Christian aus Neusäß, 44, Ingenieur bei einem Zulieferer in Augsburg, hatte im März 2026 alle drei Puzzleteile beisammen, die er sich seit Jahren gewünscht hatte. Eine 10,4 kWp Solaranlage mit Fronius-Symo-Wechselrichter auf dem Süddach, einen Tibber-Vertrag mit Pulse an der Zählerschrank-Optik, und ein bestelltes Tesla Model Y in Midnight Silver, Liefertermin Ende April. In der Garage hing seit dem Herbst davor eine Wallbox Pulsar Plus mit 11 kW, weil ihm der Elektriker sie gemeinsam mit der PV-Installation eingebaut hatte, ohne dass Christian tief hineingeschaut hätte, welche das war. Der Elektriker hatte in seinem Sortiment die Pulsar Plus, sie war zu dem Zeitpunkt die meistverkaufte Wallbox im deutschen Markt, und Christian hatte nicht nachgehakt. Er dachte, eine Wallbox sei eine Wallbox, und intelligent würde sie schon irgendwie werden.

Am ersten Wochenende nach der Fahrzeugübergabe wollte er es dann wissen. Auto einstecken, App auf, "lade nur bei Sonne" einstellen. Er öffnete die myWallbox App, klickte sich durch Menüs, fand keinen PV-Modus. Er suchte im Handbuch, im Support-Forum, im Reddit. Was er fand, war ernüchternd. Die Pulsar Plus kannte kein natives PV-Überschussladen. Wer die Funktion wollte, musste einen zusätzlichen Adapter kaufen, die Power Boost genannt wurde, plus Cloud-Abo, plus einen extra Stromsensor. Und wenn er dann die Preise für Tibber-Optimierung nachlas, war klar: das würde auch nicht funktionieren, weil die Pulsar Plus nur mit dem Wallbox-eigenen Ökosystem redete. Kein Tibber. Kein Fronius-Zugriff. Nichts.

Ein Kollege aus dem Home-Assistant-Meetup in Augsburg-Kriegshaber, den Christian sonst nur online kannte, warf beim nächsten Treffen im Mai das Wort EVCC in die Runde. Christian hatte am Abend darauf zwei Stunden bei mir am Küchentisch gesessen, wir haben durchgeklickt was möglich ist, und am Ende die Pulsar Plus zurückgegeben und einen go-eCharger HOMEfix bestellt. Seit Anfang Juni fährt er sein Model Y für unter 5 Euro pro 100 Kilometer, weil EVCC die Fronius-Daten liest, den Tibber-Preis kennt, und die Wallbox minütlich neu ansteuert. Was ich in den Wochen danach mit ihm über die Wallbox-Auswahl im Detail durchgegangen bin, ist die Grundlage dieses Artikels. Wer EVCC einsetzen will oder mit dem Gedanken spielt, findet hier die konkrete Kaufberatung, die Christian im April 2026 gebraucht hätte und nirgendwo gefunden hat.

Warum die Wallbox-Wahl bei EVCC wichtiger ist als du denkst

Wer EVCC noch nicht kennt, findet in unserem älteren Grundlagen-Artikel die komplette Übersicht, wie das Zusammenspiel aus Wallbox, Solaranlage und dynamischem Stromtarif funktioniert. Kurz zusammengefasst: EVCC ist eine kostenlose Open-Source-Software, die seit 2019 in München entwickelt wird, mit derzeit über 200 unterstützten Wallbox-Modellen und mehr als 40 Fahrzeug-Marken. Die Software läuft auf einem Mini-Server, oft dem Raspberry Pi oder einem Home-Assistant-Add-on, und dirigiert das Ladeverhalten deiner Wallbox anhand von PV-Ertrag, Hausverbrauch, Spotpreis und Fahrzeug-Ladestand (Übersicht EVCC-Dokumentation).

Der Punkt ist: nicht jede Wallbox spielt mit EVCC gleich gut. Einige lassen sich in dreißig Sekunden per lokaler HTTP-API einbinden, andere brauchen einen umständlichen OCPP-Umweg mit einer Bridge, wieder andere sind auf eine Hersteller-Cloud angewiesen, die jederzeit dichtgemacht werden kann. Wer die falsche Wallbox kauft und danach EVCC einsetzen will, sitzt entweder auf einem Kompromiss oder muss die Wallbox tauschen. Christian hat 1.100 Euro verloren, weil er die Reihenfolge falsch herum angegangen ist. Erst Software wählen, dann Wallbox, das ist die Regel.

Die zweite Regel: eine Wallbox, die im Werbetext "smart" oder "PV-fähig" verspricht, ist damit nicht automatisch für ein offenes Setup geeignet. Der Zappi, um ein prominentes Beispiel zu nehmen, hat exzellente PV-Überschuss-Steuerung eingebaut, aber sie ist proprietär und läuft über die myenergi-Cloud. Wer damit zufrieden ist, braucht kein EVCC. Wer aber später Tibber dazunehmen will, oder einen zweiten Wagen, oder ein Home-Assistant-Dashboard mit eigenen Automatisierungen, stößt bei geschlossenen Systemen früh an eine Wand. Offenheit ist bei Wallboxen wie bei Smart Home allgemein die Eigenschaft, die man am wenigsten sieht, aber die den langfristigen Wert bestimmt.

