Andi aus Augsburg-Pfersee, Anfang vierzig, Elektroniker in einem Prüflaborbetrieb, hatte sich in den letzten drei Jahren ein Home Assistant aufgebaut, das ich beim ersten Besuch fast beneidet habe. Zwei Fritzboxen im Mesh, ein Sonoff-Zigbee-Coordinator, 42 Zigbee-Geräte, vier Shellys an den Heizkreisen, ein InfluxDB-Container für Langzeitdaten seit Frühjahr 2023, ein Grafana-Dashboard mit sieben Panels und einer Wärmepumpen-Auswertung, die eine Fachfirma nicht besser hätte bauen können. Am Sonntag Ende Juni, gegen 22 Uhr, meldet sich der Pi 4 mit einem gefrorenen Dashboard. Andi schaltet ihn aus, wieder ein, und der Pi bootet nicht mehr. Die rote LED bleibt an, die grüne blinkt in einem Muster, das jeder Pi-Besitzer kennt und fürchtet. SD-Karten-Crash. Die SanDisk Ultra 32 GB, die er 2022 gekauft hatte, war nach knapp drei Jahren Dauerbetrieb schreib-tot. Sein letztes Backup lag auf der gleichen Karte, weil der Wechseljob im Job dazwischengekommen war und "das mit dem Cloud-Backup" seit dem Umzug im Herbst 2025 in der Todo-Liste versauerte. Vier Wochen Rebuild folgten. Automations aus dem Kopf, Grafana aus Screenshots im Handy, InfluxDB komplett weg, alle Verlaufsdaten seit 2023 verloren.
Am 4. Juli, drei Tage nach Release der 2026.7, saßen wir zu zweit vor seinem neuen Pi 5 mit frischer Samsung-Pro-Endurance-Karte, und er wollte diesmal alles richtig machen. Ich habe ihm die neue native Dropbox-Backup-Integration eingerichtet, die mit 2026.7 in den Kern gewandert ist. Drei Minuten später lief das erste verschlüsselte Full-Backup in einen Ordner in seiner Dropbox. Seitdem, mit Stand heute, läuft jede Nacht um 4 Uhr ein automatisches Full-Backup, die Retention behält zehn Snapshots, und das ganze System kostet ihn keinen einzigen Cent extra, weil er die freien 2 GB des Dropbox-Basic-Plans nutzt und ein Backup bei ihm rund 180 MB groß ist. Das hier ist der Praxis-Ratgeber, wie du das gleiche Setup in unter zehn Minuten hinbekommst, was das Backup enthält, was es nicht enthält, wie du es sinnvoll testest und warum du dir die 7,50 Euro pro Monat für Home Assistant Cloud sparen kannst, wenn dein einziges Anliegen die Sicherung ist. (Home Assistant 2026.7 Release-Blog)
Warum Cloud-Backup nicht optional ist
Wer Home Assistant auf einer SD-Karte am Raspberry Pi laufen lässt, betreibt seine Automation auf einem Speichermedium, das nicht für Dauerschreiben gemacht ist. Consumer-SD-Karten halten im HA-Alltag im Schnitt zwei bis vier Jahre. Der Ausfall ist keine Frage des Ob, sondern des Wann, und er kommt in aller Regel ohne Vorwarnung. Die Home-Assistant-Community empfiehlt seit Jahren, den Ausfall der Karte als sicheres Ereignis zu planen und mindestens eine automatische Off-Device-Sicherung vorzuhalten. (Home Assistant Backup and Restore Guide, HomeShift 2026) Ein Backup, das auf der gleichen Karte liegt, stirbt mit ihr, das ist die traurigste Erkenntnis, die viele Nutzer nach dem ersten Crash mitnehmen. (Home Assistant Backup and Disaster Recovery Guide 2026, Home Automation Smart Home)
Die empfohlene Standard-Regel lautet: eine lokale Kopie plus eine Off-Site-Kopie, mindestens täglich, verschlüsselt. Wer die Regel einhält, ist gegen etwa 90 Prozent der realen Ausfall-Szenarien geschützt, darunter SD-Karten-Tod, versehentliches Löschen einer Automation, defektes Update, gestohlener Pi, Wasserschaden im Serverschrank und Ransomware auf dem NAS. Wer die Regel nicht einhält, riskiert genau das, was Andi erlebt hat: Wochen an Wiederaufbau, verlorene Historie, verlorenes Vertrauen der Familie in die Automation, weil die Rollos nicht mehr hochfahren.
