Herr Vielguth aus einem Reihenhaus in Herrsching am Ammersee hat im April 2026 den Marstek Venus E gekauft, weil er der günstigste 5-kWh-Speicher am Markt war und weil ein YouTube-Video eines schweizerischen Ingenieurs behauptete, das Gerät ließe sich zu hundert Prozent lokal ohne Cloud über Home Assistant steuern. Die Bestellung bei einem deutschen Distributor kostete 1.049 Euro inklusive Versand, die Lieferung dauerte drei Wochen, und die Inbetriebnahme mit der offiziellen Marstek-App war in fünfundzwanzig Minuten erledigt. Die App zeigte den Ladezustand, den aktuellen Wechselstrom-Fluss und die Tages-Statistik, was Herr Vielguth zunächst zufrieden stellte. Nach einer Woche merkte er jedoch, dass die App nur begrenzte Automatisierungsmöglichkeiten bot, dass die Cloud-Anbindung an den Marstek-Server in China erfolgte, und dass die Steuerung des Speichers über die eigene PV-Überschussproduktion nicht möglich war, ohne alle fünf Minuten manuell in die App zu wechseln. Der Home-Assistant-Weg wurde damit interessant.
Was Herr Vielguth in den folgenden vier Wochen recherchiert und aufgesetzt hat, ist der Inhalt dieses Tutorials. Die Marstek-Venus-E-Integration in Home Assistant ist eine der aktuell dynamischsten Community-Baustellen der HA-Welt. Es gibt drei technisch unterschiedliche Wege zur Integration, drei konkurrierende HACS-Repositories mit jeweils eigenen Vor- und Nachteilen, und ein rasant wachsendes Community-Wissen, das sich alle vier bis sechs Wochen ändert. Dieser Artikel ordnet den Stand August 2026, erklärt die drei Integrations-Wege im Detail, gibt eine klare Empfehlung für die aktuell stabilste Repository-Wahl und dokumentiert die drei häufigsten Fehler, an denen die Integration in der Praxis scheitert. Am Ende steht eine funktionierende Überschussladung, die den Speicher automatisch mit Sonnenenergie füllt, statt aus dem Netz nachzuladen.
Warum die lokale Steuerung des Marstek Venus E überhaupt sinnvoll ist
Bevor die technischen Details der Integration klar werden, muss der Nutzen der lokalen Steuerung erklärt werden. Der Marstek Venus E wird ab Werk mit einer WLAN-Verbindung ausgeliefert, die den Speicher mit dem Marstek-Cloud-Server verbindet. Die Steuerung über die offizielle Marstek-App läuft grundsätzlich über diese Cloud, wobei der App-Befehl vom Smartphone über das Internet zum Marstek-Server in China und zurück zum Speicher im heimischen WLAN geht. Diese Cloud-Steuerung hat drei Nachteile: Erstens ist die Latenz mit typisch zwei bis fünf Sekunden hoch, was für Echtzeit-Überschusssteuerung ungeeignet ist. Zweitens ist die Verfügbarkeit von der Marstek-Cloud abhängig, die bei Serverausfällen oder chinesischen Feiertagen gelegentlich Stunden nicht erreichbar ist. Drittens sind die Datenschutz-Implikationen (Ladezustand, Solar-Ertrag, Verbrauchsdaten des Haushalts) für viele deutsche Nutzer nicht akzeptabel.
Die lokale Steuerung über Modbus TCP umgeht alle drei Nachteile. Der Speicher wird direkt aus dem lokalen Netzwerk angesprochen, die Latenz sinkt auf unter 200 Millisekunden, die Cloud-Abhängigkeit entfällt vollständig, und die Daten bleiben im eigenen Haus. Für einen Home-Assistant-Anwender, der bereits einen HA-Server auf einem Raspberry Pi 5 oder einem Intel-N100-Mini-PC laufen hat, ist die lokale Integration die einzig sinnvolle Nutzung des Speichers. Wer den Speicher nur als Standby-Backup ohne Automatisierung nutzt, kann bei der offiziellen App bleiben. Wer den Speicher aktiv mit PV-Überschuss laden und in Verbrauchsspitzen entladen möchte, braucht die Home-Assistant-Integration zwingend.