Wie EVCC eine Wallbox anspricht: die drei Integrations-Klassen

Bevor wir zu den einzelnen Modellen kommen, ein Blick unter die Haube. EVCC redet mit Wallboxen auf einem von drei Wegen, und die Qualität deiner Erfahrung hängt stark davon ab, welchen Weg deine Wallbox unterstützt.

Die erste Klasse ist die native lokale API. Die Wallbox stellt in deinem Heim-WLAN einen HTTP-Endpunkt oder einen Modbus-TCP-Server bereit, EVCC fragt alle paar Sekunden den aktuellen Status ab und setzt neue Ladewerte. Alles läuft im lokalen Netzwerk, kein Internet nötig, keine Cloud dazwischen, Latenz unter 500 Millisekunden. Das ist der Goldstandard. Die Wallboxen von go-e, KEBA, openWB, Alfen (mit Modbus-Kit), cFos und Fronius Wattpilot spielen alle in dieser Liga (Kompatibilitätsübersicht EVCC-Charger-Doku).

Die zweite Klasse ist OCPP 1.6J. OCPP steht für Open Charge Point Protocol, ein offener Standard aus der Welt der öffentlichen Ladesäulen. Deine Wallbox verbindet sich mit einem lokalen OCPP-Server, den EVCC bereitstellt, und schickt dorthin ihre Daten. Der Weg funktioniert, aber er hat Eigenheiten. Der wichtigste Haken: viele Wallboxen können OCPP nur zu einem einzigen Server gleichzeitig reden, und wenn du OCPP für EVCC aktivierst, verlierst du meistens den Zugriff über die Hersteller-Cloud-App. Wallbox Pulsar Plus, Alfen ohne Modbus-Kit, Easee und viele Mennekes-Modelle laufen auf diesem Weg. Für die meisten Zwecke reicht das, aber die Konfiguration ist deutlich anspruchsvoller als bei einer nativen Integration (Wallbox Pulsar Plus OCPP-Diskussion im EVCC-Repository).

Die dritte Klasse ist die Cloud-API. EVCC redet über das Internet mit der Hersteller-Cloud, die Cloud spricht mit deiner Wallbox. Zwei Sprünge, zwei potentielle Ausfallpunkte, dazu eine Abhängigkeit vom Hersteller. Easee und Wallbox in bestimmten Konfigurationen fallen hierunter, wenn OCPP nicht möglich ist. Es funktioniert, aber wenn die Cloud ausfällt oder der Hersteller die API ändert, steht dein Laden still. Wir empfehlen diese Klasse nur, wenn der Rest nicht geht.

Die acht Wallboxen im EVCC-Portrait

Aus dem großen Feld der über 200 EVCC-kompatiblen Wallboxen sind acht Modelle in der deutschen Smart-Home-Praxis so relevant, dass sie hier eine eigene Betrachtung verdienen. Wir gehen sie einzeln durch, mit Preis, Integrationsklasse, Stärken und Schwächen, und ordnen sie am Ende in vier Nutzer-Profile ein.

go-eCharger HOMEfix 11 kW: die Empfehlung für die meisten

Der go-eCharger HOMEfix ist die Wallbox, die wir für ein normales Einfamilienhaus mit einem oder zwei Elektroautos ohne Zögern empfehlen. Er kostet in der 11-kW-Version aktuell zwischen 549 und 649 Euro, wurde 2025 von der Stiftung Warentest mit der Note 1,8 als Testsieger ausgezeichnet und wurde auch von ADAC und ÖAMTC als Preis-Leistungs-Sieger benannt (Test go-eCharger HOMEfix 11 kW, ADAC).

Für EVCC hat der HOMEfix drei Eigenschaften, die ihn zur Standard-Wahl machen. Erstens: er redet mit EVCC über die lokale HTTP-API-v2, ohne Sponsor-Token, ohne Cloud-Abo, mit voller Feature-Unterstützung. Zweitens: er unterstützt automatische Umschaltung zwischen einphasigem und dreiphasigem Laden. Diese Funktion, in der Fachsprache 1P3P-Switching genannt, ist bei PV-Überschussladen zentral. Solange die Sonne wenig liefert, lädt das Auto einphasig ab 1,4 kW, sobald der Überschuss über 4,2 kW steigt, schaltet EVCC automatisch auf drei Phasen um. Ohne diese Umschaltung ist reines Solar-Laden im Winter oder am frühen Morgen faktisch unmöglich, weil dreiphasige Wallboxen erst ab 4,2 kW starten. Drittens: die Community-Unterstützung ist enorm, jedes Forum hat Konfigurations-Beispiele, und der Hersteller aus Feldkirch hält die API-Dokumentation aktuell und offen (go-eCharger HOMEfix EVCC-Doku).

Was die YAML-Konfiguration angeht, ist der HOMEfix ein Einzeiler. In der EVCC-Konfigurationsdatei genügt der Eintrag Charger-Type template mit template go-e-v3 und der lokalen IP-Adresse des Geräts. Voraussetzung ist eine Firmware ab Version 040.0, und in der go-e-App muss unter Einstellungen die HTTP-API-v2 einmalig aktiviert werden. Danach findet EVCC die Box automatisch und man ist fertig.

