Ein Freund hat sich letztes Jahr ein Haus gekauft. Altbau, 1920er, Wände wie Bunker. Er wollte alles smart machen, natürlich. Hat sich ein Zigbee-Setup geholt, 30 Geräte, Home Assistant, das volle Programm. Drei Wochen später der Anruf: "Die Hälfte meiner Sensoren ist offline." Er hatte den Coordinator im Erdgeschoss, die Sensoren im zweiten Stock, und dazwischen 80 Zentimeter Vollziegel und eine Betondecke. Das Zigbee-Mesh hat es nicht geschafft. Zu viele Wände, zu wenig Repeater im Signalweg.

Ich fragte ihn, ob er Z-Wave kenne. Er sagte: "Ist das nicht das teure Zeug, das keiner mehr benutzt?"

Nun. Z-Wave ist teurer, ja. Aber "keiner benutzt es" ist falsch. Und für sein Haus wäre es die bessere Wahl gewesen. Manchmal ist die ältere Technologie die richtige, nicht weil sie besser ist, sondern weil sie auf einer anderen Frequenz funkt. Buchstäblich.

Die Frequenz: Hier entscheidet sich fast alles

Zigbee auf 2,4 GHz

Zigbee funkt auf demselben Band wie dein WLAN-Router, deine Bluetooth-Kopfhörer, dein Babyfon und die Mikrowelle. 2,4 GHz ist das überfüllteste Funkband in jedem Haushalt. Zigbee hat 16 Kanäle zur Auswahl und weicht normalerweise aus. In der Praxis funktioniert das meistens. Aber "meistens" ist nicht "immer", und in einem Mehrfamilienhaus mit zehn WLAN-Routern auf derselben Etage kann es eng werden.

2,4 GHz hat eine physikalische Eigenschaft, die man nicht wegdiskutieren kann: höhere Frequenzen werden stärker von Wänden gedämpft. Ein 2,4-GHz-Signal verliert beim Durchgang durch eine Betonwand deutlich mehr Energie als ein Signal auf 868 MHz. Das ist Physik, kein Herstellerversprechen.

Reichweite pro Hop in Innenräumen: 10 bis 20 Meter. Durch das Mesh kompensierbar, wenn genug Repeater (netzbetriebene Geräte) im Signalweg stehen.

Seit November 2025 gibt es mit Zigbee 4.0 und dem "Suzi"-Branding einen Ausweg: Sub-GHz-Zigbee auf 800 MHz in Europa. Die Suzi-Zertifizierung startet in der ersten Hälfte 2026. Erste Geräte? Noch nicht auf dem Markt. Das ist ein Versprechen, keine Realität. Heute, April 2026, funkt dein Zigbee-Sensor auf 2,4 GHz.

Z-Wave auf 868 MHz

868,42 MHz in Europa. Ein Band, das sich Z-Wave praktisch alleine teilt. Keine Interferenzen mit WLAN, Bluetooth oder der Mikrowelle. Die niedrigere Frequenz durchdringt Wände, Böden und Decken besser.

Realistische Reichweite pro Hop in Gebäuden: 30 bis 40 Meter. Das ist der doppelte bis dreifache Wert von Zigbee unter den gleichen Bedingungen. In einem Altbau mit dicken Wänden ist das kein marginaler, sondern ein entscheidender Unterschied.

Und dann Z-Wave Long Range (ZWLR). Erschienen 2022, inzwischen mit 125 zertifizierten Geräten (CES 2026), 80 Prozent der aktuellen Zertifizierungspipeline zielt auf ZWLR. ZWLR verzichtet auf Mesh und verbindet Geräte direkt mit dem Controller. Reichweite: bis zu 1,5 Meilen in freier Sicht, 100 bis 200 Meter in Gebäuden. Unterstützt bis zu 4.000 Geräte pro Hub. Batterielebensdauer: 10+ Jahre sind realistisch bei Sensoren.

Das Ökosystem: Zigbee gewinnt, und zwar deutlich

Zigbee

Zigbee2MQTT (Version 2.9.0, März 2026) unterstützt über 3.300 Geräte. Die Liste wächst wöchentlich. Sensoren ab 5 EUR, Lampen ab 8 EUR, Steckdosen ab 10 EUR. IKEA, Philips Hue, SONOFF, Aqara, Tuya, Lidl Silvercrest. Von Budget-Sensoren bis Premium-Thermostate. Das Qualitätsspektrum ist breit: Tuya-Sensoren für 5 EUR funktionieren zuverlässig, Aqara-Geräte kosten mehr und liefern präzisere Messungen.

Zigbee 4.0 mit Security-Updates (Dynamic Link Key, Advanced Frame Counter Synchronization), Trust Center Swap-Out und Batch Commissioning zeigt, dass die CSA das Protokoll ernst nimmt. Rückwärtskompatibel mit allen Milliarden existierenden Zigbee-3.0-Geräten.

Z-Wave

Das Z-Wave-Ökosystem ist kleiner und war lange schrumpfend. Fibaro, einst der Star unter den europäischen Z-Wave-Herstellern, hat seine Produktpalette diversifiziert und neue Generationen teils als HomeKit-kompatible Systeme herausgebracht. Das hat für Verunsicherung gesorgt.