Der zweite wichtige Punkt: Die lokale Steuerung erlaubt Automatisierungen, die die offizielle App nicht bietet. Ein typisches Szenario ist die dynamische Ladung nach aktuellem Netzeinkaufspreis (Tibber, Awattar, Ostrom), bei der der Speicher bei Preisen unter fünf Cent pro Kilowattstunde aus dem Netz auflädt und bei Preisen über fünfundzwanzig Cent pro Kilowattstunde ins Netz entlädt oder für den Eigenverbrauch bereit steht. Diese Automation kann pro Tag zwischen fünfzig Cent und drei Euro Ersparnis bringen und amortisiert die Home-Assistant-Investition binnen weniger Monate.
Die drei Wege zur Integration: Modem-USB, Modbus2WiFi und USB-C-Direkt
Der Marstek Venus E hat drei physische Kommunikationsschnittstellen, die für die Home-Assistant-Integration genutzt werden können. Jede Schnittstelle hat ihre eigenen technischen Voraussetzungen, ihre eigenen Vor- und Nachteile, und ihre eigene HACS-Repository-Empfehlung. Für den Nutzer ist es wichtig, die Unterschiede zu verstehen, bevor er in Hardware oder Zeit investiert.
Weg eins ist die offizielle Marstek-Modem-USB-Lösung. Marstek bietet seit Dezember 2025 ein USB-Modem an, das an einen USB-Port des Speichers gesteckt wird und den Speicher über ein separates Netzwerk-Interface ins lokale WLAN bringt. Das Modem kostet rund 40 bis 60 Euro und ist bei deutschen Distributoren verfügbar. Die Integration in Home Assistant erfolgt über Modbus TCP über das lokale WLAN, was für die meisten Anwender die einfachste Lösung ist. Der Nachteil: Das Modem verbraucht einen der beiden USB-Ports des Speichers, und die Kommunikation läuft über WLAN, was in Kellern oder abgelegenen Balkonen zu Verbindungsabbrüchen führen kann. Weg zwei ist der RS485-Modbus2WiFi-Adapter (auch als Wave-Share-Adapter bekannt). Der Speicher hat auf der Rückseite einen RS485-Anschluss, der über einen handelsüblichen Modbus2WiFi-Adapter (rund 30 bis 50 Euro) in das lokale Netzwerk gebracht wird. Die Integration in Home Assistant erfolgt ebenfalls über Modbus TCP, aber über den Adapter statt über das offizielle Modem. Der Vorteil: Der USB-Port bleibt frei, die Kommunikation über RS485 ist stabiler als WLAN, und der Adapter kann auch für andere Modbus-Geräte (Wechselrichter, Zähler, Wärmepumpen) genutzt werden. Der Nachteil: Die Einrichtung ist komplexer, die Adapter-Konfiguration erfordert HTTP-Zugriff auf das Adapter-Webinterface, und die Auswahl des richtigen Adapters ist für Anfänger nicht trivial. Weg drei ist die direkte USB-C-Verbindung. Der Speicher hat einen USB-C-Port, der für Firmware-Updates und für die direkte Kommunikation mit einem Computer oder Raspberry Pi genutzt werden kann. Wer den Home-Assistant-Server direkt neben dem Speicher aufstellt und eine USB-C-Verbindung akzeptiert, kann diese Direktverbindung nutzen. Der Vorteil: Höchste Stabilität, keine Netzwerk-Abhängigkeit, niedrigste Latenz. Der Nachteil: Der HA-Server muss physisch neben dem Speicher stehen, was für viele Wohnsituationen unpraktisch ist. Diese Option wird von den meisten Anwendern deshalb nicht gewählt, ist aber für Balkon-Speicher mit einem Raspberry-Pi-HA-Server im gleichen Balkonschrank die technisch beste Lösung.Für Herr Vielguth war Weg eins (offizielles Marstek-Modem-USB) die richtige Wahl, weil sein HA-Server im Keller des Reihenhauses steht und der Speicher am Balkon montiert ist, mit einer stabilen WLAN-Verbindung dazwischen. Die Kosten für das Modem lagen bei 45 Euro, die Einrichtung in HA war in zwanzig Minuten erledigt.
Die drei HACS-Repositories im Vergleich
Für die Home-Assistant-Integration selbst gibt es aktuell drei aktiv gepflegte HACS-Repositories, die jeweils einen unterschiedlichen Ansatz verfolgen. Die Wahl der Repository ist entscheidend für die spätere Nutzererfahrung, und die Community-Meinung dazu ändert sich alle paar Monate. Der Stand August 2026 ist wie folgt.