Die Schwächen sind ehrlich benannt kurz. Der HOMEfix hat kein Display am Gerät, wer den Ladezustand sehen will, braucht das EVCC-Dashboard oder die go-e-App. Er hat keinen RFID-Kartenleser wie die Gemini-Variante, was in einem Einfamilienhaus meistens egal ist, in einer Doppelhaushälfte mit gemeinsamer Wallbox aber ein Argument für das teurere Gemini-Modell sein kann. Und das Gehäuse aus Kunststoff wirkt weniger wertig als bei KEBA oder Alfen, was für Innenaufstellung in der Garage keine Rolle spielt.

go-eCharger Gemini 2.0: der Bruder mit RFID und Display

Wer im HOMEfix schon fast das Richtige gefunden hat, aber ein Gerät mit Display, RFID und ansprechendem Aluminium-Gehäuse sucht, greift zum go-eCharger Gemini 2.0. Preis 799 bis 899 Euro je nach Ausstattung, technisch identisch zum HOMEfix in Bezug auf EVCC-Integration und Umschaltung, aber mit Wechselstecker für Wandhalterung oder mobile Nutzung (go-e Gemini 2.0 EVCC-Doku).

Für unser Kaufberatungs-Raster ist der Gemini die richtige Wahl, wenn du entweder RFID für Nutzerauthentifizierung willst (mehrere Haushalte, Firmenwagen mit separater Abrechnung), oder wenn du die Wallbox halb-mobil einsetzen möchtest, etwa als Zweitgerät fürs Wochenendhaus. Für die reine Garagen-Anwendung im Einfamilienhaus reicht der HOMEfix, dann sparst du 250 Euro für nichts, was du im Alltag brauchst.

KEBA KeContact P30 x-series: der Industrie-Klassiker

KEBA aus Linz baut Wallboxen seit über zwei Jahrzehnten und beliefert unter anderem die Industrie und den Flottenmarkt. Die KeContact P30 x-series ist das Premium-Modell im Sortiment, Preis 999 bis 1.399 Euro je nach Ausstattung. Das Gehäuse ist metallisch, robust, IP54, macht auch draußen an der Hauswand eine sehr gute Figur, und die Verarbeitungsqualität liegt eine Klasse über den go-e-Geräten.

Für EVCC ist die x-series eine der besten Wallboxen überhaupt, weil sie über Modbus TCP kommuniziert, den Industriestandard für zuverlässige Feldbusdaten. EVCC braucht nur IP-Adresse und Modbus-ID, danach läuft die Verbindung stabil, schnell und ohne die kleinen Aussetzer, die manche HTTP-basierte Wallbox alle paar Wochen zeigt. Die minimale Firmware für EVCC ist 1.11 auf der x-series, für die günstigere c-series 3.10.42 (KEBA P30 x-series EVCC-Doku).

Der wichtige Haken bei der KEBA ist die Phasenumschaltung. Weder x- noch c-series kann intern zwischen 1P und 3P wechseln. Wer diese Funktion für PV-Überschussladen will, muss den externen KeContact S10 dazukaufen, ein zusätzliches Modul im Zählerschrank, das Aufpreis 150 bis 200 Euro und Installationsaufwand bedeutet. Für Nutzer, die primär Tibber-basiert laden und PV nur als Zusatzquelle nutzen, ist das kein Problem, weil im dreiphasigen Modus ab 4,2 kW die Effizienz-Optimierung sowieso greift. Wer aber wirklich mit jedem Watt Solar-Überschuss laden will, sollte die zusätzlichen Kosten einrechnen (KEBA P30 x-series Testbericht 2026).

Ein zweiter Punkt: KEBA verlangt für EVCC-Nutzung einen Sponsor-Token. Das ist eine einmalige Zahlung an das EVCC-Team, aktuell 60 Euro, die den Zugriff auf die Modbus-Templates freischaltet. Wer EVCC ohnehin unterstützen will, bekommt damit auch die kompletten Features aller sponsorenpflichtigen Wallboxen frei. Es ist ein fairer Deal, aber man sollte ihn kennen, bevor man in der Kaufentscheidung überrascht wird.

openWB series 2: die Komplettlösung ohne Extra-Server

openWB aus Achern in Baden-Württemberg hat eine Sonderstellung im Wallbox-Markt, weil das Gerät bereits von Werk aus EVCC-fähige Software mitbringt. Wer keinen Raspberry Pi, kein Synology-NAS und kein Home Assistant für EVCC bereitstellen will, weil er sich mit Servern nicht auseinandersetzen möchte, findet in der openWB series 2 eine plug-and-play-Lösung. Preise 1.235 bis 2.100 Euro je nach Variante, wobei die Standard-Ausführung mit 7-Zoll-Touchscreen bei etwa 1.500 Euro liegt.

Die series 2 arbeitet nativ mit EVCC zusammen, hat integrierte Phasenumschaltung, breite Unterstützung für Wechselrichter aller großen Marken (SMA, Fronius, Kostal, Huawei, Solaredge, Growatt), und einen eigenen kleinen Server im Gehäuse, der die komplette Steuerungslogik übernimmt. Für einen Anwender, der aus dem klassischen Elektriker-Umfeld kommt und keine IT-Bastel-Neigung mitbringt, ist openWB eine der wenigen Wallboxen, die im Wortsinn "smart out of the box" sind (openWB series 2 Bewertung 2026).

Der Preis ist der Haken. Für 1.500 Euro bekommt man alternativ einen go-eCharger HOMEfix, einen Raspberry Pi 5 mit Home Assistant und einen KEBA-Modbus-Adapter, mit deutlich mehr Erweiterungspotenzial. Wer aber die Zeit und die Lernkurve für einen eigenen Server nicht investieren will, bezahlt bei openWB fair für den Komfort einer fertigen Lösung.

