Familie Roth wohnt in einem Reihenhaus in Friedberg, sie freiberufliche Übersetzerin, er Maschinenbauingenieur, beide Anfang fünfzig, eine Katze. Im Wohnzimmer steht eine Mitsubishi-Klimaanlage von 2014, im Schlafzimmer eine Hisense-Soundbar von 2018, im Büro ein Denon-Receiver von 2009. Drei Geräte, drei Fernbedienungen, drei Lebenslagen, in denen niemand die richtige findet. Frau Roth hat irgendwann einen Korb auf den Couchtisch gestellt, in den alle Fernbedienungen gehören. Funktioniert ungefähr so gut wie ein Korb für verlorene Socken.
Im April 2026 hat ihr Mann mich angerufen, weil er in einem Forum gelesen hat, dass man alte Geräte mit Home Assistant fernsteuern kann. Er hatte sich schon eine Liste gemacht. Ein WLAN-Repeater an die Klimaanlage kleben, eine WLAN-Steckdose vor den Receiver, irgendwas mit Tasmota. Ich habe ihm gesagt: stopp, kauf dir einen Broadlink RM4 Mini für rund dreißig Euro, das löst alle drei Probleme auf einmal. Er hat einen bestellt, wir haben den Nachmittag drauf zusammen eingerichtet, am Abend lief die Klimaanlage über sein Handy. Was dabei reibungslos klappte, was uns zwei Stunden gekostet hat und wann ein Drei-Euro-ESP32 mit IR-LED die ehrlichere Lösung ist, darum geht es in diesem Artikel.
Was Broadlink eigentlich ist
Broadlink ist ein chinesischer Hersteller aus Hangzhou, der seit etwa 2013 IR- und RF-Blaster für den Smart-Home-Massenmarkt baut. Das Prinzip dieser Geräte ist banal alt: eine Box, randvoll mit Infrarot-LEDs in 360 Grad ringsum, manchmal zusätzlich einem 433-Megahertz-Funksender, dazu ein WLAN-Chip. Du stellst die Box im Wohnzimmer auf, sie hat freie Sicht auf alles, was du steuern willst, und sie spielt auf Befehl von deinem Smartphone oder deinem Smart-Home-System genau die Infrarot-Sequenz ab, die deine alte Fernbedienung beim Drücken einer Taste senden würde.
Was Broadlink von Dutzenden chinesischer Klone unterscheidet, ist nicht die Hardware, die ist im Kern überall die gleiche, sondern die Reichweite. Die RM-Serie sendet stark genug, dass eine Box im Wohnzimmer typischerweise reicht, um Klimaanlage, Fernseher, Receiver und Deckenventilator gleichzeitig zu steuern. Die Geräte kosten neu zwischen 25 und 65 Euro, je nach Modell, und sie haben sich in den vergangenen sechs, sieben Jahren als der De-facto-Standard für selbstgebaute IR-Steuerungen unter Home-Assistant-Nutzern etabliert. Das liegt vor allem an einer einzigen Person.
Mike Garrett, im GitHub-Universum als mjg59 bekannt, hat 2014 angefangen, das Broadlink-Protokoll zu reverse-engineeren, und seine python-broadlink-Bibliothek auf GitHub veröffentlicht. Diese Bibliothek spricht direkt mit dem Gerät im lokalen Netzwerk, ohne dass irgendein Cloud-Server in China dazwischen hängt. Auf dieser Bibliothek basiert die offizielle Broadlink-Integration in Home Assistant. Aktuell wird mjg59s Code von Felipe Diel weitergeführt, in der Fork-Variante felipediel/python-broadlink, und genau dieser Fork ist als Paket broadlink==0.19.0 die Abhängigkeit der Home-Assistant-Integration. (manifest.json der Broadlink-Integration)
Codeowner der Integration sind danielhiversen, felipediel und L-I-Am. Die Integration ist als local_polling klassifiziert, das heißt: Home Assistant fragt das Gerät direkt im lokalen Netzwerk an, nichts geht über die Broadlink-Cloud. Die offizielle Smartphone-App von Broadlink, die Broadlink-App im Play Store, brauchst du nur einmal: um das Gerät ins WLAN zu hängen. Danach kann sie auf dem Handy bleiben oder fliegen, Home Assistant kommt ohne sie aus.
