Die meisten Smart-Home-Ratgeber gehen stillschweigend davon aus, dass du in einem Eigenheim bist. Kabel verlegen, Unterputz-Schalter einbauen, Steckdosen tauschen. Für Mieter ist das keine Option.

Dabei lässt sich in einer Mietwohnung ein vollständiges Smart Home aufbauen, ohne auch nur einen Nagel einzuschlagen, und ohne den Vermieter zu fragen. Der Unterschied liegt in der Auswahl der richtigen Geräte.


Die Grundregel für Mieter

Alles muss rückbaubar sein. Was du eingebaut hast, muss beim Auszug spurlos entfernt werden können. Das schließt Folgendes aus:

  • Unterputz-Schalter und -Dosen (bauliche Veränderung)
  • Kabelverlegung in Wänden oder Decken
  • Permanente Kamerainstallationen mit Bohrlöchern
  • Türklingeln, die ein Umbau der bestehenden Verkabelung erfordern
Was es nicht ausschließt, ist erheblich: Fast alles, was du zum Aufstecken, Einstecken, Aufkleben oder auf bestehende Installationen Aufschrauben kannst.

Was problemlos geht

Smarte Lampen in bestehende Fassungen

Das ist der einfachste Einstieg. Eine smarte Lampe (E27, E14, GU10) wird in die bestehende Fassung eingedreht. Nichts an der Elektroinstallation wird verändert. Beim Auszug: normale Lampe rein, smarte Lampe mitnehmen.

Einschränkung: Der vorhandene Lichtschalter muss immer eingeschaltet bleiben. Das ist unbequem, wenn Mitbewohner oder Gäste intuitiv zum Schalter greifen und die smarte Lampe vom Strom trennen. Lösungen: Schalteraufkleber ("bitte nicht ausschalten"), oder smarte Schalteraufsätze die über dem Schalter sitzen ohne ihn zu ersetzen.

IKEA Tradfri, Philips Hue, SONOFF B02 und viele andere bieten smarte Leuchtmittel für 8 bis 20 Euro. Matter-kompatible Modelle funktionieren mit mehreren Ökosystemen.

Smarte Steckdosen

Einstecken, fertig. Smarte Steckdosen wie die Shelly Plug S (WLAN) oder Zigbee-Steckdosen von IKEA, SONOFF oder Aqara kosten 10 bis 20 Euro. Sie messen optional den Stromverbrauch und lassen sich in Automatisierungen einbinden.

Nützliche Anwendungen: Kaffeemaschine zeitgesteuert einschalten, Standby-Verbrauch des Fernsehers kappen, Heizlüfter abschalten wenn niemand da ist.

Kabellose Sensoren

Zigbee-Kontaktsensoren für Türen und Fenster kosten 5 bis 10 Euro pro Stück und werden einfach mit dem mitgelieferten doppelseitigen Klebeband befestigt. Sie bestehen aus zwei Teilen, die den Kontakt erkennen wenn sie auseinanderbleiben. Beim Auszug: Klebebandreste vorsichtig entfernen, keine Spuren.

Bewegungsmelder auf Zigbee-Basis funktionieren ähnlich: Klebeband oder optionaler Magnetfuß. Keine Bohrlöcher.

Temperatursensoren und Luftfeuchtigkeitssensoren brauchen nicht mal Klebeband. Einfach hinstellen.

Smarte Thermostatköpfe

Das ist ein Bereich, der vielen Mietern unbekannt ist. Smarte Heizkörperköpfe (auch: Heizkörperthermostate oder Thermostat-Ventilköpfe) werden auf den bestehenden Heizkörper aufgedreht. Der mechanische Kopf (das weiße Drehrad) wird abgenommen, der smarte kommt stattdessen drauf. Beim Auszug: der alte Kopf wieder drauf.

Wichtig: Heb den alten Thermostatknopf auf. Manche Vermieter fragen danach.

Modelle wie Tado, Eve Thermo, Netatmo, SONOFF TRVZB oder Aqara SRTS-A01 funktionieren mit Standard-Heizköperventilen (M30x1,5-Gewinde, das häufigste). Adapter für Danfoss und andere Typen liegen oft bei.

Kabellose Kameras

Akkubetriebene Außenkameras (Reolink Argus, Eufy SoloCam, Arlo) lassen sich auf Fensterbänken aufstellen, auf Regale stellen oder mit Saugnapfhaltern befestigen. Keine Bohrung nötig.

Für die Haustür: Außen hängt die Kamera auf der Fensterbank oder per Klebehalter, innen auf dem Schrank. Der Sichtbereich deckt typischerweise Wohnungstür und Eingangsbereich ab.

Kabellose Innenkameras haben denselben Vorteil: Hinstellen, fertig. Bei Datenschutz-Bedenken: Kameras in Wohnräumen, die du nicht selbst nutzt (also Räume wo Gäste oder Mitbewohner ohne dein Wissen gefilmt würden), sind rechtlich problematisch.