Alfen Eve Single Pro-Line: die Wallbox für gehobenen Anspruch

Alfen aus den Niederlanden gehört zur oberen Preisklasse und liefert die Eve Single Pro-Line vor allem an Firmenkunden und in gewerbliche Setups. Der Preis liegt zwischen 1.100 und 1.700 Euro, dazu kommen etwa 150 Euro für das nachrüstbare Modbus-TCP-Kit, das für die EVCC-Anbindung nötig ist. Ohne das Kit läuft die Wallbox nur über OCPP, was für ambitionierte Nutzer meistens zu einschränkend ist.

Wenn das Kit einmal eingebaut ist, spielt die Eve Single Pro-Line in der obersten EVCC-Liga. Zuverlässige Modbus-Kommunikation, integrierte Lastmanagement-Optionen für mehrere Wallboxen im Verbund, ISO-15118-Vorbereitung für zukünftige bidirektionale Anwendungen. Ein Nachteil ist der Report aus der Community, dass die Ladeleistung bei manchen Setups in EVCC auf 4,1 kW gedrosselt wird, wenn die Konfiguration nicht sauber ist. Der Grund ist in der Regel ein falsch gesetzter Phasenparameter, das lässt sich lösen, kostet aber eine Stunde Fehlersuche (Alfen-EVCC-Diskussion zu Ladeleistung).

Für den typischen Einfamilienhaus-Anwender ist die Alfen preislich und funktional Overkill. Wer aber in einer Doppelgarage zwei Wallboxen mit gemeinsamem Lastmanagement betreiben will, oder wer eine besonders robuste Außen-Wallbox sucht, findet in der Eve Single Pro-Line einen exzellenten Kandidaten.

Zappi 7 kW: die Wallbox für Solar-Fokussierte ohne EVCC-Ambition

Der Zappi von myenergi aus Grimsby in England hat sich einen eigenen Platz im Wallbox-Markt erobert, weil er PV-Überschussladen als Hardware-Feature eingebaut mitbringt, ohne dass eine externe Software wie EVCC nötig wäre. Preise 989 bis 1.190 Euro. Der Zappi misst über eigene CT-Klemmen den Hausverbrauch und den PV-Ertrag direkt, und lädt im "Eco+"-Modus ausschließlich mit Solar-Überschuss, ab einer Mindestschwelle von 1,4 kW (Myenergi Zappi Review 2026).

Für Nutzer, die reines PV-Überschussladen wollen, ohne EVCC oder Home Assistant, ist der Zappi eine der wenigen Wallboxen, die das Problem sauber lösen. Der Haken ist die geschlossene myenergi-Cloud. EVCC-Integration ist möglich, aber nur über die myenergi-API mit den bekannten Einschränkungen einer Cloud-Anbindung. Wer Tibber koppeln will, wer eigene Dashboards bauen will, wer mehrere Autos priorisieren will, kommt mit dem Zappi an Grenzen, die eine offene Wallbox nicht hat.

Unsere Empfehlung: Zappi ist die richtige Wahl, wenn du bewusst auf ein geschlossenes, aber fertiges System setzen willst, keine Home-Assistant-Ambitionen hast, und die höheren Kosten gegenüber dem HOMEfix bezahlst für den Komfort einer eingebauten PV-Logik. Für alle anderen ist eine offene Wallbox plus EVCC die flexiblere Lösung.

Wallbox Pulsar Plus: die Massenware, die zu EVCC nur mit Umweg passt

Die Wallbox Pulsar Plus ist eine der meistverkauften Wallboxen in Europa. Preise 649 bis 899 Euro, kompaktes Design, gutes Marketing, sichtbar in vielen Elektriker-Sortimenten. Für EVCC ist sie leider nur die dritte Wahl, aus einem strukturellen Grund. Wallbox als Firma verfolgt eine Cloud-First-Strategie, bei der die Wallbox primär mit der myWallbox-Cloud spricht, und die lokale API bewusst eingeschränkt ist.

EVCC-Integration ist möglich, aber sie läuft über OCPP 1.6J. Sobald OCPP aktiviert wird, verliert die Wallbox einen Teil der Cloud-Funktionalität. Wer die myWallbox-App weiter nutzen will, muss einen kleinen Workaround über eine lokale MQTT-Bridge einsetzen, die ein Entwickler namens jagheterfredrik als Open-Source-Projekt pflegt (Wallbox Pulsar Plus alternative Integration). Das funktioniert, ist aber ein Bastelweg, der in der Zukunft von einer Firmware-Aktualisierung durch Wallbox abgeschnitten werden kann.

Christian hatte die Pulsar Plus vor der EVCC-Umstellung. Er hat sie beim Elektriker gegen einen kleinen Abschlag zurückgegeben und den Wechsel zum HOMEfix gemacht. Wenn dir die Pulsar Plus vom Elektriker vorgeschlagen wird und du EVCC nutzen willst, empfehlen wir aktiv die Alternative. Wenn du sie schon hast, kannst du EVCC über OCPP zum Laufen bringen, musst dich aber mit einer weniger sauberen Integration abfinden.

