!Smartes Heizkoerperthermostat am Heizkoerper
Wer nach der Ersparnis durch smarte Heizkörperthermostate sucht, findet innerhalb von zehn Minuten drei Zahlen, die nicht zusammenpassen.
Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik nennt für intelligente Heizungsregelung eine Senkung des Heizenergiebedarfs von 14 bis 26 Prozent. co2online und die Verbraucherzentralen kommen auf durchschnittlich 9 bis 15 Prozent. Die Stiftung Warentest schreibt, dass sich je nach Wohnsituation, Nutzerverhalten und Gebäudedämmung meist 6 bis 10 Prozent der Heizkosten sparen lassen.
Der Abstand zwischen der niedrigsten und der höchsten Angabe beträgt Faktor vier. Das ist kein Messfehler, sondern hat einen nachvollziehbaren Grund, und dieser Grund ist die eigentlich interessante Information vor einer Kaufentscheidung.
Woher die Spanne kommt
Die Zahlen beantworten nicht dieselbe Frage.
Die hohen Werte beschreiben, was technisch möglich ist, wenn die Regelung optimal parametriert ist und der Ausgangszustand schlecht war. Ein ungedämmtes Haus, in dem vorher durchgeheizt wurde, hat naturgemäß viel Einsparpotenzial. Die niedrigen Werte beschreiben, was in realen Haushalten übrig bleibt, in denen jemand vorher schon von Hand heruntergedreht hat, wenn er zur Arbeit ging.
Der Satz, der beide Angaben versöhnt, steht bei der Stiftung Warentest im Nebensatz: je nach Nutzerverhalten. Ein smartes Thermostat ersetzt keine Wärmedämmung und keine neue Heizung. Es automatisiert eine Handlung, die man vorher selbst hätte machen können.
Daraus folgt die einzige belastbare Vorhersage: Wer bisher konsequent von Hand geregelt hat, spart wenig. Wer bisher gar nicht geregelt hat, spart viel. Und wer die Automatik falsch einstellt, spart nichts.
Was in Euro übrig bleibt
co2online rechnet die eigene Spanne von 9 bis 15 Prozent in absolute Beträge um: 65 bis 110 Euro pro Jahr für eine Wohnung mit 70 Quadratmetern, 185 bis 200 Euro jährlich für Eigentümer mit 110 Quadratmetern.
Die Stiftung Warentest nennt für eine schlecht gedämmte Wohnung mit 70 Quadratmetern eine mögliche Ersparnis von etwa 100 Euro im Jahr. Dem stellt sie Anschaffungskosten von 260 bis 740 Euro je Musterhaushalt gegenüber und bezeichnet die Amortisation als langfristig.
Das ist die Rechnung, die in Produktbeschreibungen fehlt. Bei 100 Euro Ersparnis und 500 Euro Anschaffung dauert es fünf Jahre, bis das Geld zurück ist, und in dieser Zeit muss kein Gerät ausfallen und keine Batterie mehr als geplant kosten.
Für eine Wohnung mit vier Heizkörpern und einem Gerät für 60 Euro sieht die Rechnung freundlicher aus als für ein Haus mit vierzehn Heizkörpern. Interessanterweise ist es genau umgekehrt zur Ersparnis, die im größeren Haus höher liegt. Wer rechnen will, muss beides gegeneinander stellen und nicht nur die Prozentzahl betrachten.
Der Test von elf Geräten
Die Stiftung Warentest prüfte elf smarte Heizkörperthermostate von AVM, Bosch, Danfoss, Eurotronic, Eve, Hama, Homematic IP, Netatmo, Shelly, Somfy und Tado.
Ergebnis: sechs Geräte gut, vier befriedigend, eines ausreichend. Testsieger wurde das Homematic IP Evo mit der Note gut (1,7). Preis-Leistungs-Sieger das AVM FritzDect 302 für 58 Euro mit gut (1,9). Schlusslicht war das Shelly TRV mit ausreichend (3,8).
Der Befund, der mehr über die Produktkategorie sagt als die Noten: Nur zwei der elf Geräte ließen sich auch einfach bedienen. Gemeint ist die App, also das Anlegen eines Heizplans und das Anpassen der Temperatur.
Das ist kein Detail, sondern der Kern des Problems. Die Ersparnis entsteht ausschließlich über den Heizplan. Wenn die App das Erstellen eines Plans schwer macht, wird der Plan nicht erstellt oder nicht angepasst, und dann regelt das Gerät nach Werkseinstellung. Ein Thermostat mit unbenutzter Automatik ist ein teures manuelles Thermostat.
Weitere Kritikpunkte aus dem Test: Bei Hama traten Temperaturschwankungen auf, und der Frostschutz konnte versehentlich deaktiviert werden. Bei Shelly erfordert der Frostschutz eine umständliche Programmierung. Fünf Geräte erlauben mehrere Heizpläne, was bei Schichtarbeit hilft.
Die Funktion, die den Unterschied macht
Wenn die Ersparnis am Heizplan hängt, ist die interessante Frage, welche Automatik ohne manuelle Pflege funktioniert.
