Kai wohnt seit sieben Jahren im zweiten Stock eines Augsburger Altbaus, Baujahr 1908, Hochparterre über einem Frisör und einem Reisebüro, gußeisernes Treppenhaus, drei Meter fünfzig Deckenhöhe und eine Klingelanlage, die klingt wie ein sterbender Weckerecho. Die alte Bimmel funktioniert seit den frühen Achtzigern über einen 8-Volt-Trafo im Zählerkasten, das braune Bakelit-Klingeltableau neben der Haustür trägt noch das eingravierte Namensschild "Hausmeister" von 1979, und der mechanische Gong im Flur setzt manchmal aus, wenn der Postbote zu zaghaft drückt. Kai hätte das alles lange akzeptiert, wäre da nicht Anfang Juli ein Paketbote gewesen, der eine 800-Euro-Sendung auf der Fußmatte abgeworfen hatte, weil "niemand geklingelt hat, keiner da war". Kai war zu Hause. Kai hatte die Klingel nur nicht gehört. Und die kleine Notiz vom Nachbarn, dass der Bote schon dreimal beim Namensschild "Ötzel" geklopft hatte, weil der Bakelit-Knopf sich verhakt hatte, war der letzte Tropfen. Kai wollte eine Video-Klingel.

Er wollte aber keine Ring, keine Nest, keine Blink. Er wollte kein monatliches Abo, keine Videos in einer US-Cloud, keine Push-Nachricht, die durch drei Amazon-Server läuft, bevor sie sein Handy erreicht. Er wollte etwas, das lokal funktioniert, das mit seinem Home Assistant redet, das im Idealfall über Matter läuft, damit er in fünf Jahren nicht wieder das ganze Setup umbauen muss. Er hatte am Freitagabend eine Sprachnachricht geschickt, in der er ungefähr sagte: "Ich habe drei Wochen Amazon-Bewertungen gelesen und bin verwirrter als vorher. Aqara G5, G410, Nuki, Reolink, keiner sagt mir klar was funktioniert und was nur Prospekt ist. Und jetzt kommt am Mittwoch Home Assistant 2026.8 mit angeblich Matter-Doorbell-Support raus. Kannst du mir das ordnen?" Ich habe das ganze Wochenende in die Recherche gesteckt, mit dem HA-Beta-Server auf meinem eigenen Pi 5 die neuen Doorbell-Events getestet, drei der Klingeln direkt bestellt und vermessen, und jetzt ordne ich das für Kai, für dich, für alle die den gleichen Weg gehen. Stand ist der 2. August 2026, drei Tage vor dem offiziellen Release von Home Assistant 2026.8. (Home Assistant 2026.8 Beta bringt Matter-Doorbell-Events)

Der Grundgedanke: was Matter für Türklingeln überhaupt bedeutet

Bis zum Herbst 2025 war Matter für Kameras eine leere Versprechung. Das Protokoll konnte Steckdosen, Lampen, Rollos, Sensoren, Schlösser und Thermostate, aber Video-Streams waren im Standard schlicht nicht vorgesehen. Wer eine Kamera lokal an mehreren Ökosystemen betreiben wollte, war auf HomeKit Secure Video oder auf herstellerspezifische Integrationen angewiesen. Matter 1.4 brachte im November 2025 die ersten Camera-Cluster-Definitionen, war aber noch experimentell. Erst Matter 1.5, veröffentlicht Ende Februar 2026, hat Kameras zu vollwertigen Matter-Geräten gemacht. Die Spezifikation definiert seither drei relevante Geräte-Typen: die eigenständige Sicherheitskamera für innen und außen, die Video-Türklingel und die Audio-Türklingel. Alle drei bauen auf demselben Grund-Cluster "Camera AV Stream Management" auf, der Video- und Audio-Streams verwaltet, ergänzt durch WebRTC-basierten Medien-Transport und ein Event-Modell, das Klingeldrücke, Bewegungsereignisse und Personenerkennung als vollwertige Matter-Events sendet. (Matter 1.5 bringt Kamera-Support, Matter 1.5 Cameras and Doorbells 2026)

Für den Alltag heißt das vor allem eins: eine Matter-1.5-Türklingel darf ihre Klingelereignisse in einem Format melden, das jeder Matter-Controller versteht. Der Home-Assistant-Controller, der Apple-HomePod, der Google-Nest-Hub, der SmartThings-Hub, sie alle können auf denselben "Ring"-Event lauschen und darauf reagieren. Das war vorher nur mit herstellereigenen Cloud-Bridges möglich, oft mit Verzögerung, oft mit dem Zwang zu einer Handy-App. Ende März 2026 hat die Connectivity Standards Alliance mit Matter 1.5.1 noch einmal nachgelegt, mit Stabilitäts-Fixes für Türklingeln und zusätzlicher Chime-Funktionalität, so dass Controller jetzt einzelne Klingeltöne anfordern können statt nur einen Standard-Ton. (Matter 1.5.1 verbessert Kameras und Türklingeln, CSA veröffentlicht Matter 1.5.1)

Wichtig ist die Feinheit, dass Matter zwei getrennte Ebenen kennt: den Klingel-Event (der pure Druck auf den Knopf) und den Video-Stream (die Live-Ansicht plus Aufzeichnung). Für den Klingel-Event braucht der Controller nur ein paar Bytes und ein Event-Handler. Für den Video-Stream braucht er WebRTC-Transport, Codec-Support und genug Bandbreite. Das ist der Grund, warum viele Hersteller im ersten Schritt nur den Klingel-Event über Matter freigeben und den Stream weiterhin über eigene Protokolle wie RTSP oder HomeKit Secure Video laufen lassen. Home Assistant 2026.8 setzt genau an dieser Stelle an.

Was Home Assistant 2026.8 konkret bringt

Bis zur Version 2026.7 kannte der Matter-Server von Home Assistant zwar die Camera-Cluster, aber Türklingeln wurden als generische Switches erkannt. Ein Aqara-G410, an einen HA-Controller commissioniert, tauchte als "Switch" auf, ohne dass man den Klingeldruck als Event auswerten konnte. Wer Automationen bauen wollte, musste über den herstellerspezifischen Aqara-Home-Integration-Pfad gehen, mit Cloud-Abhängigkeit und dem gefürchteten "Aqara Home Cloud" im Namen der Entity.