Easee Home: ähnliche Geschichte wie Wallbox Pulsar Plus

Die Easee Home aus Norwegen hat ein ähnliches Profil wie die Pulsar Plus. Elegantes Design, Cloud-first-Strategie, Preise 899 bis 1.199 Euro. Für EVCC läuft die Anbindung über die Easee-Cloud-API, mit den bekannten Cloud-Einschränkungen. Sponsor-Token nötig. Wenn du die Easee schon hast, geht es. Wenn du frei wählen kannst und Wert auf saubere lokale Integration legst, ist der HOMEfix die bessere Wahl.

OpenEVSE: die DIY-Alternative

Für die technisch besonders interessierten Leser sei OpenEVSE erwähnt, ein Open-Source-Bausatz, mit dem man eine eigene Wallbox für rund 250 Euro zusammenschrauben kann. EVCC-Integration ab Werk exzellent, weil beide Projekte aus derselben Open-Source-Ecke kommen. Der Nachteil: keine offizielle Zertifizierung nach deutschen Normen, kein Elektriker wird das Gerät ohne eigenen Prüfaufwand anschließen, und für die Anmeldung beim Netzbetreiber brauchst du das Datenblatt einer typenzugelassenen Wallbox. OpenEVSE ist ein Projekt für Bastler, die ihre eigene Lösung wollen. Für den normalen Anwender ist der HOMEfix der bessere Kompromiss zwischen Offenheit und Komfort.

Wallbox-Empfehlung nach Nutzer-Profil

Aus den acht Modellen lassen sich vier klare Nutzer-Profile ableiten, die die Kaufentscheidung erleichtern.

Profil 1: normales Einfamilienhaus, ein E-Auto, PV plus Tibber. Das ist Christians Situation und die Standard-Empfehlung. go-eCharger HOMEfix 11 kW für 549 bis 649 Euro, Raspberry Pi 5 für 90 Euro als EVCC-Server, oder EVCC-Add-on in bestehendem Home Assistant. Investition Wallbox plus Server 640 bis 740 Euro, dazu 500 bis 1.200 Euro Installation. Amortisation über eingesparte Stromkosten in 1 bis 2 Jahren. Profil 2: Einfamilienhaus, aber keine IT-Bastel-Neigung. openWB series 2 als Komplettlösung für 1.235 bis 1.500 Euro. Kein zusätzlicher Server nötig, alles läuft auf der Wallbox selbst. Höherer Anschaffungspreis, dafür Zeitersparnis in der Einrichtung und weniger langfristige Wartung. Profil 3: Zwei Wallboxen, gehobener Anspruch, Außenaufstellung. KEBA P30 x-series als Master mit c-series als Slave, plus optionalem KeContact S10 für Phasenumschaltung. Investition Wallbox 999 plus 799 plus 180 Euro. Sponsor-Token EVCC 60 Euro. Robuste Metallgehäuse, jahrelange Zuverlässigkeit, für Setups gedacht, die 10 Jahre halten sollen. Profil 4: Solar-Fokus ohne EVCC-Ambition. Zappi 7 kW als Hardware-Lösung ohne Software-Overhead. Preis 989 bis 1.190 Euro. Empfehlung nur, wenn du bewusst keine Home-Assistant-Anbindung willst und mit der myenergi-Cloud lebst.

Setup-Anleitung: HOMEfix, Fronius und Tibber mit EVCC verbinden

Die konkrete Einrichtung des Standard-Setups aus Profil 1 lässt sich in fünf Schritten durchgehen, die zusammen etwa zwei Stunden dauern.

Zuerst wird die Wallbox installiert und im WLAN eingerichtet. Der Elektriker verkabelt den HOMEfix am Hausanschluss, meldet die Wallbox beim Netzbetreiber an, prüft die FI-Absicherung und dokumentiert die Installation. Danach nimmst du die go-e-App zur Hand, verbindest die Wallbox mit deinem Heim-WLAN, aktivierst unter Einstellungen die HTTP-API-v2, und notierst dir die IP-Adresse der Wallbox. Ein Router-Reservierung der IP-Adresse ist Pflicht, sonst wechselt die Adresse nach jedem Neustart und EVCC verliert die Verbindung.

Der zweite Schritt ist die Installation von EVCC. Wer Home Assistant bereits laufen hat, findet das offizielle EVCC-Add-on im Add-on-Store, installiert es mit einem Klick und ist innerhalb von zwei Minuten fertig. Wer EVCC standalone laufen lassen will, holt sich das aktuelle Docker-Image mit dem Befehl "docker pull evcc/evcc" und startet den Container mit einem Volume für die Konfigurationsdatei. Die Web-Oberfläche ist danach unter der Adresse des Hosts auf Port 7070 erreichbar.

Der dritte Schritt ist die Wechselrichter-Anbindung. Bei Fronius genügt es, in der Fronius-Weboberfläche unter Solar.API die JSON-Schnittstelle zu aktivieren. Bei SMA aktivierst du Modbus TCP unter Anlagenkommunikation. Bei Kostal Plenticore ist Modbus TCP standardmäßig aktiv, du brauchst nur die IP-Adresse. Bei Growatt und Huawei läuft die Anbindung meistens über den Datenlogger. Die konkreten Templates für alle großen Wechselrichter sind in der EVCC-Konfigurations-Oberfläche vorbereitet, du wählst nur die Marke aus und trägst die IP-Adresse ein.

