Letztes Jahr im November habe ich meinen Router getauscht. Fritzbox 7590 raus, neues Modell rein, alles wieder verbunden, Passwort eingegeben, fertig. Dachte ich. Um drei Uhr nachts weckte mich meine Frau, weil das Licht im Flur nicht mehr auf Bewegung reagierte. Und die smarte Steckdose in der Küche hatte aufgehört, den Standby-Verbrauch zu messen. Und der Temperatursensor im Schlafzimmer meldete seit Stunden nichts mehr.
Zwölf Geräte mussten neu verbunden werden. Zwölf Mal App öffnen, WLAN-Passwort eintippen, warten. Bei dreien hat es erst beim dritten Versuch geklappt, weil sie sich an das alte Netz klammerten wie ein Ex-Freund an alte WhatsApp-Chats.
Meine Zigbee-Sensoren? Die liefen einfach weiter. Die hatten den Routertausch nicht einmal bemerkt, weil sie nie mit dem Router gesprochen haben. An dem Abend habe ich verstanden, warum zwei getrennte Funknetze keine Nerdsache sind, sondern schlicht praktisch.
Trotzdem ist WLAN nicht schlecht. Die Wahrheit, wie so oft, liegt irgendwo in der Mitte.
WLAN-Geräte: Warum sie so beliebt sind
Ein WLAN-Smart-Home-Gerät verbindet sich direkt mit dem Router. Wie dein Laptop, wie dein Handy. Du kaufst eine smarte Steckdose, scannst den QR-Code, tippst dein WLAN-Passwort ein, fertig. Kein Hub, kein Coordinator, kein USB-Stick. Das ist ehrlich gesagt verdammt bequem.
Die Shelly-Geräte sind hier das Paradebeispiel. Die Shelly Plus-Serie und seit Anfang 2026 die Gen3-Reihe — etwa der Shelly Plug M Gen3 für rund 13 EUR — haben eine lokale API, brauchen keinen Cloud-Account und lassen sich direkt in Home Assistant einbinden. Kein Umweg über chinesische Server. Dazu kommen TP-Link Tapo, Sonoff mit Tasmota-Firmware, Meross, Govee. Große Auswahl, günstige Preise.
Das Problem mit vielen WLAN-Geräten
Jetzt kommt das Aber, und es ist ein großes.
Jedes WLAN-Gerät belegt einen Platz in der Client-Tabelle deines Routers. Eine Fritzbox 7590 schafft laut AVM bis zu 64 gleichzeitige WLAN-Verbindungen. Klingt viel? Zähl mal: 2 Smartphones, 2 Laptops, 1 Tablet, 2 Smart-TVs, 1 Drucker, 1 NAS — das sind 9 Geräte, bevor du auch nur eine smarte Lampe eingeschraubt hast.
Kommen 15 Steckdosen, 8 Lampen und 5 Schalter dazu, sitzt du bei 37 Clients. Ein günstiger ISP-Router, also diese Plastikboxen, die dein Provider mitliefert, fängt bei 20 bis 25 Geräten an zu schwitzen. Nicht theoretisch. Praktisch. Geräte fallen aus dem Netz, reagieren verzögert, verlieren die Verbindung im Standby.
Und jedes dieser Geräte hält eine permanente Verbindung. Heartbeats, Keep-Alives, manche pollen alle paar Sekunden ihren Cloud-Server. Das summiert sich. Nicht in der Bandbreite — Smart-Home-Geräte senden winzige Datenmengen — sondern in der Anzahl gleichzeitiger Verbindungen.
Batteriesensoren mit WLAN: Vergiss es
Ein WLAN-Chip zieht dauerhaft Strom, weil er eine aktive Verbindung zum Router halten muss. Ein WLAN-Temperatursensor hält mit einer CR2032-Knopfzelle vielleicht sechs Wochen durch. Ein vergleichbarer Zigbee-Sensor? Anderthalb bis zwei Jahre. Gleiche Knopfzelle.
Das liegt am Schlafmodus. Zigbee-Sensoren messen, senden ein paar Millisekunden lang Daten und schlafen dann wieder ein. Stromverbrauch im Schlaf: einstellige Mikroampere. WLAN-Chips müssen regelmäßig aufwachen und aktiv mit dem Router kommunizieren, selbst wenn sie nichts zu sagen haben. Das frisst Milliampere.