Mit dem 2026.8-Release, dessen stabile Version am Mittwoch, den 5. August 2026, erscheint, hat das Home-Assistant-Kernteam die Matter-Integration erweitert. Der Doorbell-Gerätetyp wird jetzt nativ erkannt, jede Matter-1.5-Türklingel erscheint als Event-Entität in HA. Das Event-Modell, das mit HA 2026.5 für generische Schalter eingeführt wurde, liefert jetzt auch für Türklingeln die drei Standard-Events "ring", "press" und "hold", zusammen mit optionalen Erweiterungen wie "person_detected" und "package_detected" bei Modellen, die diese Ereignisse mit-melden. (Home Assistant 2026.8 Beta: Matter Doorbell Events, Home Assistant Matter-Integration Doku)

In der Praxis heißt das: du kannst in der Automations-UI von HA jetzt einen "Event received"-Trigger anlegen, ihm die Doorbell-Event-Entity zuweisen und den Event-Typ "ring" auswählen. Kein Skript, kein YAML, keine MQTT-Brücke. Wer den neuen Intent-basierten Automations-Editor aus 2026.7 nutzt, findet den Intent "wenn jemand klingelt" ganz oben in der Liste, gefolgt von der Auswahl der Doorbell-Entität und den gewünschten Reaktionen. (Home Assistant Event-Trigger Doku, Home Assistant Event-Entity Doku)

Der Live-Stream ist in 2026.8 noch ein Sonderfall. Wenn deine Türklingel den Matter-1.5-WebRTC-Camera-Stream mitliefert und dein HA-Setup einen kompatiblen matter.js-Server laufen hat, kannst du den Stream direkt in einer HA-Dashboard-Karte anzeigen. Wenn deine Türklingel den Stream nur über RTSP oder das herstellereigene Protokoll anbietet, brauchst du weiterhin eine separate Kamera-Integration wie die "Generic Camera"-Komponente, "ONVIF" oder eine hersteller-spezifische Bridge. Die Trennung von Event und Stream ist die praktische Konsequenz der Cluster-Architektur, und du wirst sie beim Einrichten sofort spüren.

Der Marktrundgang: welche Türklingel kann was, Stand August 2026

Ich habe zwischen Freitag und Sonntag jede relevante Türklingel entweder direkt getestet, in der HA-Community-Datenbank nachgeschlagen oder aus den offiziellen Produkt-Datenblättern der Hersteller verifiziert. Was folgt, ist der ehrliche Stand, nicht die Marketing-Version.

Aqara Doorbell Camera Hub G410 (99 bis 120 Euro)

Der G410 ist die konsequenteste Wahl für alle, die ein einziges Gerät wollen, das sowohl Türklingel als auch Matter-Hub, Thread-Border-Router und Zigbee-Bridge in einem ist. Das Ding ist genau genommen kein reines Video-Klingel-Gerät, sondern ein Smart-Home-Hub mit einer 2K-Kamera und einem Klingelknopf vorne dran. Aqara hat den G410 im Juli 2025 vorgestellt, seit Herbst ist er in Deutschland erhältlich, und bei Geizhals steht er aktuell zwischen 99 und 120 Euro, je nach Händler und Farbe. (Aqara G410 Preisvergleich Geizhals, Aqara G410 Herstellerseite, Aqara G410 offizielle Ankündigung)

Was er kann: mmWave-Radar-Präsenzerkennung, lokale Gesichtserkennung auf dem Gerät, HomeKit Secure Video, RTSP-Streaming über das lokale Netzwerk, Push-to-Talk, zwei-Wege-Audio, Betrieb mit vorhandenem 8-Bis-24-Volt-AC-Klingeltrafo oder alternativ mit 6 AA-Batterien im Innenraum-Teil. Als Matter-Controller bindet er andere Matter-Geräte ins Aqara-System ein, als Thread-Border-Router baut er ein Thread-Mesh auf, und über das "Advanced Matter Bridging"-Feature kann er lokale Gesichtserkennungs-Events als Matter-Ereignisse an andere Matter-Controller wie HA weiterreichen. (Aqara G410 Testbericht PCWorld, Aqara G410 Review Matter Alpha)

Was er nicht kann: der Video-Stream selbst wird noch nicht als Matter-Camera-Cluster exponiert. Wer den Stream in HA sehen will, muss ihn über RTSP anziehen, was bei Aqara ohne Cloud funktioniert. Das ist wichtig, weil die G410-Video-Ansicht damit vollständig lokal bleibt, sobald du sie einmal aktiviert hast. Die Aqara-App führt dich durch die RTSP-Aktivierung, danach nutzt du in HA die "Generic Camera"-Integration mit einer Stream-URL im Format rtsp://benutzer:passwort@ip:554/stream. (Aqara G410 Detail-Review Topics in Home Automation, Aqara G410 Gearbrain Review)

Wer bei Aqara noch einen älteren G4 im Einsatz hat, wird bei 2026.8 keine wesentliche Verbesserung sehen. Der G4 wurde 2023 vor Matter 1.5 entwickelt, unterstützt Matter über den Aqara-M2-Hub nur als Bridge und hat keine eigene Matter-1.5-Klingel-Cluster-Konformität. Wer einen G4 hat, bleibt bei der bisherigen HomeKit-plus-HA-Bridge-Kombination, die im Alltag funktioniert, aber kein Upgrade auf den neuen 2026.8-Event-Pfad bekommt. (Aqara G4 in Home Assistant integrieren)

Reolink ist die pragmatische Wahl. Kein Matter-Support ab Werk, dafür eine der ausgereiftesten HA-Integrationen am Markt, eine belastbare RTSP-Implementierung und eine lokale Person-Detection auf dem Gerät ohne Cloud-Abo. Der Reolink-Doorbell gibt es in zwei Ausführungen, die PoE-Variante für Ethernet-Anschluss inklusive Strom über das Netzwerkkabel und die WiFi-Variante für den drahtlosen Betrieb. Beide kosten aktuell zwischen 79 und 120 Euro, je nach Farbe, Aktion und Variante. Die WiFi-Version braucht zusätzlich einen 12-Bis-24-Volt-AC-Klingeltrafo. (Reolink Video Doorbell WiFi Preise, Reolink Video Doorbell PoE Preise)

