!Hausdach mit Solarmodulen

Am 21. Juni 2025 bat ein evcc-Nutzer mit dem Namen ubieberich auf GitHub um Unterstützung für seine Anker Solix Solarbank 3. Er bot an, alles zu testen, was jemand dafür programmiere. Der Maintainer andig, einer der Köpfe hinter evcc, antwortete noch am selben Tag freundlich und ziemlich endgültig: Man könne die Daten per Custom Meter aus Home Assistant holen, einen Pull Request nehme man gern an, aber "the core team won't work on this". Zwölf Tage später war das Ticket als "not planned" geschlossen.

Ein Jahr später sieht die Lage anders aus, allerdings nicht für die Solarbank 3. evcc kennt inzwischen zwei Anker-Geräte, und die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein. Das eine lässt sich richtig steuern, das andere liefert nur Zahlen, und für die älteren Solarbank-Modelle, die man am häufigsten auf Balkonen sieht, gibt es weiterhin keinen direkten Weg. Wenn Sie wissen wollen, ob Ihr Anker-Speicher mit evcc zusammenarbeitet oder ob Sie vor dem Kauf eines neuen Geräts genauer hinschauen sollten, finden Sie hier die Antwort, Stand evcc 0.316.0 vom 22. September 2026.

Die Kurzfassung

GerätIn evccWegWas geht
Solarbank Max ACeigenes Template seit Juli 2026Modbus TCP, lokalMesswerte und Batteriesteuerung (Normal, Halten, Netzladen, Entladen)
Solix X1eigenes Template seit Mai 2026Modbus TCP, lokalnur Messwerte, keine Steuerung
Solarbank 4 E5000 Prokein Templateüber Home AssistantMesswerte, Steuerung per Skript
Solarbank 2 und 3kein Template, abgelehntCloud über Home AssistantMesswerte mit Verzögerung, Steuerung praktisch unbrauchbar
Der Grund für diese Zweiteilung liegt nicht bei evcc, sondern bei Anker. Nur die neueren Geräte haben eine lokale Modbus-TCP-Schnittstelle. Das Fachportal pv-balkon.de fasst es knapp zusammen: Solarbank Max AC und Solarbank 4 E5000 Pro sprechen Modbus TCP, die älteren E1600- und E2700-Modelle nicht. Für diese Neugeräte hat Anker Ende Februar 2026 eine eigene Home-Assistant-Integration auf GitHub veröffentlicht (ha-anker-solix-official), die laut Beschreibung komplett lokal arbeitet, ohne Cloud-Konto.

Solarbank Max AC: der einzige Anker, den evcc wirklich fährt

Die Max AC ist ein wechselstromgekoppelter Speicher mit 7 kWh, der sich laut Anker mit bis zu fünf Erweiterungsakkus BP7000 auf 42 kWh ausbauen lässt. An der normalen Steckdose gibt er ab Werk 800 Watt ab, an einem eigenen Stromkreis mit fachgerechter Installation bis zu 3.500 Watt. Das Portal smartzone.de hat das Gerät im September 2026 getestet und kam auf rund 6.150 Wh nutzbare Kapazität bei 7.000 Wh Nennwert. Die Nulleinspeisung hat den Hausverbrauch in 95,2 Prozent der Betriebszeit vollständig ausgeglichen. Das ist ordentlich. Zwei Kritikpunkte aus demselben Test sollten Sie vor dem Kauf kennen, gerade wenn evcc mitspielen soll: Es gibt keinen LAN-Anschluss, und das Gerät funkt nur im 2,4-GHz-WLAN. Ihre Modbus-Verbindung hängt also an der Qualität Ihres Funknetzes.

In evcc kam die Max AC in drei Schritten an. Am 12. Juli 2026 wurde das Template von FrankvdAa eingebracht, sechs Tage später ergänzte djfanatix die Batteriesteuerung, und am 20. September folgte das Entladen. Diese letzte Änderung steckt in evcc 0.316.0. Wer eine ältere Version betreibt, hat nur einen Teil der Funktionen.

Die Einrichtung ist unspektakulär. Sie schalten Modbus TCP in der Anker-App frei, das verlangt die evcc-Dokumentation ausdrücklich als Voraussetzung. Danach legen Sie in evcc bis zu drei Zähler mit dem Template anker-solix-solarbank-max-ac an, je einen für Netz, PV und Batterie, jeweils mit IP-Adresse, Port 502 und Modbus-ID 1. Beim Batteriezähler tragen Sie zusätzlich die Kapazität ein. Das Template setzt als Standard 2.500 Watt Ladeleistung, 800 Watt Entladeleistung und einen Watchdog von 60 Sekunden.

