des Code-Owners am 29. September: erst Home Assistant auf 2026.9.x, Gerät auf Firmware 2.0.1, dann noch einmal berichten.
Welche Entitäten das Dashboard braucht
Im Energie-Dashboard brauchen Sie für das Netz zwei Energiewerte. Laut EMData-Doku liefert der Shelly:
total_act: „Total active energy on all phases“ in Wh, der Bezugtotal_act_ret: „Total active returned energy on all phases“ in Wh, die Rückspeisung- dazu je Phase
a_total_act_energy,a_total_act_ret_energyund so weiter
total_act, Einspeisung auf total_act_ret.
Hier beginnt das Problem.
Warum der Shelly nicht wie der Zähler rechnet
Der Shelly zählt für jede Phase getrennt: Was in diese Phase hineinfließt, kommt auf den Bezugszähler, was herausfließt, auf den Rückspeisezähler. Die beiden Summenwerte total_act und total_act_ret addieren dann die drei Phasen. Der Stromzähler Ihres Netzbetreibers rechnet bei Drehstrom dagegen mit der Summe aller Phasen: Fließen auf L1 gerade 800 W hinaus und auf L2 und L3 zusammen 800 W hinein, steht dort ein Saldo von null, es wird weder Bezug noch Einspeisung gezählt. Der Shelly zählt in diesem Moment 800 W Bezug und 800 W Einspeisung.
Das zeigt sich vor allem bei einphasigen Erzeugern: Balkonkraftwerke, kleine Wechselrichter, manche Heimspeicher. Die Rechnung kommt von einem Blogger auf alkly.de, der über 30 Tage verglichen hat. Ergebnis: Der Shelly zeigte 21,6 % mehr Bezug und das 6,7-Fache an Einspeisung gegenüber dem Zähler. Seine Folgerung: Die Stromrechnung bleibt, wie sie ist, denn die Abrechnung läuft über den Zähler. Verfälscht werden nur die Dashboard-Werte, und damit die berechneten Kosten.
Eine Einstellung am Gerät, die über Phasen hinweg saldiert, gibt es laut API-Doku nicht. EMData.GetNetEnergies liefert zwar „net“-Werte, aber je Phase (a_net_act_energy, b_net_act_energy, c_net_act_energy) und für ein Zeitfenster von 300, 900, 1800 oder 3600 Sekunden, nicht als laufenden Zähler und nicht über die Phasen verrechnet. Für das Dashboard hilft das nicht.
Die Lösung: aus der Leistung neu zählen
Was der Shelly dagegen schon über alle Phasen verrechnet liefert, ist die Leistung. In der EM-Doku ist total_act_power die „Sum of the active power on all phases“. Ein Beispiel dort: 2484,782 W. Positiv bedeutet Bezug, negativ Einspeisung. Aus diesem Wert lässt sich in zwei Schritten ein eigener Zähler bauen.
Zuerst zwei Template-Sensoren, die die Leistung aufteilen:
template:
- sensor:
- name: "Netzbezug Leistung"
unit_of_measurement: "W"
device_class: power
state_class: measurement
state: >
{{ [states('sensor.shellypro3em_xxxx_total_active_power') | float(0), 0] | max }}
- name: "Einspeisung Leistung"
unit_of_measurement: "W"
device_class: power
state_class: measurement
state: >
{{ [states('sensor.shellypro3em_xxxx_total_active_power') | float(0) * -1, 0] | max }}
Der Entitätsname ist ein Platzhalter, in Ihrer Installation steht dort die Kennung Ihres Geräts. Danach legen Sie unter Einstellungen, Geräte & Dienste, Helfer für jeden der beiden Sensoren einen „Riemann-Summenintegral“-Helfer an. Methode: linke Riemann-Summe, Metrik-Präfix k (kilo), Zeiteinheit Stunden. Der Blogger setzt zusätzlich das maximale Teilintervall auf zwei Minuten, damit bei konstanter Leistung regelmäßig neue Punkte entstehen. In seinem Test lag der so gebaute Zähler innerhalb von 0,2 % am echten Zählerstand. Im Energie-Dashboard tragen Sie dann die beiden Helfer statt der nativen Shelly-Zähler ein.