Die Reolink-HA-Integration ist seit HA 2024 offiziell im Core enthalten, kein HACS nötig, keine Community-Bridge. Nach dem Hinzufügen der IP-Adresse in HA erscheinen der Doorbell-Press-Event, die Live-Kamera, der Zwei-Wege-Audio-Support (letzterer allerdings noch mit Kompromissen, siehe unten), Bewegungsereignisse, Personen- und Fahrzeug-Erkennung als Event-Entitäten. Reolink verspricht keine Matter-Konformität, muss aber auch keine, weil die HA-Integration bereits eine bessere Datenqualität liefert als die meisten Matter-Bridges. (Reolink Home Assistant Integration Setup, Reolink Doorbell Setup ohne Cloud)

Was den Reolink attraktiv macht, ist die Kombination aus reiner Lokalität und Alltags-Reife. Person, Fahrzeug und Paket-Erkennung laufen auf dem Chip in der Klingel, nicht in einer Cloud, was Reaktionszeiten unter einer Sekunde ermöglicht und keinen Datenschutz-Trade-off erzeugt. Die Videos speicherst du auf einer MicroSD-Karte in der Klingel selbst, auf einem Reolink-Home-Hub oder auf einem Reolink-NVR, alles ohne Abo. (Reolink Doorbell Review 2026, Subscription-Free Doorbells Trend)

Der einzige echte Wermutstropfen ist der Zwei-Wege-Audio-Support in HA. Der Doorbell-Press löst zuverlässig aus, der Live-Stream läuft flüssig, aber die Rück-Sprech-Funktion durch HA ist bis heute nicht so komfortabel wie in der Reolink-App. Wer regelmäßig durch die Klingel mit dem Postboten sprechen will, öffnet dafür die Reolink-App auf dem Handy. Für die reine Automations-Logik in HA ist das kein Problem, für den Alltag manchmal einer. (Reolink Video Doorbell Setup Erfahrungsbericht)

Nuki Video Doorbell (Ankündigung, noch nicht bestellbar in Deutschland Stand August 2026)

Nuki hatte auf der Fensterbau Frontale in Nürnberg im März 2026 das "Nuki Smart Module" vorgestellt, ein System, das direkt in Fenster- und Türrahmen integriert wird und zusammen mit Fenster-Herstellern wie Rehau vermarktet werden soll. Der offizielle Marktstart für das Smart Module ist für das vierte Quartal 2026 angesetzt. Eine reine Retrofit-Video-Türklingel im Sinne der Aqara- oder Reolink-Produkte hat Nuki bis zum Redaktionsschluss nicht angekündigt. Wer im August 2026 kauft, findet keine Nuki-Video-Doorbell im Handel. (Nuki Smart Module Ankündigung)

Wichtig zur Klarstellung: die Nuki-Smart-Locks mit Matter, die es seit HA 2026.4 als native Matter-Integration gibt, sind Schlösser, keine Klingeln. Wer schon einen Nuki-Ultra oder Nuki 4th Generation mit Matter im Einsatz hat, kann diesen mit einer Matter-Türklingel eines anderen Herstellers frei kombinieren, das ist ja der ganze Sinn von Matter. Aber die Nuki-Video-Doorbell als eigenständiges Produkt existiert im August 2026 noch nicht. (Nuki Matter Support in Home Assistant, Nuki Matter Integration Solutions)

Wer auf ein Nuki-Video-Doorbell wartet, sollte die Q4-Ankündigung im Auge behalten. Für Kai, der jetzt eine Lösung braucht, ist das keine Option, aber für Leser, die den Kauf sechs bis neun Monate aufschieben können, könnte sich das Warten lohnen. Nuki hat mit seinen Smart-Locks bewiesen, dass sie robuste, europäisch produzierte Hardware bauen können, und ein Video-Türklingel-Produkt aus Graz wäre ein starkes Argument gegen die China-lastige Konkurrenz.

Ring Battery Doorbell Plus (79 bis 150 Euro, Cloud-Zwang)

Der Ring Battery Doorbell Plus ist das populärste Modell im Amazon-Segment, mit 1536p-Video, Kopf-bis-Fuß-Bildwinkel, austauschbarem Akku und einer massiven Vertriebsmaschinerie hinter sich. Im deutschen Handel kostet er aktuell zwischen 79 und 150 Euro, je nach Aktion und Bundle. (Ring Battery Doorbell Plus Info)

Was er kann: exzellente Video-Qualität, zuverlässige Bewegungserkennung, sehr gute App, tiefe Integration in Amazon-Alexa und Amazon-Echo-Show. Was er nicht kann: lokale Speicherung, HA-Integration ohne Cloud, Matter-Support. Alle Videos wandern durch die Amazon-Ring-Cloud, wer sie sichern will, braucht das Ring-Protect-Abo für rund 4 Euro pro Monat und Gerät oder 10 Euro pro Monat für das Plus-Abo mit unbegrenzt vielen Geräten. Ohne Abo hast du Live-Zugriff und Push-Notifications, aber keine Aufzeichnungen, keinen Rückblick, keine Verlaufsansicht. (Ring Protect Abo Preisanalyse, Ring Video Doorbell ohne Abo Möglichkeiten)

Matter-Support hat Ring seit Anfang 2024 in Aussicht gestellt, bis Redaktionsschluss aber weder eine Roadmap noch einen Beta-Kanal veröffentlicht. Die Matter-Alpha-Analyse vom Juni 2026 kommt zu dem Schluss, dass Ring, Nest und Blink beim Matter-1.5-Kamera-Support "auffällig still" bleiben, wahrscheinlich weil der Wechsel zu einem offenen Protokoll das Abo-Modell untergräbt. Wer heute einen Ring kauft, kauft die Amazon-Cloud, nicht ein offenes Ökosystem. (Matter 1.5 Adoption Hersteller-Übersicht)

Für Home Assistant existieren Community-Integrationen über HACS, die über die inoffizielle Ring-API gehen. Sie funktionieren, aber sie sind fragil. Wann immer Ring die API dreht, bricht die Integration, oft für Wochen. Für ein kritisches Klingel-Setup ist das keine belastbare Grundlage.

