Wer sparen will, muss zuerst wissen, was er verbraucht. Das klingt banal, trifft aber auf die meisten Haushalte nicht zu. Die Stromrechnung kommt einmal im Jahr, man schaut kurz drauf, nickt und zahlt. Welches Gerät genau wie viel kostet, weiß fast niemand. Genau da setzt das Messen an.

Smart-Home-Energiemessung ist kein Luxusfeature. Es ist der erste Schritt zu einem Haushalt, der seinen Verbrauch tatsächlich versteht und dann gezielt reduziert.

Warum Messen der erste Schritt zum Sparen ist

Ohne Messdaten arbeitest du mit Gefühl. "Der Fernseher läuft ja kaum" oder "die alte Waschmaschine frisst sicher nicht so viel" sind Annahmen, die sich oft als falsch herausstellen. Ein typischer Plasma-Fernseher aus 2012 kann im Standby 15 bis 20 Watt dauerhaft ziehen. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde sind das rund 40 bis 50 Euro im Jahr, nur fürs Standby.

Wenn du anfängst zu messen, passieren zwei Dinge: Du siehst, welche Geräte wirklich ins Gewicht fallen, und du kannst Veränderungen nachvollziehen. Neue Energiesparlampe eingebaut? Messung vorher und nachher. Alte Gefriertruhe gegen ein modernes Gerät getauscht? Die Jahresersparnis lässt sich in Euro ausrechnen, nicht schätzen.

Messen allein spart kein Geld. Aber ohne Messung weißt du nicht, wo du anfangen sollst.

Drei Ebenen der Energiemessung

Nicht jede Messmethode passt zu jedem Ziel. Es gibt drei Ebenen, die sich sinnvoll kombinieren lassen.

Ebene 1: Einzelgerät (Steckdose mit Messung)

Die einfachste Methode. Eine smarte Steckdose mit integriertem Strommesser kommt zwischen Gerät und Steckdose, misst Watt und Kilowattstunden und schickt die Daten per WLAN oder Zigbee an dein Smart-Home-System.

Empfehlenswerte Geräte

  • Shelly Plug S (WLAN, ~15 Euro): Liefert Echtzeit-Watt, tägliche und monatliche kWh. Läuft lokal ohne Cloud, integriert sich hervorragend in Home Assistant.
  • IKEA INSPELNING (Zigbee, ~10 Euro): Günstigste Möglichkeit mit anständiger Genauigkeit. Braucht ein Zigbee-Hub.
  • Eve Energy (Matter/Thread, ~30 Euro): Für Apple-HomeKit-Nutzer die sauberste Lösung. Thread-fähig für Zukunftssicherheit.
  • Homematic IP Schaltsteckdose mit Messung (ZigBee-ähnliches Protokoll, ~40 Euro): Für bestehende Homematic-Systeme.

Wann Ebene 1 reicht

Wenn du einzelne Geräte testen willst, Standby-Verbrauch prüfen möchtest oder in einem Haushalt ohne weitere Smart-Home-Infrastruktur startest. Für systematische Messungen über viele Geräte wird es teuer und unübersichtlich.

Ebene 2: Stromkreis (Unterverteilung)

Hier misst du nicht einzelne Geräte, sondern ganze Stromkreise. Das ist effizienter als zehn Einzelsteckdosen, gibt aber keine Geräte-genaue Auflösung.

Shelly 3EM

(~70 Euro): Drei-Phasen-Energiemessgerät, das direkt in den Sicherungskasten eingebaut wird. Misst Wirkleistung, Scheinleistung und Leistungsfaktor auf allen drei Phasen. Besonders nützlich für Haushalte mit Wärmepumpe, Wallbox oder PV-Anlage, wo du wissen willst, was pro Phase läuft.

Homematic IP Schaltaktor mit Leistungsmessung

(~80 bis 100 Euro): Für Hutschienenmontage im Sicherungskasten. Misst Verbrauch auf Stromkreisebene und kann gleichzeitig schalten.

Einbauprozess

Beides erfordert Arbeiten am Sicherungskasten, was Sache eines Elektrikers ist. Die Geräte selbst sind nicht kompliziert, aber der Einbau beim Zählerschrank ist in Deutschland Handwerkersache, wenn du nicht selbst Elektriker bist.

Wann Ebene 2 Sinn macht

Wenn du Stromkreise für Küche, Keller, Werkstatt oder Wallbox getrennt überwachen willst. Kombiniert mit Ebene 1 für auffällige Einzelgeräte bekommst du ein vollständiges Bild.

Ebene 3: Gesamthaus (Smart Meter, P1-Port)

Die umfassendste Methode. Hier misst du den gesamten Haushaltsverbrauch am Zähler direkt.

Smart Meter mit P1-Port

Moderne Stromzähler (digitale Haushaltszähler, kurz: mME oder iMSys) in Deutschland haben einen P1-Port, über den du mit einem günstigen Adapter die Zählerdaten live auslesen kannst. Adapter wie der P1-Reader für Home Assistant (~20 bis 30 Euro) verbinden sich über den P1-Port und senden Sekundengenauigkeit-Daten direkt ins System.

Wichtig

Nicht jeder Zähler hat diesen Port aktiviert. In Deutschland muss der Netzbetreiber zustimmen und je nach Region ist das noch nicht flächendeckend verfügbar. Frag beim Netzbetreiber nach.