Der Watchdog ist klüger, als er klingt. evcc muss seinen Steuerbefehl regelmäßig erneuern. Bleibt das aus, weil evcc abstürzt oder das WLAN wegbricht, fällt der Speicher nach 60 Sekunden von selbst in den Normalbetrieb zurück. Das ist genau das Verhalten, das man sich von einem Gerät wünscht, das den Hausstrom puffert: Ein toter Steuerrechner hinterlässt keinen Speicher, der stundenlang im falschen Modus hängt.

Was die Steuerung kann und was nicht

Die Max AC unterstützt allerdings nicht alle Modi, die evcc kennt. Im Template stehen vier: Normal, Halten, Netzladen und Entladen. Technisch schreibt evcc dafür einen einzigen Leistungssollwert in ein Register, positiv für Entladen, negativ für Laden, null für Stillstand.

Das Problem beim Modus "Halten" hat marcelvanveen im September 2026 in einem evcc-Ticket beschrieben. Eigentlich soll Halten bedeuten: Die Batterie gibt nichts ab, darf aber weiter PV-Überschuss aufnehmen. evcc nutzt das zum Beispiel, wenn das Auto schnell lädt und der Hausspeicher dabei nicht leergezogen werden soll. Bei der Solarbank bedeutet Halten aber Sollwert null, also weder Laden noch Entladen. Der verwandte Modus "Laden sperren" (holdcharge) ist aus demselben Grund gar nicht umgesetzt. marcelvanveen hat deshalb am 14. September bei Anker eine Funktionsanfrage gestellt, die Grenzwerte für Netzbezug und Netzeinspeisung auch per Modbus setzen zu dürfen, so wie es Marstek bei der Venus-Serie bereits erlaubt. Die Anfrage ist bei Redaktionsschluss offen, hat aber schon Zuspruch von anderen Besitzern bekommen.

Praktisch heißt das: Wenn Sie in evcc die Entladesperre beim Schnellladen aktiv haben, verzichtet Ihre Max AC in dieser Zeit auch auf Solarüberschuss. An einem Sommertag mit viel Sonne kostet Sie das ein paar Kilowattstunden, die dann ins Netz gehen. Ob Sie damit leben können, hängt davon ab, wie oft Ihr Auto tagsüber mit voller Leistung lädt.

Solix X1: sieht alles, steuert nichts

Der X1 ist Ankers großer Hybridwechselrichter mit Speicher, eine andere Liga als die Balkonspeicher. Sein evcc-Template kam am 2. Mai 2026 und kann Netz, PV und Batterie auslesen, einschließlich der Einzelphasen. Eine Batteriesteuerung fehlt. Im Template steht keine entsprechende Fähigkeit, evcc kann den X1 also weder zum Netzladen bringen noch beim Schnellladen des Autos das Entladen sperren.

Dazu kommt ein Hinweis, den man selten so offen liest. Die evcc-Dokumentation schreibt, das Template sei mit Firmware 1.0.16.1 getestet, und ältere oder neuere Versionen "können andere Registeradressen verwenden und daher falsche Daten liefern". Wie real das ist, zeigt die Geschichte des Templates: Im Juni und Juli 2026 wurden dreimal Registerzuordnungen korrigiert, zuletzt die Skalierung der Energiezähler. Am 19. Juli meldete trotzdem ein Nutzer, dass seine Zähler weiterhin daneben lagen, geladene Batterieenergie etwa um den Faktor 6,3 zu hoch, 112,7 kWh in evcc gegenüber 17,88 kWh in der Anker-App. Das Ticket wurde später mangels Rückmeldung geschlossen, ohne dass geklärt wurde, ob die Werte inzwischen stimmen.

Mein Rat für X1-Besitzer: Die Momentanleistungen und den Ladestand aus evcc können Sie für die PV-Überschussladung nutzen, denn genau dafür braucht evcc sie. Die Kilowattstunden-Summen würde ich mit der Anker-App abgleichen, bevor ich ihnen in Statistiken traue.