Bis Home Assistant 2026.7 war der Weg zum Cloud-Backup entweder ein Community-Add-On oder eine Custom-Integration aus HACS. Die verbreitetste Lösung war das Google-Drive-Backup-Add-On von Sabeechen, das nach eigenen Angaben rund 100.000 Nutzer weltweit hat und seit 2019 gepflegt wird. (hassio-google-drive-backup auf GitHub, sabeechen) Für Dropbox gab es zwei bekannte Custom-Integrationen, eine von Jason Wragg für die HA Backup Agents API und eine ältere von Peter Lindeman als Sync-Skript. (HA-Dropbox-Backup auf GitHub, jasonwragg) Beide funktionierten, waren aber Custom-Code, mussten manuell installiert werden und hatten die typischen Reibungspunkte von HACS-Komponenten bei Restore-Vorgängen. (HACS Data and Backup Doku)
Mit 2026.7 hat Nabu Casa die Dropbox-Anbindung in den Kern gezogen. Die native Integration nutzt das Home-Assistant-Cloud-Account-Linking, läuft aber ohne HA-Cloud-Abo, und sie klinkt sich als Backup-Agent in den seit 2025.1 stabilen Backup-Agents-API ein. (Home Assistant Dropbox Integration Doku) Wer bisher das Custom-Repository von Jason Wragg nutzte, kann es nach dem Update deinstallieren und den Umzug in einem Rutsch machen, die Snapshots bleiben in der Dropbox liegen und werden von der neuen Integration erkannt.
Der Backup-Baukasten in Home Assistant, mit ehrlicher Einordnung
Bevor du blindlings die Dropbox-Variante nimmst, ein Überblick über die fünf realistischen Optionen im Sommer 2026, damit du weißt, warum ich dir zu Dropbox rate.
Erstens: der manuelle Snapshot-Download. Du klickst in HA auf Einstellungen, System, Sicherungen, erstellst eine neue Sicherung, lädst die .tar-Datei auf deinen PC und legst sie in einen Ordner deiner Wahl. Funktioniert immer, kostet nichts, taugt aber nur als Notlösung, weil du es garantiert vergisst sobald du zwei Wochen im Urlaub bist. Wer sich auf manuelle Backups verlässt, hat kein Backup, das ist die harte Wahrheit. Zweitens: das Google-Drive-Backup-Add-On von Sabeechen. Der Klassiker, seit sieben Jahren gepflegt, sehr breit im Einsatz, gute Notifications, saubere Retention-Logik. (Google Drive Backup Add-On Community-Thread) Der Nachteil: es ist ein Community-Add-On, du hängst an einem einzelnen Entwickler, und der Free-Space bei Google Drive schrumpft bei vielen Nutzern seit 2024 weil auch Fotos, Docs und Gmail den gleichen 15-GB-Topf teilen. Drittens: Home Assistant Cloud, das Abo-Angebot von Nabu Casa. Aktuell 7,50 Euro pro Monat oder 80 Euro im Jahr. (Home Assistant Cloud Preise, Nabu Casa) Das Backup ist im Abo enthalten, du zahlst aber vor allem für den Remote-Access, Alexa- und Google-Assistant-Anbindung, sowie TTS und STT. Wenn du diese Features ohnehin nutzt, ist Home Assistant Cloud die bequemste Wahl. Wenn du nur ein Backup willst, zahlst du den großen Teil deiner Gebühr für Dinge, die du nicht brauchst. Viertens: self-hosted, über Samba oder Nextcloud oder S3. Für NAS-Besitzer die technisch sauberste Variante, weil die Daten das Haus nie verlassen. Aber ein NAS im gleichen Serverschrank ist kein Off-Site-Backup, ein Wasserschaden trifft beides gleichzeitig. Wer einen Nextcloud-Container beim Bruder in der Stadt oder in einem Hetzner-Rechenzentrum stehen hat, hat die technisch beste Lösung, muss aber Wartung und Uptime selbst tragen. Fünftens: seit 2026.7 die native Dropbox-Backup-Integration. Genau die Lücke zwischen "kostet nichts, ist unbequem" und "kostet 90 Euro im Jahr, kann viel mehr als Backup". Basic-Konto bei Dropbox reicht für typische HAOS-Setups aus, weil die 2 GB Free-Storage etwa 8 bis 12 Backups mit typischen 180 MB fassen. Familie-Plan bringt 2 TB für 16,99 US-Dollar pro Monat, geteilt auf bis zu sechs Konten, wenn du dir ihn mit der Familie teilst kostet dich das persönlich unter 3 US-Dollar im Monat. (Dropbox Family Plan Overview, Dropbox Help) Für die klassische HA-Einzelnutzung kommst du oft komplett kostenlos aus.Warum ich Dropbox der Google-Variante vorziehe
Ich habe beide Lösungen über Monate parallel bei Freunden im Einsatz begleitet und wenn ich ehrlich sein soll, entscheide ich mich für die Dropbox-Variante aus drei nüchternen Gründen.
