Wenn du nach Überwachungskameras ohne Abo suchst, landest du früher oder später bei zwei Namen: Reolink und eufy. Beide haben einen ähnlichen Ruf, wachsen seit Jahren und lösen in Foren und Kommentarbereichen heftige Debatten aus.

Die kurze Antwort: Sie richten sich an unterschiedliche Nutzertypen. eufy ist die bessere Wahl für Leute, die einfach eine Kamera haben wollen. Reolink ist die bessere Wahl für Leute, die tatsächlich kontrollieren wollen, was ihre Kamera macht.

Aber das ist zu simpel. Schauen wir genauer hin.

Was beide gemeinsam haben

Kein Abo für grundlegende Funktionen. Das ist der entscheidende Unterschied zur Konkurrenz wie Arlo, Ring oder Nest Cam, und der Grund warum beide Hersteller so beliebt geworden sind.

Beide bieten lokale Aufzeichnung, Push-Benachrichtigungen ohne Monatsgebühr, und ein Sortiment das von Innen- bis Außenkameras, von Budget bis Premium reicht.

Beide sind keine Newcomer mehr. Reolink gibt es seit 2009, eufy (Anker) seit 2016 im Smart-Home-Bereich. Die Produktreife zeigt sich.

PoE als Stärke

Reolinks Kernkompetenz sind PoE-Kameras (Power over Ethernet). Ein einziges Ethernet-Kabel liefert Strom und Daten, keine Batterie nötig, kein WLAN-Problem. Für Häuser mit vorhandener oder geplanter Netzwerkverkabelung ist das die stabilste Lösung überhaupt.

RTSP out of the box

Alle Reolink-Kameras liefern einen RTSP-Stream, der sich direkt in Home Assistant, Frigate NVR, Synology Surveillance Station oder jeden anderen NVR einbinden lässt. Diese Offenheit ist für Bastler und Smart-Home-Enthusiasten ein echter Vorteil.

Bildqualität und Nachtsicht

Reolinks "Duo" und "ColorX"-Kameras mit Starlight-Sensor sind für Farb-Nachtsicht bekannt. Die RLC-823A beispielsweise liefert bei fast keinem Licht noch erkennbare Farben, was bei Einbruchserkennung einen Unterschied macht.

AI-Erkennung

Neuere Reolink-Modelle haben On-Device-AI, aber nicht alle. Die günstigeren Modelle (unter 40 Euro) haben oft nur Bewegungserkennung, was zu mehr Fehlalarmen führt. Erst ab der mittleren Preisklasse (ab ~50 Euro) bekommst du zuverlässige Personen- und Fahrzeugerkennung.

Reolink NVR

Wer mehrere Kameras betreibt, kann auf den Reolink NVR setzen. Eigene Festplatte rein, Kameras verbinden, zentrale Aufzeichnung. Solide Lösung ohne Cloud.

eufy: Was dahintersteckt

Akku als Stärke

Eufys Marktkern sind Akku-Kameras. Die eufyCam-Serie hält je nach Bewegungsaufkommen 6 bis 12 Monate pro Ladung. Das ist perfekt für Bereiche, wo keine Verkabelung möglich oder gewünscht ist: Mietwohnung, Gartenkamera, Briefkasten.

HomeBase als lokale Zentrale

Die HomeBase (aktuell HomeBase 3) ist eine lokale Speichereinheit, die sich per Kabel ans Netzwerk hängt. Kameras verbinden sich über proprietären Funk (2.4 GHz) mit der HomeBase, Aufnahmen bleiben lokal auf interner SSD oder erweiterter SD-Karte.

AI-Erkennung ohne Abo

Das ist eufys stärkstes Argument. Personen-, Fahrzeug-, Tier- und Paket-Erkennung funktionieren ohne Zusatzgebühr. Auf neueren Modellen unterscheidet eufy sogar Gesichter, wenn du die entsprechende Option aktivierst.

Design

Eufy-Kameras sehen wohnraumtauglicher aus als Reolink. Wenn die Kamera im Eingangsbereich oder Wohnzimmer montiert wird, macht das einen Unterschied.

RTSP: der Haken

Eufy unterstützt RTSP nur bei ausgewählten Modellen. EufyCam 2, 2C und einige Innen-Kameras (z.B. Indoor Cam E220) haben RTSP. Die neueren HomeBase 3 Kameras sind da eingeschränkter. Wenn Home Assistant Integration über RTSP geplant ist, muss man vor dem Kauf sorgfältig prüfen.

Direkter Vergleich nach Kriterien

Innen vs. Außen

Innen

Eufy Indoor Cam E220 (~30 Euro) mit HomeBase oder auch ohne ist hervorragend. Reolink E1 Pro (~30 Euro) ebenfalls solide, RTSP inklusive.

