Ich saß auf dem Sofa, las ein Buch — und dann wurde es dunkel. Nicht weil die Sonne unterging. Die Bewegungsmelder-Birne hatte schlicht entschieden, dass ich nicht mehr existiere. Fünf Minuten reglos auf dem Sofa, Buch in der Hand, und für den Sensor war der Raum leer.

Jeder, der jemals einen PIR-Sensor verbaut hat, kennt das. PIR steht für Passive Infrared: Der Sensor reagiert auf Wärmebewegung. Wenn du dich bewegst, registriert er dich. Wenn du stillsitzt, nicht. Für einen Flurschalter vollkommen ausreichend. Im Büro oder Wohnzimmer wird es nervig, und das auf eine besonders bescheuerte Art — weil man nicht mal merkt, dass man zu wenig gewackelt hat.

Die Alternative heißt mmWave. Shelly bringt sie mit dem Presence Gen4 in Preisregionen, in denen man früher noch mit teuren Industriesensoren arbeiten musste.

Wie mmWave funktioniert — und warum das kein Marketingbegriff ist

Millimeterwellen-Radar sendet Radiowellen aus und wertet aus, wie sie zurückkommen. Kein Infrarot, kein Wärmebild. Und weil Radiowellen auch sehr kleine Reflexionsänderungen registrieren, sieht das Radar eine ruhig sitzende Person trotzdem — durch ihre Atemzüge, durch minimale Körperbewegungen. Ein atmendes Lebewesen sieht für mmWave anders aus als ein leerer Stuhl.

Das ist der Kern des Unterschieds. Nicht "besserer Bewegungsmelder", sondern ein anderer Messmechanismus, der eine andere Frage beantwortet: nicht "hat sich gerade etwas bewegt?", sondern "ist gerade jemand da?".

Für Automatisierungen macht das viel aus. Licht geht aus, wenn der Raum wirklich leer ist — nicht wenn du aufgehört hast, mit den Armen zu fuchteln.

Was im Karton ist

Der Sensor kam im April 2026 auf den Markt, kostet 69,99 Euro und deckt bis zu 42 Quadratmeter ab. Dazu ein Lichtsensor für Lux-Messungen — brauchbar für Automatisierungen, die auf Helligkeit reagieren sollen. Gehäuse in Schwarz und Weiß, Stromversorgung per USB-C.

USB-C ist die richtige Entscheidung für diesen Sensor. Kein Batteriewechsel nach sechs Monaten, kein "Verbindung verloren weil Batterie leer". Er braucht eine Steckdose in der Nähe, das schränkt die Platzierung leicht ein — aber für etwas, das dauerhaft laufen soll, ist das der vernünftige Kompromiss.

Das interessantere Feature ist das Zonenkonzept. In der Shelly App gibt es ein Live-Visualisierungswerkzeug, in dem bis zu 10 Zonen im Raum definiert werden können. Wer ein offenes Wohn-Esszimmer hat, kann damit festlegen: Aktiviere die Küchenbeleuchtung nur, wenn jemand im Küchenbereich ist — nicht wenn jemand auf dem Sofa drei Meter entfernt liegt. Bis zu 6 Personen werden gleichzeitig getrackt und in der Visualisierung als Punkte dargestellt.

Ob alle 10 Zonen auch als separate Entitäten in Apple Home oder anderen Matter-Controllern auftauchen, war zum Erscheinungsdatum noch nicht eindeutig dokumentiert. Die Shelly-eigene App zeigt die Live-Karte — wie viel davon andere Plattformen wirklich ausliefern, hängt vom jeweiligen Matter-Controller ab. Das ist ein ehrlicher Vorbehalt, den man kennen sollte bevor man sich eine komplexe Zonenautomatisierung ausdenkt.

Vier Verbindungswege — das ist kein Zufall

Wi-Fi 6, Bluetooth 5 LE, Zigbee 3.0, Matter over Wi-Fi. Wer das liest und denkt "warum braucht ein Sensor vier Protokolle", beantwortet sich die Frage schon selbst: weil Smart-Home-Setups sehr unterschiedlich aussehen.

Wer Home Assistant eingerichtet hat und auf Zigbee setzt, bindet den Sensor über einen Zigbee Stick ein — Zigbee2MQTT oder ZHA, Sensor includen, fertig. Kein Cloud-Account, keine Shelly-App, Daten bleiben lokal.