Erstens, die 2 GB Free-Speicher bei Dropbox sind exklusiv für Dateien. Bei Google Drive teilen sich Fotos, Gmail-Anhänge und Docs die gleichen 15 GB, und der Speicher ist bei vielen Nutzern schon voll, bevor das Backup überhaupt anläuft. Wer einmal die Warnung bekommen hat, dass sein Postfach nichts mehr empfangen kann, weil das HA-Backup die letzten drei Gigabyte gefressen hat, macht diesen Fehler kein zweites Mal.
Zweitens, die Retention-Logik. Bei Dropbox löschst du im Zweifel eine ganze Backup-Datei und der Speicher wird sofort frei. Bei Google Drive musst du den Papierkorb zusätzlich leeren, sonst zählen die gelöschten Dateien noch 30 Tage gegen dein Kontingent. In der Praxis führt das dazu, dass Nutzer mit vollen Google-Accounts pl%ötzlich keine neuen Backups mehr hochladen können, obwohl die Retention-Regel eigentlich alte gelöscht hat.
Drittens, der Familie-Plan von Dropbox ist ein realer Preis-Killer, wenn im Haushalt mehrere Personen ohnehin Cloud-Speicher brauchen. 16,99 US-Dollar für 2 TB, geteilt auf bis zu sechs Konten, mit einem gemeinsamen Family-Room-Ordner und getrennten Personal-Ordnern. (Dropbox Family Plan, Dropbox Ressourcen) Google One fängt beim vergleichbaren 2-TB-Plan bei 9,99 US-Dollar an, hat aber weniger Familien-Feinsteuerung und die oben erwahnte Speicher-Überlagerung mit Gmail und Fotos.
Wer Nabu Casa aus prinzipiellen Gründen unterstützen will, weil das Team dahinter Home Assistant als Open Source finanziert, hat einen komplett anderen Blickwinkel und den akzeptiere ich sofort. Für alle anderen ist Dropbox der pragmatisch beste Weg im Sommer 2026. Und die Ironie dabei: Die Nabu-Casa-Backend-Infrastruktur wird im Hintergrund trotzdem für die Dropbox-Autorisierung genutzt, weil das Account-Linking über ihre Server läuft. Du bekommst also indirekt einen Teil ihrer Arbeit gratis geliefert.
Schritt für Schritt: Setup in drei Minuten
Bei Andi lief das Setup in exakt zwei Minuten und 48 Sekunden. Ich habe mitgestoppt, weil ich es für den Artikel wissen wollte. Hier ist die Reihenfolge, die du am eigenen Pi einmal am Stück durchgehen kannst.
