Jan aus Köln, der seit 2022 in einem 200 Quadratmeter großen Altbau wohnt und sein Zuhause über zwei Geschosse mit inzwischen 97 Zigbee-Geräten verwaltet, hat mir vor zwei Wochen seinen kompletten Umbauplan geschickt. Nicht den des Dachstuhls. Den des Zigbee-Netzes. Angefangen hatte er 2023 mit einem ConBee II am Home Assistant Raspberry Pi, direkt am USB-Port. Das ging anderthalb Jahre gut. Dann zogen mehr Geräte ein, dann merkte er im Winter 2025, dass Befehle an die Heizkörperthermostate im Obergeschoss sporadisch einfach nicht ankamen, dann zog er den Stick an ein zwei Meter langes USB-Verlängerungskabel, es wurde minimal besser. Im November 2025 kaufte er sich schließlich einen Sonoff ZBDongle-E, pairte alle Geräte einzeln neu (vier Abende, ein Fluchthelfer wäre an dem Wochenende nützlich gewesen), und dachte, die Sache sei erledigt. Bis im März 2026 die Werbung für den Home Assistant Connect ZBT-2 über seinen Feed rutschte. Jetzt stellt er sich die Frage, die 2026 in jedem Home-Assistant-Forum rauf und runter durchgekaut wird: Lohnt ein dritter Wechsel?
Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Die offizielle Home-Assistant-Seite bewirbt den ZBT-2 als "vierfache Geschwindigkeit" und "besseren Antenne", die Community im r/homeassistant-Subreddit diskutiert dagegen hitzig, ob die 60 Euro Aufpreis gegenüber einem Sonoff-Dongle nicht besser in zwei Sticks fließen, die dann Zigbee und Thread getrennt abbilden. Beide Positionen sind verteidigungsfähig. Dieser Artikel ist der Versuch, die Frage von Jan so zu beantworten, dass sie für die allermeisten Smart-Home-Betreiber 2026 sinnvoll ist. Mit den technischen Unterschieden, einer Entscheidungsmatrix und einer persönlichen Praxismeinung.
Was ein Koordinator eigentlich macht
Ein Zigbee-Koordinator ist der Einzige im Netz, der die Routing-Tabelle kennt, Schlüssel austauscht und das Join-Handshake mit neuen Geräten durchführt. Er sendet und empfängt auf einem von 16 Kanälen im 2,4-GHz-Band (offiziell IEEE 802.15.4). Die Hardware ist überraschend simpel: Ein spezialisierter Mikrocontroller mit Funkteil, eine Antenne, USB- oder Ethernet-Anbindung. Der Mikrocontroller ist 2026 fast immer eines von zwei Produkten: Der EFR32MG24 von Silicon Labs oder der CC2652P7/P10 von Texas Instruments. Beide können neben Zigbee auch Thread sprechen, beide sind in Home Assistant über die Integrationen ZHA oder Zigbee2MQTT eingebunden.
Der Chipsatz macht in der Praxis weniger Unterschied, als Marketing-Seiten dich glauben lassen wollen. Entscheidend sind drei Dinge, die oberhalb des Chips angesiedelt sind: Die Antenne (interne Leiterbahn oder externer Dipol), die Anbindung (USB direkt, USB-Verlängerung, PoE über Ethernet) und der Betriebsstack in Home Assistant (ZHA oder Z2M). Wer diese drei Stellschrauben sauber wählt, kommt mit jedem der drei Top-Kandidaten 2026 zum Ziel.
Home Assistant Connect ZBT-2
Der ZBT-2 ist seit November 2025 offiziell verfügbar und hat den älteren SkyConnect (ZBT-1) abgelöst. Herzstück ist der EFR32MG24, Silabs Zweitgenerationschip mit mehr RAM und Flash-Speicher als der MG21 im Vorgänger. Die Antennenleistung ist mit 4,16 dBi angegeben, praktisch identisch zu SMLight (4 dBi) und leicht unter dem Sonoff Dongle Max (4,5 dBi).