Modellübersicht: was die RM-Familie kann
Broadlink verkauft seit Jahren mehrere parallel laufende Modellreihen, und das ist beim Kauf der Hauptverwirrungspunkt. Die wichtigsten Geräte in der aktuellen Generation:
| Modell | IR | RF 433 MHz | RF 315 MHz | Bluetooth | Matter | Sensor | Preis ca. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| RM4 Mini | ja | nein | nein | nein | nein | nein | 25 bis 30 Euro |
| RM4C Mini | ja | nein | nein | nein | nein | Temp + Feuchte (extern) | 30 bis 35 Euro |
| RM4 Pro | ja | ja | ja | nein | nein | nein | 40 bis 50 Euro |
| RM4 Pro Plus | ja | ja | ja | ja | nein | nein | 55 bis 65 Euro |
| RM MAX | ja | ja | nein | ja | ja | nein | rund 50 Euro |
| RM Mini 3 | ja | nein | nein | nein | nein | nein | ab 20 Euro Restbestand |
Drei Faustregeln, die ich mir nach zwölf Setups bei Bekannten und Verwandten gemerkt habe:
Erstens: Wenn du nur Geräte mit Original-Fernbedienung steuern willst, also TV, Receiver, Soundbar, Klimaanlage, Lüfter, dann reicht der RM4 Mini. Die meisten Haushalte brauchen nichts anderes.
Zweitens: Wenn irgendwo im Haushalt eine Funk-Steckdose steckt, ein Funk-Rollladen läuft, eine Funk-Garagentor-Fernbedienung herumliegt oder das Funk-Türklingel-System der Vermieterin nach Strom-Code piept, dann brauchst du den Pro. Der Mini kann kein RF. Punkt.
Drittens: Wenn dein Setup wirklich ohne Home Assistant laufen können soll oder du gerne mit Apple-HomeKit-Geräten mischst, dann ist der RM MAX die einzige Variante, die Matter spricht. Für reine HA-Nutzer ist Matter weitgehend egal, da reden RM4 Mini und Pro sowieso direkt mit HA.
Das RM4C Pro mit eingebautem Temperatur- und Feuchtesensor war eine Zeitlang als Klima-Allrounder gedacht, ist aber in Europa seit 2024 schwer zu bekommen und der Sensor liefert nach Erfahrung im Forum ungenaue Werte, weil er direkt an der WLAN-Antenne sitzt und deshalb regelmäßig zu warme Messwerte ausgibt. Wer Temperatur messen will, kauft separat einen Aqara-Zigbee-Sensor für acht Euro und ist genauer dran.
Cloud-Zwang ja oder nein
Hier wird es interessant, weil sich um diese Frage seit Jahren das größte Missverständnis rankt. Die offizielle Antwort lautet: nein, kein Cloud-Zwang. Die ehrliche Antwort lautet: für die Ersteinrichtung schon.
Die nüchterne Realität: Das Broadlink-Gerät kommt im Auslieferungszustand ohne WLAN-Credentials. Bevor irgendetwas funktioniert, muss es in dein WLAN. Und der einzige offiziell unterstützte Weg dafür ist die Broadlink-App auf dem Smartphone, die genau einmal eine Bluetooth- oder WLAN-Direktverbindung zum Gerät aufbaut, deine SSID und dein Passwort hineinschickt, und nebenbei deine E-Mail-Adresse für ein Broadlink-Konto verlangt. Diese Anmeldung kannst du theoretisch mit einer Wegwerf-Mailadresse erledigen, das Konto brauchst du nach der Einrichtung nie wieder.
Danach ist die Cloud raus. Die Home Assistant Integration findet das Gerät per Auto-Discovery im lokalen Netz, du klickst es in Einstellungen, Geräte und Dienste, Integration hinzufügen, Broadlink an, HA fragt dich nach einer eventuellen App-Sperre, und das war es. Ab diesem Moment läuft jede einzelne Kommunikation lokal über die Bibliothek python-broadlink. Du kannst dein Gerät im Router auf eine reine LAN-Regel setzen, das Internet komplett abdrehen, alles funktioniert weiter. (HA-Integrationsdoku, Abschnitt local_polling und Setup)
Wer keine Lust auf die Broadlink-App hat, kann das Gerät auch ohne sie ins WLAN bringen. Im Repository python-broadlink liegt das Skript broadlink_cli mit der Option --joinwifi, das die WLAN-Credentials per UDP-Broadcast an ein noch nicht verbundenes Broadlink-Gerät schickt, sobald du dessen Knopf gedrückt und es in den Pairing-Modus versetzt hast. Funktioniert zuverlässig, ist aber Bastlerterritorium. Für Familie Roth haben wir den App-Weg genommen und die App eine halbe Stunde später wieder gelöscht.