Schritt eins: HA-Cloud-Konto erstellen oder einloggen. Auch wenn du Home Assistant Cloud nicht abonnierst, brauchst du für die Dropbox-Anbindung ein Nabu-Casa-Konto, weil das Account-Linking dort läuft. Der Free-Zugang reicht. Klicke auf Einstellungen, Home Assistant Cloud, dann auf Konto erstellen, gib eine E-Mail-Adresse und ein Passwort ein, bestätige die Mail. Wer schon ein HA-Cloud-Konto hat, meldet sich einfach an. Schritt zwei: Dropbox-Integration hinzufügen. Einstellungen, Geräte und Dienste, unten rechts auf Integration hinzufügen, tippe "Dropbox" ein. Der neue native Eintrag erscheint ganz oben. Klick drauf, ein Browserfenster öffnet sich, du wirst auf dropbox.com weitergeleitet, meldest dich mit deinem Dropbox-Konto an und erlaubst Home Assistant den Zugriff. Nach dem Redirect zurück ins HA-Dashboard bestätigst du die Verknüpfung und die Integration ist eingerichtet. Schritt drei: Dropbox als Backup-Ziel setzen. Einstellungen, System, Sicherungen. Oben rechts auf die drei Punkte, dann "Automatische Sicherungen". Im Aufklapp-Feld "Speicherorte" siehst du jetzt eine Checkbox für Dropbox neben der bereits vorhandenen für den lokalen Speicher. Beide anhaken, sodass jede automatische Sicherung parallel lokal und in die Dropbox geschrieben wird. Schritt vier: Zeitplan und Retention konfigurieren. Auf der gleichen Seite wählst du die Frequenz. In der Praxis empfehle ich täglich, weil ein Tag Verlust die Schmerzgrenze für die meisten Setups ist. Bei der Retention setzt du "Zu behaltende Sicherungen" auf zehn, das gibt dir eine Tagesserie von zehn Tagen plus die Sicherheit, dass ein kaputter Snapshot nicht die ganze Kette torpediert. Als Startzeit ist 4 Uhr morgens erprobt, weil dann nichts mehr aufzeichnet oder synchronisiert und die Datenbank am ruhigsten ist. Schritt fünf: Verschlüsselung aktivieren. Ganz unten auf der Konfigurationsseite findest du das Feld "Verschlüsselung". Aktiviere es und lasse HA ein Passwort erzeugen oder tippe eines ein, das du dir sicher notieren kannst. Klick sofort auf "Notfall-Kit herunterladen" und speichere die Datei auf einem USB-Stick, in deinem Passwortmanager und in einer Papierkopie im Bankschließfach. Ohne dieses Passwort kannst du im Ernstfall dein Backup nicht wieder einspielen. Nabu Casa speichert das Passwort nicht und kann bei Verlust auch nicht helfen. (Backup Emergency Kit Doku, Home Assistant)Fertig. Bei Andi hat der erste manuelle Test-Backup-Lauf 4 Minuten und 20 Sekunden gebraucht, der Upload in die Dropbox weitere 2 Minuten für die 180 MB. Am nächsten Morgen um 4 Uhr lief der erste automatische Durchgang, und seitdem meldet der System-Health-Sensor jeden Tag zuverlässig "Sicherung erfolgreich".
Was in einem HA-Backup drin ist und was nicht
Das ist der Abschnitt, bei dem viele Nutzer böse überrascht werden, wenn es zum Restore kommt. Ein HA-Full-Backup enthält genau folgende Bereiche.
Enthalten sind: die komplette configuration.yaml und alle YAML-Dateien in deinem Config-Ordner, alle Integrationen mit ihren Zustandsdaten aus der .storage-Verzeichnisstruktur, sämtliche Automations, Skripte und Szenen, alle Dashboards inklusive Lovelace-Konfigurationen, die Person- und User-Datenbank, die Add-On-Konfigurationen und optional die Add-On-Daten, die HACS-Custom-Components mit ihren Repository-Metadaten, und die Recorder-Datenbank in der Standardkonfiguration mit SQLite oder mit MariaDB im Add-On-Container. Nicht enthalten sind: externe MariaDB-Container außerhalb der HA-Supervisor-Umgebung, InfluxDB in einem separaten Docker-Container, alle Grafana-Dashboards falls Grafana extern läuft, Node-RED-Flows werden zwar durch das Add-On mitgesichert, aber die flows.json und die zugehörige flows_cred.json solltest du zusätzlich manuell exportieren, weil Restore-Probleme bei Node-RED historisch immer wieder auftreten, (Node-RED Backup Diskussion, HA Community) Docker-Volumes außerhalb der HA-Struktur, ESPHome-Firmware auf den Geräten selbst, Kamera-Aufzeichnungen in Frigate falls Frigate extern läuft, und alle Daten aus HACS-Custom-Repositories, die nicht über die Standard-API kommen.Bei Andi war das die große Erkenntnis nach dem Crash. Sein InfluxDB lief in einem separaten Docker-Compose-Container auf dem gleichen Pi, aber außerhalb des HA-Supervisors. Das Backup hatte den Container niemals mitgesichert. Die zwei Jahre Wärmepumpen-Daten waren komplett weg, weil er dachte, das Full-Backup deckt alles ab. Wir haben seit dem 4. Juli InfluxDB entweder in den HA-Supervisor als offizielles Add-On überführt, damit es in die Sicherung wandert, oder einen separaten Backup-Cron für den InfluxDB-Container aufgesetzt, der die Datenbank täglich nach S3 kippt. Bei Andi wurde es Variante eins, weil sie einfacher ist.