Solarbank 4 E5000 Pro: lokal, aber ohne eigenes Template

Die Solarbank 4 hat Modbus TCP, evcc kennt sie trotzdem nicht. Ein eigenes Template gibt es bei Redaktionsschluss nicht, und die Suche im evcc-Repository findet auch keine offene Anfrage dafür. Der Weg führt über Home Assistant. Sie binden die Solarbank dort mit der offiziellen Anker-Integration ein und lesen die Werte in evcc über das Template homeassistant aus.

Für die Steuerung bietet dieses Template Skript-Parameter: modeNormal, modeHold und modeCharge, seit evcc 0.316.0 zusätzlich modeHoldCharge und modeDischarge. evcc ruft dann je nach Situation ein Home-Assistant-Skript auf, und was dieses Skript tut, bestimmen Sie. Das ist mehr Bastelarbeit als ein fertiges Template, hat aber einen Vorteil: Sie können im Skript Dinge umsetzen, die das Gerät selbst nicht anbietet.

Ein Stolperstein beim Verbinden, dokumentiert in einem evcc-Ticket vom 17. Juli 2026: Der früher übliche Long-Lived Access Token aus Home Assistant wird nicht mehr ausgewertet. evcc meldet dann stur "login required", obwohl der Token gültig ist. Die Anmeldung läuft inzwischen über eine OAuth-Freigabe in der Weboberfläche von evcc. andig empfahl dem Betroffenen, auf die Konfiguration per Oberfläche umzusteigen, und genau das sollten Sie von Anfang an tun.

Eine Einschränkung meldete der Nutzer Tr4ansp0rter am 18. September bei Anker, gemessen an zwei E5000 Pro mit Firmware 1.0.2.42: Sobald eine Bank 100 Prozent Ladestand erreicht, schiebt sie PV-Überschuss ins Netz, egal welchen Sollwert man per Modbus schreibt. Wenn evcc diesen Überschuss eigentlich ins Auto lenken will, konkurriert es an dieser Stelle mit der Firmware.

Solarbank 2 und 3: nur über die Cloud

Für die älteren Modelle bleibt die Community-Integration ha-anker-solix von Thomas Luther, die über Ankers Cloud-Schnittstelle arbeitet. Laut pv-balkon.de liefert sie bei Solarbank 2 und 3 Daten etwa alle fünf Minuten, und Steuerbefehle brauchen ein bis drei Minuten, bis sie ausgeführt sind. Im April 2026 hat außerdem eine Änderung auf Ankers Seite die Steuerung des Ausgangslimits zeitweise lahmgelegt.

Wie groß die Verzögerung im Alltag ist, hat der Nutzer Volvotreter gemessen und am 4. Juli 2026 im Photovoltaikforum veröffentlicht: Steuerbefehle über die Cloud brauchten im Schnitt 94 Sekunden, im günstigsten Fall 16, im ungünstigsten 253. Er startete dazu einen Aufruf an Anker, auch Solarbank 2 und 3 eine lokale Schnittstelle zu geben, und stellte dieselbe Bitte parallel auf GitHub. Das GitHub-Ticket wurde geschlossen, eine Zusage von Anker ist nicht dokumentiert. Ein Teilnehmer im Forum riet nüchtern, vor dem Kauf zu prüfen, was ein Gerät kann, statt auf Nachrüstungen zu hoffen.

Für evcc bedeutet das: Die Werte einer Solarbank 2 oder 3 kann man über Home Assistant anzeigen lassen. Steuern sollte man sie über diesen Weg nicht. evcc regelt die Überschussladung im Sekundenbereich. Ein Speicher, der erst anderthalb Minuten später reagiert, wenn überhaupt, macht aus dieser Regelung ein Glücksspiel. Lassen Sie die Solarbank in diesem Fall im eigenen Nulleinspeisungsmodus laufen und behandeln Sie sie in evcc als reinen Messwert.

Was evcc mit einem steuerbaren Speicher überhaupt anfängt

Damit die Frage "steuerbar oder nicht" nicht abstrakt bleibt, hier die Funktionen, die laut evcc-Dokumentation von einer Batteriesteuerung abhängen:

  • Entladesperre: Beim Schnellladen, beim geplanten Laden und beim Laden nach günstigem Netzstrom wird der Hausspeicher nicht entladen. Ohne Steuerung fließt der Speicherinhalt ins Auto.
  • Netzladen: Mit dynamischem Stromtarif lädt evcc den Hausspeicher aus dem Netz, sobald der Preis unter eine von Ihnen gesetzte Grenze fällt. Bei einer Leistungsreduzierung nach § 14a pausiert das automatisch.
  • Entladen ins Netz: Neu in 0.316.0 und nur aktiv, wenn Sie ausdrücklich eine Einspeisegrenze setzen. Die Funktion zielt auf Tarife mit variabler Einspeisevergütung.
Die Prioritäts- und Puffer-Einstellungen, also bis zu welchem Ladestand der Speicher Vorrang vor dem Auto hat und ab wann er das Auto mitversorgen darf, funktionieren dagegen auch mit einem reinen Messzähler, weil evcc dafür nur den Ladestand lesen muss.