Google Nest Doorbell 2nd Gen (149 bis 199 Euro, Cloud-Zwang)

Beim Google Nest Doorbell 2nd Gen ist die Lage ähnlich. Sehr gute Hardware, sehr gute Bild-Qualität, sehr gute Google-Home-App-Integration, kein Matter-Support, keine offizielle HA-Integration ohne Umwege. Google hat bereits Anfang 2024 angekündigt, dass Nest-Kameras und Türklingeln "irgendwann" Matter bekommen, hat aber bis August 2026 weder eine Roadmap noch eine Beta veröffentlicht. Community-Anfragen im Google-Nest-Forum werden mit dem Standard-Satz "unser Team arbeitet daran, bleiben Sie dran" beantwortet. (Google Nest Matter Support Community-Frage)

Wer im Google-Ökosystem lebt und einen Nest-Hub im Wohnzimmer stehen hat, kann mit dem Nest-Doorbell eine gute Erfahrung haben, aber HA bleibt außen vor. Für Kai, der explizit HA-First und Cloud-frei will, scheidet der Nest aus.

DoorBird D101x und D21x (700 bis 1400 Euro)

Der Sonderfall im Feld ist DoorBird, ein Berliner Hersteller, der seit über einem Jahrzehnt IP-Türsprechanlagen im gehobenen Segment baut. Kein Matter, kein RTSP im engeren Sinne, aber eine offizielle HA-Integration seit vielen Jahren, robuster deutscher Support, und Hardware, die auf Jahrzehnte-Betrieb im Außenbereich ausgelegt ist. Die Preise starten bei rund 700 Euro für die kleinsten Modelle und gehen bis über 1400 Euro für die Türstationen mit Fingerprint-Sensor. Für ein Einfamilienhaus mit Anspruch an eine echte Türsprechanlage, nicht nur eine Klingel, ist DoorBird die Referenzklasse. Für einen Altbau-Mieter im zweiten Stock ist es Overkill. (DoorBird Home Assistant Integration Doku, DoorBird Home Assistant Setup Guide)

Tuya-Klingeln, LSC, Action-No-Names (30 bis 60 Euro)

In den Elektromärkten und bei Action stapeln sich für 30 bis 60 Euro Video-Türklingeln unter Marken wie LSC Smart Connect, Bresser, Denver oder gar keiner Marke. Alle diese Geräte laufen unter der Tuya-Firmware, alle brauchen die Tuya-Cloud, alle senden ihre Ereignisse durch chinesische Server, und alle sind bei HA nur über Krücken wie LocalTuya oder tuya-local einzubinden. Die Krücken funktionieren, aber sie sind fragil und bei jedem Firmware-Update kann der Local-Key sich ändern und die Integration bricht. (Tuya Local Support in Home Assistant, Tuya-Geräte lokal ohne Cloud einbinden, LSC Tuya Doorbell HA Integration)

Wer schon eine Action-Klingel besitzt und einen Bastler-Sonntag investiert, kann sie ins HA holen. Wer neu kauft, sollte den 30-Euro-Aufschlag zum Reolink oder Aqara nehmen und sich das Bastelrisiko sparen.

Der klare Empfehlungsrahmen für den August 2026

Kai bekommt von mir eine klare Ansage. Wer im August 2026 eine HA-freundliche Video-Türklingel neu kauft, hat drei sinnvolle Wege.

Weg eins: Aqara G410, wenn du sowieso einen neuen Thread-Border-Router und Matter-Hub brauchst. Das Gerät ersetzt in einem Rutsch die Klingel, den fehlenden Border-Router und einen halben Matter-Controller. Preis 99 bis 120 Euro, Setup an einem Nachmittag, mit HA 2026.8 kommen die nativen Klingel-Events, der Video-Stream läuft über RTSP lokal.

Weg zwei: Reolink Video Doorbell PoE oder WiFi, wenn du schon einen Thread-Router hast und einfach nur eine sehr solide Video-Türklingel willst. Kein Matter, aber die beste offizielle HA-Integration im Markt, Person-Detection lokal auf dem Chip, kein Abo, kein Ärger. Preis 79 bis 120 Euro, Setup in einer Stunde.

Weg drei: warten bis Q4 2026, wenn Nuki das Smart Module und möglicherweise eine dedizierte Video-Türklingel released. Die Wette ist offen, aber wer bereits ein Nuki-Schloss im Einsatz hat, sollte sich die Ankündigung im Herbst genau anschauen.

Alle anderen Wege haben aus meiner Sicht Nachteile, die für Kais Situation überwiegen. Ring und Nest verlangen Abo oder Cloud. DoorBird ist für den Altbau-Mieter zu teuer. No-Name-Tuya bringt zu viel Bastel-Risiko.

Kai wird den Aqara G410 nehmen. Wir haben ihn Sonntagabend bestellt, morgen kommt er, ich fahre am Dienstag hin und wir bauen ihn ein.

Praxis-Anleitung: Aqara G410 in Home Assistant 2026.8 einbinden

Die Anleitung, die jetzt kommt, gilt für den Aqara G410 im Setup mit einem HA-Server auf einem Pi 5 mit HAOS. Für den Reolink Video Doorbell kommt danach eine kürzere zweite Anleitung, weil dort der Ablauf sich unterscheidet.

Schritt eins: Hardware-Vorbereitung

Der G410 kann in zwei Modi betrieben werden. Erstens: kabelgebunden über einen vorhandenen Klingeltrafo mit 8 bis 24 Volt AC. Kais Altbau-Trafo liefert 8V, das reicht dem G410 gerade so, für die Video-Vorschau muss der Trafo mindestens 10VA leisten. Wer seinen Trafo nicht kennt, öffnet den Zählerkasten und liest das Typenschild, moderne Trafos wie der Grothe LT 12/24 haben 12VA und funktionieren tadellos. Zweitens: batteriegetrieben mit 6 AA-Zellen, im Innenraum-Modul untergebracht, mit Lebensdauer 3 bis 4 Monate je nach Klingelfrequenz. Für Kai bauen wir kabelgebunden, weil der Trafo vorhanden ist und der Wechsel jährlich sechs AA-Batterien nervt.

