Herr Kammerlander aus einem Bungalow in Innsbruck-Amras hat im Juli 2026 die Fronius Wattpilot Home 11 J als Wallbox für sein neues Kia EV6 installiert, nachdem er drei Monate lang zwischen einer go-eCharger Gemini und der Wattpilot geschwankt hatte. Beide Wallboxen teilen sich die gleiche technische Basis, weil Fronius den go-eCharger nach der Übernahme der go-e GmbH im Jahr 2022 als Wattpilot rebranded und in die eigene Solar-Web-Ökologie integriert hat. Die Wattpilot war für Herrn Kammerlander die logische Wahl, weil bereits ein Fronius Symo Wechselrichter für seine 10 Kilowatt Peak Photovoltaikanlage im Einsatz war und die Kopplung über die Solar.web-Cloud in der Fronius-Werbung als reibungslose Integration beschrieben wurde. Was in den ersten drei Wochen nach Inbetriebnahme funktionierte, war das PV-Überschussladen über die Solar.web-App. Was nicht funktionierte, war die zuverlässige Kopplung an den dynamischen Tibber-Stromtarif, die tageszeitabhängige Ladeplanung und die Integration in sein Home-Assistant-Dashboard, in dem alle anderen Verbraucher des Hauses steuerbar waren. Herr Kammerlander hat vier Stunden lang im Fronius-Forum und im Home-Assistant-Community-Forum gelesen und dabei zwei parallele Community-Integrationen gefunden, die die Wattpilot ohne Solar.web-Umweg direkt an Home Assistant koppeln, mit voller Steuerung über alle Ladefunktionen und ohne Latenz durch die Fronius-Cloud.

Dieser Artikel geht die Fronius-Wattpilot-Integration in Home Assistant im Stand August 2026 durch, ordnet die drei möglichen Integrationswege ein, benennt die zwei relevanten HACS-Custom-Components, dokumentiert das PV-Überschussladen ohne Solar.web-Cloud und die Kopplung an Tibber und andere dynamische Stromtarife. Er ist geschrieben für Home-Assistant-Betreiber, die eine Wattpilot Home 11 J, Home 22 J, Go 11 J oder Go 22 J besitzen und die Wallbox in ihre lokale Automationsumgebung einbinden möchten.

Die drei Wege zur Wattpilot in Home Assistant

Home Assistant hat aktuell keine offizielle Fronius-Wattpilot-Integration im Core-Repository. Die offizielle Fronius-Integration deckt ausschließlich die Fronius-Wechselrichter über die Solar-API ab, unterstützt aber weder die Wattpilot-Wallbox noch die Fronius-Batterien für Balkonspeicher. Die Community hat für die Wattpilot drei parallele Integrationswege entwickelt, die sich in Setup-Aufwand, Funktionsumfang und Zuverlässigkeit unterscheiden.

Der erste Weg ist die inoffizielle HACS-Integration mk-maddin/wattpilot-HA, die auf dem reverse-engineerten Python-Modul joscha82/wattpilot basiert. Diese Integration verbindet Home Assistant direkt mit der Wattpilot über die interne WebSocket-API, die die Wattpilot für die Kommunikation mit der Fronius-eigenen App nutzt. Die Integration liefert alle relevanten Sensoren wie aktuelle Ladeleistung, Ladezustand, letzte Ladehistorie, Fehlerstatus und Firmware-Version. Sie unterstützt Steuerungsfunktionen wie das Starten und Stoppen des Ladevorgangs, die Einstellung der maximalen Ladeleistung, die Umschaltung zwischen Ein-Phasen- und Drei-Phasen-Modus und die Aktivierung der internen PV-Überschuss-Steuerung. Sie wird seit April 2022 gepflegt, hat aktuell 118 Stars auf GitHub und ist die am längsten etablierte Community-Integration.