Das ist die Anwesenheitserkennung per Geofencing. Das System erkennt über die Position des Handys, wann jemand das Haus verlässt und wann er zurückkommt, senkt die Temperatur bei Abwesenheit und heizt vor der Ankunft wieder auf.
Der Vorteil gegenüber einem festen Zeitplan liegt bei unregelmäßigen Tagen. Ein Zeitplan, der auf einen Bürotag ausgelegt ist, heizt am Homeoffice-Tag nicht und heizt im Urlaub weiter. Geofencing löst genau das.
Der Nachteil ist ebenso konkret: Es braucht eine App mit Standortzugriff, dauerhaft und im Hintergrund. Wer das nicht will, verzichtet auf die Funktion, mit der die höheren Einsparwerte überhaupt erreicht werden. Das ist eine ehrliche Abwägung und keine Einstellungsfrage, die man wegklicken kann.
Wer sein Zuhause ohne Cloud betreibt, kann Anwesenheit auch lokal erkennen, etwa über die Anwesenheit des Handys im WLAN oder über Präsenzsensoren im Raum. Wie das mit einem Präsenzsensor läuft, steht im Beitrag zum Shelly Presence Gen4.
Wo sich die Anschaffung nicht rechnet
Vier Fälle, in denen man das Geld besser anders ausgibt.
Fußbodenheizung. Heizkörperthermostate sitzen am Ventil des Heizkörpers. Eine Fußbodenheizung wird über den Heizkreisverteiler geregelt und reagiert außerdem so träge, dass Absenkzeiten von wenigen Stunden kaum etwas bringen. Sehr gut gedämmte Neubauten. Dort ist der Temperaturabfall bei Absenkung so gering, dass die Absenkung wenig Energie spart. Das Einsparpotenzial steigt mit der Schlechtigkeit der Dämmung. Räume, die ohnehin durchgehend genutzt werden. Ein Büro, in dem jemand von acht bis achtzehn Uhr sitzt, und ein Wohnzimmer, das abends warm sein soll, brauchen keinen Plan, sondern eine Temperatur. Anlagen ohne hydraulischen Abgleich. Wenn die Heizung hydraulisch nicht abgeglichen ist, kämpfen die Thermostate gegen falsche Wassermengen. Der Abgleich ist die Maßnahme mit der besseren Rendite und sollte vorher passieren.Die realistische Erwartung
Rechnen Sie mit dem unteren Ende der Spanne, also 6 bis 10 Prozent, wenn Sie bisher schon von Hand geregelt haben, und mit dem mittleren Bereich, wenn nicht. Die 26 Prozent von Fraunhofer sind erreichbar, aber nicht die Erwartung, mit der man kauft.
Prüfen Sie vor dem Kauf die App, nicht das Gerät. Bei elf getesteten Modellen ließen sich nur zwei einfach bedienen, und die App entscheidet darüber, ob die Automatik je genutzt wird.
Und rechnen Sie die Batterien mit. Die meisten Geräte laufen auf zwei AA-Zellen und brauchen sie je Heizperiode. Bei vierzehn Heizkörpern sind das achtundzwanzig Batterien im Jahr, was den Ersparnisbetrag messbar drückt.
Der ehrlichste Grund für die Anschaffung ist ohnehin nicht die Ersparnis. Es ist der Komfort, morgens in ein warmes Bad zu kommen, ohne abends daran gedacht zu haben. Das ist ein legitimer Kaufgrund, er sollte nur nicht als Investition verkauft werden.
Quellen: Notebookcheck, Zusammenfassung des Tests der Stiftung Warentest von elf smarten Heizkörperthermostaten (notebookcheck.com, abgerufen 09/2026), zu den geprüften Herstellern AVM, Bosch, Danfoss, Eurotronic, Eve, Hama, Homematic IP, Netatmo, Shelly, Somfy und Tado, zur Verteilung sechs gut, vier befriedigend, eines ausreichend, zum Testsieger Homematic IP Evo mit gut (1,7), zum Preis-Leistungs-Sieger AVM FritzDect 302 für 58 Euro mit gut (1,9), zum Shelly TRV mit ausreichend (3,8), zum Befund, dass sich nur zwei Geräte einfach bedienen lassen, zu den Mängeln bei Hama und Shelly beim Frostschutz, zu rund 100 Euro Ersparnis in einer schlecht gedämmten Wohnung mit 70 Quadratmetern, zu Anschaffungskosten von 260 bis 740 Euro je Musterhaushalt und zur langfristigen Amortisation; co2online, "Thermostate richtig einstellen und bedienen" sowie "Heizkosten senken: 10 Prozent weniger durch programmierbare Thermostate" (co2online.de, abgerufen 09/2026), zur Spanne von 9 bis 15 Prozent und zu 65 bis 110 Euro jährlich bei 70 Quadratmetern beziehungsweise 185 bis 200 Euro bei 110 Quadratmetern; digitalzimmer, "Heizkosten und CO2 sparen mit smarten Thermostaten" (digitalzimmer.de, abgerufen 09/2026), zu den 14 bis 26 Prozent des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik; ADAC, "Smarte Heizkörperthermostate" (adac.de, abgerufen 09/2026), zur Anwesenheitserkennung per Geofencing.