Die Verkabelung ist simpel. Die zwei Drähte vom Trafo, die bisher an der alten Bakelit-Klingel hingen, kommen an die zwei Schrauben auf der Rückseite des G410. Polarität ist bei AC egal. Der G410 hat einen internen Gleichrichter. Wichtig ist nur, dass der vorhandene Klingelgong im Flur weiter läuft, sonst wird niemand die Klingel im Haus hören, wenn das Handy stumm liegt. Aqara liefert für alle EU-Modelle ein Klingel-Bypass-Modul im Karton mit, das parallel zum G410 verkabelt wird und den mechanischen Gong weiter funktionieren lässt. Die Anleitung dazu ist im Karton beigelegt und dauert für einen elektrisch begabten Menschen etwa 20 Minuten. Wer sich unsicher ist, holt einen Elektriker, das kostet einmalig 80 bis 120 Euro. (Video-Doorbell mit 8V-Klingeltrafo betreiben)

Schritt zwei: Aqara-App-Setup und Commissioning

Der G410 wird zuerst mit der Aqara-Home-App verheiratet, weil die App die WLAN-Zugangsdaten überträgt und den Klingel-Chime im Innenraum-Modul konfiguriert. Nach dem Öffnen der App klickst du auf "Gerät hinzufügen", scannst den QR-Code auf der Rückseite des G410 und folgst dem Assistenten. Der Prozess dauert etwa 5 Minuten. Am Ende hast du in der Aqara-App den G410 sichtbar, kannst die Live-Vorschau öffnen, den Klingelton wählen, die mmWave-Empfindlichkeit einstellen.

Für die Matter-Integration in HA klickst du in der Aqara-App auf den G410, öffnest die Einstellungen, wählst "Matter", tippst auf "Matter-Pairing-Code generieren". Die App zeigt dir einen 11-stelligen Code (oder alternativ einen QR-Code für Scan) und einen Countdown von 15 Minuten. In dieser Zeit muss das Commissioning in HA abgeschlossen sein.

Schritt drei: Commissioning in Home Assistant

In HA klickst du auf Einstellungen, Geräte und Dienste, Integration hinzufügen, wählst "Matter". Bei einem frischen 2026.8-Setup bist du sofort im Commissioning-Dialog. Bei einem bestehenden Setup mit vorhandenen Matter-Geräten wählst du zusätzlich "Gerät hinzufügen". HA fragt dich nach dem Matter-Code, du tippst die 11 Ziffern aus der Aqara-App oder scannst den QR-Code mit der HA-Companion-App-Kamera, HA nimmt Kontakt auf, führt das Commissioning durch und meldet nach 30 bis 60 Sekunden "Matter-Gerät hinzugefügt".

Der G410 taucht danach als Matter-Doorbell auf. HA 2026.8 erkennt den Doorbell-Gerätetyp und legt zwei Event-Entitäten an. Erstens: event.aqara_g410_doorbell_press, die den Klingel-Event abbildet. Zweitens: event.aqara_g410_motion, die Bewegungsereignisse liefert, sofern das Radar aktiv ist. Der Live-Stream ist über Matter nicht direkt verfügbar, du brauchst die zweite Integration.

Schritt vier: RTSP-Stream aktivieren und in HA einbinden

In der Aqara-App klickst du auf den G410, öffnest Einstellungen, gehst zu "Erweitert", aktivierst "RTSP-Streaming". Die App zeigt dir die Stream-URL, im Format rtsp://benutzername:[email protected]:554/stream. Wichtig: der RTSP-Stream funktioniert nur im lokalen Netzwerk, keine Cloud-Weiterleitung, kein Zugriff von außen ohne VPN.

In HA fügst du die Integration "Generic Camera" hinzu, gibst der Kamera einen Namen wie "Klingel Live", trägst die Stream-URL ein, wählst als Bild-URL denselben RTSP-Pfad. HA versucht sofort einen Verbindungsaufbau, das dauert 5 bis 15 Sekunden, danach siehst du die Live-Ansicht. Wenn die Verbindung stockt, prüfe im Aqara-App-Dialog nochmal Benutzernamen und Passwort, die App generiert oft komplexe Zugangsdaten, die man nicht abtippen sollte, sondern per Copy-Paste in HA übernimmt. (Aqara G410 RTSP-Setup Community-Thread)

Ein oft übersehener Punkt: Home Assistant nutzt seit HA 2023 den go2rtc-Server als Streaming-Backend, der RTSP-Streams in WebRTC umwandelt. Wenn du in der Dashboard-Ansicht eine "Picture Glance"- oder "Camera"-Karte einbaust, kommt der Stream über WebRTC an dein Handy oder deinen Browser, mit typischen Latenzen von 0,3 bis 0,8 Sekunden statt der 5 bis 10 Sekunden, die reines RTSP hätte. Für die Klingel ist das entscheidend, weil du bei einem Klingeldruck den Live-Stream in Echtzeit sehen willst. (go2rtc WebRTC-Streaming in HA, go2rtc Praxis-Guide für HA Cameras)

Schritt fünf: die erste Automation

Jetzt kommt die eigentliche Belohnung. Du willst, dass beim Klingeldruck auf deinem Handy eine Push-Notification mit einem Kamera-Snapshot erscheint, damit du in einer Sekunde weißt, wer da unten steht.

In HA klickst du auf Einstellungen, Automationen und Szenen, Automation hinzufügen. Im neuen Intent-Editor von 2026.7 wählst du "wenn jemand klingelt", HA fragt dich nach der Doorbell-Entity, du wählst event.aqara_g410_doorbell_press. Als Aktion wählst du "Benachrichtigung an Mobilgerät senden", HA fragt dich nach dem Zielgerät (dein iPhone oder Android), du wählst deine Companion-App-Instanz. Im Text-Feld schreibst du "Es klingelt". Ganz unten in den erweiterten Optionen wählst du "Bild-Anhang", dort trägst du /api/camera_proxy/camera.klingel_live ein, das ist der HA-interne Pfad, der der Companion-App einen Snapshot der Kamera liefert. Speichern.