Ganz sauber ist das nicht, denn eine Integration über Momentwerte ist eine Näherung. Aber sie hat den Charme, dass sie genau das tut, was auch der Zähler tut: erst addieren, dann zählen. Mehr zum Riemann-Integral und seinen Grenzen steht im Dashboard-Artikel.
Lassen Sie beide Varianten eine Woche parallel laufen und vergleichen Sie mit dem Zählerstand.
Fehler beim Einbau, die sich später rächen
Klemmenrichtung. Jede Klemme hat eine Pfeilmarkierung. Die Knowledge Base nennt sie „K→L“, die Richtung des Primärstroms, also von der Quelle zur Last. Wer sie falsch herum aufsetzt, bekommt negative Leistung auf einem Stromkreis, der nur verbraucht. Der Troubleshooting-Abschnitt zum Pro 3EM-3CT63 nennt genau diesen Fall: Zeigt ein Kreis unerwartet negative Werte, die Klemme prüfen. Erkennbar ist das daran, dass die Leistung beim Einschalten eines Verbrauchers sinkt statt steigt.
Phasenzuordnung. Die Klemme A muss an dem Leiter sitzen, dessen Spannung der Eingang A misst. Sitzt sie an einem anderen Leiter, stimmen Strom und Spannung nicht mehr zusammen. Die Leistung wird dann falsch berechnet. Das Gerät hat eine Erkennung für die Phasenfolge: Sie prüft nur die Nulldurchgänge der Spannungen und erwartet die Reihenfolge A, B, C. Die API-Doku zeigt dazu im EM-Status das Fehlerfeld "errors": ["phase_sequence"]. Eine Verwechslung der Stromklemmen erkennt diese Prüfung aber nicht.
Alle Phasen verdreht. Sind alle drei Klemmen um 180° gedreht, wirkt das Gerät, als würden Sie Strom erzeugen, wenn Sie ihn verbrauchen. Im Dashboard fällt das sofort auf: Bezug und Einspeisung sind vertauscht.
Negative Werte im Verbrauch. Dass das Dashboard „negativen Verbrauch“ anzeigt, hat selten mit dem Shelly zu tun. Es sind meist doppelt eingetragene Speicher oder falsch geschätzte Einzelgeräte. Auch das steht, mit Beispielen, im Artikel zum Energie-Dashboard.
Nulleinspeisung und Speichersteuerung
Wer mit dem Pro 3EM einen Speicher regelt, hat es leichter als das Dashboard. Für die Regelung zählt nicht der Zähler, sondern die Momentleistung. total_act_power ist bereits über alle Phasen verrechnet: positiv heißt, der Speicher soll mehr liefern, negativ heißt, er soll weniger liefern oder laden. Die Zählerlogik aus dem Dashboard spielt dabei keine Rolle.
Das Gerät lässt sich außerdem lokal abfragen. Das Regelskript aus dem erwähnten Zendure-Issue läuft direkt auf dem Shelly und fragt dort em:0 ab. Im monophase-Profil musste der Nutzer es auf em1: umstellen. Für den Marstek Venus E lesen Sie die Anbindung im Artikel Marstek Venus E mit Home Assistant per Modbus nach. Entscheidend ist, dass Profil und Entitätsname zur Abfrage passen.
Was bleibt
Der Shelly Pro 3EM misst laut Hersteller auf ±1 % genau. Er zählt aber anders als der Zähler Ihres Netzbetreibers. Wer eine PV-Anlage oder einen Speicher auf einer einzelnen Phase hat, sollte die nativen Energiezähler nicht ungeprüft ins Dashboard legen. Zwei Template-Sensoren und zwei Helfer lösen das. Und wenn nach einem Firmware-Update nur drei Entitäten auftauchen, lohnt der Blick ins Issue #178354.