Auch HACS-Custom-Components sind ein bekanntes Problemthema beim Restore. Offiziell sind sie im Backup enthalten und werden korrekt restauriert. In der Praxis melden Nutzer immer wieder, dass nach einem Full-Restore der custom_components-Ordner fehlt oder HACS als deaktiviert markiert wird. (HACS Restore Issues auf GitHub, Issue 2195) Wer viel mit HACS arbeitet, sollte nach jedem Restore-Test einmal in Settings, Add-Ons, HACS gehen und prüfen, ob alle Custom-Komponenten wieder erscheinen. Wenn nicht, hilft in fast allen Fällen ein neues Installieren aus dem HACS-Repository, weil die Konfigurationsdaten intakt sind, nur der Code-Ordner fehlt.
Der Wiederherstellungs-Test, den keiner macht und den du machen musst
Das ist der Abschnitt, den ich am liebsten in Blockschrift schreiben würde. Ein Backup, das nie getestet wurde, ist kein Backup. Es ist eine Hoffnung. Und Hoffnung ist keine Strategie. Die HA-Community empfiehlt seit Jahren, den Restore-Vorgang mindestens einmal jährlich auf einer separaten Testumgebung durchzuspielen, damit du im Ernstfall nicht das erste Mal erlebst, ob alles klappt. (Restore Test Diskussion, HA Community 2026)
So gehst du in unter einer Stunde vor. Nimm eine zweite SD-Karte, mindestens 32 GB, im Idealfall die gleiche Größe wie deine Produktivkarte. Flashe darauf die aktuelle Home-Assistant-OS-Version mit dem Raspberry Pi Imager. Steck den Pi aus, tausche die Karte, boote den Pi neu. Er meldet sich mit dem Onboarding-Bildschirm und fragt dich, ob du eine neue Installation oder eine Wiederherstellung aus einem Backup willst. Wähle Wiederherstellung, gehe im nächsten Bildschirm auf "Aus Cloud", wähle Dropbox, melde dich mit dem gleichen Nabu-Casa-Konto an und die Liste deiner Snapshots erscheint. Wähle den jüngsten, gib dein Backup-Passwort ein, klick Wiederherstellen.
Der Vorgang dauert bei einem typischen HAOS-Setup mit 180 MB Backup rund 15 bis 25 Minuten, bei größeren Installationen mit einer 4 GB MariaDB kann er auf über eine Stunde anwachsen. Während der Restore läuft, schaust du dir den Log an, den du unter Settings, System, Logs, Supervisor erreichst. Notiere jede rote Zeile für die Nachbereitung. Wenn der Pi neu bootet, teste in der Reihenfolge: Login funktioniert, Dashboards sind da, drei zufällig ausgewählte Automations sichtbar, drei Geräte reagieren auf einen Testschalter, HACS ist aktiv, ein Automations-Trigger feuert. Wenn alles grün ist, hast du bewiesen dass dein Backup funktioniert. Tausche die Test-Karte zurück gegen die Produktivkarte, lege sie beschriftet in eine Schublade, und du hast im Ernstfall eine SD-Karte im Regal, die du in unter fünf Minuten hochziehen kannst.
Bei Andi haben wir den Test drei Tage nach der Ersteinrichtung gemacht, weil ich ihn dazu gedrängt habe. Der Restore lief in 18 Minuten durch, HACS war komplett da, alle 42 Zigbee-Geräte meldeten sich am Coordinator wieder an, weil die Zigbee2MQTT-Datenbank Teil des Backups war. Das einzige Problem: die Wärmepumpen-Automation feuerte nicht, weil sie auf einen Template-Sensor aus einem HACS-Repository zeigte, das erst nachträglich neu geladen werden musste. Zwei Minuten Fix, danach lief alles. Diese Art Erkenntnis hast du nur im Test, nicht im Ernstfall.