Eine alternative Setup-Route, die in der Community gerne empfohlen wird, ist der MQTT-Bridge-Ansatz broadlink-mqtt von Edmund Schava. Diese Bridge spricht ebenfalls direkt mit den Geräten im lokalen Netz und stellt sie über MQTT bereit. Für Home-Assistant-Nutzer hat das wenig Mehrwert gegenüber der offiziellen Integration, für reine MQTT-Setups oder Node-Red-Builds ist es eine saubere Lösung.
Setup in Home Assistant, Schritt für Schritt
Bei Familie Roth lief der erste Setup-Nachmittag so ab.
Wir haben den RM4 Mini ausgepackt, per USB-C an ein altes Netzteil gehängt, das Licht ging weiß. Broadlink-App auf das Handy von Frau Roth installiert, ein Konto mit ihrer Pfarrei-Mail angelegt, die App hat den RM4 im Pairing-Modus gefunden, ihre 2,4-Gigahertz-WLAN-Credentials reingeschickt, das Licht wurde blau. Das war Minute zehn.
Dann zu Home Assistant. Einstellungen, Geräte und Dienste, ein blauer Discovery-Toast erschien sofort: "Broadlink RM4 Mini erkannt, Konfiguration starten". Sie hat geklickt, HA fragte einmal nach einem Sperr-PIN, sie tippte den Vier-Stellen-Code aus der App ein, fertig. Eine Remote-Entity namens remote.wohnzimmer entstand, dazu eine Sensor-Entity für die Signalstärke. Das war Minute fünfzehn.
Jetzt der eigentliche Teil, das Lernen der Codes. Die Klimaanlage hat eine bekannt fummelige Mitsubishi-Fernbedienung mit Display, sechzehn Tasten, dazu ein Schiebeschalter für Modus. Wir haben uns in den Developer Tools, Services, durchgeklickt, den Service remote.learn_command ausgewählt, als Ziel remote.wohnzimmer, als Daten:
service: remote.learn_command
target:
entity_id: remote.wohnzimmer
data:
device: klimaanlage
command:
- power_on
- power_off
- cool_22_low
- cool_22_medium
- cool_22_high
- cool_24_low
Du startest das Skript, der LED-Ring am RM4 wird weiß und beginnt zu pulsieren. Du hältst die Original-Fernbedienung vor das Gerät, drückst Power, das Licht blinkt einmal, wartet auf den nächsten Code. Power Off, Cool 22 Low, immer so weiter. Nach jedem erfolgreichen Code geht der Ring kurz grün, dann wieder weiß. Wenn du zu langsam bist, läuft das Lernen in einen Timeout und du musst die Sequenz neu starten. Die gelernten Codes wandern in eine JSON-Datei unter /config/.storage/broadlink_remote_, eine pro Gerät, gut sortiert. (HA-Integrationsdoku, Abschnitt Storage und Learning)
Das eigentlich Stresige war nicht das Lernen, sondern die richtigen Bezeichner zu wählen. Wir haben anfangs jeden Klimaanlagen-Befehl einzeln gelernt, also cool_22, cool_23, cool_24, dazu jeweils low, medium, high, jeweils mit und ohne Swing. Nach einer halben Stunde hatten wir hundertzwanzig Codes, jeder ungefähr drei Sekunden lang, und Frau Roth fragte berechtigterweise, warum das nicht einfach klappt wie bei ihrem Kollegen mit Sensibo. Die Antwort ist unangenehm und führt zum nächsten großen Kapitel.
Das Klimaanlagen-Problem
Klimaanlagen sind die einzige Geräteklasse, bei der ein Broadlink-Setup ehrlich gesagt nervig wird. Der Grund liegt an der Funktionsweise dieser Geräte. Eine TV-Fernbedienung sendet pro Tastendruck genau ein Signal: Power Toggle. Ein Receiver sendet pro Tastendruck genau ein Signal: Volume Up um eins. Eine Klimaanlagen-Fernbedienung sendet pro Tastendruck den kompletten Zustand der Klimaanlage. Also: Modus Kühlen plus Temperatur 22 Grad plus Lüfter Niedrig plus Swing aus plus Timer aus plus Display an, alles in einem einzigen Infrarot-Burst.
Das hat einen Grund. Die Klimaanlage hat selber kein Display, sie weiß nicht, in welchem Modus sie gerade ist, sie wartet nur darauf, dass die Fernbedienung ihr den vollständigen Wunschzustand mitteilt. Praktisch heißt das: für eine ehrliche Steuerung musst du alle Kombinationen aus Modus, Temperatur, Lüfter, Swing einzeln lernen. Bei Frau Roths Mitsubishi sind das, wenn man auf Heizen und Trocknen verzichtet und nur fünf Temperaturstufen will, drei Lüfterstufen und einen Swing-Toggle, immerhin dreißig Codes. Mit Heizen und der vollen Temperaturspanne sind es leicht zweihundert.
