Es gibt einen Moment beim Balkonkraftwerk-Speicher-Kauf, in dem sich die Marstek-Produktseite in einen Sudoku-Rätselblock verwandelt. Man sieht Venus E, Venus E 3.0, Venus A, Venus D, Jupiter C Plus, und dazu noch die C-Serie und den Smart Meter CT002. Die Datenblätter sehen fast identisch aus, die Preise unterscheiden sich um 200 bis 800 Euro, und die Produktseite versucht mit vier Farbcodes zu erklären, welches Modell für welches Setup gedacht ist. Nach zwanzig Minuten ist die Verwirrung so komplett, dass die Kaufentscheidung entweder auf das teuerste Modell fällt (weil das ja sicher das beste sein muss) oder auf das billigste (weil man das Prinzip nicht durchschaut).

Die Wahrheit ist, dass Marstek in den letzten anderthalb Jahren die Produktlinie stark ausdifferenziert hat, und die vier Hauptmodelle inzwischen für vier deutlich unterschiedliche Anwendungsfälle gedacht sind. Wer die Trennlinien versteht, erkennt in fünf Minuten, welches Modell zum eigenen Setup passt, und spart im Zweifelsfall dreistellige Beträge. Wer die Trennlinien nicht versteht, kauft im ungünstigsten Fall ein Modell, das mit dem eigenen Home-Assistant-Setup nur über einen zusätzlichen Modbus-Konverter kommunizieren kann, den kein Händler mitliefert, oder eine Kombination, die ohne Elektriker-Anschluss gar nicht in Betrieb gehen darf. Dieser Text geht die vier Modelle einzeln durch, erklärt für welches Setup jedes gedacht ist, was die Home-Assistant-Anbindung im Praxisalltag bedeutet und wo die zwei Fallen liegen, die in keinem Produktdatenblatt stehen.

Die Grundunterscheidung: AC-gekoppelt gegen DC-gekoppelt

Bevor die Modelle einzeln durchgegangen werden, gehört eine Sache an den Anfang, die die Marstek-Produktseite in einem einzigen Satz erledigt und die trotzdem der wichtigste Unterschied überhaupt ist. Marstek-Speicher gibt es in zwei technisch komplett unterschiedlichen Bauformen: AC-gekoppelt (Venus-Reihe) und DC-gekoppelt (Jupiter-Reihe).

Ein AC-gekoppelter Speicher hängt als eigenständiger Teilnehmer am 230-Volt-Netz des Hauses. Er hat einen eigenen Wechselrichter im Gehäuse, zieht Strom aus der Steckdose, wenn er lädt, und gibt Strom in die Steckdose ab, wenn er entlädt. Das eigentliche Balkonkraftwerk (also die Solarmodule und der Hoymiles- oder APsystems-Wechselrichter) läuft unverändert weiter, und die Marstek weiß gar nicht, aus welcher Quelle der Strom eigentlich kommt, den sie speichert. Sie speichert einfach Netzstrom, der durch die eigene Balkonkraftwerk-Einspeisung überschüssig wird und ins Netz fließen würde, wenn der Hausverbrauch gerade niedrig ist. Der Vorteil: Marstek Venus lässt sich in jedes bestehende Balkonkraftwerk-Setup nachrüsten, ohne dass am Wechselrichter oder an den Modulen etwas geändert werden muss. Der Nachteil: Es entstehen Umwandlungsverluste bei jedem Zyklus (DC zu AC am Hoymiles, AC zu DC am Marstek-Eingang, DC-Speicherung, DC zu AC am Marstek-Ausgang), die die Roundtrip-Effizienz von der reinen DC-Speicher-Ebene bei rund 93 Prozent auf realistische 75 Prozent am AC-Ausgang drücken, wie inselvolt.de in seinem Marstek-Vergleichsartikel explizit ausweist.