Alternativ: Volkszähler oder Shelly 3EM am Hauptzähler

Wenn kein P1-Port verfügbar ist, kann ein Shelly 3EM direkt vor dem Zähler eingebaut werden, sofern dort Platz ist und der Elektriker mitmacht.

EbeneGerät (Beispiel)PreisAuflösungAufwand
GerätShelly Plug S~15 €pro Gerätminimal
GerätIKEA INSPELNING~10 €pro Gerätminimal
StromkreisShelly 3EM~70 €pro SicherungElektriker
StromkreisHomematic IP Hutschiene~90 €pro StromkreisElektriker
GesamthausP1-Adapter~25 €Gesamtverbrauchje nach Zähler

Daten auswerten in Home Assistant

Messdaten zu sammeln ist eine Sache. Daraus etwas zu lesen eine andere. Home Assistant hat dafür ein eigenes Dashboard: das Energy Dashboard.

Energy Dashboard einrichten

Das Energy Dashboard findest du unter "Energie" in der linken Navigationsleiste (ab Home Assistant 2021.8 eingebaut). Es braucht drei Datenquellen:

  1. Netzverbrauch: Gesamter Bezug aus dem Netz (von Smart Meter oder Shelly 3EM)
  2. Einzelgeräte: Optional, aber empfohlen, um Verbrauch auf Geräte aufzuschlüsseln
  3. Solar (optional): Einspeisung und Eigenverbrauch, falls PV vorhanden
Für Shelly-Geräte existieren fertige Home-Assistant-Integrationen. Nach der Einrichtung tauchen die kWh-Sensoren automatisch im Energy Dashboard auf.

Was du darin siehst

  • Tagesverbrauch nach Stunden
  • Wochenvergleich (gleiche Woche Vorjahr, falls Daten vorhanden)
  • Aufschlüsselung nach Gerät, wenn genug Messpunkte vorhanden
  • Kosten in Euro (du trägst deinen Strompreis einmalig ein)
Nach zwei bis drei Monaten Messung siehst du Muster. Welcher Tag ist teuer? Wann läuft der Verbrauch nachts unerwartet hoch? Was kostet ein Haushalt pro Monat wirklich? Das sind keine rhetorischen Fragen, die kannst du tatsächlich beantworten.

Standby-Verbrauch finden und eliminieren

Standby ist das stille Geld, das jeden Monat aus der Steckdose läuft. Ein paar Beispiele aus dem echten Leben:

Was typische Geräte im Standby verbrauchen

GerätStandby-VerbrauchJahreskosten (30 ct/kWh)
Alter Röhrenfernseher5-10 W13-26 €
Plasma-TV 2010er10-25 W26-66 €
Set-Top-Box (Kabel/SAT)5-15 W13-39 €
Spielekonsole (Sleep-Mode)1-15 W3-39 €
AV-Receiver5-30 W13-79 €
Router + Modem5-15 W13-39 €
Kaffeevollautomat2-5 W5-13 €
Mikrowelle (Display)1-3 W3-8 €
Drucker2-8 W5-21 €
Der Router ist ein Spezialfall: Den willst du nicht abschalten. Alles andere lässt sich prüfen.

Vorgehen mit der Shelly Plug S

Gerät anschließen, einen Tag laufen lassen. Dann Gerät ausschalten (also so, wie es normalerweise "aus" steht, Standby) und messen. Wenn die Shelly mehr als 2 Watt zeigt, hast du einen Kandidaten.

Für Geräte die du nachts komplett abschalten willst, kannst du über Home Assistant eine Automatisierung anlegen: Zwischen 23 Uhr und 6 Uhr schaltet die Steckdose ab, vorausgesetzt das Gerät steht im Standby.

Kosten-Nutzen der Messung

Lohnt sich die Investition in Messtechnik? Kurze Rechnung:

  • Shelly Plug S: 15 Euro
  • Ein entdeckter Standby-Fresser (20 W dauerhaft): ~52 Euro pro Jahr gespart
Die Steckdose hat sich nach drei Monaten amortisiert. Das gilt natürlich nur, wenn du auch reagierst. Einfach messen und nichts ändern bringt nichts.

Für einen Haushalt mit 4 bis 5 Personen und mehreren Unterhaltungsgeräten lohnen sich vier bis sechs Messsteckdosen als Einstieg. Damit deckst du die größten Verbraucher ab und siehst schnell, wo Potenzial liegt. Ein Shelly 3EM im Sicherungskasten kommt dazu, wenn du eine PV-Anlage oder Wallbox hast oder einfach den Überblick auf Stromkreisebene willst.

Die meisten Haushalte kommen mit Ebene 1 weit. Wer eine PV-Anlage oder Wallbox hat, braucht Ebene 2. Und wer wirklich verstehen will, was sein Haushalt insgesamt verbraucht, liest den Zähler per P1-Port direkt aus. Die Ebenen ergänzen sich, du musst nicht alle auf einmal angehen.


Weiterführend: Wie du den Verbrauch deiner Heizung mit smarten Thermostaten reduzierst, und warum ein Shelly EM direkt am Sicherungskasten bei Wärmepumpen besonders aussagekräftig ist.