Der vierte Schritt ist die Tibber-Integration. Auf developer.tibber.com generierst du einen persönlichen API-Token, kopierst ihn in die EVCC-Konfiguration unter Tariffs, wählst als Typ "tibber", und EVCC zieht ab dem nächsten Neustart die stundenaktuellen Spotpreise für die kommenden 24 Stunden. Wenn du mehrere Häuser in einem Tibber-Account hast, brauchst du zusätzlich die Home-ID, sonst ist der Token allein ausreichend (EVCC Tibber-Konfigurationsdoku).

Der fünfte Schritt ist die Test-Fahrt. Du gehst in die EVCC-Web-Oberfläche, wählst als Lade-Modus "PV" mit einer Mindest-Solarstärke von 1,4 kW, steckst das Auto an und beobachtest, wie EVCC die Ladeleistung im Sekundentakt an den aktuellen Solar-Ertrag anpasst. Sobald die Sonne 1,4 kW liefert, startet einphasiges Laden. Sobald der Überschuss 4,2 kW erreicht, schaltet EVCC auf drei Phasen um. Sinkt der Überschuss wieder unter 3,7 kW, geht es zurück auf einphasig. Das alles läuft ohne dein Zutun. Wer möchte, kann parallel im Zieldialog eine Abfahrtszeit setzen ("morgen um 7 Uhr auf 80 Prozent"), dann kombiniert EVCC PV-Überschuss mit günstigen Tibber-Stunden, um das Ziel zum niedrigsten Gesamtpreis zu erreichen.

Eine typische Konfigurationsdatei für den Alltag

Für Nutzer, die statt der Web-Oberfläche direkt mit YAML arbeiten wollen, sieht eine funktionierende Konfigurationsdatei für Christians Setup ungefähr so aus. Die IP-Adressen und Zugangsdaten sind natürlich Platzhalter.

network:
  schema: http
  host: evcc.local
  port: 7070

site:
  title: Christians Hausladung
  meters:
    grid: fronius_meter
    pv: fronius_inverter

meters:
  - name: fronius_meter
    type: template
    template: fronius-symo-gen24-meter
    host: 192.168.1.20
  - name: fronius_inverter
    type: template
    template: fronius-symo-gen24
    host: 192.168.1.20

chargers:
  - name: goe_wallbox
    type: template
    template: go-e-v3
    host: 192.168.1.42

vehicles:
  - name: tesla_my
    type: template
    template: tesla-command
    title: Model Y
    capacity: 78
    accessToken: <tesla-api-token>
    refreshToken: <tesla-refresh-token>

loadpoints:
  - title: Garage
    charger: goe_wallbox
    vehicle: tesla_my
    mode: pv
    phases: 0
    minCurrent: 6
    maxCurrent: 16

tariffs:
  currency: EUR
  grid:
    type: tibber
    token: <tibber-api-token>

Die Zeile "phases: 0" ist der Trick für die automatische 1P3P-Umschaltung. Der Wert Null sagt EVCC: entscheide selbst, ob einphasig oder dreiphasig, je nach Solar-Ertrag. Wer feste einphasige Ladung will, setzt "phases: 1", für feste dreiphasige "phases: 3". Der Standard-Wert Null ist für PV-Fokus fast immer die richtige Wahl (Konfigurationsbeispiel typevar.dev EVCC-Setup).

Tibber-Ladeplan-Strategien für 2026

Tibber-Kunden zahlen im Sommer 2026 in der Tiefstunde regelmäßig zwischen 4 und 12 Cent pro Kilowattstunde, in Spitzenstunden zwischen 32 und 55 Cent. Der Spread ist so groß geworden, dass sich systematisches Laden in Tiefstunden ökonomisch stark lohnt.

Die Standard-Strategie ist der SmartCost-Limit. Du setzt in EVCC einen maximalen Preis, unter dem geladen werden darf. Für die meisten Haushalte sind 8 bis 12 Cent ein guter Wert, damit lädst du praktisch jede Nacht in der günstigsten Vier-Stunden-Phase. Zusätzlich definierst du eine Mindestladung, etwa 30 Prozent, die immer sichergestellt sein muss, unabhängig vom Preis (EVCC Dynamische Tarife Doku).

Die erweiterte Strategie kombiniert Preisplanung mit einer Abfahrtszeit. Für Pendler, die morgens um 7 Uhr mit vollem Akku losfahren wollen, setzt EVCC ein Zielladen für 07:00 Uhr auf 80 Prozent. Das System berechnet, wie viele Kilowattstunden bis dahin nötig sind, sortiert die kommenden Stunden nach Preis und lädt genau in den billigsten Fenstern, die die nötige Energiemenge liefern. In einer typischen Sommernacht mit Tibber bedeutet das: zwei bis drei Stunden Laden zwischen 02:00 und 05:00 Uhr, wenn der Spotpreis unter 8 Cent fällt.

Für Nutzer mit stark schwankendem Fahrverhalten, etwa Familien mit einem Zweitwagen, empfiehlt sich der Kombi-Modus "PV+MinSoC". Am Tag lädt EVCC mit Solar-Überschuss, was Priorität eins ist. Sinkt der Ladestand unter eine gesetzte Mindestgrenze, etwa 30 Prozent, lädt EVCC in der nächstgünstigsten Tibber-Stunde nach, ohne auf Sonne zu warten. So bist du nie überrascht von einem leeren Auto, zahlst aber nie den Standard-Netzpreis.

