Jeder Thermostat-Hersteller verspricht 31 Prozent Heizkostenersparnis. Das steht auf der Verpackung, im Onlineshop, in jedem Artikel dazu. Die Zahl klingt gut. Sie ist auch nicht falsch. Aber sie gilt nicht für jeden, und die Bedingungen dahinter werden selten erwähnt.
Was wirklich gespart wird, unter welchen Bedingungen, und was du investieren musst -- darum geht es hier.
Was die Studien sagen
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat in einer Studie zur Effizienz smarter Heizungsregelungen Einsparungen von 20 bis 30 Prozent festgestellt, verglichen mit konventioneller manueller Steuerung. Das ist keine Marketing-Zahl, das ist eine unabhängige Forschungsinstitution.
Aber die Bedingungen:
- Die Studie bezieht sich auf Haushalte, die vorher manuell und wenig diszipliniert geheizt haben
- Ein Grossteil der Einsparung kommt aus der Abwesenheitsabsenkung: Räume werden gekühlt wenn niemand da ist
- Gut gedämmte Neubauten haben weniger Einsparpotenzial als schlecht gedämmte Altbauten
Die 20 bis 30 Prozent sind also ein realistischer Wert für den Durchschnitts-Haushalt, der vorher einfach durchgehend auf 21 Grad geheizt hat. Wer schon vorher konsequent manuell abgesenkt hat, wird weniger sparen.
Etwas konservativer ist eine europaische Branchenauswertung von 2024, die 15 bis 25 Prozent als mittleren Wert nennt -- gemittelt über alle Gebaeude- und Nutzungstypen, also auch Neubauten die eh schon gut abschneiden.
Wie smarte Thermostate wirklich sparen
Es gibt drei Mechanismen, durch die echte Einsparung entsteht:
1. Abwesenheitsabsenkung
Das ist der größte Hebel. Wenn du 8 Stunden arbeiten gehst und die Wohnung auf 21 Grad durchgeheizt bleibt, zahlst du für Wärme die niemand braucht.
Ein smarter Thermostat mit Geofencing (tado Auto-Assist, Homematic IP mit HA-Integration) senkt die Temperatur automatisch auf 16 bis 17 Grad wenn du das Haus verlässt. Eine Stunde bevor du zurückkommst, heizt er wieder auf.
In einer schlecht gedämmten Wohnung kann das Heizkosten für 8 Stunden am Tag halbieren. In einer gut gedämmten Wohnung ist der Effekt kleiner, weil die Wärme länger hält.
2. Nachtabsenkung
Die meisten Menschen schlafen besser bei 17 bis 19 Grad als bei 21 Grad. Eine automatische Nachtabsenkung ab 22:00 Uhr und Aufheizen um 6:30 Uhr spart in der Heizperiode merklich -- ohne Komfortverlust, denn du schläfst ja.
3. Fenster-offen-Erkennung
Wenn ein Fenster offen ist und die Heizung weiterlaueft, kostet das Geld. tado erkennt den Temperaturabfall und schaltet die Heizung ab. Homematic IP nutzt Fensterkontakte für dieselbe Funktion, praezsier aber mit einem Sensor-Gerät pro Fenster.
Dieser Mechanismus ist kein dramatischer Sparer, aber er verhindert die sinnloseste Art von Energieverschwendung.
Rechenbeispiel: 80 qm Wohnung
Nehmen wir ein konkretes Szenario:
- 80 qm Wohnung, Altbau mit Gasheizung
- Jaehrliche Heizkosten bisher: 1.500 Euro
- Zwei Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche -- 4 Thermostate
- Montag bis Freitag 8 Stunden unbewohnt
Einsparung bei 25 Prozent
- 25 Prozent von 1.500 Euro = 375 Euro pro Jahr gespart
- Oder: 31,25 Euro pro Monat
Investition
| Gerät | Preis |
|---|---|
| Homematic IP Access Point | 35 EUR |
| 4x Thermostat-Ventilaufsatz (HmIP-eTRV) | 4 x 45 EUR = 180 EUR |
| 4x Fensterkontakt | 4 x 28 EUR = 112 EUR |
| Gesamt | 327 EUR |
Break-even
327 Euro geteilt durch 375 Euro Ersparnis pro Jahr = unter einem Jahr.
Das ist der beste ROI im Smart Home. Keine andere Maßnahme amortisiert sich schneller.