Wer mit Apple Home, Google Home oder Alexa arbeitet, nutzt Matter over Wi-Fi. Technisch wäre Matter over Thread stromeffizienter, aber bei einem USB-C-betriebenen Gerät ist das kein echtes Argument. Der Sensor lässt sich so ohne Shelly-Hub in bestehende Ökosysteme einbinden, was bei einem Smart Home Hub Vergleich oft der entscheidende Punkt ist.

Wer schnell anfangen will, steuert ihn direkt per Wi-Fi 6 über die Shelly App — lokal, ohne Umweg über externe Server, wenn man das so konfiguriert.

Das ist tatsächlich viel Flexibilität für ein Gerät dieser Preisklasse. Mancher Konkurrent macht einen auf eine Plattform fest.

Aqara FP300 — der naheliegende Vergleich

20 Euro weniger, ähnliches Konzept. Der Aqara FP300 kostet 49,99 Euro, nutzt ebenfalls mmWave-Radar und bietet Zonenerkennung.

Wo der Shelly mit 10 Zonen aufwartet, hat der FP300 weniger Konfigurationsspielraum. Ob das relevant ist, hängt vom konkreten Einsatz ab. Für einen normalen Raum mit dem Ziel "Licht an wenn jemand da, aus wenn nicht" braucht man keine 10 Zonen. Für komplexere Setups mit offenen Grundrissen und zonenspezifischen Szenen macht der Unterschied mehr aus.

Der FP300 arbeitet primär über das Aqara-Ökosystem, mit Matter-Anbindung über einen Aqara Hub. Für reine Zigbee-Home-Assistant-Setups ohne zusätzlichen Hub ist der Shelly dadurch im Vorteil.

20 Euro Aufpreis für mehr Zonen und mehr Verbindungsoptionen — ob das gerechtfertigt ist, hängt davon ab, was man damit vorhat.

Was mmWave nicht kann

Das Radar registriert alles, was sich bewegt. Ventilator im Hintergrund, Vorhang im Zugwind, Haustier, das durchs Bild läuft — das kann zu Fehldetektionen führen. Die Empfindlichkeit muss kalibriert werden, und die Zonenkonfiguration hilft dabei, weil man störende Bereiche ausschließen kann. Aber es braucht Zeit, bis alles sauber läuft. Wer mit einem PIR-Sensor die Lampe ansteckt und fünf Minuten später fertig ist, muss sich darauf einstellen, dass mmWave ein paar Abende Tüftelei bedeuten kann.

Durch Wände funktioniert der Sensor nicht. Für jeden Raum wird ein eigener gebraucht, das war bei PIR nicht anders.

Und dann ist da eine Überlegung, die man einmal bewusst treffen sollte: Der Sensor verfolgt Positionen von bis zu 6 Personen im Raum. Wer alles lokal über Home Assistant oder per direktem Wi-Fi-Zugriff betreibt, schickt diese Daten nirgendwo hin. Wer die Cloud-Anbindung nutzt, gibt sie an Shelly-Server weiter. Das ist keine dramatische Enthüllung, aber es ist ein Bewusstseinspunkt — gerade wenn der Sensor ins Schlafzimmer oder ins Kinderzimmer soll.

In der Praxis: Was man erwarten kann

Die Einrichtung läuft über die Shelly App mit dem üblichen Bluetooth-Onboarding, dann Wi-Fi-Konfiguration. Für Zigbee-Nutzer entfällt das komplett — Pairing-Modus, includen, läuft.

Die Live-Visualisierung in der App ist wirklich nützlich, nicht nur als Spielerei. Man sieht in Echtzeit, wo der Sensor Personen erkennt, welche Bereiche problematisch sind, wo ein Ventilator für Rauschen sorgt. Blind konfigurieren wäre bei 10 Zonen mühsam, mit der Karte geht es deutlich schneller.

Wer bisher mit PIR-Sensoren gearbeitet hat und regelmäßig genervt war, weil das Licht ausging während der Raum besetzt war, bekommt hier eine Lösung, die das Problem wirklich löst — nicht nur verkleinert. Der Umstieg auf mmWave ist einer von denen, nach dem man sich fragt, warum man so lange gewartet hat.

Für einfache Setups in einem einzelnen Raum ohne komplexe Zonenlogik ist der Aqara FP300 für 20 Euro weniger einen ehrlichen Blick wert. Wer Zigbee-native, viele Zonen und maximale Plattformoffenheit will, zahlt den Aufpreis beim Shelly.

Stand: April 2026.