PV-Überschuss dynamisch: was in der Praxis passiert

Wer zum ersten Mal EVCC mit PV-Überschuss laufen lässt und ein paar Tage die Live-Anzeige beobachtet, sieht ein Ballett aus Nachjustierungen im Sekundentakt. Um 10:30 Uhr an einem sonnigen August-Vormittag liefert die PV 7,4 kW, der Haushalt braucht 0,6 kW für Kühlschrank und Standby, EVCC gibt dem Auto 6,8 kW frei. Um 10:31 Uhr fährt der Trockner mit 2,1 kW hoch, EVCC reduziert die Wallbox-Freigabe auf 4,7 kW. Um 10:38 Uhr geht der Trockner in den Kondensations-Zyklus mit 0,4 kW, EVCC gibt der Wallbox 6,4 kW frei. Um 10:52 Uhr zieht eine Wolke vorbei, PV fällt auf 3,8 kW, EVCC reduziert die Wallbox auf 3,2 kW und schaltet nach 90 Sekunden anhaltender Reduktion von 3 Phasen auf 1 Phase um.

Diese Feinregelung ist der eigentliche Wert von EVCC. Eine geschlossene Wallbox wie der Zappi macht Ähnliches, aber ohne Zugriff auf die weiteren Verbraucher deines Hauses. EVCC weiß von deinem Waschmaschinen-Zyklus, weil Home Assistant den Verbrauch der Waschmaschine mitmisst, es weiß von der neuen Wärmepumpe, die ab 12 Uhr anspringen wird, weil du die Zeitplanung in Home Assistant hinterlegt hast, und es kann diese Zukunftsinformationen in die Ladeplanung einbauen. Ein geschlossenes Ökosystem kann das nicht.

Wer die Zahl kennen will: in einem typischen Einfamilienhaus mit 10 kWp PV und einem Elektroauto mit 15.000 Kilometern pro Jahr verschiebt EVCC gegenüber einer manuellen Ladeplanung etwa 800 bis 1.200 kWh pro Jahr in günstigere Zeitfenster. Bei einer Preisdifferenz von 20 Cent zwischen billigster und teuerster Stunde entspricht das jährlichen Einsparungen zwischen 160 und 240 Euro, die auf die PV- und Tibber-Grundeinsparung noch on top kommen.

Home-Assistant-Integration: Dashboard und Automatisierungen

EVCC läuft standalone gut, aber die volle Wirkung entfaltet es in Kombination mit Home Assistant. Die Integration erfolgt über die inoffizielle HA-EVCC-Komponente aus HACS, gepflegt von Marq24 und aktuell in Version 2026.7.0. Sie stellt alle EVCC-Sensoren als HA-Entitäten bereit, so dass du in Lovelace ein Dashboard bauen kannst, das aktuellen Ladestand, Live-Leistung, Tagesenergie und geschätzte Restladezeit auf einer Karte zusammenfasst (ha-evcc Custom-Component-Repo).

Interessanter als das Dashboard sind die Automatisierungen. Beispiel: bei Ladeleistung über 3 kW soll der Wechselrichter des Wärmespeichers in den "Verbrauchsmodus" schalten, damit das warme Wasser nicht in die Solar-Priorität kommt und dem Auto Kapazität streitig macht. Beispiel: bei Ladeleistung Null zwischen 12 und 15 Uhr an einem sonnigen Wochentag soll eine Benachrichtigung an die Familie gehen, dass gerade billige PV-Energie zur Verfügung steht und der Zweitwagen ans Netz sollte. Beispiel: wenn der Tibber-Preis in der nächsten Stunde unter 6 Cent fällt, soll die Waschmaschine automatisch starten. All das lässt sich mit Home Assistant plus EVCC in wenigen Zeilen YAML umsetzen, und es ist der Grund, warum die Kombination aus offener Wallbox und offener Software langfristig deutlich mehr Wert liefert als eine geschlossene Komplettlösung.

Was 2026 bei EVCC neu ist

Die EVCC-Entwicklung ist im Sommer 2026 in einer sehr aktiven Phase. Das Team veröffentlicht durchschnittlich alle 10 bis 14 Tage einen neuen Release. In der zweiten Jahreshälfte 2026 sind mehrere technisch relevante Neuerungen dazugekommen, die für Wallbox-Käufer interessant sind (EVCC Release Notes bei releasebot.io).

Version 0.309, veröffentlicht am 10. Juni 2026, brachte den "Hold Charge"-Modus für Speicherbatterien, mit dem EVCC während günstiger Tibber-Stunden nicht nur das Auto lädt, sondern auch die Hausbatterie voll auflädt. Die Funktion wird vor allem für Nutzer interessant, die eine Batterie im Marstek-, Anker-Solix- oder Zendure-Ökosystem betreiben und den kalten Winter mit möglichst wenig Netzstrom überbrücken wollen.

Version 0.310, vom 28. Juni, ergänzte native Unterstützung für Octopus Energy Deutschland als dynamischen Tarifanbieter, was ab Herbst 2026 für viele Neukunden relevant wird, die auf Octopus als Tibber-Alternative wechseln. Version 0.311, vom 6. Juli, brachte die AMTRON Professional Twincharge dazu, eine Doppelwallbox von Mennekes, die für Zwei-Wagen-Haushalte interessant ist. Version 0.312, vom 17. Juli, ergänzte den WARP4 von Tinkerforge sowie die Solplanet AI-Dongle-Anbindung. Version 0.313, aktuell im Rollout, bringt FoxESS-Wallboxen und die SMA Sunny Home Manager 2.0 als voll unterstützten Meter dazu (EVCC v0.313 Release-Notes bei releasebot.io).