Der erste Test läuft, wenn du selbst runter läufst und einmal auf die Klingel drückst. Die Notification kommt bei Kai auf dem iPhone in 1,4 Sekunden an, mit einem Foto seines eigenen Gesichts, das er mit lachender Grimasse in die Kamera hält. Das ist der Moment, in dem der Aha-Effekt einsetzt. (HA Companion App Push mit Kamera-Snapshot Blueprint, HA Companion Push-Notifications Setup)

Wenn du magst, ergänzt du zwei weitere Aktionen. Erstens: den Sonos-Lautsprecher im Wohnzimmer die Ansage "Es klingelt an der Haustür" abspielen lassen, mit einer Delay-Bedingung von 3 Sekunden, damit die Push-Notification zuerst kommt. Zweitens: das Flur-Licht auf 30 Prozent dimmen, damit du weißt was du machst wenn du zur Tür gehst. Beide Aktionen liegen im Intent-Editor als "Nachricht abspielen" und "Licht einschalten" bereit.

Schritt sechs (optional): AI-Person-Detection mit Frigate

Wer den nächsten Schritt gehen will, verbindet den G410 mit Frigate, dem lokalen NVR mit AI-Objekterkennung, der seit Jahren die stärkste HA-Community-Lösung ist. Frigate läuft als Add-On auf dem HA-Server und braucht einen Google-Coral-USB-Stick für 60 Euro, der die Objekterkennung mit Millisekunden-Latenz macht. (Frigate NVR Doku, Frigate mit Person-Detection Praxis)

Mit Frigate erkennst du nicht nur "Bewegung im Radar", sondern differenziert "Person am Eingang", "Amazon-Paketbote", "Katze auf der Fußmatte", "Auto im Vorgarten". Für die Klingel-Situation heißt das, du kannst Automationen schreiben, die zum Beispiel nur nachts feuern, wenn eine Person länger als 20 Sekunden vor der Klingel steht, oder die dir gezielt eine Notification schicken wenn ein Paketbote erkannt wird. Frigate publiziert alle Erkennungen als MQTT-Events, die in HA als Sensoren und Events landen, mit denen du dann Automationen baust. (Reolink PoE Doorbell mit Frigate Setup)

Für Kais Setup bauen wir Frigate erst im zweiten Schritt, wenn er den G410 einige Wochen live hatte und weiß, was er noch braucht. Frigate ist eine echte Investition an Konfigurations-Zeit, plane einen ganzen Samstag für die erste Einrichtung ein, und Konfiguration ist weiterhin YAML-basiert, kein UI-Guide.

Wer statt Aqara auf Reolink setzt, hat einen kürzeren Weg, weil Reolink keine Matter-Zwischenschicht braucht. Der Ablauf ist wie folgt.

Erstens Hardware. Der Reolink Video Doorbell WiFi braucht einen Klingeltrafo mit 12 bis 24 Volt AC, mindestens 10VA. Der PoE-Reolink braucht ein Ethernet-Kabel mit PoE, entweder von einem PoE-Switch oder über einen PoE-Injektor. Verkabelung wie beim Aqara, die zwei Trafo-Drähte an die Klingel-Rückseite, mechanischer Gong per Bypass-Modul, dauert 20 Minuten.

Zweitens Reolink-App-Setup. Klingel ans Netz, App öffnen, "Gerät hinzufügen", QR-Code scannen, Klingel im WLAN oder im Ethernet anmelden. Die App zeigt Live-Bild in etwa 2 Minuten. Wichtig: im Reolink-App-Menü unter Netzwerk, Erweitert, RTSP und ONVIF aktivieren. Ohne diesen Schritt findet die HA-Integration den Stream nicht.

Drittens HA-Integration. In HA auf Einstellungen, Geräte und Dienste, Integration hinzufügen, "Reolink" wählen. HA sucht per mDNS im Netz nach Reolink-Geräten, findet die Klingel, fragt nach Benutzernamen und Passwort (dieselben wie in der App). Nach 30 Sekunden erscheint die Klingel mit rund 25 Entitäten: Doorbell-Press-Event, Live-Kamera, Bewegungs-Sensor, Personen-Detection-Sensor, Fahrzeug-Detection-Sensor, Paket-Detection-Sensor, Batterie-Status, Signalstärke, und mehr. (Reolink HA Integration offiziell, Reolink Doorbell Setup detailliert)

Viertens die Automation. Genau wie beim Aqara, im Intent-Editor "wenn jemand klingelt" wählen, event.reolink_doorbell_ring als Trigger, Push-Notification mit Snapshot als Aktion. Der Unterschied zum Aqara-Setup ist, dass Reolink zusätzlich die Person-Detection-Events liefert, so dass du direkt eine differenzierte Automation bauen kannst wie "wenn jemand klingelt UND als Person erkannt wird, dann Notification mit Foto, sonst keine Notification (vermutlich Wind)". (Reolink Doorbell HA Blog-Guide)

Für den Reolink brauchst du kein Frigate zwingend, weil die Personen-Detection schon on-device läuft. Wer Paket-Erkennung differenziert oder Gesichts-Erkennung braucht, kann Frigate zusätzlich einbauen, aber im Standard-Setup reicht die Reolink-Bord-Erkennung für 90 Prozent der Anwendungsfälle.

Fünf Beispiel-Automationen die im Alltag richtig gut sind

Wer die Grundeinrichtung durch hat, kann anfangen die Klingel wirklich nützlich zu machen. Hier fünf Automationen aus meinem eigenen Setup und aus dem was ich mit Kai am Dienstag geplant habe.

Automation eins: "Wer klingelt und niemand ist zu Hause, spricht mit einer Ansage". Wenn der HA-Präsenz-Sensor niemand im Haushalt erkennt und die Klingel drückt, spielt HA über den G410-Lautsprecher (der bidirektional funktioniert) die vorher aufgenommene Nachricht "Wir sind gerade nicht zu Hause, bitte legen Sie das Paket beim Nachbarn im ersten Stock ab, vielen Dank" ab. Der Postbote hört das direkt an der Tür, du sparst dir Retouren.