Repository eins ist ViperRNMC/marstek_venus_modbus, das aktuell (August 2026) mit 193 Sternen die populärste Repository ist. Der Autor Jaap van Rijn hat seit Juli 2025 kontinuierlich entwickelt und ist mit 364 Commits der klare Hauptbeitragende. Die Repository unterstützt alle drei Kommunikations-Wege (Modem-USB, Modbus2WiFi, USB-C-Direkt), bietet eine umfassende Entitäts-Liste (Ladezustand, AC-Fluss, DC-Fluss, Temperatur, Wechselrichter-Status, alle Betriebsmodi) und wird alle drei bis vier Wochen aktualisiert. Die Installation ist über HACS mit einer benutzerdefinierten Repository-URL in weniger als fünf Minuten erledigt. Die Community-Support-Qualität ist im GitHub-Issue-Tracker mit einem Median von 48 Stunden Antwortzeit sehr gut. Repository zwei ist plan-d-io/Marstek-battery-controller, das im Frühjahr 2026 als Fork von ViperRNMC entstanden ist und einen anderen Steuerungsansatz verfolgt. Statt die Marstek-Firmware-Modi (Selfconsumption, Timed-Charge, Manual) über den externen Modbus-Zugriff zu steuern, ersetzt diese Repository die Marstek-Standardsteuerung durch eine eigene HA-basierte Logik. Der Vorteil: Deutlich präzisere Steuerung, die auf Sekunden-Ebene reagiert. Der Nachteil: Die Marstek-App funktioniert dann nicht mehr wie erwartet, weil die Marstek-Firmware nicht mehr die Kontrolle hat. Für Nutzer, die den Speicher zu hundert Prozent über HA steuern wollen und die Marstek-App nicht mehr nutzen, ist diese Repository die technisch bessere Wahl. Für Nutzer, die zwischen HA und Marstek-App wechseln wollen, ist ViperRNMC die richtige Wahl. Repository drei ist reschcloud/marstek_venus_e_modbus_home_assistant, das primär für Nutzer entwickelt wurde, die keine HACS-Installation wollen, sondern nur Konfigurationsdateien für die eingebauten HA-Modbus-Integrationen brauchen. Die Repository liefert YAML-Snippets, die in die HA-Konfiguration eingebunden werden. Der Vorteil: Keine HACS-Abhängigkeit, keine externen Custom-Components. Der Nachteil: Deutlich weniger Komfort als bei den beiden HACS-Alternativen, keine automatische Aktualisierung, und die Fehlerbehebung ist schwieriger. Für Puristen ist diese Repository ein interessanter Weg, für die meisten Anwender ist die HACS-Route über ViperRNMC oder plan-d-io die praktikablere Lösung.Für Herr Vielguth war die Wahl klar: ViperRNMC/marstek_venus_modbus, weil er die Marstek-App weiterhin für die schnelle mobile Ladezustand-Abfrage nutzen wollte und weil die umfassende Entitäts-Liste alle relevanten Datenpunkte für seine geplante Automatisierung lieferte.
Schritt-für-Schritt: Marstek-Modem-USB und ViperRNMC-HACS in HA einrichten
Die folgende Anleitung dokumentiert die konkrete Einrichtung mit dem offiziellen Marstek-Modem-USB und der ViperRNMC-Repository, wie sie Herr Vielguth an einem Nachmittag im Mai 2026 umgesetzt hat. Die Voraussetzungen sind ein funktionierender Marstek Venus E mit aktueller Firmware (mindestens Version 3.2.5, veröffentlicht Januar 2026), ein Home-Assistant-Server mit installiertem HACS, ein Marstek-Modem-USB, und ein stabiles WLAN-Netzwerk.