Ein DC-gekoppelter Speicher wie der Jupiter C Plus ersetzt den vorhandenen Wechselrichter. Die Solarmodule werden direkt an den Speicher angeschlossen, der aus dem DC-Strom entweder direkt die Batterie füllt oder über den integrierten Wechselrichter ins Hausnetz einspeist. Der Vorteil: keine unnötigen DC-AC-DC-Umwandlungen, dadurch spürbar bessere Effizienz, typischerweise 90 bis 92 Prozent Roundtrip. Der Nachteil: Ein DC-gekoppeltes System funktioniert nur bei einer Neuinstallation, weil das vorhandene Balkonkraftwerk komplett umgeklemmt werden muss. Wer schon einen Hoymiles besitzt, bekommt am Jupiter keine Freude, weil der Wechselrichter dann überflüssig wird und im Regal verstaubt. Für Neu-Einsteiger ohne bestehendes Balkonkraftwerk ist der Jupiter oft die bessere Wahl, für Nachrüster gibt es keine Alternative zur AC-gekoppelten Venus-Reihe.

Venus E: Das Einsteiger-Modell mit Elfin-Nachrüstpflicht

Die Venus E in der ersten Generation (auch Venus E v1 oder Venus E 2 genannt, je nach Marketingtext) ist das älteste Marstek-Modell in der aktuellen Produktlinie. Sie hat eine Kapazität von 5,12 kWh (später als 5,0 kWh ausgewiesen wegen der Nutzkapazität-Angabe), einen LiFePO4-Akku, 800 Watt Dauerausgangsleistung und ein IP65-Gehäuse in der klassischen dunkelgrauen Marstek-Optik. Der Preis liegt im Sommer 2026 zwischen 800 und 1100 Euro, je nach Aktion und Händler, was sie zum günstigsten Einstieg in die Marstek-Welt macht. Wer nur speichern will und die Home-Assistant-Integration egal ist, ist mit der Venus E gut bedient, weil sie über die Marstek-App und einen kompatiblen Smart Meter (Marstek CT002, Shelly Pro 3EM oder EcoTracker) im Auto-Modus zuverlässig läuft.

Der Haken für Home-Assistant-Nutzer: Die Venus E der ersten Generation hat kein natives Modbus-TCP-Interface. Der interne Modbus wird nur über RS485 herausgeführt, was für die Anbindung an Home Assistant einen externen RS485-zu-WLAN-Konverter erfordert, in der Regel einen Elfin-EW11 von Hi-Flying. Das Gerät kostet nochmal 25 bis 40 Euro, muss ans Marstek-RS485-Terminal angeschlossen werden (was das Gehäuse öffnen und ein zweiadriges Kabel legen erfordert) und braucht eine Konfiguration über Webinterface. Wer diese Bastel-Runde nicht machen will, kann die Venus E nur über die Cloud-basierte Marstek-App steuern und muss auf die Home-Assistant-Automatisierung verzichten. Das ist der Grund, warum die Marstek Venus Energy Manager Integration von ffunes auf GitHub den Elfin-EW11 in den Hardware-Voraussetzungen explizit für die v2 aufführt, während die neueren Modelle direkt per Ethernet verbunden werden können.

Venus E 3.0: Der aktuelle Standard für Home-Assistant-Nutzer

Die Venus E 3.0 (auch als Venus E v3 vermarktet) ist die Version, die Marstek seit Anfang 2026 als Hauptmodell vertreibt und die für Home-Assistant-Nutzer die richtige Wahl ist. Die Kapazität bleibt bei 5,12 kWh, die Dauerausgangsleistung bei 800 Watt (in Deutschland konform mit den 800-Watt-Balkonkraftwerk-Bestimmungen), aber der entscheidende Unterschied ist die integrierte Ethernet-Schnittstelle mit nativem Modbus TCP auf Port 502. Das heißt: Ein LAN-Kabel vom Router zur Marstek, die IP-Adresse im Router-Interface ablesen, in Home Assistant die ViperRNMC-Modbus-Integration installieren, IP eintragen und die Marstek-Entitäten erscheinen automatisch im Dashboard. Kein Elfin-Konverter, kein Gehäuse öffnen, kein Löten, keine Cloud-Abhängigkeit.

Der Aufpreis gegenüber der v1/v2 liegt bei 100 bis 200 Euro, je nach Händler. Die Straßenpreise für die Venus E 3.0 im Sommer 2026 bewegen sich zwischen 900 und 1300 Euro, mit einer aktuellen Bandbreite bei den bekannten Solar-Onlineshops (priwatt.de, inselvolt.de, apex-solar.de). Wer Home Assistant nutzt und Automatisierung will (etwa dynamisches Laden bei Netzbezug unter 15 Cent pro kWh, oder Force-Discharge in der Abendspitze zwischen 18 und 21 Uhr), sollte den Aufpreis zahlen. Der Ingmar-Retroblog-Artikel zur Marstek-Steuerung per Home Assistant über Modbus dokumentiert die Einrichtung an einer Venus E 3.0 mit RS485-Alternative-Anbindung und dem ViperRNMC-Custom-Repository, und beschreibt die Automation mit Blueprint für den Nullpunkt-Regelmodus, der aus der Marstek einen echten Überschuss-Speicher macht.