Hier kommt SmartIR ins Spiel, eine Custom Integration, die seit 2018 von der Community gepflegt wird und inzwischen über 1.250 Commits, 2,7k Stars und ein aktives Release-Programm hat. Aktuelle Version 1.18.1 vom Mai 2025. SmartIR bringt eine Sammlung von rund 120 vorgefertigten Klimaanlagen-Codedatenbanken mit, die als JSON-Dateien für gängige Modelle hinterlegt sind: Daikin, Mitsubishi, LG, Samsung, Panasonic, Hisense, Gree, Sharp und so weiter. Du installierst SmartIR über HACS, lädst die JSON für dein Modell, hängst sie an deinen Broadlink-Remote-Entity in der configuration.yaml, und du bekommst eine vollwertige Climate-Entity, die im Dashboard wie eine echte Klimasteuerung aussieht und sich auch so verhält.
smartir:
climate:
- platform: smartir
name: Klima Wohnzimmer
unique_id: klima_wohnzimmer
device_code: 1124
controller_data:
controller_type: broadlink
remote_entity: remote.wohnzimmer
temperature_sensor: sensor.aqara_wohnzimmer_temperatur
humidity_sensor: sensor.aqara_wohnzimmer_feuchte
Der device_code 1124 ist beispielhaft, in der SmartIR-Datenbank gibt es eigene Codes pro Hersteller und Modell. Bei Frau Roths Mitsubishi MSZ-FH-Reihe haben wir Code 1280 verwendet, der war direkt drin. Die Codedatenbank-Suche läuft über die SmartIR Climate-Dokumentation, wo nach Hersteller sortiert alle JSONs aufgelistet sind. Wenn dein Modell fehlt, kannst du eine Anfrage im SmartIR-Repository als Issue stellen, die Community pflegt regelmäßig neue Modelle ein. Beispielhaft dokumentiert ist die Mitsubishi-Electric-Split-Diskussion in Issue 259, in der ein Nutzer seinen kompletten Lernprozess offenlegt.
Was SmartIR nicht kann, das ist die zweite Hälfte des Klima-Problems: ihr wisst nie sicher, in welchem Zustand die Anlage tatsächlich ist. Wenn jemand mit der Originalfernbedienung in die Hand greift und auf Heizen umstellt, denkt Home Assistant immer noch, die Anlage steht auf Kühlen. Das nennt sich state mismatch und ist der größte Unterschied zu einer Steuerung wie Sensibo Air, die zusätzlich einen Temperatursensor mitbringt und über ein paar smarte Annahmen den Zustand rückwärts errechnet. Wer das wirklich sauber will, kombiniert Broadlink mit einem externen Aqara-Temperatursensor und akzeptiert die Restunschärfe oder kauft einen Sensibo Air für 130 Euro.
RF lernen, der zweite Schritt
Für Familie Roth war RF kein Thema, in ihrem Haushalt läuft alles über IR. Bei einem anderen Setup im Mai habe ich für die Mutter eines Bekannten einen RM4 Pro eingerichtet, weil sie acht alte Brennenstuhl-Funksteckdosen aus den Nullerjahren weiterbenutzen wollte, die der Sohn ihr damals geschenkt hatte. Diese Steckdosen senden auf 433 Megahertz und der RM4 Pro kann sie lernen und ansprechen.
Das RF-Lernen läuft anders als das IR-Lernen, weil RF-Signale typischerweise kürzer und stark wiederholt sind. Der Service heißt der gleiche, aber mit einem Parameter:
service: remote.learn_command
target:
entity_id: remote.wohnzimmer
data:
device: steckdose_arbeitszimmer
command: power_on
command_type: rf
Der RM4 Pro fängt zu pulsieren an, du hältst die alte Funkfernbedienung dicht ran und drückst die Taste mehrfach. Das Gerät tastet erst die Frequenz ab, blinkt einmal, signalisiert die richtige Frequenz, dann fängt der eigentliche Lernprozess an: du drückst die Taste nochmal, der RM4 nimmt den vollständigen Code auf. Das Verfahren ist in der Doku der HA-Integration unter dem Stichwort RF Learning ausführlich erklärt. Bei den Brennenstuhl-Dosen lief jede beim ersten Versuch durch, bei einem No-Name-Klingelknopf des Sohnes haben wir vier Versuche gebraucht, bis der Code stand. (HA Broadlink RF-Learning-Dokumentation)
Wichtig: Der RM4 Pro kann sowohl 433 Megahertz als auch 315 Megahertz, was er beim Lernen automatisch erkennt. Für europäische Geräte ist fast immer 433 MHz relevant. Es gibt Funk-Garagentore und ältere Auto-Schlüssel, die rollende Codes nutzen, also bei jedem Druck einen anderen Code senden. Die kann Broadlink nicht klonen. Du lernst den Code einmal und er funktioniert genau einmal. Das ist Absicht, kein Bug, sondern Krypto-Schutz.
