Shelly kommt aus Oesterreich, hat eine offene API, und die Geräte kosten einen Bruchteil von dem, was vergleichbare Produkte von TP-Link oder Eve verlangen. Warum Shelly trotzdem zu einer der beliebtesten Smart-Home-Marken in Europa geworden ist: Die Hardware funktioniert, wird gut dokumentiert, und die Community löst fast jedes Problem innerhalb von Stunden.
Hier geht es konkret um die Messung von Stromverbrauch: welches Shelly-Gerät wofür, wie die Einrichtung läuft, und was du danach mit den Daten anfängst.
Drei Shelly-Geräte für drei Anwendungsszenarien
Shelly Plug S -- Die Einstiegssteckdose
Preis
Ca. 15 bis 20 Euro
Der Shelly Plug S ist eine smarte Steckdose mit eingebautem Stromzähler. Du steckst sie zwischen Steckdose und Gerät, und sie misst Wirkleistung, Spannung, Strom und kWh-Verbrauch.
Kann schalten (Gerät ein/aus per App oder Automatisierung) und misst gleichzeitig. Der Shelly Plug S ist der schnellste Weg um herauszufinden, was ein spezifisches Gerät verbraucht.
Typische Anwendung
- Standby-Verbrauch von TV, Konsole, Ladegeräten messen
- Nachtabschaltung für Geräte die nie wirklich aus sind
- Verbrauch vor und nach einem Geräte-Tausch vergleichen (alter vs. neuer Kühlschrank)
Limitation
Nur für Geräte die eine normale Schuko-Steckdose nutzen. Maximale Last: 2.500 Watt (für Wasserkocher oder Toaster reicht das, für Herd oder Trockner nicht).
Shelly PM Mini -- Unterputz ohne Schalten
Preis
Ca. 12 bis 15 Euro
Der Shelly PM Mini ist ein Messgerät ohne Schaltfunktion. Er wird hinter einem Schalter oder in einer Unterputzdose verbaut und misst den Strom, der durch die Leitung fliesst.
Das klingt nach einer Nerd-Lösung. Ist es auch, aber es hat einen praktischen Vorteil: Du kannst damit zum Beispiel den Stromverbrauch einer gesamten Steckdosen-Reihe messen, ohne jede einzelne Steckdose zu tauschen.
Typische Anwendung
- Messung einer Steckdosen-Gruppe im Heimbüro
- Verbrauchsmonitoring für eine Beleuchtungskreis
- Protokollierung ohne einzugreifen
Voraussetzung
Elektrisches Grundwissen für die Montage, oder einen Elektriker beauftragen. Kein Gerät für absolute Einsteiger.
Shelly 3EM -- Für den Sicherungskasten
Preis
Ca. 70 bis 85 Euro
Der Shelly 3EM misst den gesamten Hausverbrauch an drei Phasen. Er wird im Sicherungskasten montiert, mit Stromwandler-Zangen um die Hauptleitungen geklippt. Der Elektriker macht das in 20 Minuten.
Das Ergebnis: Du siehst in Echtzeit wie viel Strom dein Haus gerade verbraucht, auf Phase-Ebene aufgelöst. Das ist relevant wenn du PV hast und den Eigenverbrauch optimieren willst, oder wenn du schlicht wissen willst wohin dein Strom geht.
Typische Anwendung
- Gesamtverbrauch-Monitoring für Haus oder Wohnung
- PV-Eigenverbrauchsoptimierung (in Kombination mit Home Assistant und Shelly 3EM Plus)
- Lastspitzen erkennen und verstehen
Einrichtung Shelly Plug S: Schritt für Schritt
Das dauert 5 bis 10 Minuten.
Schritt 1: Einstecken
Shelly Plug S in die Steckdose stecken. Kurz die LED beachten: Blau blinkend = Pairing-Modus.
Schritt 2: App herunterladen
Shelly Smart Control App (iOS und Android, kostenlos). App öffnen, "Neues Gerät hinzufügen" wählen.
Schritt 3: WLAN verbinden
Die App führt dich durch den Prozess: Temporaer mit dem Shelly-eigenen WLAN verbinden, dann das heimische WLAN-Passwort eingeben. Das Gerät verbindet sich danach automatisch mit deinem Heimnetz.
Schritt 4: Verbrauch ablesen
In der App siehst du sofort: aktuelle Leistung in Watt, kumulierter Verbrauch in kWh, Verlauf als Diagramm.
Schritt 5: Stromkosten berechnen lassen
In den Geräte-Einstellungen kannst du deinen Strompreis pro kWh eingeben (derzeit ca. 30 bis 35 Cent in Deutschland). Die App zeigt dir dann Kosten in Euro statt nur kWh -- deutlich anschaulicher.
Integration in Home Assistant
Wer Home Assistant nutzt, bekommt deutlich mehr aus seinen Shelly-Geräten.
Shelly hat eine native Home-Assistant-Integration (seit HA 2022.x ohne extra Add-on). Einrichten:
- Einstellungen > Integrationen > "Shelly" suchen und hinzufügen
- Das Gerät wird automatisch im Netzwerk gefunden (mDNS)
- Alle Messwerte erscheinen als Sensoren in HA
- Langzeit-Verbrauchshistorie in der HA-Energie-Ansicht (gratis, lokal)
- Automatisierungen basierend auf Verbrauch: "Wenn Waschmaschine unter 5 Watt, dann ist der Waschgang fertig, sende Benachrichtigung"
- MQTT-Protokollierung für eigene Dashboards
Was man mit den Daten anfängt
Messen allein spart nichts. Was du mit den Daten machst, entscheidet.
Standby-Verbraucher finden
Steck den Plug S nachts in eine Steckdosenleiste deines Heimkinos. Wenn der TV aus ist und die Konsole im Sleep-Modus: Wie viel Watt zeigt die App? Alles über 3 bis 4 Watt lohnt sich in der Nacht komplett abzuschalten.
Geräte-Lebensende erkennen
Ein alter Kühlschrank der nach und nach mehr Strom zieht, zeigt sich im Verbrauchslog. 80 kWh/Monat ist normal. 120 kWh/Monat ist ein Zeichen für ein alterndes Aggregat.
Automatisierungen auslösen
Die nützlichste Automatisierung: "Wenn Waschmaschinen-Steckdose 10 Minuten unter 5 Watt, dann sende Push-Benachrichtigung 'Waschen fertig'". Das geht mit Shelly Plug S und Home Assistant in 5 Minuten.
Vergleich mit anderen Messsteckdosen
| Produkt | Preis | Protokoll | HA-Integration | Schaltfunktion |
|---|---|---|---|---|
| Shelly Plug S | 15-20 EUR | WLAN | Nativ + MQTT | Ja |
| Fritz!DECT 210 | 35-45 EUR | DECT | Über HACS | Ja |
| TP-Link Tapo P115 | 12-18 EUR | WLAN | Über Integration | Ja |
| Eve Energy | 35-45 EUR | Thread/BT | Matter | Ja |
Fritz!DECT ist solide und funktioniert gut in FRITZ!Box-Haushalten. Wer aber Home Assistant nutzt, ist mit Shelly besser dran.
TP-Link Tapo P115 ist günstig und zuverlässig, aber vollständig cloud-abhängig. Die Integration in HA läuft über eine Community-Integration, nicht offiziell.
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