Venus A: Der 3-Phasen-Speicher für kleine Hausanlagen

Die Venus A ist Marsteks Schritt in das Segment oberhalb der reinen Balkonkraftwerk-Speicherung. Sie hat einen 3-phasigen Ausgang statt der einphasigen 800-Watt-Schuko-Buchse der Venus E, kann bis zu 3600 Watt entladen (im Premium-Modus mit Elektriker-Anmeldung) und ist damit für kleine Hausanlagen bis etwa 3 kWp Modulleistung gedacht, die keinen echten Hybrid-Wechselrichter haben. Die Kapazität liegt bei 10 kWh in der Standardversion, erweiterbar über Slave-Module. Der Preis ist mit 2500 bis 3500 Euro deutlich höher als bei der Venus E, was den 3-Phasen-Wechselrichter, die höhere Ausgangsleistung und die größere Kapazität rechtfertigt.

Für Home-Assistant-Nutzer relevant: Die Venus A hat wie die E 3.0 native Modbus-TCP-Unterstützung über Ethernet und wird von den beiden führenden Community-Integrationen (ffunes und ViperRNMC) direkt unterstützt. Die verfügbaren Entitäten sind zahlreicher als bei der Venus E, weil das 3-Phasen-System pro Phase eigene Sensoren für Spannung, Stromstärke, Wirkleistung und Blindleistung liefert. Die Automatisierungs-Möglichkeiten reichen entsprechend weiter. Der Haken: Für den 3-Phasen-Anschluss braucht es zwingend einen Elektriker mit Netzbetreiber-Anmeldung, und in einer Mietwohnung ist die Installation praktisch nicht möglich. Die Venus A ist damit ein Eigenheim-Speicher, nicht mehr die klassische Plug-in-Lösung.

Jupiter C Plus: Das DC-gekoppelte Komplettsystem für Neu-Einsteiger

Der Jupiter C Plus ist Marsteks Antwort auf die Frage: Was, wenn ich noch kein Balkonkraftwerk habe und direkt mit einem integrierten Speichersystem einsteigen will? Die Basiseinheit kombiniert einen 2,5-kWh-Speicher mit vier MPPT-Trackern für Solarmodule, sodass PV-Module direkt an den Speicher angeschlossen werden können, ohne separaten Wechselrichter. Das System ist um drei weitere 2,5-kWh-Module auf bis zu 10 kWh Gesamtkapazität erweiterbar, die maximale Modulleistung liegt bei 2400 Watt DC, was zwei bis vier Standardmodulen entspricht.

Der Jupiter ist damit die einzige echte Neu-Einsteiger-Lösung im Marstek-Portfolio: ein einzelnes Gerät, an das Sonnenkollektoren, das Hausnetz und optional ein Smart Meter angeschlossen werden. Der Preis für die 2,5-kWh-Basiseinheit liegt bei 1400 bis 1800 Euro, was pro kWh teurer ist als die Venus E, aber den integrierten Wechselrichter und die vier MPPT-Tracker mitbezahlt. Die Home-Assistant-Anbindung erfolgt wie bei der Venus E 3.0 über native Modbus TCP am Ethernet-Port, mit den gleichen Integrationen. Der Haken: Wer bereits ein Balkonkraftwerk hat, kauft mit dem Jupiter einen Wechselrichter, den er nicht mehr braucht, und zahlt entsprechend drauf. Für diesen Anwendungsfall bleibt die Venus E 3.0 die richtige Wahl.