Meine Empfehlung

Wenn Sie einen Anker-Speicher kaufen wollen und evcc ein Grund dafür ist, gibt es derzeit genau ein Gerät, das ich guten Gewissens nennen kann: die Solarbank Max AC. Sie hat ein offizielles Template, eine lokale Schnittstelle und einen Entwickler, der erkennbar am Ball bleibt. Die Einschränkung beim Halten-Modus ist ärgerlich, aber sie ist dokumentiert und liegt bei Anker als Anfrage auf dem Tisch.

Die Solarbank 4 funktioniert über Home Assistant, verlangt aber mehr Eigenarbeit. Das lohnt sich für Leute, die ohnehin Home Assistant betreiben und gern Skripte schreiben. Wer evcc einfach aufstellen und vergessen will, wird damit nicht glücklich.

Beim X1 würde ich evcc als Anzeige und für die Überschussladung nutzen und die Batteriesteuerung beim Hersteller lassen, bis jemand ein Template mit Steuerung beisteuert.

Und wer eine Solarbank 2 oder 3 besitzt, sollte die Hoffnung auf eine evcc-Steuerung vorerst begraben. Da kann evcc nichts dafür: Anker hat diesen Geräten schlicht keine lokale Schnittstelle gegeben, und andig hat im Juni 2025 ehrlich gesagt, dass sein Team das nicht über die Cloud nachbauen wird. Rückblickend war das die richtige Entscheidung.

Wer evcc noch nicht kennt: Welche Wallboxen dazu passen, steht in unserer Wallbox-Empfehlung für evcc. Und wie sich Anker, Marstek, Zendure und EcoFlow grundsätzlich in Home Assistant verhalten, vergleicht unser Artikel über Balkonkraftwerk-Speicher in Home Assistant.


Quellen: GitHub evcc-io/evcc, Issue #21963 "Add support Anker Solix Solarbank 3 (E2700 Pro)" (ubieberich, 21.06.2025, Antwort andig, geschlossen als not planned 03.07.2025) · evcc-Dokumentation, Geräteseiten "Anker SOLIX Solarbank Max AC" und "Anker SOLIX X1 Hybrid Inverter" · GitHub evcc-io/evcc, Templates anker-solix-solarbank-max-ac.yaml und anker-solix-x1.yaml samt Commit-Historie (PR #29548 vom 02.05.2026, #31696 vom 12.07.2026, #31869 vom 18.07.2026, #32365 vom 20.09.2026) · evcc Release 0.316.0 vom 22.09.2026 (Release Notes, u.a. #31995 Entladen ins Netz, #33841 Home-Assistant-Batteriemodi) · GitHub evcc-io/evcc, Issue #33779 (marcelvanveen, 16.09.2026, Kommentare zu hold und holdcharge) · GitHub evcc-io/evcc, Issue #31937 (X1-Energiezähler, 19.07.2026) · GitHub evcc-io/evcc, Issue #31875 (Home-Assistant-Anmeldung, 17.07.2026) · evcc-Dokumentation, Template homeassistant.yaml (Skript-Parameter modeNormal bis modeDischarge) · evcc-Dokumentation, "Home battery" (Priorität, Puffer, Entladesperre, Netzladen) · GitHub anker-charging/ha-anker-solix-official, Repository-Beschreibung und Issue #126 (marcelvanveen, 14.09.2026; Kommentar Tr4ansp0rter, 18.09.2026) · pv-balkon.de, "Anker SOLIX Home Assistant: HACS vs. Modbus" · smartzone.de, "Anker Solix Solarbank Max AC im Test" (Lennart Moog, 22.09.2026) · Anker SOLIX, Produktseite Solarbank Max AC (A17E2) · Photovoltaikforum, Thread "Bitte lokale Steuerung / Modbus TCP für Anker Solarbank 2 und Solarbank 3 nicht aufgeben" (Volvotreter, 04.07.2026)