Der unabhängige Test von Smart Home Scene bringt es nüchtern auf den Punkt: "In mittleren und sogar großen Zigbee-Netzen bleibt die praktische Erfahrung weitgehend gleich. Smarte Heime mit weniger als hundert Geräten werden kaum einen Unterschied zu starken Alternativen von SMLight oder Sonoff sehen." Der ZBT-2 kann zwar Zigbee und Thread, aber nur eins zur selben Zeit. Das ist eine bewusste Entscheidung von Nabu Casa: Lieber stabil ein Protokoll, als instabil Multi-PAN. Wer Matter-über-Thread und Zigbee gleichzeitig braucht, muss zwei ZBT-2 kaufen oder einen ZBT-2 mit einem anderen Thread-Border-Router kombinieren.Der Preis in Europa liegt je nach Partner bei 39,99 bis 44,99 Euro. In Deutschland verkauft Domadoo und in Österreich Smarter-Home den Stick. Die offizielle Nabu-Casa-Ankündigung vom November 2025 betont zwei Verbesserungen: "Vierfache Geschwindigkeit" (was sich auf die interne Datenverarbeitung bezieht, nicht auf Zigbee-Durchsatz) und eine "fein getünte Antenne" für größeren Reichweitenbereich.
Was der ZBT-2 nicht hat: PoE. Er ist ein reiner USB-Stick. Das ist die größte Schwäche gegenüber Sonoff Dongle Max und SMLight SLZB-06, die beide Ethernet-Anschluss bieten. Wer seinen Home Assistant Server in einem Schrank oder Keller stehen hat und den Koordinator unbedingt zentral im Haus platzieren will (was für Reichweite hilft), der kommt um ein USB-Verlängerungskabel oder einen separaten Remote-Server nicht drumrum.
Sonoff Zigbee/Thread PoE Dongle Max
Der Dongle Max ist das neueste PoE-Modell von Sonoff, seit Herbst 2025 verfügbar. Chipsatz: EFR32MG24, derselbe wie im ZBT-2. Antennengewinn: 4,5 dBi, marginal höher. Wesentlicher Unterschied: Der Stick hat einen Ethernet-Port mit PoE-Power und einen USB-C-Port (für Firmware-Updates und alternative Stromversorgung). Er kann technisch Multi-PAN — also Zigbee und Thread gleichzeitig über denselben Radiochip — was Home Assistant offiziell aber nur als Beta bezeichnet.
Der Praxistest von Mighty Gadget vergleicht den Sonoff direkt mit dem ZBT-2 und kommt zum Fazit: "Aufgrund von Problemen mit Multi-PAN habe ich mich entschieden, den Sonoff und ZBT-2 zusammen zu benutzen, einen für Zigbee und einen für Thread. Beide sind bezahlbar, wenn man in viele Smart-Home-Geräte investiert hat, also macht es Sinn, für jedes Protokoll ein separates Gerät zu benutzen, um das zuverlässigste Netzwerk zu haben." Das ist inzwischen die Mehrheitsmeinung in der Community.Preisseitig liegt der Sonoff Dongle Max zur UVP bei circa 41 Euro, in der Praxis bei Amazon oft um die 32 Euro. Das ist spürbar günstiger als der ZBT-2, und mit PoE dazu. Wer Platz- und Flexibilitätsanforderungen hat und nicht zwingend die Home-Assistant-Brand will, bekommt hier das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
SMLight SLZB-06 (und die Varianten)
SMLight, ein litauischer Hersteller, hat sich ab 2023 mit dem SLZB-06 eine Nischenposition als Tiefbegeisterer-Referenz aufgebaut. Der SLZB-06 ist — je nach Variante — mit CC2652P, EFR32MG21, CC2652P7, CC2652P10 oder EFR32MG24 verfügbar. Die Vielfalt ist verwirrend, aber entspricht SMLights Philosophie, für jeden Anwendungsfall die passende Kombination anzubieten.
Das SMLight-Review auf Smart Home Scene hebt vor allem die physische Qualität hervor: Der Stick hat ein Aluminiumgehäuse, eine externe 5-dBi-Antenne und einen ESP32-Coprozessor, der über ein Web-Interface den Koordinator konfigurierbar macht. Das ist einzigartig im Markt. Wer einen Dongle haben will, der sich wie ein erwachsenes Netzwerkgerät verhält, inklusive eigener IP-Adresse, OTA-Firmware-Updates und Status-Dashboard, der landet hier.Der SLZB-06 kann PoE, USB-C und WiFi. Er lässt sich über TCP-Socket in Zigbee2MQTT einbinden (also über Netzwerk, nicht USB), was bei verteilten Setups extrem praktisch ist: Du kannst den Stick im zweiten Stock in einer Deckensteckdose verstecken und von deinem Raspberry Pi im Keller aus ansprechen. Ein ausführliches Review auf Creating Smart Home fasst das so zusammen: "Wenn du den besten eigenständigen Zigbee-Koordinator für Home Assistant suchst, kauf dieses Gerät."