Weitere Maßnahmen mit Sparpotenzial
Smarte Steckdosen als Standby-Killer
Viele Geräte verbrauchen im Standby mehr als du denkst. Eine Kilowattstunden-Messung mit einer Shelly Plug S zeigt dir schnell, welche Geräte Strom fressen.
Typische Standby-Verbraucher:
- Älterer Fernseher: 15 bis 25 Watt
- Spielekonsole (PS4/PS5 im Sleep-Modus): 5 bis 15 Watt
- Heimkino-Receiver: 10 bis 20 Watt
- Ladestationen die permanent eingesteckt sind: 1 bis 3 Watt
Mit einer smarten Steckdose (Shelly Plug S, 15 bis 20 Euro) kannst du diese Geräte per Zeitplan komplett abschalten: nachts von 23:00 bis 7:00 Uhr kein Strom für Entertainment-Geräte.
Einsparung pro Gerät: 5 bis 30 Euro pro Jahr. Klingt wenig, aber bei 5 bis 6 Geräten kommen 50 bis 100 Euro zusammen.
Rollladensteuerung: Dämmung durch Timing
Rollläden sind die unterschätzte Smart-Home-Maßnahme für Heizkosten. In der Nacht bildet sich an einzeln verglasten Fenstern Kälte -- ein geschlossener Rolladen reduziert den Wärmeverlust durch das Fenster erheblich.
Eine smarte Rollladensteuerung (Shelly 2.5, 15 bis 20 Euro pro Rollladen) schließt die Rollläden automatisch bei Einbruch der Dämmerung und öffnet sie morgens wenn die Sonne scheint. Im Sommer umgekehrt: Rollläden tagsüber zu um Aufheizung zu vermeiden.
Für einen Haushalt mit 6 bis 8 Rollläden und schlecht verglasten Fenstern können das 100 bis 200 Euro weniger Heizkosten pro Jahr sein.
Verbrauchsmessung: Wissen wo das Geld hingeht
Shelly 3EM (Dreiphasen-Energiemessgerät, ca. 70 Euro) hängt im Sicherungskasten und misst den gesamten Stromverbrauch des Hauses in Echtzeit. Das klingt nach einem Gerät für Nerds. Aber: Die meisten Haushalte, die anfangen ihren Verbrauch zu tracken, reduzieren ihn allein dadurch um 5 bis 10 Prozent. Nicht weil ein Algorithmus etwas ändert, sondern weil sichtbarer Verbrauch zu bewussteren Entscheidungen führt.
Was übertrieben ist und nichts spart
Hier etwas Realismus:
Einzelne Grad-Änderungen per Sprache
"Alexa, erhöhe die Temperatur um ein Grad" -- das ist Komfort, kein Sparen. Der Energieunterschied zwischen 20 und 21 Grad ist marginal. Wer glaubt durch häufiges manuelles Anpassen zu sparen, irrt.
Smarte Lichtsteuerung
Spart minimal. LED-Lampen verbrauchen so wenig (6 bis 9 Watt), dass automatisches Abschalten kaum messbare Einsparungen bringt. Smarte Lampen können sogar mehr Standby-Strom verbrauchen als die gesparte Leuchtzeit rechtfertigt.
Präsenzmelder für Heizung in jedem Zimmer
Zu kleinteilig. Wenn du im Büro arbeitest und die Heizung im Wohnzimmer kurz abschaltet, heizt sie nach deiner Rückkehr sofort wieder -- für eine kurze Abwesenheit bringt das wenig.
Realistische Erwartungen
Wer bisher keine smarte Heizungssteuerung hatte und regelmäßig weg ist (Arbeit, Reisen), kann realistisch 200 bis 400 Euro pro Jahr sparen bei einer 80 bis 100 qm Wohnung mit Gasheizung.
Wer in einem Neubau mit Fußbodenheizung wohnt und schon ein modernes Heizungsthermostat hat: Erwarte eher 10 bis 15 Prozent Einsparung, da die Baseline bereits optimierter ist.
Die Investition amortisiert sich in fast allen Fällen innerhalb von 6 bis 18 Monaten. Das macht smarte Heizungssteuerung zur sinnvollsten Einzelinvestition im Smart-Home-Bereich -- vor Lampen, vor Kameras, vor Sprachassistenten.
Verwandte Artikel: tado vs. Homematic IP | Stromverbrauch messen mit Shelly | Smart Home Förderung 2026