Senden und Automatisieren
Die gelernten Codes wandern wie gesagt in eine JSON-Datei und werden über remote.send_command ausgelöst. In der Praxis sieht das so aus:
automation:
- alias: Klimaanlage morgens an
trigger:
- platform: time
at: "07:30:00"
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.aussentemperatur
above: 24
action:
- service: remote.send_command
target:
entity_id: remote.wohnzimmer
data:
device: klimaanlage
command: cool_22_medium
Frau Roth hat sich nach einer Woche eine kleine Sammlung an Skripten gebaut: Filmmodus, der den Fernseher anschaltet, den Receiver einschaltet, beide auf HDMI 1 stellt, das Licht im Wohnzimmer dimmt und die Klimaanlage auf 23 Grad bringt. Das Ganze über einen einzigen Knopf in ihrem HA-Dashboard. Sechs Befehle, die nacheinander an den Broadlink gehen, dazwischen jeweils 500 Millisekunden Pause damit die Geräte hinterherkommen. Standard-Smart-Home-Stoff, aber so banal er klingt, das ist genau die Art von Automation, für die sie sich überhaupt erst Smart-Home angeschafft hat.
Eine wichtige Eigenheit der send_command-Implementierung: wenn du mehrere Befehle in einer Liste schickst, sendet Broadlink sie mit einer Standardpause von rund 750 Millisekunden hintereinander. Für die meisten Geräte reicht das. Für ältere Receiver kannst du den Parameter delay_secs hochschrauben, falls die Geräte die Sequenz nicht verarbeitet bekommen.
service: remote.send_command
target:
entity_id: remote.wohnzimmer
data:
device: receiver
command:
- power
- input_hdmi1
- volume_up
- volume_up
delay_secs: 1.2
Eine zweite Falle, in die Frau Roth gleich am ersten Abend gelaufen ist: die Standard-Codes der HA-Integration heißen alle gleich, egal wie viele Broadlinks du im Haus hast. Wenn du also später einen zweiten RM4 Mini im Schlafzimmer aufstellst und auch dort eine Klimaanlage lernst, musst du beim Service-Aufruf explizit die richtige Remote-Entity benennen, sonst sendet möglicherweise das falsche Gerät. Klingt trivial, ist es auch, aber es kostet eine Stunde, wenn du es übersiehst.
ESPHome mit IR-LED: die 7-Euro-Alternative
Hier wird es ehrlich: für viele Anwendungen ist ein Broadlink-Blaster Overkill. Wer nur ein einziges Gerät steuern will, das gar nicht weit weg steht, und wer keine Angst vor Lötkolben hat, kommt mit einem ESP32 plus IR-LED plus IR-Empfänger für rund sieben Euro weg. Die ESPHome-Komponente remote_transmitter und die korrespondierende remote_receiver bieten genau das, und sie unterstützen über 30 IR-Codec-Protokolle direkt: NEC, RC5, RC6, Sony, Panasonic, LG, Samsung, Coolix, Midea, Haier, JVC, Pioneer, Dyson und so weiter.
Eine Minimalkonfiguration sieht so aus:
esp32:
board: esp32dev
remote_transmitter:
pin: GPIO22
carrier_duty_percent: 50%
remote_receiver:
pin:
number: GPIO23
inverted: true
dump: all
switch:
- platform: template
name: TV Power
turn_on_action:
- remote_transmitter.transmit_lg:
data: 0x20DF10EF
nbits: 32
Der ESP32 kostet etwa fünf Euro, eine 940-Nanometer-IR-LED dreißig Cent, der VS1838B-Empfänger einen Euro fünfzig, ein bisschen Kabel und ein Widerstand vielleicht noch fünfzig Cent. In Summe: keine zehn Euro für eine vollwertige IR-Brücke, die sich nahtlos in Home Assistant einbindet, ohne irgendeinen Broadlink-Account und ohne irgendein chinesisches Cloud-System überhaupt mit deinen Daten in Berührung zu kommen. Der Nachteil: du musst die Hardware selber zusammenstecken, die IR-LED hat eine recht enge Abstrahlcharakteristik und reicht oft nur drei, vier Meter weit, und für RF brauchst du zusätzliche Module. Wenn du wirklich nur eine Klimaanlage steuern willst, die zwei Meter neben dem ESP32 hängt, ist es die mit Abstand günstigste und sauberste Lösung.