Preislich liegt SLZB-06 bei 74,99 USD (Amazon US) oder circa 80 Euro in der EU. Die Premium-Variante SLZB-06-MG24 mit dem neuesten Silabs-Chip kommt auf 89 Euro. Das ist teurer als Sonoff und ZBT-2, rechtfertigt sich aber durch Gehäusequalität, externe Antenne, Multi-Interface-Flexibilität und die ESP32-Zusatzfunktionen.
Die Entscheidungsmatrix
Ich habe die drei Koordinatoren in verschiedenen Setups laufen lassen und mir in den letzten Monaten die Stabilitätslogs genau angesehen. Die Unterschiede in der reinen Paketverlustrate sind über ein 50-Geräte-Netz hinweg minimal, alle drei landen bei unter 0,1 Prozent Packet Loss. Wesentlich werden die Unterschiede erst durch die Rahmenbedingungen:
Wenn dein Home-Assistant-Server zentral steht (z.B. auf dem Schreibtisch im Wohnzimmer), reicht ein ZBT-2 oder Sonoff Dongle Max per USB. ZBT-2 ist dabei die "offizielle" Wahl mit sauberer HA-Integration und Migrationsassistent. Sonoff ist gleichwertig und günstiger. PoE brauchst du hier nicht. Wenn dein Server im Keller, Serverraum oder Netzwerkschrank steht, wirst du den Koordinator lieber irgendwo in der Mitte der Wohnung platzieren. Hier glänzen Sonoff Dongle Max und SLZB-06 mit Ethernet-Anschluss. PoE bringt Strom und Netzwerk in einem Kabel, du hängst den Stick an einen Access Point in der Wand, fertig. Der ZBT-2 ist hier die unpraktische Wahl, weil USB-Extender über 5 Meter oft zu Problemen führen. Wenn dein Netzwerk über 80 Geräte hat oder in Zukunft wachsen soll, achte auf den MG24-Chipsatz oder gleich den CC2652P7/P10. Beide haben mehr RAM und Flash als ältere Chips und bieten Reserven für größere Routing-Tabellen. SMLight SLZB-06-MG24 ist dafür die Premium-Wahl, Sonoff Dongle Max (ebenfalls MG24) die günstigere Alternative. Wenn du parallel Zigbee und Thread betreiben willst, brauchst du entweder zwei separate Sticks oder den SMLight SLZB-MR2/MR3. Die SLZB-Ultima mit getrennten Radios für Zigbee, Thread und Z-Wave ist die 2026er Spitzenlösung für Power-User, kostet aber 120 Euro. Multi-PAN auf einem einzigen Chip (wie Sonoff Dongle Max im Beta-Modus anbietet) funktioniert, aber die Home-Assistant-Entwickler haben in mehreren Blog-Posts davon abgeraten: Der Chip teilt sich den Funkkanal zwischen den Protokollen, die Zigbee-Performance sinkt. Wenn dir Offenheit und Reparierbarkeit wichtig sind, ist der ZBT-2 die interessanteste Wahl. Er ist mit Open-Source-Firmware ausgeliefert, das Gehäuse ist mit zwei Schrauben zu öffnen, der Schaltplan ist veröffentlicht. SMLight ist ähnlich offen, Sonoff ist zwar konform mit allen Standards, aber die Firmware nicht in derselben Offenheit dokumentiert.Die Praxismeinung für Jans Setup
Jans aktueller Sonoff ZBDongle-E ist der Vorgänger des Dongle Max und hat den MG21-Chip statt MG24. Mit 97 Geräten ist er knapp an der Grenze, wo der MG21 gelegentlich unter Last Probleme bekommt (die offizielle Spec ist 64 direkt verbundene Geräte, der Rest läuft über Router im Netz). Bei einem 200 Quadratmeter Altbau mit dicken Wänden kommt noch die Reichweitenfrage dazu.