Für eine Steckdose am Stromnetz ist der Unterschied irrelevant. Für Fenstersensoren, Bewegungsmelder, Temperatursensoren — also alles, was irgendwo klebt oder liegt und jahrelang laufen soll — ist WLAN der falsche Ansatz.
Cloud-Abhängigkeit: Die tickende Zeitbombe
Viele WLAN-Geräte funktionieren nur über die Cloud des Herstellers. Die App spricht mit einem Server in Shenzhen, der Server spricht mit deinem Gerät. Fällt das Internet aus, funktioniert nichts mehr. Stellt der Hersteller den Service ein, hast du teure Türstopper.
Das ist kein Horrorszenario aus einem Tech-Forum. Es passiert regelmäßig. Insteon hat 2022 einfach den Stecker gezogen. Wink hat seine Cloud-Dienste massiv eingeschränkt. Kleinere Hersteller verschwinden still und leise.
Die gute Nachricht: Es gibt WLAN-Geräte, die lokal funktionieren. Shelly hat eine erstklassige lokale API, die Gen3-Geräte seit 2026 auch mit Matter-Support. Sonoff-Geräte lassen sich mit Tasmota oder ESPHome komplett von der Cloud befreien. TP-Link Tapo hat mittlerweile eine lokale Steuerungsoption. Wer WLAN-Geräte kauft, sollte genau darauf achten.
Zigbee: Warum ein eigenes Funknetz keine Spielerei ist
Separates Mesh, null Router-Stress
Zigbee-Geräte sprechen nicht mit deinem Router. Sie bilden ihr eigenes Funk-Mesh auf dem 2,4-GHz-Band, kommunizieren untereinander und mit einem Coordinator — einem USB-Stick an deinem Home-Assistant-Server. Der Router bekommt davon nichts mit. Null.
Das heißt: Dein WLAN kann zusammenbrechen, neu starten, das Passwort wechseln — das Zigbee-Mesh läuft einfach weiter. Lokale Automatisierungen in Home Assistant funktionieren, weil Home Assistant direkt mit dem Coordinator spricht.
Und es wird besser: Je mehr Zigbee-Geräte du hast, desto stabiler wird das Netz. Jedes netzbetriebene Zigbee-Gerät — Steckdosen, Lampen, Unterputzschalter — arbeitet als Router und leitet Signale weiter. Zigbee unterstützt theoretisch bis zu 65.000 Geräte in einem Netzwerk. In der Praxis sind 200 bis 300 Geräte in einem Haushalt problemlos machbar. Versuch das mal mit WLAN.
Batterielaufzeiten, die sich gewaschen haben
Konkrete Zahlen, weil ich pauschale Aussagen nicht ausstehen kann:
- Aqara Tür-/Fenstersensor: CR1632-Knopfzelle, 18 bis 24 Monate
- SONOFF SNZB-02D Temperatur-/Feuchtigkeitssensor: 2× AAA, zwei bis drei Jahre
- IKEA PARASOLL Fenstersensor: CR2032, rund 12 Monate
- Xiaomi Bewegungsmelder: CR2450, 18 bis 24 Monate
Lokal, privat, DSGVO-konform
Ein Zigbee-Setup mit Home Assistant läuft komplett lokal. Kein Cloud-Service, kein Hersteller-Account, keine Daten, die dein Haus verlassen. Das Zigbee-Mesh kommuniziert mit dem Coordinator, Home Assistant verarbeitet alles auf deiner Hardware.
Besonders relevant für Bewegungsmelder und Türsensoren. Die erzeugen Verhaltensdaten — wann gehst du ins Bett, wann verlässt du das Haus, wie oft öffnest du den Kühlschrank um Mitternacht. Diese Daten gehören dir. Nicht irgendeinem Cloud-Anbieter.