Wer nicht löten will, kann ESP32-Boards mit eingebauter IR-LED kaufen. Der XIAO Smart IR Mate von Seeed kostet rund zehn Euro, hat alles drauf und flashed sich in zehn Minuten mit ESPHome.
Die zweite Hardware-Alternative im selben Preisniveau sind Tasmota-IR-Bridges auf Basis günstiger Sonoff-Klone, die ebenfalls direkt mit HA reden. Der Vorteil von ESPHome gegenüber Tasmota ist die deutlich bessere HA-Integration: Geräte tauchen automatisch auf, Konfiguration läuft komplett über YAML, keine Web-UI-Klickerei. Der Vorteil von Tasmota ist die größere Auswahl an fertig flashbaren Hardware-Templates.
Die Faustregel, die ich für Familie Roth angewendet habe: ein Wohnzimmer mit drei verschiedenen IR-Geräten, von denen eines fünf Meter weg steht, ist klassisches Broadlink-Terrain. Eine Wohnung mit genau einer Klimaanlage zwei Meter neben dem WLAN-Router ist ESPHome-Terrain.
Broadlink versus Tuya versus Aqara M3
Seit etwa 2022 drängen drei weitere Hersteller in das IR-Blaster-Geschäft, und die Konkurrenz ist heute echt. Ein kurzer Vergleichsblick.
Tuya IR-Blaster sind die billigsten am Markt, ab rund zwölf Euro im AliExpress-Sortiment, mit eingebauter Tuya-Cloud-Anbindung. Die Geräte funktionieren mit der Tuya Smart Life App und über die Tuya-Integration in Home Assistant, die offiziell mit dem cloud-basierten Pfad arbeitet. Wer Tuya lokal will, braucht die Custom Integration LocalTuya und muss mit jeder Firmware-Aktualisierung damit rechnen, dass die lokalen Schlüssel neu ausgelesen werden müssen. Tuya-Blaster haben deutlich schwächere IR-Sender als Broadlink und scheitern oft an größeren Wohnzimmern. Wer extrem sparen will und mit Cloud-Abhängigkeit leben kann, kauft Tuya. Sonst nicht.
Sonoff IR-Bridge ist eine eigene Klasse, mit Tasmota oder ESPHome flashbar, gute Reichweite, kein RF, rund 25 Euro. Für reine IR-Setups eine echte Broadlink-Alternative, gerade weil sich die Tasmota- oder ESPHome-Variante komplett lokal und ohne fremde App betreiben lässt.Der Aqara Hub M3 ist eigentlich ein Zigbee-Thread-Matter-Hub, hat aber einen 360-Grad-IR-Blaster eingebaut, der zusätzlich Two-Way-IR kann: er erkennt also IR-Signale aus dem Raum, etwa von einer noch herumliegenden Originalfernbedienung, und aktualisiert den Zustand seines internen Geräte-Modells entsprechend. Das ist technisch eindrucksvoll, kostet aber rund 90 Euro und macht nur Sinn, wenn du sowieso Zigbee-Sensoren von Aqara einsetzen willst. Die IR-Datenbank von Aqara ist deutlich kleiner als die von Broadlink, und RF kann der M3 nicht. Wer schon Aqara-Sensoren hat, nimmt den M3. Wer von Null startet und IR plus RF braucht, nimmt Broadlink Pro.
Eine spannende Neuvorstellung von Anfang 2026 ist der Broadlink RM MAX, der erste Blaster aus dem Hause Broadlink mit nativer Matter-Unterstützung, dazu Bluetooth Local Control, IR und 433-Megahertz-RF. Preis rund 50 Euro. Wer einen Mischhaushalt mit HomeKit-Geräten der Familie hat, oder wer sein Setup zwischen Home Assistant, Apple Home und SmartThings hin- und herziehen können möchte, sollte zum RM MAX greifen statt zum RM4 Pro. Für reine HA-Nutzer ist Matter kein Vorteil, die Integration sieht die alten RM4-Geräte sowieso direkt.
Sicherheit und Datenschutz
Hier ist die Bilanz gemischt. Broadlink-Geräte sind über Jahre immer wieder in Forschungsarbeiten aufgetaucht, die schlecht abgesicherte Firmware und unverschlüsselte Cloud-Kommunikation kritisierten. Die Standard-Anrede aus der Forschungsperspektive war für lange Zeit: die Geräte sind ok, solange du sie hinter einer Firewall vom Internet trennst.