Außen ohne Kabel

Eufy. Die eufyCam 2C Pro hält 6+ Monate, hat AI-Erkennung und sieht nicht aus wie eine Überwachungskamera aus dem Sicherheitsfachhandel. Reolinks Akku-Linie (Reolink Go) setzt auf LTE, was für abgelegene Standorte gedacht ist, nicht für die Hauswand.

Außen mit Kabel (PoE)

Reolink. Kein eufy-Produkt kommt an die Bildqualität und Protokolloffenheit einer RLC-810A oder RLC-823A heran. Wer Kabel verlegt, sollte Reolink nehmen.

Bildqualität

Beide liefern ordentliche Bilder. Reolinks PoE-Kameras mit 4K und Starlight-Sensor sind bei Nacht messbar besser als eufys Akku-Kameras. Der Grund ist technisch: Akkugeräte drosseln Framerate und erhöhen Kompression, um Strom zu sparen. Das macht sich im Bild bemerkbar.

Wer nur wissen will, wer wann an der Tür war, reicht bei beiden. Wer Kennzeichen ablesen oder Gesichter identifizieren will, braucht mindestens 2K, besser 4K. Das liefert Reolink in der PoE-Klasse.

Nachtsicht

Infrarot-Nachtsicht

Beide haben sie, beide liefern akzeptables Schwarzweiß-Bild.

Farb-Nachtsicht

Hier liegt Reolink vorne. Die ColorX-Technologie mit Flutlicht-LED-Ergänzung liefert Farbbild auch bei Dunkelheit. Eufy hat ebenfalls Flutlicht-Kameras (eufy Floodlight Cam E340), aber Reolinks Auswahl ist größer.

AI-Features

Früher war eufy klar besser, weil Reolinks günstigere Modelle keine AI hatten. Das hat sich geändert. Neuere Reolink-Modelle ab mittlerem Preissegment erkennen zuverlässig Personen und Fahrzeuge.

Vorteil eufy

Paket- und Tiererkennung, Gesichtserkennung auf neueren Modellen. Reolink hat das nicht oder nur eingeschränkt.

Speicher und Aufzeichnung

eufy speichert auf HomeBase (bis 16 GB intern, erweiterbar auf 128 GB microSD) oder lokal auf SD-Karte in der Kamera.

Reolink speichert auf SD-Karte in der Kamera oder auf dem Reolink NVR mit Festplatte. Der NVR kann deutlich mehr Footage speichern als eine HomeBase.

App-Qualität

Beide Apps funktionieren. eufys App ist moderner und intuitiver. Reolinks App ist funktional aber nicht besonders liebevoll designt. Wer Kameras einfach über eine schöne App verwalten will, hat bei eufy das bessere Erlebnis.

Home Assistant Integration

Reolink

Offizielle HA-Integration existiert. RTSP-Stream lässt sich direkt in Frigate oder als Kamera-Feed einbinden. Für Bastler die erste Wahl.

eufy

Inoffizielle Community-Integration vorhanden, funktioniert aber je nach Modell und Firmware unterschiedlich gut. RTSP-Verfügbarkeit ist modellabhängig (wie oben beschrieben). Eufy hat zudem Entscheidungen getroffen, die Cloud-Kommunikation in bestimmten Firmware-Versionen auch bei "lokaler" Nutzung aufrechterhalten, was in der Community Kritik ausgelöst hat.

Preis

KategorieReolinkeufy
Basis-Innen-Kamera~20-30 €~30-40 €
Außen WLAN~35-50 €~80-120 € (mit HomeBase)
Außen PoE~40-80 €nicht verfügbar
Set (Hub + 2 Kameras)~150-250 € (NVR-Set)~200-300 €
Reolink ist günstiger, wenn man gleiche Qualitätsstufen vergleicht.

Drei Szenarien

Haus mit PoE-Verkabelung oder Bereitschaft zum Kabel verlegen

Reolink ohne Diskussion. Bessere Bildqualität, offene Protokolle, günstigere PoE-Kameras.

Mietwohnung oder keine Kabelmöglichkeit

Eufy. Akku-Kameras, HomeBase als lokale Lösung, keine Cloud nötig, kein Abo.

Bastler mit Home Assistant und Frigate-Setup

Reolink. RTSP out of the box, einfache Integration, günstigere Kameras kaufen und mit Frigate-AI ergänzen.

Die Entscheidung ist nicht kompliziert, wenn man weiß, welche Situation zutrifft.


Weiterführend: Wie du Reolink-Kameras per RTSP in Home Assistant einbindest, und was Frigate NVR darüber hinaus kann.