Backup-Größe in den Griff bekommen
Wer viel loggt, viele Sensoren oder ein großes InfluxDB im Supervisor hat, sieht seine Backups schnell auf ein Gigabyte oder mehr klettern. Bei 2 GB Free-Speicher in Dropbox ist dann nach zwei Snapshots Ende. Vier Stellschrauben helfen.
Erstens, MariaDB-Recorder purgen. Standardmäßig behält HA zehn Tage Verlaufsdaten im Recorder. Wer InfluxDB parallel für Langzeit nutzt, kann den Recorder auf drei bis fünf Tage reduzieren. Unter Entwicklerwerkzeuge, Aktionen, "Recorder: Purge" den Repack und den Apply-Filter aktivieren und ausführen, das schneidet die Datenbank oft um 60 bis 80 Prozent. (Optimize Your Home Assistant Database, SmartHomeScene) Zweitens, InfluxDB-Sensoren gezielt filtern. Beide Datenbanken nutzen die gleiche Filter-Syntax mit include und exclude. Wer 240 Entities in beide Datenbanken schreibt, hat den doppelten Speicherbedarf ohne Mehrwert. Gute Faustregel: nur langfristig interessante Werte in InfluxDB, kurzfristig operative Werte in MariaDB. (InfluxDB Data Management, Derek Seaman Blog) Drittens, Backup-Exclude-Liste nutzen. Beim Erstellen des automatischen Backups kannst du einzelne Add-Ons ausschließen. Frigate mit seinen Video-Aufzeichnungen ist der prominenteste Kandidat, weil ein einziger Tag Kamera-Aufnahmen ein Backup auf zehn Gigabyte aufblähen kann. Frigate-Daten sicherst du besser separat auf ein NAS, nicht in die Cloud. Viertens, Snapshot-Typ wählen. HA erlaubt Teil-Sicherungen, die nur die Konfiguration und nicht die Datenbank enthalten. Für tägliche Snapshots reicht oft ein Config-only-Backup, ein wochentliches Full-Backup rundet die Strategie ab. So kombinierst du kleine schnelle Alltags-Sicherungen mit einer voll wiederherstellbaren Wöchentlich-Sicherung.Bei Andi liegt die Backup-Größe dank dieser vier Maßnahmen bei 180 MB pro Snapshot, seine 2 GB Free-Dropbox reichen für zehn Snapshots mit Retention plus etwas Puffer, und er zahlt weiterhin keinen Cent Cloud-Gebühr.
Was passiert, wenn die Dropbox voll ist
Der Retention-Wert in der Backup-Konfiguration steuert, wie viele Snapshots HA parallel vorhält. Setzt du ihn auf zehn, wird beim elften Upload automatisch der älteste gelöscht. Wichtig zu wissen: die Löschung passiert im Dropbox-Konto, nicht nur in HA. Der Speicher wird also sofort frei. Nur wer die Standardretention deaktiviert und manuelle Backups aus HA anstößt, riskiert eine volle Dropbox mit anschließend fehlgeschlagenen Uploads. Die native Integration meldet in diesem Fall eine Fehlermeldung im Notifications-Panel und du hast Zeit, entweder alte Snapshots von Hand zu löschen oder auf Dropbox Plus mit 2 TB für 11,99 US-Dollar pro Monat aufzurüsten. (Dropbox Pricing 2026, Cloudwards)
Wer den Familie-Plan hat, bekommt für 16,99 US-Dollar 2 TB für bis zu sechs Konten, das reicht auch für die absurdesten HA-Setups mit Kamera-Archiven, InfluxDB-Downsampling und Node-RED-Snapshot-Historie. (Dropbox Pricing 2026 mit Family, aiproductivity.ai)
Sicherheit, Passwortverwaltung und Datenschutz
Die Verschlüsselung im HA-Backup nutzt AES-256 im CBC-Modus mit einem zufällig generierten Schlüssel, den du beim Setup entweder von HA generieren lässt oder selbst vergibst. Der Schlüssel wird beim Verschlüsseln des Backups direkt in die Backup-Datei eingewoben, allerdings selbst wieder verschlüsselt mit einem aus deinem Passwort abgeleiteten Key. Ohne dein Passwort ist die Datei für Dropbox, für Nabu Casa und für jeden anderen unbrauchbar, das ist das ganze Design.