Der zweite Weg ist die alternative HACS-Integration JimboHamez/wattpilot-HA, ein 2024er Fork der mk-maddin-Integration mit erweiterten Sensoren für die Fahrzeugerkennung, verbesserten Steuerungsfunktionen für den PV-Überschussmodus und einem aktualisierten UI. Sie nutzt dasselbe reverse-engineerte WebSocket-Protokoll und ist funktional weitgehend identisch, hat aber im PV-Überschussmodus einige Verbesserungen für die Kompatibilität mit Fronius Symo Gen24-Wechselrichtern. Wer eine Gen24-Anlage betreibt und die interne PV-Überschusssteuerung der Wattpilot nutzen möchte, sollte JimboHamez bevorzugen.

Der dritte Weg ist die Integration über EVCC, den Open-Source-Ladecontroller aus Deutschland, der die Wattpilot als go-eCharger-kompatibles Gerät ansprechen kann und über eine MQTT- oder REST-Bridge in Home Assistant verfügbar macht. EVCC bringt eine ausgereifte PV-Überschussregelung mit Prognose-Integration und dynamischer Tarifsteuerung mit, arbeitet aber als externer Server neben Home Assistant und erfordert ein zusätzliches Docker-Setup. Für Nutzer mit komplexen PV-Anlagen mit mehreren Wechselrichtern, Batteriespeichern und wärmepumpenintegrierten Lastmanagement ist EVCC die tiefere Lösung, für einfache Setups sind die HACS-Integrationen der schnellere Weg.

Installation der mk-maddin/wattpilot-HA über HACS

Die Installation der mk-maddin/wattpilot-HA-Integration erfolgt über HACS mit einem Custom-Repository. Nach der HACS-Grundinstallation im Home Assistant fügt man das Repository https://github.com/mk-maddin/wattpilot-HA über HACS unter Integrationen und dem Menüpunkt Custom Repositories mit dem Typ Integration hinzu. Nach einem Neustart des Home Assistant erscheint die Integration unter HACS als Fronius Wattpilot Wallbox und lässt sich mit einem Klick installieren.

Die Konfiguration erfolgt über das UI unter Einstellungen und dem Menüpunkt Geräte und Dienste, dort mit dem Button Integration hinzufügen und der Auswahl Fronius Wattpilot. Home Assistant fragt nach der IP-Adresse der Wattpilot im lokalen Netzwerk und dem Passwort, das in der Fronius-Wattpilot-App als WLAN-Passwort für die Wallbox konfiguriert wurde. Wichtig: Die Wattpilot muss zu diesem Zeitpunkt bereits im heimischen WLAN registriert und mit einer festen IP-Adresse konfiguriert sein, entweder über eine DHCP-Reservierung im Router oder über die statische Konfiguration in der Wattpilot-App.

Ein häufiger Fehler beim ersten Verbindungsaufbau ist die fehlerhafte Passwortübergabe. Das WLAN-Passwort der Wattpilot ist nicht identisch mit dem Fronius-Solar.web-Konto-Passwort und nicht identisch mit dem WLAN-Passwort des heimischen Netzwerks. Es ist ein separates Passwort, das die Wattpilot-App für die lokale Kommunikation mit dem Gerät nutzt und das in den Einstellungen der App unter Wattpilot Passwort neu gesetzt werden kann. Wer beim ersten Verbindungsaufbau die Meldung Authentication failed erhält, sollte dieses Passwort in der App zurücksetzen und in der Home-Assistant-Konfiguration neu eintragen.

Nach erfolgreicher Verbindung erscheinen in Home Assistant rund 25 Sensoren für die Wattpilot, gruppiert unter dem Gerätenamen der Wallbox. Die wichtigsten sind wallbox_charging_power (aktuelle Ladeleistung in Watt), wallbox_car_state (Zustand des Fahrzeugs, unterschieden in No Vehicle, Vehicle Connected, Charging, Ready), wallbox_current_amps (aktueller Ladestrom in Ampere), wallbox_energy_session (Energie der aktuellen Ladesitzung in Kilowattstunden) und wallbox_error_state (Fehlermeldung, falls die Wallbox einen Störfall meldet). Für die Steuerung stehen Schalter wallbox_charging_allowed und wallbox_phase_switching sowie Zahlensteuerungen für wallbox_max_current und wallbox_boost_mode zur Verfügung.