Aber 2025/2026 kam ein Comeback, getrieben durch ZWLR. Neue oder erneuerte Hersteller:

  • Zooz: Wachsende ZWLR-Linie mit Dimmern (ZEN72), Schaltern (ZEN71), Sensoren. Community-Liebling in der Home-Assistant-Welt, US-basierter Support. 30-35 EUR pro Schalter.
  • Aeotec: SmokeShield als erstes ZWLR-Gerät in Europa. Range Extender, Multisensoren.
  • Yale: Assure Lock 2 mit ZWLR und ADT-Integration. Z-Wave-Türschlösser sind nach wie vor stark.
  • Shelly Wave Series: Shelly, bekannt für WLAN-Geräte, hat eine Z-Wave-Linie mit Relais und Sensoren.
  • Home Assistant Connect ZWA-2: Der offizielle Z-Wave-Stick von Nabu Casa, mit 31-cm-Antenne, optimiert für ZWLR.
Die Z-Wave 2025B Spezifikation (Dezember 2025) brachte WOEEN: Wake on Event End Node, batterielose Geräte durch Energy Harvesting. Der WePower Gemns ist ein Wasserleck-Sensor, der keine Batterie braucht, nie. Und Active Schedule, damit Türschlösser und Thermostate lokale Zeitpläne abarbeiten, ohne den Controller ständig zu fragen.

Der Preisunterschied, der weh tut

Ein Z-Wave-Bewegungsmelder: 30 bis 50 EUR. Ein Zigbee-Bewegungsmelder: 8 bis 15 EUR. Ein Z-Wave-Fensterkontakt: 25 bis 40 EUR. Ein Zigbee-Fensterkontakt: 5 bis 10 EUR.

Bei einem Setup mit 30 Sensoren reden wir über 400 bis 800 EUR Differenz. Allein für die Sensoren. Das ist kein Rundungsfehler, das ist ein ganzer Urlaub.

Der Grund: Z-Wave-Zertifizierung kostet Hersteller Geld. Jedes Gerät muss durch den Zertifizierungsprozess der Z-Wave Alliance. Bei Zigbee gibt es Mitgliedsbeiträge zur CSA, aber keine Stücklizenzen. Zigbee2MQTT hat das gesamte Ökosystem per Reverse Engineering erschlossen, ohne dass Hersteller explizit kooperieren mussten.

Offenheit und Community

Zigbee

IEEE 802.15.4 ist ein offener Standard. Die Zigbee-Spezifikation liegt bei der CSA. Zigbee2MQTT und ZHA sind Open-Source-Projekte, die die gesamte Gerätebasis erschlossen haben. Die Community ist enorm: Tausende von Contributors, wöchentliche Updates, Lösungen für fast jedes Gerät. Wer ein Problem mit einem Zigbee-Sensor hat, findet die Antwort in 15 Minuten auf GitHub.

Z-Wave

Z-Wave war lange proprietär: Sigma Designs, dann Silicon Labs. 2020 wurde die Spezifikation unter eine offene Lizenz gestellt (ITU-T G.9959). Theoretisch kann jetzt jeder Z-Wave-Hardware bauen. Praktisch hat sich die Herstellerzahl nicht dramatisch erhöht. Zertifizierungskosten bleiben ein Faktor.

Z-Wave JS ist die Open-Source-Integration für Home Assistant, gut gepflegt und zuverlässig. Nabu Casa (Home Assistant) sitzt im Vorstand der Z-Wave Alliance. Das ist ein starkes Commitment.

Die Zukunftsfrage

Hier wird es unbequem für Z-Wave.

Matter und Thread setzen auf IP-native Kommunikation. Apple, Google und Amazon investieren in Matter. Z-Wave ist kein Matter-Transport. Punkt. Deine Z-Wave-Geräte werden nie nativ Matter-kompatibel. Sie brauchen immer ein Gateway, einen Controller wie Home Assistant, der zwischen Z-Wave und Matter übersetzt.

Zigbee hat dasselbe Problem. Zigbee ist auch kein Matter-Transport. Aber Zigbee hat drei Vorteile: den Preis, die Masse, und die Tatsache, dass Zigbee und Thread auf derselben Hardware laufen. Ein Chipwechsel ist für Hersteller trivial. Von Z-Wave (868 MHz, Silicon Labs-Chip) auf Thread (2,4 GHz, oft derselbe Chip wie Zigbee) ist ein größerer Sprung.

Zigbee hat mit Zigbee 4.0 und Suzi (Sub-GHz) gezeigt, dass es sich weiterentwickelt. Z-Wave hat mit ZWLR und WOEEN gezeigt, dass es sich weiterentwickelt. Beide leben. Aber Zigbee hat den Rückenwind von Matter und Thread, weil die Hardware-Basis identisch ist. Z-Wave steht daneben.