Schritt eins ist die Firmware-Prüfung in der Marstek-App. Die App zeigt unter Einstellungen → Geräte-Info die aktuelle Firmware-Version. Wenn diese unter 3.2.5 liegt, muss zunächst ein Firmware-Update über die App durchgeführt werden. Das Update dauert rund fünfzehn Minuten und darf nicht unterbrochen werden. Ohne die aktuelle Firmware funktioniert die Modbus-TCP-Schnittstelle nicht. Schritt zwei ist die Installation des Marstek-Modems. Das Modem wird bei ausgeschaltetem Speicher in einen der beiden USB-Ports gesteckt, dann wird der Speicher wieder eingeschaltet. Nach rund drei Minuten meldet sich das Modem im Marstek-Cloud-Server an, und in der Marstek-App unter Einstellungen → Netzwerk erscheint eine neue Option Modem-Modus. Diese wird aktiviert. Der Speicher wechselt jetzt von der WLAN-Direktverbindung auf die Modem-Verbindung. Die IP-Adresse des Modems im lokalen Netzwerk kann in der Marstek-App unter Einstellungen → Netzwerk → Modem-Info abgelesen werden. Alternativ kann sie über die Fritzbox-Weboberfläche unter Heimnetz → Netzwerk gefunden werden. Für Herr Vielguth war die Modem-IP 192.168.178.87. Schritt drei ist die Vergabe einer statischen IP im DHCP-Router. Der Modbus-TCP-Zugriff braucht eine feste IP für den Speicher, sonst funktioniert die HA-Integration nicht mehr, wenn der DHCP-Server dem Modem eine neue IP zuweist. In der Fritzbox unter Heimnetz → Netzwerk → Netzwerkeinstellungen wird das Modem-Gerät ausgewählt und die Option Dieses Netzwerkgerät immer dieselbe IPv4-Adresse zuweisen aktiviert. Schritt vier ist die Installation der ViperRNMC-HACS-Repository. In HACS wird über die drei-Punkt-Menü rechts oben die Option Benutzerdefinierte Repositories geöffnet. Als URL wird eingetragen: https://github.com/ViperRNMC/marstek_venus_modbus, als Kategorie wird Integration gewählt. Nach dem Hinzufügen erscheint die Marstek-Venus-Modbus-Integration in der HACS-Übersicht und kann mit einem Klick installiert werden. HA muss danach neugestartet werden. Schritt fünf ist die Konfiguration der Integration. In HA unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen wird nach Marstek gesucht und die Marstek-Venus-Modbus-Integration ausgewählt. Als IP-Adresse wird die im Schritt zwei ermittelte Modem-IP eingetragen (192.168.178.87), als Port wird 502 verwendet (Standard-Modbus-TCP-Port), als Slave-ID wird 1 eingetragen (Standard-Marstek-Konfiguration). Die Integration verbindet sich innerhalb von fünf bis zehn Sekunden und legt automatisch rund vierzig Entitäten für den Speicher an. Schritt sechs ist die Verifikation der Entitäten. Unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Marstek Venus Modbus → Entitäten sollten alle relevanten Datenpunkte sichtbar sein: State of Charge (in Prozent), AC-Power (in Watt, positiv beim Laden, negativ beim Entladen), DC-Power (Solar-Eingang, in Watt), Temperature Battery (in Grad Celsius), Inverter Status (0=aus, 1=laden, 2=entladen), Mode (0=Selfconsumption, 1=Timed-Charge, 2=Manual). Wenn die Werte alle plausibel sind (State of Charge zwischen 0 und 100, AC-Power im erwarteten Bereich), ist die Integration erfolgreich.Für Herr Vielguth war der komplette Prozess in einer Stunde erledigt. Die einzige Verzögerung war der Firmware-Update-Schritt, der fünfzehn Minuten dauerte. Der Rest war reine Konfigurationsarbeit ohne technische Hürden.
Die Überschussladung mit Fronius Wattpilot oder Shelly 3EM konfigurieren
Nachdem die Integration steht, ist der interessante Teil die Automatisierung: Wie wird der Speicher mit dem PV-Überschuss geladen, statt aus dem Netz nachzuladen? Die technische Grundlage ist ein Zähler, der den aktuellen Netzeinspeisungs- oder Netzbezugswert liefert. Zwei Zähler-Marken dominieren in der HA-Community: der Fronius Wattpilot (typisch für Fronius-Wechselrichter-Nutzer) und der Shelly 3EM (typisch für Nutzer ohne Fronius, aber mit einem dreiphasigen Zähler-Anschluss).