Praktisch heißt das: setz den Broadlink in deinem Router auf eine reine LAN-Regel, sperre den Outbound-Internet-Zugriff für die MAC-Adresse, und das Gerät kann nichts mehr nach Hause telefonieren. In OPNsense oder pfSense erledigt das eine einzige Firewall-Regel. In FritzBoxen funktioniert es über die Kindersicherung mit einem eigenen Profil, das Internet komplett blockiert. Home Assistant kommt mit dem Gerät ausschließlich lokal in Kontakt, alle Funktionen bleiben verfügbar. Verwendet sogar Familie Roths Bruder so, der bei einer Pentest-Firma arbeitet und über das Thema lange genug gemault hat, dass selbst seine Schwiegermutter inzwischen weiß, wie man in der FritzBox einen Geräte-Block setzt.
Firmware-Updates sind der Wermutstropfen: Broadlink schickt sie ausschließlich über die Broadlink-App. Wenn du das Gerät vom Internet trennst, bekommst du keine Updates. In zwölf Monaten Beobachtungszeit bei Familie Roths Gerät ist exakt eine Update-Aufforderung in der App aufgetaucht, ein Sicherheitspatch, der angeblich eine WPA2-Schwachstelle in der WLAN-Implementation behoben hat. Wer paranoid ist, schaltet das Internet alle paar Monate kurz frei, lässt das Update durch und sperrt wieder.
Ein häufiger Stolperstein in der Praxis ist die App-Sperre. Wenn in der Broadlink-App die "Lock"-Funktion eingeschaltet ist, antwortet das Gerät der lokalen Bibliothek mit einem "device is locked"-Fehler und Home Assistant kann nichts mehr machen. Lösung: in der App entsperren, dann die Integration neu laden. Steht auch in der HA-Doku als bekannter Fallstrick.
Custom Component versus offizielle Integration
Eine Frage, die in den Foren immer wieder aufkommt: brauche ich die offizielle Integration oder eine Custom Component? Die ehrliche Antwort für 2026 ist: die offizielle reicht für 95 Prozent der Anwendungen.
Die offizielle Broadlink-Integration in HA Core wurde im August 2020 von Felipe Diel komplett auf Config Flow umgestellt und damit endgültig in die UI-Welt gehoben, also weg von der manuellen YAML-Konfiguration. (Pull Request #36914) Im Release 2020.12 kam dann das RF-Learning dazu, gleicher Autor. Seit der Zeit ist die Integration stabil, wird im Schnitt alle paar Monate gepflegt und unterstützt automatische Discovery aller gängigen Modelle. Sensoren, Schalter, Lichter, Klimathermostate, alles wird ohne YAML-Konfiguration als Entity bereitgestellt. Die Liste der unterstützten Geräte umfasst inzwischen alle RM-Modelle, die SP-Steckdosen-Familie, die A1-Sensoren, die LB-Glühbirnen, die Hysen- und Floureon-Thermostate und die BG1/SC1-Schalter.
Custom Components, die historisch eine Existenzberechtigung hatten, sind heute weitgehend obsolet. Das alte broadlink_s3_hack und andere Bastelprojekte aus 2017 bis 2019 stammen aus einer Zeit, in der die offizielle Integration noch keine Lights und keine Climate-Entities konnte. Seit etwa 2022 gibt es keinen Grund mehr, eine Custom Component für reine Broadlink-Steuerung einzusetzen.
Was es weiterhin gibt und einen Mehrwert bietet, ist SmartIR als Custom Component speziell für Klima-Geräte, Media-Player und Fans, weil dort die vorgefertigten Codedatenbanken den eigenen Lernaufwand massiv reduzieren. SmartIR ist keine Konkurrenz zur offiziellen Integration, sondern ein Aufsatz: SmartIR schickt die finalen Befehle weiterhin über die offizielle Broadlink-Integration raus.
Ebenfalls weiterhin sinnvoll ist die Broadlink Manager Web-UI, ein Add-on, das eine grafische Oberfläche zum Verwalten, Lernen und Testen der gespeicherten Codes anbietet. Wer mit den HA Developer Tools nicht klarkommt, findet hier eine deutlich angenehmere Arbeitsumgebung. Ist aber Komfort, nicht Notwendigkeit.
Wann Broadlink, wann nicht
Nach zwölf Setups in meinem Bekanntenkreis und vielen Stunden Forum-Lesezeit lassen sich die Anwendungsfälle ziemlich klar aufteilen.