Was Silicon Labs (die Z-Wave besitzen und gleichzeitig Thread/Matter-Chips herstellen) langfristig mit Z-Wave vorhat, ist die Millionenfrage. Dass Nabu Casa im Z-Wave-Alliance-Vorstand sitzt, ist ein beruhigendes Signal. Dass die ZWLR-Pipeline wächst, ein weiteres. Z-Wave wird nicht morgen sterben. Aber es wird auch nicht die Mainstream-Wahl für Neueinsteiger.

Direkter Vergleich

MerkmalZigbeeZ-Wave
Frequenz2,4 GHz (Sub-GHz mit Suzi geplant)868 MHz (EU)
MeshJaJa (klassisch) / Nein (ZWLR, Stern)
Reichweite pro Hop (innen)10–20 m30–40 m (klassisch), 100–200 m (ZWLR)
Max. Geräte65.000232 (klassisch) / 4.000 (ZWLR)
WLAN-InterferenzMöglichNein
Hub nötigCoordinatorController
GeräteauswahlRiesig (3.300+ in Z2M)Mittel, wächst durch ZWLR
Preis Sensoren5–15 EUR25–50 EUR
ZertifizierungCSA-MitgliedschaftZ-Wave Alliance (strenger, teurer)
Matter-TransportNeinNein
ZukunftStabil + Suzi + Hardware-Nähe zu ThreadZWLR belebt, aber strukturell abseits
Open-SourceExzellent (Z2M, ZHA)Gut (Z-Wave JS)
Batterielebensdauer Sensoren1–2 Jahre2–5 Jahre (ZWLR: 10+)

Wo Z-Wave die bessere Wahl ist

Z-Wave ist nicht obsolet. In bestimmten Szenarien ist es objektiv besser:

Altbauten mit massiven Wänden

868 MHz durchdringt 40-cm-Vollziegel zuverlässiger als 2,4 GHz. Wo Zigbee fünf Mesh-Hops braucht und trotzdem Probleme hat, schafft Z-Wave die Verbindung direkt.

Große Gebäude

ZWLR mit bis zu 200 Metern Reichweite in Gebäuden ist eine andere Liga. Ein ZWLR-Hub mit 31-cm-Antenne (Home Assistant Connect ZWA-2) versorgt ein ganzes Mehrfamilienhaus.

Sicherheitskritische Geräte

Türschlösser, Alarmsysteme, Rauchmelder. Z-Wave auf 868 MHz hat keine WLAN-Interferenzen, die Zertifizierung ist strenger, und S2-Verschlüsselung mit authentischem Onboarding ist Pflicht bei ZWLR. Yale, Schlage und Aeotec liefern hier.

Professionelle Installation

Elektriker und Systemintegratoren schätzen die strenge Zertifizierung als Qualitätsgarantie. Wenn ein Installateur Z-Wave-Geräte verbaut, weiß er, dass die Interoperabilität getestet ist.

Bestehende Z-Wave-Installationen

Wer 50 Z-Wave-Geräte hat, wirft die nicht weg. Z-Wave JS und Home Assistant bieten erstklassigen Support.

Wo Zigbee gewinnt

Preis-Leistung

Bei 30 Sensoren sparst du 400 bis 800 EUR. Das ist kein Argument, das ist ein Fakt.

Geräteauswahl

3.300+ Geräte gegen eine deutlich kleinere Z-Wave-Liste. Für jede Nischenanforderung gibt es ein Zigbee-Gerät.

Community

Zigbee2MQTT hat eine der größten Open-Source-Smart-Home-Communities. Lösungen findest du in Minuten.

Hardware-Nähe zu Thread

Wenn du heute Zigbee kaufst, läuft der Chip in vielen Fällen auch Thread. Der Wechsel liegt nicht am Gerät, sondern an der Firmware. Zigbee-Hersteller können theoretisch Thread-Firmware ausrollen.

Empfehlung für 2026

Für einen Neueinsteiger mit normalem Haus: Zigbee. Besserer Preis, größere Auswahl, einfacherer Einstieg, zukunftsnäheres Ökosystem. Home Assistant Connect ZBT-2, Zigbee2MQTT, fertig.

Für ein großes Haus mit dicken Wänden: Z-Wave als Basis, Zigbee für günstige Sensoren. Z-Wave für Schlösser, Thermostate, kritische Schalter. Zigbee für die Masse an Bewegungsmeldern und Fensterkontakten. Home Assistant als Klammer.

Für langfristige Planung: Zigbee jetzt, Thread/Matter für Neukäufe. Der ZBT-2 macht beides. Zigbee hat die Brücke zu Thread in der Hardware. Z-Wave steht abseits dieses Weges.

Mein Freund mit dem Altbau? Hat am Ende zehn Z-Wave-Repeater an strategischen Stellen montiert und die kritischen Sensoren auf Z-Wave umgestellt. Die billigen Zigbee-Temperatursensoren laufen weiter, weil sie im selben Raum wie ein Zigbee-Router sitzen. Zwei Protokolle, ein Home Assistant. Funktioniert. Nicht elegant, aber sein Türsensor im zweiten Stock antwortet jetzt zuverlässig. Das war das Ziel.