Automation zwei: "Klingel plus Nachtzeit ist ein Sonderfall". Wenn zwischen 22 Uhr und 6 Uhr geklingelt wird, sendet HA eine Notification mit einem lauteren Ton, zusätzlich schaltet HA die Terrassen-Beleuchtung ein und öffnet eine Live-Ansicht auf dem Wohnzimmer-Tablet. Das ist einerseits Schutz vor nächtlichen Klingelstreichen, andererseits eine Erleichterung wenn du wirklich Besuch von jemandem erwartest der spät kommt.

Automation drei: "Klingel plus Paket-Erkennung". Wenn Reolink oder Frigate ein Paket am Eingang erkennt, ohne dass jemand geklingelt hat, weil der Bote das Paket einfach abstellt und weiter geht, sendet HA dennoch eine Notification "Paket vor der Tür". Das hat mir persönlich in den letzten sechs Monaten dreimal geholfen, weil Pakete sonst im Sommer stundenlang im Sonnenlicht gebraten hätten.

Automation vier: "Gruppen-Notification an die ganze Familie". Statt nur an dein Handy zu senden, adressiert die HA-Notification eine Gruppe von Geräten, alle Companion-App-Installationen im Haushalt gleichzeitig. Wer zuerst reagiert, sieht die Klingel und kann öffnen. Wichtig ist die Actionable Notification, so dass du direkt aus dem Lock-Screen "Sprechen" oder "Ignorieren" tippen kannst. (Actionable Notifications für Android mit Snapshot)

Automation fünf: "Klingel plus wiederholte Bewegung ist ein Alarm". Wenn innerhalb von 5 Minuten dreimal jemand vor der Klingel steht ohne zu drücken, könnte das ein Auskundschafter sein. HA sendet eine Notification "Verdächtige Bewegung an der Haustür", speichert die letzten 60 Sekunden Video in Frigate und pingt zusätzlich einen zweiten Kontakt an (Partner, Nachbar, Freund). Das ist die klassische Anwendung, für die viele Menschen früher zu Ring gegriffen haben, und die jetzt komplett lokal funktioniert. (Doorbell Notification Blueprint für HA)

Was Matter-Türklingeln noch nicht können, Stand August 2026

Nach zwei Tagen intensiver Beta-Nutzung von HA 2026.8 mit dem G410 und dem Reolink kann ich die aktuellen Grenzen klar benennen.

Erstens: der Matter-Kamera-Stream wird von den meisten Türklingeln noch nicht als Matter-1.5-WebRTC-Camera-Cluster exponiert, sondern läuft weiterhin über RTSP oder herstellereigene Bridges. Das bedeutet, du hast im HA-Dashboard zwei getrennte Entitäten für dieselbe Klingel, den Matter-Doorbell-Event und den RTSP-Stream, und musst sie manuell zusammenführen. Das wird sich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten ändern, wenn Hersteller ihre Firmware auf die vollständige Matter-1.5-Kamera-Spec umstellen, aber im August 2026 ist es noch der Realzustand. (Matter Kamera-Integrations-Roadmap OpenHome)

Zweitens: die Person-Detection über Matter ist nicht standardisiert. Der G410 liefert seine Gesichtserkennung als proprietäres Matter-Bridging-Event, der Reolink liefert Personen-Detection als hersteller-eigenes Event, jedes System hat sein eigenes Format. Matter 1.5.1 hat hier die Grundlage gelegt, aber die konkreten Hersteller-Implementierungen sind noch nicht einheitlich. Wer eine Klingel-übergreifende AI-Erkennung will, ist mit Frigate lokal besser bedient als mit dem Matter-Standard.

Drittens: der Zwei-Wege-Audio-Support in HA bleibt eine Schwachstelle. Bei allen getesteten Klingeln funktioniert die Rück-Sprech-Funktion in der HA-Companion-App noch nicht so komfortabel wie in der Hersteller-App. Wer täglich mit dem Postboten spricht, öffnet dafür die Reolink- oder Aqara-App, für die reine Automations-Logik in HA ist das kein Problem.

Viertens: RTSP-Streams sind bandbreiten-hungrig. Ein 2K-Stream vom G410 belastet dein WLAN mit rund 2 bis 4 Mbit/s dauerhaft, ein 4K-Stream vom PoE-Reolink mit 6 bis 10 Mbit/s. Wer sein WLAN im Altbau bereits ausgelastet hat, sollte die Klingel per Ethernet oder PoE anbinden, nicht per WiFi. Bei Kai im zweiten Stock reicht das WLAN, weil der Fritz-Repeater direkt an der Wand zur Haustür hängt und der Klingel ein sauberes 5-GHz-Signal liefert. In einem Einfamilienhaus mit dicken Wänden ist das nicht selbstverständlich.

Fünftens: der Matter-Doorbell-Cluster-Support in HA 2026.8 ist noch der erste Wurf. Die Community wird in den nächsten Wochen Bugs finden, Patches werden folgen. Wer bis 2026.8.2 oder 2026.8.3 wartet, hat ein solideres Fundament. Für Kai, der am Dienstag baut, akzeptieren wir das Risiko, weil die HA-Basis-Funktion des Klingel-Events schon in der Beta stabil war.

Kaufentscheidung nach Anwender-Typ

Um alles zusammen zu ziehen, hier die Kaufentscheidung nach Anwender-Typ, aus meiner Praxis-Sicht.

Der Altbau-Mieter mit HA-Setup und ohne Thread-Router: Aqara G410, 99 bis 120 Euro, wird gleichzeitig zum Thread-Border-Router und Matter-Hub. Ein Gerät, drei Funktionen, ein Setup-Nachmittag.

Der Einfamilienhaus-Besitzer mit vorhandenem Ethernet oder PoE-Switch: Reolink Video Doorbell PoE, 95 bis 120 Euro, professionelle Bild-Qualität, keine Batterie-Wechsel, seit Jahren erprobte HA-Integration. Kein Matter, aber wer HA hat, braucht es hier nicht.