Vergleichstabelle
| Merkmal | WLAN | Zigbee |
|---|---|---|
| Hub nötig | Nein | Ja (Coordinator, ab 15 EUR) |
| Einrichtungsaufwand | Niedrig | Mittel |
| Router-Last | Hoch bei vielen Geräten | Keine |
| Max. Geräte (praktisch) | 20–30 problemlos, darüber wird es eng | 200+ ohne Probleme |
| Batterielaufzeit Sensoren | Wochen bis Monate | 1–3 Jahre |
| Lokal steuerbar | Teils (Shelly, Tasmota, ESPHome) | Ja, immer |
| Cloud-Abhängigkeit | Häufig | Nein (mit HA) |
| Geräteauswahl | Groß | Sehr groß (Zigbee2MQTT: 4.000+ Geräte) |
| Preis Sensoren | Ähnlich | Tendenziell günstiger |
| Mesh-Fähigkeit | Nein (jedes Gerät einzeln am Router) | Ja, wird stabiler mit mehr Geräten |
| Interferenz mit WLAN | Ist selbst Teil des Problems | Möglich (gleiches 2,4-GHz-Band) |
Wann WLAN völlig ausreicht
Ich bin kein Zigbee-Fanatiker. WLAN ist in bestimmten Szenarien die bessere Wahl:
Unter 10 bis 15 Geräte, hauptsächlich Steckdosen und Schalter
Wenn du drei Lampen und vier Steckdosen steuerst und keine Batteriesensoren brauchst, ist ein Zigbee-Setup mit Coordinator Overkill. Ein Shelly Plug M Gen3 für 13 EUR in die Steckdose, App drauf, Home-Assistant-Integration aktivieren, läuft.
Unterputz-Installationen
Die Shelly Plus-Module und seit 2026 die Gen3-Relais sind winzig und passen in deutsche Unterputzdosen. Netzbetrieben, also kein Batterie-Thema. Die WLAN-Anbindung ist hier unkritisch.
Kein Bock auf Basteln
Ein Zigbee-Setup mit Home Assistant, Coordinator und Zigbee2MQTT oder ZHA ist kein Plug-and-Play. Es braucht eine Stunde Einrichtung und gelegentliches Troubleshooting. Wer das nicht will, ist mit ein paar Shelly-Geräten und der Shelly-App gut bedient. Kein Urteil. Manche Leute wollen einfach, dass das Licht angeht.
Smart Home einrichten für AnfängerWann Zigbee die bessere Wahl ist
Ab 10 oder mehr Geräten, besonders Sensoren
Ab dieser Schwelle lohnt sich die Investition in einen Coordinator. Ein Sonoff ZBDongle-P kostet 15 bis 20 EUR. Dafür bekommst du ein separates Mesh, das deinen Router in Ruhe lässt, und Sensoren, die jahrelang mit einer Batterie laufen.
Batteriesensoren in Stückzahl
Fensterkontakte in jedem Raum, Bewegungsmelder im Flur, Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Bad. Sobald du mehr als drei oder vier Batteriesensoren brauchst, ist Zigbee nicht nur besser, sondern die einzige realistische Option.
Du planst ein Home-Assistant-Setup
Wer Home Assistant betreiben will, sollte Zigbee mitdenken. Die Integration ist ausgereift. Zigbee2MQTT unterstützt mittlerweile über 4.000 Geräte. Und die lokale Steuerung ohne Cloud ist ein Grundprinzip von Home Assistant.
Zukunftssicherheit
Zigbee-Geräte laufen seit über zehn Jahren. Der Standard wird aktiv weiterentwickelt. Matter baut auf Zigbees Erfahrungen auf, und viele Zigbee-Hersteller bringen parallel Matter-Geräte raus. Wer heute ein Zigbee-Mesh aufbaut, sitzt nicht auf einem toten Pferd.
Zigbee2MQTT vs. ZHA: Welche Integration passt zu dir?Die ehrliche Antwort: Beides
In der Praxis wird jedes ernsthafte Smart Home beides nutzen. Das ist kein Kompromiss, das ist die pragmatische Lösung.
Shelly Gen3-Relais für die Unterputz-Installation hinter dem Lichtschalter: WLAN. Türsensoren, Bewegungsmelder, Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren: Zigbee. Kameras und Mediaplayer: sowieso WLAN. Neue Geräte mit Matter-Support: Thread oder WLAN, je nach Gerät.
Home Assistant fasst das in einer Oberfläche zusammen. WLAN-Geräte über die Shelly-Integration, Zigbee über Zigbee2MQTT oder ZHA, Thread/Matter über die Matter-Integration. Eine Automatisierung kann auf einen Zigbee-Bewegungsmelder reagieren, eine Shelly-Steckdose schalten und eine Matter-Lampe dimmen. Alles lokal, alles in Echtzeit.
Die Frage ist nicht WLAN oder Zigbee. Die Frage ist: Welches Protokoll für welches Gerät in deinem Setup? Und wenn du dir diese Frage stellst, bist du auf dem richtigen Weg.