!Serverschrank mit Netzwerktechnik

Geschlossene Smart-Home-Systeme haben in der Home-Assistant-Welt keinen guten Ruf, meistens zu Recht. Bosch ist eine der Ausnahmen, und der Grund dafür ist eine Designentscheidung, die andere Hersteller nicht getroffen haben.

Was Bosch anders macht

Der Bosch Smart Home Controller stellt eine lokale REST-Schnittstelle bereit, ausdrücklich für private und nichtkommerzielle Nutzung. Die Geräte selbst hängen über Zigbee 3.0 am Controller.

Eine lokale Schnittstelle bei einem geschlossenen System ist selten. Sie bedeutet, dass Home Assistant nicht über eine Herstellercloud spricht, sondern direkt mit dem Gerät im eigenen Netz. Fällt das Internet aus, funktioniert die Anbindung weiter.

Dazu kommt ein technischer Vorteil, der im Alltag mehr ausmacht als er klingt: Der Controller schiebt Zustandsänderungen von sich aus über eine dauerhafte lokale Verbindung an Home Assistant. Entitäten aktualisieren sich also nahezu in Echtzeit, und Home Assistant muss nicht regelmäßig nachfragen.

Wer schon einmal eine Cloud-Integration mit Abfrageintervall betrieben hat, weiß, was das wert ist. Ein Fensterkontakt, der erst nach zwei Minuten meldet, dass er offen ist, taugt für keine Automation. Zum Vergleich lohnt der Artikel über die myPyllant-Integration, die genau den umgekehrten Weg geht.

Die Einrichtung

Vorausgesetzt werden eine aktuelle Home-Assistant-Version, der Controller im selben Netzwerk und je nach gewähltem Weg HACS.

Es gibt die offizielle Integration bosch_shc in Home Assistant und daneben die Community-Variante von tschamm, die auf der Python-Bibliothek boschshcpy aufsetzt. Welche man nimmt, hängt davon ab, welche Gerätetypen unterstützt werden sollen; die Community-Variante ist bei neueren Geräten oft früher dran.

Der Ablauf ist in beiden Fällen ähnlich: Integration hinzufügen, Controller im Netz finden lassen, und dann die Kopplung bestätigen. Beim Controller II geschieht das mit einem kurzen Tastendruck am Gerät.

Wichtig ist dabei, dass die Kopplung ein Zertifikat erzeugt. Dieses liegt anschließend in der Home-Assistant-Konfiguration und gehört in die Datensicherung. Wer es verliert, muss neu koppeln.

Das Limit, das Ärger macht

Hier der Punkt, der in keiner Anleitung am Anfang steht und der Haushalte mit mehreren Bewohnern trifft.

Der Bosch Controller erlaubt höchstens acht gleichzeitige API-Clients. Jedes Handy mit der Bosch-App zählt mit. Home Assistant zählt mit. Wer die App auf vier Geräten hat, dazu ein Tablet, dazu vielleicht noch eine zweite Integration, kommt der Grenze näher als gedacht.

Das Fehlerbild ist unangenehm, weil es nicht nach einem Limit aussieht: Verbindungsprobleme, Entitäten, die nicht mehr aktualisieren, gelegentliche Abbrüche. Wer daraufhin die Integration neu einrichtet, verbraucht unter Umständen einen weiteren Client-Slot.

Die Abhilfe ist unspektakulär. Aufräumen, welche Geräte die App tatsächlich brauchen, und alte Kopplungen in der Bosch-App entfernen. Und im Zweifel: Bevor man stundenlang die Integration debuggt, erst diese Zahl prüfen.

Was die lokale Anbindung nicht kann

Zwei Einschränkungen gehören dazu.

Kein Zugriff von außen. Die Integration arbeitet ausschließlich im lokalen Netz. Wer seine Bosch-Geräte über Home Assistant von unterwegs steuern will, braucht einen VPN-Zugang oder einen anderen Weg ins eigene Netz. Die Wege dahin stehen im Artikel über den Fernzugriff auf Home Assistant. Nicht jedes Gerät. Die Unterstützung deckt die verbreiteten Gerätetypen ab, also Thermostate, Fensterkontakte, Zwischenstecker, Rauchmelder, Bewegungsmelder und Rollladensteuerungen. Bei Kameras und einzelnen neueren Produkten hinkt die Unterstützung hinterher, und dort lohnt vor dem Kauf ein Blick in die aktuelle Geräteliste des jeweiligen Projekts.

Wann sich die Kombination lohnt

Dafür spricht, wenn bereits Bosch-Geräte im Haus sind. Dann ist die Anbindung der günstigste Weg zu einem System, das mehr kann als die Hersteller-App, und man behält die lokale Verarbeitung.

Ebenfalls dafür spricht die Zuverlässigkeit der Bosch-Hardware bei Heizungsthermostaten. Wer bereits einen Satz davon verbaut hat, gewinnt durch den Wechsel zu einem anderen Hersteller wenig.

Dagegen spricht, wenn noch nichts gekauft ist. Für einen Neuaufbau ist ein direkter Zigbee-Koordinator an Home Assistant, also über Zigbee2MQTT oder ZHA, der flexiblere Weg. Dann entfällt der Controller als Zwischenstück, das Client-Limit spielt keine Rolle, und man ist nicht an einen Hersteller gebunden.

Die Faustregel lautet damit: Bosch behalten und einbinden, wenn es da ist. Bosch neu kaufen, um es einzubinden, eher nicht.

Was vor dem Einbinden zu klären ist

Drei Dinge, die hinterher schwer zu ändern sind.

Erstens die Rollenverteilung. Soll Bosch weiterhin eigene Automationen ausführen, oder übernimmt Home Assistant das? Beides gleichzeitig führt zu Geräten, die scheinbar von selbst schalten, weil zwei Systeme dieselbe Regel haben. Sinnvoll ist, die Automationen an einer Stelle zu bündeln.

Zweitens die Frage, was passieren soll, wenn Home Assistant ausfällt. Ein Vorteil des Bosch-Controllers ist, dass er seine eigenen Regeln weiter ausführt. Wer alles nach Home Assistant verlagert, gibt diesen Rückfallweg auf. Für sicherheitsrelevante Dinge wie Rauchmelder-Reaktionen sollte man das bewusst entscheiden, ähnlich wie im Artikel über Node-RED beschrieben.

Drittens die Datensicherung, siehe oben. Das Kopplungszertifikat gehört mitgesichert.

Quellen: Home Assistant, Integration Bosch SHC, home-assistant.io · GitHub, tschamm/boschshc-hass, Home-Assistant-Komponente auf Basis der Bibliothek boschshcpy · GitHub, BoschSmartHome/bosch-shc-api-docs, Dokumentation der lokalen REST-API des Controllers · Bosch Smart Home Community und Praxisdarstellung bei smarthomepraxis.de zu Kopplung, Push-Verhalten und der Begrenzung auf acht gleichzeitige API-Clients