PV-Überschussladen ohne Solar.web-Cloud

Die Fronius Wattpilot verfügt über eine interne PV-Überschusssteuerung, die von Fronius als Solar Charging bezeichnet wird. Sie regelt die Ladeleistung des angeschlossenen Fahrzeugs so, dass ausschließlich der aktuelle Photovoltaikstrom-Überschuss geladen wird, ohne Strom aus dem Netz zu beziehen. Die Steuerung erfolgt in Ampere-Schritten, weil die Wallbox die Ladeleistung nur in dieser Auflösung regeln kann, was bei einer Drei-Phasen-Ladung Sprüngen von rund 690 Watt pro Ampere entspricht.

Die interne Solar-Charging-Funktion setzt eine funktionierende Kopplung mit dem Fronius-Wechselrichter voraus, was in der Standardkonfiguration über die Solar.web-Cloud abgewickelt wird. Wer diese Cloud-Abhängigkeit vermeiden möchte, kann die Steuerung über Home Assistant selbst umsetzen. Dafür wird die aktuelle PV-Leistung des Wechselrichters, der aktuelle Hausverbrauch ohne Wallbox und der aktuelle Ladeleistung der Wallbox aus den entsprechenden Sensoren gelesen und über eine Home-Assistant-Automation die maximale Ladeleistung der Wattpilot dynamisch nachgeregelt.

Die grundlegende Formel für die Ladeleistung ist einfach: PV-Erzeugung minus Hausverbrauch ohne Wallbox ergibt den verfügbaren Überschuss, der durch die 690 Watt pro Ampere im Drei-Phasen-Modus geteilt wird und die maximale Ampere-Zahl für die Wattpilot ergibt. Für die Praxis kommen einige Filter dazu: Ein Mindestwert von 6 Ampere für die Aktivierung des Ladevorgangs, weil die Wattpilot unter 6 Ampere nicht laden kann, ein Zeitmittelwert über 30 Sekunden für die Vermeidung von schnellen Regelungssprüngen bei wechselnden Wolken und eine Umschaltung auf Ein-Phasen-Modus, wenn der Überschuss dauerhaft unter 4 Kilowatt sinkt, weil dann die Ein-Phasen-Ladung mit 6 bis 16 Ampere und 1,4 bis 3,7 Kilowatt mehr Ertrag liefert als eine Drei-Phasen-Ladung mit knapp 6 Ampere.

Ein Beispiel für eine solche Home-Assistant-Automation in YAML sieht so aus, dass sie alle 60 Sekunden getriggert wird, die aktuelle PV-Erzeugung aus sensor.fronius_pv_power liest, den Hausverbrauch ohne Wallbox aus sensor.smartmeter_grid_power berechnet und die maximale Ladeleistung der Wattpilot über die Aktion number.set_value am number.wallbox_max_current setzt. Die genauen Werte müssen an die eigene Anlage angepasst werden, die Grundlogik bleibt gleich.

Kopplung an dynamische Tarife wie Tibber, aWATTar und Rabot

Die Wattpilot verfügt in der Firmware ab Version 40 über eine sogenannte Next Trip Charging-Funktion, die die Ladung an einen dynamischen Stromtarif koppeln kann. Die Funktion holt sich die stündlichen Strompreise über die Fronius-Cloud aus dem eingebundenen Awattar- oder Tibber-Konto und plant die Ladung so, dass die vom Nutzer eingegebene Zielenergie zum eingegebenen Abfahrtzeitpunkt zu den günstigsten Stundenpreisen geladen wird. Für Nutzer mit einfachen Anforderungen und ohne Home-Assistant-Setup ist das eine praktikable Lösung, für Home-Assistant-Nutzer ist die eigene Steuerung deutlich flexibler.

