!Balkonkraftwerk mit Speicher und Notstromfunktion
Der Gedanke liegt nahe: Wenn der Strom ausfällt, habe ich ja meine eigene Anlage auf dem Balkon. Sonne scheint, Module produzieren, Speicher ist voll.
Nur passiert dann nichts. Die Anlage steht still, der Speicher gibt nichts ab, und laden lässt er sich auch nicht mehr. Das ist kein Defekt, sondern Absicht.
Warum die Anlage sich selbst abschaltet
Ein Balkonkraftwerk speist über einen netzgeführten Wechselrichter ein. Netzgeführt heißt: Das Gerät erzeugt keine eigene Wechselspannung nach eigenem Takt, sondern hängt sich an die Spannung und Frequenz, die es am Hausnetz vorfindet.
Fällt diese Referenz weg, hat der Wechselrichter nichts mehr, woran er sich orientieren kann, und schaltet ab. Vorgeschrieben ist das über den sogenannten Netz- und Anlagenschutz. Der Grund ist Personenschutz: Würden dezentrale Anlagen bei einem Netzausfall weiter einspeisen, stünden Leitungen unter Spannung, an denen Monteure arbeiten.
Die praktische Folge überrascht viele: Auch das Nachladen des Speichers funktioniert im Blackout nicht. Die Module liefern zwar Gleichstrom, aber die Regelung dahinter ist ohne Netz stillgelegt. Wer also nach zwei Tagen einen leeren Speicher hat, bekommt ihn bei strahlendem Sonnenschein nicht wieder voll.
Was echte Notstromfähigkeit ausmacht
Damit ein Speicher bei Stromausfall Strom abgibt, braucht er eine getrennte Betriebsart, den Inselbetrieb. Das Gerät erzeugt dann selbst eine Wechselspannung mit eigener Frequenz, entkoppelt vom Hausnetz.
In der Praxis läuft das über eine eigene Notstromsteckdose direkt am Speicher. Angeschlossen wird dort, was weiterlaufen soll, per Verlängerungskabel oder Mehrfachsteckdose. Ein Umschalten der Hausinstallation findet nicht statt, dafür bräuchte es einen fest installierten Umschalter und eine Elektrofachkraft.
Zwei Punkte entscheiden über die Alltagstauglichkeit:
Die Umschaltzeit. Geräte mit unterbrechungsfreier Umschaltung im Millisekundenbereich lassen einen laufenden Rechner nicht abstürzen. Speicher, die einige Sekunden brauchen, sind für Kühlschrank und Licht völlig ausreichend, für Elektronik nicht. Die Dauerleistung an der Notstromdose. Sie liegt bei den meisten Modellen deutlich unter dem, was die Zellen theoretisch könnten. Aktuelle Systeme kommen auf etwa 2500 Watt, ältere und kleinere oft nur auf 800 bis 1000 Watt. Ein Wasserkocher mit 2000 Watt ist damit die Grenze, ein Herd in jedem Fall außerhalb.Was am Markt verfügbar ist
Der Anker SOLIX Solarbank 3 Pro fasst 2,68 Kilowattstunden pro Modul und lässt sich stapeln. Marstek bietet mit der Venus E Gen 3.0 AC einen Ausbau bis 5,12 Kilowattstunden bei einer Abgabeleistung von bis zu 2500 Watt.
Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Balkonspeicher liegt weniger in der Kapazität als in der Elektronik dahinter. Viele günstige Speicher haben schlicht keinen Inselbetrieb, egal wie groß ihr Akku ist. Die Angabe im Datenblatt heißt dann Notstrom, Backup, EPS oder Inselbetrieb. Fehlt sie, gibt es die Funktion nicht, und sie lässt sich auch nicht nachrüsten.
Wie weit 2,7 Kilowattstunden tragen
Rechnen wir einen realistischen Haushaltsnotbetrieb durch.
Ein moderner Kühlschrank braucht am Tag etwa 0,3 bis 0,5 Kilowattstunden, weil der Kompressor nur zeitweise läuft. Router und ein Repeater kommen zusammen auf rund 0,2. LED-Beleuchtung für ein paar Stunden abends liegt bei etwa 0,1. Zwei bis drei Handys und ein Notebook laden schlagen mit ungefähr 0,2 zu Buche.
Macht in Summe etwa 0,8 bis 1,0 Kilowattstunden pro Tag. Ein Speicher mit 2,68 Kilowattstunden trägt das also rund zwei bis drei Tage, sofern die Kapazität beim Ausfall tatsächlich voll war und nicht bei dreißig Prozent stand.
Was in dieser Rechnung nicht vorkommt: Heizung, Warmwasser, Herd, Waschmaschine. Eine Gasheizung mit stromversorgter Umwälzpumpe und Steuerung liegt bei etwa 0,5 bis 1 Kilowattstunde am Tag und halbiert die Reichweite. Elektrisch heizen ist mit dieser Kapazität nicht darstellbar, ein Heizlüfter mit 2000 Watt leert den Speicher in gut einer Stunde.
Was das für die Kaufentscheidung heißt
Der Aufpreis für die Notstromfunktion ist beträchtlich, und er rechnet sich nie über die Stromkosten. Wer ihn zahlt, kauft eine Versicherung, keine Investition. Wie sich Speicher wirtschaftlich schlagen, haben wir in der Nachrüsten eines Balkonspeichers durchgerechnet.
Sinnvoll ist er dort, wo Stromausfälle tatsächlich vorkommen oder wo etwas daran hängt: eine Gefriertruhe mit Vorräten, medizinische Geräte, Homeoffice ohne Ausweichmöglichkeit, oder eine Heizung, die ohne Strom nicht anspringt.
Vor dem Kauf drei Dinge klären: Steht Notstrom, Backup oder EPS ausdrücklich im Datenblatt? Wie hoch ist die Dauerleistung an der Notstromdose, nicht die Spitzenleistung? Und schaltet das Gerät unterbrechungsfrei um oder mit Verzögerung?
Wer nur gelegentliche Ausfälle von ein bis zwei Stunden überbrücken will, fährt mit einer separaten Powerstation günstiger. Sie hat denselben Effekt, kostet einen Bruchteil und lässt sich mitnehmen. Die Kombination aus Speicher und Notstrom lohnt sich erst, wenn beides ohnehin ansteht.
Die Anmeldung ändert sich durch die Notstromfunktion übrigens nicht, der Speicher wird wie gehabt im Rahmen der Anlage erfasst. Was dabei zu tun ist, steht im Beitrag zum Anmelden von Balkonkraftwerk und Speicher.
Quellen: VDE-AR-N 4105, Anforderungen an den Netz- und Anlagenschutz bei Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz (vde.com, abgerufen 09/2026); Anker, Produktdatenblatt SOLIX Solarbank 3 Pro mit 2,68 kWh Modulkapazität (anker.com, abgerufen 09/2026); Marstek, Produktangaben Venus E Gen 3.0 AC mit bis zu 5,12 kWh und 2500 W Abgabeleistung (marstekenergy.com, abgerufen 09/2026); Bundesnetzagentur, Hinweise zum Marktstammdatenregister für Speicher an Steckersolargeräten (marktstammdatenregister.de, abgerufen 09/2026).