Die zwei Fallen, die niemand vor dem Kauf erwähnt

Falle Nummer eins: Der Home Assistant Modbus Port wird auf einigen Marstek-Chargen erst nach einem Firmware-Update freigeschaltet. Die Marstek-Firmware wird über die Cloud-App verteilt, was heißt: Wer die Marstek gekauft und nur lokal ins Netzwerk eingebunden hat, ohne die App zu benutzen, bekommt möglicherweise nicht die aktuelle Firmware und hat einen Modbus-Port, der noch die alten Register-Layouts spricht oder ganz geschlossen ist. Die Lösung ist unangenehm: einmal die Marstek-App auf dem Smartphone installieren, das Gerät einmalig damit koppeln, Firmware-Update anstoßen (was einen Marstek-Cloud-Account erfordert), und dann die App wieder ignorieren. Ohne diesen einmaligen Cloud-Kontakt bleibt der native Modbus TCP auf einigen Geräten unerreichbar. Das ist eine bemerkenswert unelegante Konstruktion, die die Cloud-freie Home-Assistant-Steuerung im Grunde konterkariert, aber praktisch ist es der Weg.

Falle Nummer zwei: Die 800-Watt-Ausgangsleistung ist in Deutschland ein regulatorischer Deckel, kein technischer. Die Marstek Venus E und E 3.0 können in ihrer Hardware bis zu 2500 Watt am Schuko-Ausgang liefern, sind aber in der deutschen Firmware-Version auf 800 Watt gedeckelt, um die aktuellen Balkonkraftwerk-Bestimmungen einzuhalten. Wer den Premium-Modus in der App aktiviert, kann die Ausgangsleistung auf 2500 Watt hochsetzen. Rechtlich ist das nur dann sauber, wenn ein Elektriker die Marstek als Speicher-System beim Netzbetreiber angemeldet hat und die Wohnungs-Elektrik den erhöhten Strom sicher abführen kann, was bei einer normalen Schuko-Steckdose mit 10-Ampere-Absicherung typischerweise nicht der Fall ist. In der Praxis läuft dennoch eine signifikante Zahl von Marstek-Geräten mit inoffiziell aktiviertem Premium-Modus im 2500-Watt-Betrieb, was im Schadensfall (Kabelbrand durch Überlast) allerdings zu Regress-Ansprüchen der Versicherung führen kann. Wer sichergehen will, lässt es bei den 800 Watt und plant lieber einen zweiten Speicher.

Was zu tun ist

Für Nachrüster mit bestehendem Balkonkraftwerk und Home-Assistant-Setup ist die Venus E 3.0 die richtige Wahl. Der Aufpreis gegenüber der v1/v2 ist gerechtfertigt, weil die native Modbus-TCP-Anbindung die Home-Assistant-Integration zu einer Angelegenheit von zehn Minuten macht und keine Bastel-Hardware zusätzlich benötigt wird. Wer bereits eine Venus E v1 besitzt und Home Assistant nachrüsten will, kommt um den Elfin-EW11-Konverter und das Öffnen des Gehäuses nicht herum, sollte sich aber vorher fragen, ob der Verkauf der v1 und der Neukauf einer v3 wirtschaftlich nicht die einfachere Lösung ist. Für Neu-Einsteiger ohne bestehende PV-Anlage ist der Jupiter C Plus die integrierte Komplettlösung, die die Anschaffung eines separaten Wechselrichters spart und effizienter arbeitet. Wer bereits ein Einfamilienhaus mit kleiner PV-Anlage betreibt und einen 3-Phasen-Speicher braucht, ist mit der Venus A gut bedient, muss aber Elektriker und Netzbetreiber-Anmeldung einplanen und liegt bei den Gesamtkosten eher bei 3500 bis 4500 Euro inklusive Installation.

Was in keinem Fall zusammenpasst: Eine Marstek Venus E v1 in Kombination mit einem cloudfreien Home-Assistant-Setup ohne Elfin-Konverter. Und ein Jupiter C Plus zusätzlich zu einem bereits vorhandenen Hoymiles-Wechselrichter. Wer diese Kombinationen im Warenkorb hat, sollte nochmal überlegen und im Zweifel bei einem Marstek-Händler mit ehrlicher Beratung (inselvolt.de und priwatt.de sind hier positiv aufgefallen) die Sinnhaftigkeit prüfen lassen. Die Ersparnis ist im Zweifelsfall dreistellig, und die spätere Frustration deutlich geringer.

Wer die Details zur Home-Assistant-Anbindung der Venus E 3.0 nachlesen will, findet im Praxisbericht zur Marstek Venus E in Home Assistant den Aufbau am konkreten Familienfall inklusive Nullpunkt-Regelmodus und dynamischer Ladeschwelle.