Die Home-Assistant-basierte Steuerung nutzt die Tibber-Integration aus dem Core-Repository, die die stündlichen Preisdaten in Form von Attributen des Tibber-Sensors verfügbar macht. Eine Automation prüft alle Stundenwechsel den aktuellen Preis und aktiviert oder deaktiviert die Ladung an der Wattpilot über den Schalter wallbox_charging_allowed. Für eine feinere Steuerung lässt sich die maximale Ladeleistung an den Preisverlauf koppeln: Bei Preisen unter 15 Cent pro Kilowattstunde volle 22 Kilowatt Ladeleistung, bei Preisen zwischen 15 und 25 Cent reduzierte 11 Kilowatt, bei Preisen über 25 Cent keine Ladung.

Eine dritte Ebene der Optimierung koppelt PV-Überschuss und dynamische Tarife: Wenn die PV-Anlage aktuell keinen Überschuss liefert und der Netzstrompreis unter einer Schwelle von 10 Cent pro Kilowattstunde liegt, wird trotzdem geladen, weil der Strom günstiger ist als die typische Einspeisevergütung von 8 Cent pro Kilowattstunde. Diese Optimierung ist in EVCC nativ implementiert und in Home Assistant mit einer entsprechenden Automation mit rund 30 Zeilen YAML nachbaubar. Die genaue Logik hängt von der eigenen Einspeisevergütung, den Strompreisen und dem persönlichen Nachhaltigkeitsanspruch ab.

Für Nutzer mit Rabot Charge, dem im April 2026 gestarteten dynamischen Tarif aus Berlin, existiert seit Juni 2026 eine offizielle Home-Assistant-Integration im Core-Repository, die die Preisdaten analog zur Tibber-Integration bereitstellt. Für aWATTar, den österreichischen Klassiker aus Wien, ist die Integration ebenfalls im Core und funktioniert seit Jahren stabil. Wer Ostrom, Voltego oder einen anderen der neueren dynamischen Anbieter nutzt, muss aktuell auf Community-Integrationen aus HACS zurückgreifen, die je nach Anbieter unterschiedlich gepflegt sind.

Umgang mit Fronius-Firmware-Updates und Breaking-Changes

Die Fronius Wattpilot erhält regelmäßig Firmware-Updates, die entweder über die Wattpilot-App oder über die Solar.web-Cloud eingespielt werden. Diese Updates bringen neue Funktionen mit, ändern aber gelegentlich auch die interne WebSocket-API, was zu Verbindungsabbrüchen in der Home-Assistant-Integration führen kann. In den letzten 18 Monaten waren zwei Firmware-Updates besonders relevant: Die Version 39.0 aus Oktober 2025 führte eine neue Authentifizierungslogik ein, die eine Aktualisierung der mk-maddin-Integration auf mindestens Version 0.9.0 erforderte, und die Version 41.0 aus Juli 2026 änderte die Struktur der Ladeprotokoll-Nachrichten, was in JimboHamez-HA in Version 1.2.0 nachgeführt wurde.

Für den Betrieb empfiehlt sich eine bewusste Firmware-Strategie. Wer die Wattpilot produktiv nutzt und keine Ausfälle akzeptieren kann, sollte die automatischen Firmware-Updates in der Wattpilot-App deaktivieren und Updates manuell einspielen, nachdem die passende Community-Integration die neue Version explizit unterstützt. Die Diskussion neuer Firmware-Versionen findet aktuell auf dem Home-Assistant-Community-Forum unter dem Thread Fronius Wattpilot statt, der von mk-maddin selbst moderiert wird. Wer die Wattpilot als Testgerät nutzt und Firmware-Bugs bereitwillig meldet, kann die automatischen Updates aktiviert lassen und die Community damit beim Reverse-Engineering unterstützen.