Smarter Türschloss-Aufsatz

Das ist vielleicht der überzeugendste Smart-Home-Einstieg für Mieter. Produkte wie Nuki Smart Lock, Tedee oder Level Lock werden auf der Innenseite des bestehenden Schlosses montiert. Keine Änderung am Schloss selbst, keine Bohrung. Der originale Schlüssel funktioniert weiterhin.

Nuki Smart Lock (aktuell Version 4) klebt auf den bestehenden Schlosszylinder. Du verriegelst und öffnest per App, Fingerabdruck (mit optionaler Tastatur), oder automatisch per Geofencing. Kosten: 130 bis 180 EUR.

Beim Auszug: Nuki abnehmen, Klebebandrückstände entfernen, dein Schloss sieht aus wie immer.

Einschränkung: Manche Schlösser (sehr alter Bestand, spezielle Sicherheitsschlösser) sind mit diesen Aufsätzen nicht kompatibel. Prüfe das vor dem Kauf. Nuki hat auf seiner Website eine Kompatibilitätsprüfung.


Was ohne Vermieter-OK nicht geht

Unterputz-Schalter

Smarte Lichtschalter, die die vorhandene Schalter-Dose ersetzen, sind bauliche Veränderungen. Ohne schriftliche Erlaubnis des Vermieters nicht einbauen.

Kabel verlegen

Selbst das Verlegen von Kabelkanälen an Wänden kann je nach Mietvertrag untersagt sein. Kabelkanäle mit Klebebefestigung sind grenzwertig; im Zweifelsfall nachfragen.

Türklingel mit Kabel

Eine smarte Video-Türklingel, die an die bestehende Kabelinstallation angeschlossen wird, erfordert Eingriff in die Elektrik. Das ist in Mietwohnungen typischerweise nicht erlaubt. Kabellose Lösungen mit Akku (Ring Battery Doorbell, Arlo Video Doorbell) gehen auch hier.

Smarte Unterputz-Aktoren

Relais oder Dimmer-Module, die hinter Schaltern oder Steckdosen eingebaut werden, erfordern Eingriff in die Elektroinstallation.


Funkprotokolle für Mieter

Für die Mietwohnung sind Zigbee und WLAN die praktischsten Protokolle.

Zigbee braucht einen Coordinator (Hub oder USB-Stick am Computer), bildet aber ein stabiles Mesh-Netzwerk und hat die günstigsten Geräte. Ideal, wenn du mehr als 5 bis 6 Geräte planst.

WLAN ist einfacher einzurichten, belastet den Router stärker bei vielen Geräten und eignet sich für einzelne Geräte wie Shelly-Steckdosen oder smarte Lampen, die du nicht über einen separaten Hub betreiben willst.

Matter macht den Einstieg einfacher, weil Matter-Geräte ohne Hub direkt mit dem Router kommunizieren können (über WLAN oder Thread). Ein Thread Border Router (Apple TV 4K oder HomePod mini als Beispiel) erweitert das.

KNX braucht es nicht. Das ist für Neubauten und professionelle Gebäudeautomation ausgelegt und in einer Mietwohnung weder installierbar noch sinnvoll.


Budget für eine komplette Mietwohnung

Eine typische 2-Zimmer-Mietwohnung (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Küche, Flur) lässt sich für 300 bis 600 EUR sinnvoll automatisieren.

Grundlage

  • Zigbee USB-Stick (Sonoff ZBDongle-P): 20 EUR
  • Home Assistant Green oder Raspberry Pi (wenn du Home Assistant nutzen willst): 80 bis 120 EUR

Beleuchtung (Wohnzimmer + Schlafzimmer)

  • 4 bis 6 Zigbee-Lampen: 40 bis 80 EUR

Heizung

  • 4 bis 6 smarte Thermostatköpfe: 80 bis 200 EUR (je nach Modell)

Sensoren

  • 4 bis 6 Tür/Fenstersensoren: 30 bis 60 EUR
  • 1 bis 2 Bewegungsmelder: 15 bis 30 EUR

Optional

  • Smarte Steckdosen (2 bis 3): 30 bis 45 EUR
  • Türschloss-Aufsatz: 130 bis 180 EUR
Das obere Ende dieses Budgets, also um die 600 EUR, bringt dir ein vollständiges System: Automatisierte Beleuchtung in allen Räumen, smarte Heizungssteuerung, Sicherheitssensoren, Türschloss per App. Ohne eine einzige Bohrung.

Umzug: Alles mitnehmen

Das ist einer der unterschätzten Vorteile kabelloser Smart-Home-Geräte: Sie gehören dir, und du nimmst sie mit.

Smarte Lampen eintauschen gegen normale, Thermostatköpfe abdrehen und in die Umzugskiste, Sensoren abziehen, Steckdosen einpacken. Im neuen Zuhause alles wieder einrichten. Die Automatisierungen in Home Assistant exportieren und importieren. Nach einem Wochenende läuft das System in der neuen Wohnung wieder.

Das ist ein echter Vorteil gegenüber fest installierten Systemen: Die Investition wandert mit dir. Ein KNX-System oder fest verbaute Kabel bleiben in der Wohnung.