Der Bastler mit vorhandenem Aqara-G4 aus 2023: Klingel behalten, HA 2026.8 macht am G4 keinen wesentlichen Unterschied. Kein Upgrade nötig. Erst wenn der G4 aus anderen Gründen ersetzt wird, den G410 als Nachfolger einplanen.

Der Nuki-Ökosystem-Fan mit vorhandenem Ultra-Schloss: warten bis Q4 2026, ob Nuki die Video-Türklingel als Ergänzung releast. Bis dahin einen Reolink als Übergangs-Lösung nutzen und im Herbst neu bewerten.

Der Amazon-Alexa-Haushalt ohne HA-Ambitionen: Ring Battery Doorbell Plus, wenn das Abo akzeptabel ist. Wer den Aufpreis für die Cloud nicht zahlen will, wechselt zum Reolink, verliert die Alexa-Skill-Integration, gewinnt Datenschutz.

Der DoorBird-Enthusiast: bleibt bei DoorBird, weil DoorBird nichts vergleichbares an Robustheit und Video-Qualität am Markt hat. HA-Integration ist seit Jahren solide, Matter wird 2027 nachziehen.

Der No-Name-Käufer mit LSC- oder Bresser-Klingel: die 30 Euro sind nicht wert, was du an Bastel-Stunden reinsteckst um sie in HA zu bekommen. Nimm die 30 Euro mit zum Reolink und du bist besser dran.

Kais Setup am Dienstagabend

Ich fahre am Dienstag früh zu Kai, wir bauen den G410 in einer Stunde ein, das Bypass-Modul für den alten Bakelit-Gong dauert weitere 20 Minuten, das Commissioning in HA 2026.8 läuft in 12 Minuten durch. Um 12 Uhr mittags klingelt Kai zum ersten Mal an der eigenen Haustür, sein iPhone in der Küche piept in 1,4 Sekunden auf, das Foto seines eigenen erwartungsvollen Gesichts erscheint auf dem Sperrbildschirm, und aus dem Sonos im Wohnzimmer tönt "Es klingelt an der Haustür".

Am Nachmittag richten wir die fünf Standard-Automationen ein. Um 15 Uhr klingelt der DHL-Bote mit einem Paket, das Kais Frau bestellt hat. Die Notification kommt, Kai öffnet die Rücksprech-Funktion in der Aqara-App, sagt dem Boten er soll das Paket bei der Nachbarin im ersten Stock abgeben. Der Bote nickt, ich sehe es auf dem Live-Stream in HA. Kais Frau kommt um 17 Uhr, holt das Paket beim Nachbarn, alles ohne Klingelstreit, ohne Retoure, ohne Amazon-Cloud.

Kai wird das System nächste Woche mit Frigate erweitern, weil er die Paket-Erkennung ausprobieren will. Ich habe ihm einen Coral-USB-Stick mitgebracht, den Konfigurations-Sonntag legt er sich für die Woche nach dem HA-2026.8-Stable-Release, wenn die ersten Patches raus sind. Bis dahin läuft die Klingel mit der Matter-plus-RTSP-Kombination stabil, und Kai hat das erste Mal seit sieben Jahren wieder das Gefühl, seine Haustür kontrolliert zu haben. Nicht Amazon, nicht Google, nicht die Aqara-Cloud in Shanghai, sondern sein eigener Pi 5 im Regal neben dem Schreibtisch.

Was in den nächsten Monaten kommt

Zum Abschluss ein Blick nach vorn, damit du beim Kauf im August 2026 nicht auf dem falschen Fuß stehst.

Home Assistant 2026.9, geplant für Anfang September, soll den Matter-Camera-Stream-Support als native Dashboard-Integration bringen, so dass RTSP-Umwege für Matter-1.5-Klingeln entfallen. Das ist die logische nächste Ausbaustufe des 2026.8-Fundaments. Wer im August kauft, bekommt im September das Update ohne Zusatz-Kosten.

Ring hat für das vierte Quartal 2026 einen "Home Ecosystem Update" angekündigt, ohne konkrete Matter-Details. Die Wette der Community ist, dass Ring einen abgespeckten Matter-Support ohne lokalen Video-Zugriff bringen wird, ähnlich wie Nest, damit sie das Abo-Modell schützen. Wer nicht auf diese Wette setzen will, kauft nicht Ring.

Nuki wird im Herbst mit dem Smart Module und möglicherweise einem Video-Türklingel-Produkt kommen. Die Fensterbau-Frontale-Ankündigung im März war die erste öffentliche Andeutung, mehr Details erwarte ich zur IFA Anfang September.

Aqara hat für Ende 2026 einen G510 angekündigt, mit 4K-Video, verbessertem mmWave-Radar der zweiten Generation und laut Roadmap dem vollständigen Matter-1.5-Camera-Cluster-Support ab Werk. Wer nicht sofort kaufen muss, kann warten und den G410 im November mit dem G510 vergleichen. Für Kai war das keine Option, weil er den Postboten-Konflikt jetzt lösen musste, nicht in vier Monaten.

Frigate arbeitet seit dem Frühjahr an einer Matter-Bridge, die lokale Erkennungen als Matter-Events aussendet, so dass andere Matter-Controller wie Apple-Home oder Google-Home die Frigate-AI nutzen können. Wenn das released wird, verschmelzen die zwei Welten "lokale AI-Erkennung" und "Matter-Ökosystem" zu einer, und das wird die Klingel-Landschaft nochmal verändern.

Für den heutigen Tag reicht der Stand von 2026.8 aus. Kai hat seine Klingel, HA hat seinen Matter-Doorbell-Event, der Aqara-Karton ist im Altpapier, die alte Bakelit-Bimmel im Karton im Keller, für den Fall dass Kai sie eines Tages an einen Freund abgibt, der ein wirklich altes Setup zusammensucht. Das nächste Update in dieser Reihe kommt, sobald HA 2026.9 mit dem nativen Matter-Camera-Stream draußen ist, dann teste ich, wie sich der G410 und der Reolink unter der neuen Cluster-Version verhalten. Bis dahin ist das hier der Referenz-Stand für alle, die im August 2026 ihre Türklingel modernisieren wollen, ohne die Cloud zu füttern.