Ein zweiter Punkt betrifft die Solar.web-Cloud-Abhängigkeit. Auch wenn die Home-Assistant-Integration keine Cloud-Verbindung braucht, meldet sich die Wattpilot standardmäßig regelmäßig bei Solar.web an, um Statusdaten und Ladehistorie zu synchronisieren. Diese Cloud-Verbindung ist datenschutzrechtlich unbedenklich, weil Fronius als österreichisches Unternehmen unter DSGVO steht und die Daten in europäischen Rechenzentren verarbeitet werden. Wer die Cloud-Verbindung dennoch komplett unterbinden möchte, kann die Wattpilot in der App vom Solar.web-Konto trennen und die Wallbox in einem lokalen VLAN ohne Internet-Zugriff betreiben. Die Home-Assistant-Integration funktioniert in diesem Modus vollständig, allerdings entfallen dann die automatischen Firmware-Updates und die Next-Trip-Charging-Funktion.

Vergleich der Wattpilot mit go-eCharger und der Aufteilung 22 kW vs 11 kW

Die Fronius Wattpilot Home 11 J und die Go 11 J laden mit maximal 11 Kilowatt bei Drei-Phasen-Ladung, die Home 22 J und die Go 22 J mit maximal 22 Kilowatt. Der Unterschied zwischen Home und Go liegt in der Bauform. Die Home-Serie ist eine fest installierte Wallbox mit Wandmontage und CEE-Rot-Anschluss oder Direktverdrahtung, die Go-Serie ist eine tragbare Wallbox mit einem 5 Meter langen Anschlusskabel und wechselbaren CEE- oder Schuko-Steckern für den mobilen Einsatz an verschiedenen Standorten.

Die 22-Kilowatt-Variante ist in Deutschland nach EmoG melde- und genehmigungspflichtig beim örtlichen Netzbetreiber, weil sie über der 11-Kilowatt-Anmeldegrenze liegt. Für die meisten Einfamilienhäuser mit einem Hausanschluss von 63 Ampere ist die 22-Kilowatt-Ladung nur mit zusätzlichem Lastmanagement sinnvoll, weil sie den Hausanschluss bei parallelem Betrieb einer Wärmepumpe oder eines Herds an die Grenze bringt. Für die meisten Nutzer ist die 11-Kilowatt-Variante die praktischere Wahl, weil sie ohne Netzbetreiber-Genehmigung installiert werden kann und für die meisten Elektroautos ausreichend ist. Eine Ausnahme sind Fahrzeuge mit sehr großen Batterien wie das Mercedes EQS oder Tesla Model S Plaid, die von 22 Kilowatt AC-Ladeleistung profitieren.

Die technische Verwandtschaft zur go-eCharger Gemini ist so eng, dass die HACS-Integration marq24/ha-goecharger-api2 auch für die Fronius Wattpilot funktioniert und teilweise als robuster gilt als die reinen Wattpilot-Integrationen. Für Nutzer, die parallel eine go-eCharger und eine Wattpilot im Haushalt betreiben, ist marq24/ha-goecharger-api2 die einheitliche Lösung, weil sie beide Wallboxen mit derselben Konfiguration ansprechen kann. Die spezifischen Fronius-Features wie die interne Solar-Charging-Kopplung und der Next-Trip-Charging-Modus werden von marq24 allerdings nicht abgebildet, dafür braucht es die dedizierten Wattpilot-Integrationen.

Praxiserfahrungen und typische Fallstricke

Herr Kammerlander hat nach zwei Wochen Betrieb mit der mk-maddin-Integration ein stabiles Setup erreicht, in dem die Wattpilot vollständig über Home Assistant gesteuert wird und die Solar.web-Cloud nur noch für die Firmware-Updates aktiv bleibt. Die PV-Überschussladung läuft über eine eigene Automation, die alle 60 Sekunden die aktuelle Überschussleistung berechnet und die Wattpilot entsprechend nachregelt, mit einem Umschaltmechanismus zwischen Drei-Phasen und Ein-Phasen-Modus. Die Kopplung an den Tibber-Tarif fügt eine zweite Ebene hinzu, die auch außerhalb der PV-Produktion die Ladung bei günstigen Strompreisen unter 10 Cent pro Kilowattstunde aktiviert.