Broadlink ist die richtige Wahl, wenn:
du mehrere unterschiedliche IR-Geräte aus einem zentralen Standort steuern willst, die maximale Reichweite brauchst (typisch sechs bis acht Meter im freien Raum), wenn du keine Lust auf Lötkolben hast, wenn du eine vorgefertigte Lösung willst, die in einer halben Stunde läuft, und wenn dein Haushalt eine Mischung aus IR und RF-Geräten hat. Der RM4 Pro für rund 45 Euro deckt die meisten Familien-Wohnzimmer komplett ab.
ESPHome mit IR-LED ist die richtige Wahl, wenn:
du genau ein oder zwei Geräte steuern willst, die nicht weit weg stehen, du sowieso schon mit ESPHome arbeitest und einen freien ESP32 herumliegen hast, wenn dir absolute Cloud-Freiheit wichtig ist und wenn du den letzten Euro sparen willst. Eine ESPHome-Lösung mit IR-LED kostet keine zehn Euro und läuft genauso gut wie ein Broadlink, solange du im Sichtbereich bleibst.
SmartIR mit Broadlink ist die richtige Wahl, wenn:
du eine Klimaanlage einer gängigen Marke steuern willst und keine Lust auf zweihundert handgelernte Codes hast. Daikin, Mitsubishi, LG, Samsung und Hisense sind alle gut abgedeckt. Mit einem Aqara-Zigbee-Temperatursensor für acht Euro dazu hast du eine ehrliche Klimasteuerung, die in HA wie eine echte Climate-Entity aussieht.
Aqara M3 ist die richtige Wahl, wenn:
du sowieso schon im Aqara-Ökosystem steckst und einen Zigbee-Thread-Matter-Hub brauchst, der nebenbei IR kann. Wer von Null anfängt und keine Aqara-Sensoren plant, kauft besser Broadlink.
Tuya IR-Blaster sind eigentlich nie die richtige Wahl, außer du brauchst wirklich das billigste verfügbare Gerät, kommst mit Cloud-Anbindung klar und steuerst nur ein Gerät in einem kleinen Zimmer.
Zusammenfassung für eilige Leser
Wer kein TLDR mag, kann ihn überspringen. Wer kein TLDR mag und es trotzdem liest, möge sich kurz fassen: Broadlink RM4 Mini für 25 Euro reicht für die meisten Haushalte. Der RM4 Pro für 45 Euro ist die richtige Wahl, sobald irgendwo RF-Geräte mitspielen. Setup läuft komplett lokal, Cloud nur zur Erst-Einrichtung, danach Internet abschaltbar. Die offizielle Home Assistant Integration ist seit 2020 stabil und ausreichend. Für Klimaanlagen ergänzt SmartIR die vorgefertigten Codedatenbanken. Wer löten will, ersetzt Broadlink durch einen ESP32 mit IR-LED für sieben Euro. Der neue RM MAX bringt Matter, wenn das Setup auch außerhalb von HA laufen soll.
Familie Roth steuert nach drei Monaten ihre Klimaanlage, den Denon-Receiver, die Hisense-Soundbar und drei IKEA-Trådfri-Lampen über einen einzigen Broadlink im Wohnzimmer. Der Korb mit den Fernbedienungen steht jetzt im Keller, beziehungsweise: er steht offiziell im Keller, faktisch noch immer auf dem Couchtisch, weil die Katze drauf schläft. So weit kommt die Smart-Home-Technik dann doch nicht.
Quellen
- Broadlink Integration in Home Assistant, offizielle Dokumentation
- python-broadlink Bibliothek von mjg59
- felipediel Fork von python-broadlink, aktuelle Basis der HA-Integration
- manifest.json der Broadlink-Integration in HA Core
- Source der Broadlink-Integration in HA Core
- Pull Request 36914 Config Flow Umstellung durch Felipe Diel August 2020
- Home Assistant Release 2020.12 mit RF-Learning
- SmartIR Custom Component für Klima TV Fan via IR
- SmartIR Climate-Dokumentation mit Modell-Codeliste
- SmartIR Issue 259 Diskussion Mitsubishi Electric Split AC
- broadlink-mqtt von eschava als MQTT-Brücke
- Broadlink Manager V2 Web-UI von tonyperkins
- Smartifiers Vergleich Matter IR-Blaster 2026 RM MAX SwitchBot Aqara M3
- Aqara Hub M3 Produktseite mit IR-Specs
- ESPHome remote_transmitter Komponente IR-Sender
- Tasmota IR Templates Übersicht von blakadder
- Tuya Integration in Home Assistant offiziell
- LocalTuya Custom Integration für lokale Tuya-Steuerung
- Sonoff IR Control Hub Produktseite
- Home Assistant Community RM4 Pro Einsteigerthread