Bidirektionales Laden nach ISO 15118-20, also Vehicle-to-Home oder Vehicle-to-Grid, ist im EVCC-Roadmap für 2027 vorgesehen, aber im August 2026 noch nicht produktiv. Die Standardisierung durch die neue Norm ISO PAS 15118-23:2026, die im Mai 2026 veröffentlicht wurde, ist der Grundstein für die kommende Welle von bidirektionalen Wallboxen und Fahrzeugen. Wer heute eine Wallbox kauft, sollte darauf achten, dass die Hardware ISO 15118-20 zumindest firmwaretechnisch nachrüstbar ist. Die Alfen Eve Pro-Line, die KEBA P30 x-series und einige neuere openWB-Modelle erfüllen diese Anforderung. Der go-eCharger HOMEfix ist derzeit ISO 15118-2, kein Downgrade-Ausschluss, aber auch keine V2G-Vorbereitung (ISO 15118 Guide 2026 Edition).

Kosten-Vergleich: EVCC-Setup gegen Cloud-Komplettpaket

Ein realistischer Kostenvergleich zwischen der offenen EVCC-Lösung und einem geschlossenen Cloud-System, wie es Autohersteller-Wallboxen oder Zappi darstellen, sieht für ein typisches Setup so aus.

Offene Lösung mit HOMEfix und EVCC auf Home Assistant. Wallbox 599 Euro, Installation 800 Euro, Home Assistant auf Raspberry Pi 5 mit Zubehör 150 Euro, EVCC Software kostenlos. Gesamtinvestition 1.549 Euro. Laufende Kosten null, weil Software und Cloud-Zugang kostenlos sind. Über zehn Jahre stabile Investition, weil kein Hersteller die Cloud abschalten kann, kein Abo-Preis erhöht werden kann.

Geschlossene Lösung mit einer Cloud-Wallbox der oberen Preisklasse, etwa Zappi mit Harvi und Hub. Wallbox 989 Euro, Harvi-Sensor 175 Euro, Hub 320 Euro, Installation 800 Euro. Gesamtinvestition 2.284 Euro. Laufende Kosten null (Zappi hat kein Abo), aber gebunden an die myenergi-Cloud. Wer stattdessen Wallbox Pulsar Plus mit Power Boost Adapter und Wallbox Cloud Premium nimmt, zahlt zusätzlich 4 bis 8 Euro pro Monat für erweiterte Funktionen.

Über zehn Jahre gerechnet ist die offene Lösung nicht nur günstiger, sondern auch flexibler. Wenn du 2028 eine Wärmepumpe dazuinstallierst und die Ladeplanung erweitern willst, brauchst du bei EVCC keine neue Wallbox, nur eine Anpassung in der Konfiguration. Bei einer Cloud-Lösung bist du auf das angewiesen, was der Hersteller in seiner App vorsieht.

Zwei Warnungen aus der Praxis

Zum Schluss zwei Punkte, die in Setup-Anleitungen selten stehen, aber im echten Leben viel Zeit kosten können.

Erstens: Firmware-Verwaltung. Der go-eCharger, KEBA und openWB pushen regelmäßig Firmware-Updates, die manchmal die EVCC-Kompatibilität temporär brechen können. Wir empfehlen, in der EVCC-Konfiguration einen festen Firmware-Stand der Wallbox zu dokumentieren, und Updates nur nach Rücksprache mit der EVCC-Community durchzuführen. Wer blind auf jede Update-Meldung klickt, hat mit einer Wahrscheinlichkeit von schätzungsweise 5 Prozent pro Update ein Problem, das eine halbe Stunde Fehlersuche kostet.

Zweitens: Netzbetreiber-Anmeldung. Jede Wallbox über 3,7 kW muss beim Netzbetreiber angemeldet werden. Wallboxen über 12 kW sind zusätzlich genehmigungspflichtig. Der Netzbetreiber will das Datenblatt der Wallbox, den Installationsort, die maximale Ladeleistung und die Absicherung wissen. Der Elektriker macht die Anmeldung normalerweise für dich, aber es lohnt sich zu prüfen, ob sie tatsächlich erfolgt ist. Eine nicht angemeldete Wallbox wird bei einer Netzstörung zum Problem, weil die Versicherung im Zweifel nicht zahlt. Der Prozess dauert je nach Netzbetreiber 2 bis 8 Wochen und ist auch dann Pflicht, wenn du eine PV-Anlage schon angemeldet hast.

Mit diesen beiden Punkten im Hinterkopf und der Wallbox aus dem passenden Nutzer-Profil hast du die Grundlage für ein Setup, das über Jahre stabil läuft und dein E-Auto so günstig lädt, wie es in Deutschland technisch möglich ist. Christian hat seit dem Wechsel im Juni durchschnittlich 3,80 Euro pro 100 Kilometer bezahlt, gemessen über 4.100 gefahrene Kilometer. Zum Vergleich: mit Standard-Netzstrom zu 30 Cent hätte er 4,80 Euro gezahlt, an einer öffentlichen Schnellladesäule zu 65 Cent wären es 10,40 Euro gewesen. Der Unterschied zahlt die Wallbox in unter zwei Jahren ab und läuft danach als reine Rendite weiter.