Die häufigsten Fallstricke in der Praxis sind die Netzwerkverbindung, die Firmware-Kompatibilität und die Passwort-Verwechslung. Für die Netzwerkverbindung empfiehlt sich eine DHCP-Reservierung im Router, damit die Wattpilot ihre IP-Adresse zuverlässig behält, sonst kann die Home-Assistant-Integration nach einem Router-Neustart die Verbindung verlieren. Für die Firmware-Kompatibilität ist der Community-Forum-Thread der zuverlässige Referenzort. Für die Passwort-Verwechslung ist die Doku der Wattpilot-App die richtige Quelle, das WLAN-Passwort und das Wattpilot-Passwort sind zwei getrennte Werte.

Ein spezieller Punkt betrifft die Fahrzeugerkennung. Die Wattpilot erkennt das Fahrzeug über den ISO 15118-Kommunikationsstandard, der aber je nach Fahrzeughersteller unterschiedlich implementiert ist. Bei Tesla Model 3 und Y funktioniert die Erkennung problemlos, bei einigen Renault Zoe-Modellen aus den Baujahren 2019 bis 2021 gibt es sporadische Ausfälle, bei denen die Wattpilot das Fahrzeug nicht erkennt und die Ladung nicht startet. In diesem Fall hilft ein manuelles Aus- und wieder Einstecken des Ladekabels oder eine Firmware-Aktualisierung des Fahrzeugs beim Händler. Für die Home-Assistant-Automation sollte man einen Timeout und einen Retry-Mechanismus einbauen, der bei nicht startender Ladung nach fünf Minuten einen Neustart des Ladevorgangs versucht.

Fazit

Die Fronius Wattpilot ist in Home Assistant über die zwei ausgereiften Community-Integrationen mk-maddin/wattpilot-HA und JimboHamez/wattpilot-HA vollständig steuerbar. Beide Integrationen umgehen die Solar.web-Cloud, nutzen die interne WebSocket-API der Wallbox und ermöglichen PV-Überschussladen, Tarif-basierte Ladepläne und die Integration in beliebige Automationen. Für Nutzer mit einer Fronius-PV-Anlage ist die Wattpilot die logische Wallbox-Wahl, für Nutzer ohne Fronius-Anlage ist die go-eCharger Gemini die technisch identische Alternative mit dem gleichen Home-Assistant-Support über marq24/ha-goecharger-api2.

Die 60 bis 90 Minuten Installations- und Konfigurationsaufwand für die HACS-Integration und die eigene PV-Überschuss-Automation lohnen sich, weil sie die volle Kontrolle über die Ladung liefern und die Abhängigkeit von der Fronius-Cloud reduzieren. Wer die Wattpilot ohne Home-Assistant-Kopplung betreibt und mit der Solar.web-App zufrieden ist, verpasst nichts Fundamentales, verschenkt aber die dynamische Anpassung an Tibber-Strompreise und die Kopplung mit anderen Verbrauchern im Haus. Für einen typischen Elektromobilisten mit 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung und einer PV-Anlage mit 10 Kilowatt Peak liegt der jährliche Ersparnisgewinn aus optimiertem PV-Überschussladen und Tarif-Steuerung bei 300 bis 600 Euro gegenüber einer festen Ladung ohne Optimierung.

Herr Kammerlander hat nach vier Wochen Betrieb den Rechenaufwand seiner Automationen erweitert und lädt nun sein Kia EV6 zu über 80 Prozent aus eigenem PV-Strom und günstigen Tibber-Stunden. Die Ersparnis gegenüber einer konventionellen Ladung bei fester Ladeleistung liegt bei rund 45 Euro pro Monat, die Rendite auf die Anschaffungskosten der Wattpilot Home 11 J von 950 Euro rechnet sich damit über die Lebensdauer der Wallbox deutlich schneller als über den reinen Verbrauchsvorteil einer nicht optimierten Ladung. Das reverse-engineerte WebSocket-Protokoll und die zwei parallel entwickelten HACS-Integrationen sind ein Beispiel dafür, wie eine engagierte Community proprietäre Hardware in ein offenes System integrieren kann und dabei den Herstellervorteil in einen Nutzervorteil verwandelt.