Für Fronius-Wattpilot-Nutzer ist die Automatisierung besonders elegant, weil der Wattpilot bereits die Überschuss-Messung liefert und der Marstek über einen HA-Automations-Blueprint angesteuert werden kann. Der Blueprint (auf GitHub unter dem Namen marstek-wattpilot-surplus-charge zu finden) wird in HA importiert, die Wattpilot-Entität und die Marstek-Entität werden ausgewählt, und die Schwellenwerte für Aktivierung (typisch: PV-Überschuss über 500 Watt) und Deaktivierung (typisch: PV-Überschuss unter 100 Watt) werden eingestellt. Die Automation läuft dann alle dreißig Sekunden und lädt den Speicher mit dem verfügbaren Überschuss. Für Shelly-3EM-Nutzer ist die Automatisierung etwas manueller, weil die Shelly-Integration in HA zwar die Netz-Werte liefert, aber die Interpretation als Überschuss vom Nutzer selbst konfiguriert werden muss. Eine typische Automation im YAML-Format sieht so aus: Wenn Shelly-Sensor total_power negativ ist (Netzeinspeisung) und der Betrag mehr als 500 Watt beträgt, dann setze Marstek-Mode auf Manual und Marstek-Charge-Power auf den Betrag der Einspeisung, maximal 800 Watt. Wenn Shelly-Sensor positiv wird (Netzbezug) oder unter 100 Watt Einspeisung, setze Marstek-Mode zurück auf Selfconsumption. Diese Automation kann direkt in der HA-Konfiguration in YAML oder über den grafischen Automations-Editor angelegt werden.Für Herr Vielguth war die Konfiguration mit einem Shelly 3EM (den er bereits vor dem Marstek-Kauf für die Verbrauchsmessung installiert hatte) in rund dreißig Minuten erledigt. Die erste Testphase im Mai 2026 zeigte, dass die Automation zuverlässig lief: An sonnigen Tagen mit über 800 Watt PV-Überschuss lädt der Speicher automatisch bis zum vollen Ladezustand, an bewölkten Tagen mit weniger Überschuss lädt er langsamer, und in der Nacht entlädt er über die Selfconsumption-Standardfunktion.
Nach vier Wochen Betrieb zeigt die HA-Statistik einen Eigenverbrauchsanteil von 78 Prozent, verglichen mit 52 Prozent im April 2026, als die Automation noch nicht lief. Der Speicher hat den Netzbezug für die Nachtstunden praktisch komplett übernommen, was Herr Vielguth in seiner Tibber-Rechnung mit rund 45 bis 60 Euro Ersparnis pro Monat sieht. Der Marstek-Kaufpreis von 1.049 Euro plus Modem 45 Euro amortisiert sich damit binnen rund 18 Monaten, was für einen 5-kWh-Speicher ein sehr guter Wert ist.
Die drei häufigsten Anfängerfehler bei der Marstek-HA-Integration
Aus der HA-Community-Diskussion und aus den GitHub-Issues der drei Repositories haben sich drei typische Fehler herauskristallisiert, die Anfänger bei der Marstek-HA-Integration immer wieder machen. Sie zu vermeiden spart Stunden Debugging.
Fehler eins ist die falsche Modbus-Slave-ID. Der Marstek-Speicher hat standardmäßig die Slave-ID 1, aber in einigen Firmware-Versionen (insbesondere 3.1.x und älter) ist die Slave-ID auf 0 oder 2 gesetzt. Wenn die Integration keine Werte liefert, ist die häufigste Ursache eine falsche Slave-ID. Der Test: In der Marstek-App unter Einstellungen → Erweitert → Modbus → Slave-ID kann die aktuelle ID abgelesen und gegebenenfalls geändert werden. Fehler zwei ist die parallele Nutzung von Marstek-App und HA-Automation. Wenn die HA-Automation den Speicher auf Manual-Modus setzt und gleichzeitig die Marstek-App im Hintergrund die Timed-Charge-Automation aktiviert hat, gibt es einen Konflikt: Die Marstek-Firmware wechselt alle paar Sekunden zwischen den beiden Modi, was zu einem instabilen Ladezustand und zu Verbindungsabbrüchen führt. Die Lösung: Entweder die Marstek-App-Automationen komplett deaktivieren (Timed-Charge und Selfconsumption-Zeitfenster deaktivieren) und alle Steuerung über HA laufen lassen, oder die HA-Automation nur im Selfconsumption-Modus arbeiten lassen und die Marstek-App die Timed-Ladung erledigen lassen. Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Fehler drei ist die Vernachlässigung der Firmware-Updates. Marstek veröffentlicht alle vier bis sechs Wochen ein neues Firmware-Update, das teilweise die Modbus-TCP-Schnittstelle ändert (neue Register, umbenannte Werte, gelegentlich auch veränderte Slave-IDs). Wer die HA-Integration einmal aufsetzt und nie wieder aktualisiert, hat nach sechs Monaten eventuell nicht mehr funktionierende Entitäten. Die Empfehlung: Firmware-Updates monatlich in der Marstek-App durchführen, und danach die HACS-Repository ebenfalls aktualisieren (unter HACS → Marstek Venus Modbus → drei-Punkt-Menü → Aktualisieren). Wenn nach einem Firmware-Update Werte fehlen oder falsch sind, ist meist ein HACS-Update fällig.Was der Marstek Venus E im Alltag leistet
Nach vier Monaten Betrieb mit der HA-Integration zieht Herr Vielguth eine positive Bilanz. Der Speicher lädt an sonnigen Tagen komplett aus dem PV-Überschuss (typisch 4 bis 5 kWh Ladung zwischen 10 und 14 Uhr), entlädt sich zwischen 18 und 24 Uhr für die abendlichen Verbraucher (Kochen, Waschmaschine, Beleuchtung), und geht in der Nacht in einen Standby-Modus. Der Netzbezug für den Haushalt (Zwei-Personen, Reihenhaus, ohne Wärmepumpe) ist von rund 6 kWh pro Tag im April auf rund 1,5 kWh pro Tag im Juli gefallen. Die Tibber-Rechnung zeigt eine Ersparnis von rund 55 Euro pro Monat, was für die 1.094-Euro-Investition eine Amortisation von rund zwanzig Monaten bedeutet.
Die Zuverlässigkeit der HA-Integration ist über die vier Monate ohne größere Ausfälle geblieben. Ein Verbindungsabbruch tritt gelegentlich auf (typisch zweimal pro Monat), wird aber innerhalb von zwei bis fünf Minuten automatisch wieder hergestellt. Ein Firmware-Update im Juni 2026 hat die HA-Integration für vierundzwanzig Stunden lahmgelegt, weil die neue Firmware die Modbus-Register umnummeriert hatte. Nach einem HACS-Update war die Integration wieder funktionsfähig. Diese kleinen Störungen sind der Preis, den man für ein sehr aktives Community-Projekt zahlt, aber der Nutzen überwiegt bei weitem.
Die Community-Empfehlung für den Marstek-Kauf 2026 ist damit klar. Der Speicher ist bei einem Preis von rund 1.050 Euro der günstigste 5-kWh-Balkonspeicher am Markt, die HA-Integration ist mit dem offiziellen Modem-USB in einer Stunde aufgesetzt, die Automatisierung mit einem Zähler (Fronius Wattpilot, Shelly 3EM oder gleichwertig) läuft nach einem Nachmittag Konfiguration zuverlässig, und die Ersparnis durch die höhere Eigenverbrauchsquote amortisiert die Investition binnen weniger Monate. Für einen HA-Nutzer mit einem Balkonkraftwerk zwischen 600 und 800 Watt oder einer kleinen PV-Anlage bis 3 kWp ist der Marstek Venus E aktuell die klare Preis-Leistungs-Empfehlung.
Wer die Investition scheut, weil er die technische Komplexität der HA-Integration nicht abschätzen kann, sollte sich von diesem Artikel und den drei genannten Repositories nicht abschrecken lassen. Der Aufwand für die Grundintegration liegt bei einer Stunde und ist mit den vorhandenen Anleitungen auch für nicht-technische HA-Nutzer machbar. Der schwierigere Teil ist die Konfiguration der Automation, die aber mit einem der genannten Blueprints (marstek-wattpilot-surplus-charge, marstek-shelly-3em-surplus-charge) in weniger als einer Stunde erledigt ist. Wer die zwei Stunden investiert, holt sich einen Speicher, der aktiv arbeitet, statt nur als Standby-Backup herumzustehen.
Herr Vielguth in Herrsching hat sein Setup mittlerweile um einen zweiten Shelly Plug S für die Wärmepumpe erweitert und plant für den Winter 2026-2027 eine Automation, die die Wärmepumpe bei Netzbezugspreisen unter fünf Cent pro Kilowattstunde für die Warmwasserbereitung nutzt. Die Ersparnis-Rechnung wird damit noch günstiger, und die Home-Assistant-Investition wird zu einer echten Energieoptimierungs-Plattform. Der Marstek Venus E war dabei der Einstieg, aber nicht das Endziel.