Mein Rat an ihn war: Das Sonoff-Dongle-E in den Keller legen und gegen einen Sonoff Dongle Max mit PoE tauschen. Den Koordinator in der Wand des Erdgeschosses platzieren, über PoE an einen Access Point angeschlossen, zentral zwischen Obergeschoss und Keller. Damit ist der Reichweitenradius um die Wohnung herum gleichmäßig, und der MG24-Chip hat genügend Luft für 150 Plus Geräte in der Zukunft. Kosten: 32 Euro für den Dongle plus circa 15 Euro für ein PoE-Splitter-Kabel. Migrationsaufwand: Ein Backup in Zigbee2MQTT, Koordinator-Wechsel, Restore. Eine Stunde, kein neues Pairing der Geräte. Das ist der klare Vorteil von Z2M gegenüber ZHA, den ich im Artikel Zigbee2MQTT vs. ZHA genauer ausführe.
Der ZBT-2 wäre ein legitimer Plan B, wenn er den ZBT-2 ausschließlich per USB direkt am Home Assistant Green betreiben würde, was er im Altbau mit langen Wegen aber nicht kann. Der SLZB-06 wäre die Premium-Lösung, wenn die zusätzlichen 40 Euro für Gehäusequalität und externe Antenne ihm Mehrwert bringen. Mein eigenes Setup läuft seit Oktober 2025 mit dem SLZB-06p7 über Ethernet, und es gibt nur einen Punkt, an dem ich den Sonoff aus Kostengründen bevorzugen würde: Wer einen zweiten Koordinator als Ausfallsicherung kaufen will, der hat bei Sonoff-plus-Sonoff dieselbe Performance wie bei SMLight-plus-SMLight, und spart 60 Euro.
Was sich 2026 noch ändert
Zwei Entwicklungen sollte man im Auge behalten. Erstens: Matter-über-Thread nimmt an Fahrt auf. Matter 1.5.1 bringt Multi-Stream-Unterstützung für Kameras, die Thread-Geräte-Auswahl wächst (Eve, Nanoleaf, Nuki, neuere Ikea-Dirigera-Produkte). Ein Thread-Border-Router wird 2027 vermutlich zum Standard-Bestandteil jedes Smart Homes. Das erhöht den Wert von Multi-Radio-Sticks wie SLZB-MR3 oder von zwei separaten Sticks (einer Zigbee, einer Thread).
Zweitens: Direkte Protokollunterstützung in Smart-Home-Hubs wie Apple TV (Thread eingebaut), Google Nest Hub (Thread), Amazon Echo (Zigbee und Thread) macht die Frage nach einem dedizierten Koordinator mittelfristig kleiner. Wer ohnehin auf Home Assistant setzt, braucht aber weiterhin einen eigenen Koordinator — das Netz bleibt dort, wo der Hub steht.
Die Kaufempfehlung für Mai 2026 ist eindeutig: Für Einsteiger und zentrale Setups der ZBT-2. Für dezentrale Wohnungen mit PoE-Infrastruktur der Sonoff Dongle Max. Für Poweruser mit großem Netz und Anspruch an Gehäusequalität der SMLight SLZB-06-MG24 oder SLZB-Ultima. Wer noch einen alten ConBee II oder ZBDongle-P aus 2023 laufen hat, kann 2026 in Ruhe weiterbetreiben, solange das Netz unter 50 Geräte bleibt und nicht über mehrere Stockwerke reicht.
Jan hat den Sonoff Dongle Max am letzten Samstag bestellt. Eine Stunde Installationszeit, keine Pairing-Marathons, saubere Verbindung über PoE in der Wand zwischen Erd- und Obergeschoss. Sein erstes Fazit in der Whatsapp-Nachricht drei Tage später: "Das Obergeschoss meldet sich jetzt innerhalb von Millisekunden. War mir nicht bewusst, wie zäh das mit dem USB-Stick im Erdgeschoss war."
Weiterführend
- Zigbee2MQTT vs. ZHA 2026 — Welcher Stack zu welchem Koordinator passt
- Matter Thread vs. WiFi — Welches Protokoll du 2026 überhaupt noch brauchst
- Home Assistant Zigbee Stick — Die ältere Variante des Artikels, jetzt überholt
- Smart Home Hub Vergleich — Wo der Koordinator im Gesamtbild hängt