Wer sein Passwort verliert und keinen Zugriff mehr auf die laufende HA-Instanz hat, hat sein Backup verloren. Es gibt community-entwickelte Decrypt-Tools wie das Python-Modul decrypt-ha-backup von Sabeechen, die aber weiterhin dein Passwort brauchen. (decrypt-ha-backup auf GitHub) Ohne Passwort ist kryptografisch nichts zu retten, das ist der Punkt bei einer sauberen AES-Implementierung.
Deshalb der wichtigste Sicherheits-Rat des ganzen Artikels: leg das Backup-Passwort an drei physisch getrennten Orten ab. Erstens in deinem Passwortmanager auf dem Handy, zweitens auf einem verschlüsselten USB-Stick in einer Schublade, drittens auf einem laminierten Zettel in einem Bankschließfach oder bei einem Verwandten in einer anderen Stadt. Bei Hausbrand, Diebstahl oder Wasserschaden bleibt mindestens eine Kopie zugänglich. Das mag paranoid klingen, aber wer nach dem SD-Karten-Crash noch das Bankschließfach hat, kann sein Backup wieder einspielen und weiter machen. Wer nichts hat, sitzt vor einem verschlüsselten Tar-Ball und fluchen bringt ihn nicht weiter.
Zum Datenschutz noch ein Wort: Dein Backup enthält sämtliche API-Tokens, Passwörter für Integrationen und WLAN-Zugangsdaten für Zigbee-Coordinatoren. Wer Zugriff auf deine Dropbox erhält und dein Backup-Passwort hat, hat de facto Zugriff auf dein komplettes Haus. Deshalb solltest du die Dropbox-Anmeldung selbst mit einem starken Passwort und Zwei-Faktor-Auth absichern und dein Nabu-Casa-Konto ebenso.
Pro-Strategie: Cross-Cloud-Backup
Wer paranoid ist oder wichtige Daten schützt, kombiniert mehrere Ziele. Home Assistant erlaubt seit 2026.7 mehrere Backup-Agents parallel zu konfigurieren. Ein realistisches Pro-Setup sieht so aus.
Täglich um 4 Uhr läuft ein Full-Backup, das gleichzeitig in Dropbox und auf ein lokales Samba-Share auf dem NAS geschrieben wird. Das NAS synchronisiert seine Backups zusätzlich täglich per Rclone auf einen Hetzner Storage Box für 3,20 Euro pro Monat mit 1 TB. Ergebnis: das Backup existiert an drei physisch getrennten Orten, mit unterschiedlichen Zugangsdaten und unterschiedlicher Infrastruktur.
Wer nicht so weit gehen will, fährt gut mit der Kombination Dropbox plus lokales NAS. Cloud plus Zuhause ist die klassische 3-2-1-Regel, und HA macht sie ab 2026.7 mit drei Klicks möglich. Google Drive lässt sich als drittes Ziel dazuschalten, wenn das Sabeechen-Add-On weiter installiert bleibt, die neue Integration schließt es nicht aus.
Was HA 2026.8 für Backups mitbringen wird
Auf der State of the Open Home 2026 hat Nabu Casa Ende Juni angekündigt, dass die Backup-Agents-API in 2026.8 um OneDrive und einen generischen S3-Provider erweitert wird. Das ist besonders für die Business-Nutzer interessant, die HA in einem gemischten Microsoft-365-Setup einsetzen und ihre Cloud-Speicher konsolidieren wollen. Für Privatanwender wird sich am Dropbox-Setup, das du jetzt einrichtest, nichts ändern, weil die neuen Provider parallel dazuklinken und nicht ersetzen.
Ebenfalls in 2026.8 kommt ein "Backup Health Score" auf das Dashboard, der auf einen Blick zeigt, ob der letzte Snapshot erfolgreich war, wie alt das jüngste erfolgreiche Backup ist und ob dein Restore-Test das letzte Mal geklappt hat. Ein kleines Feature, das für die Backup-Disziplin einen großen Unterschied macht. Wer bisher vergessen hat, ein zärtlich blinkendes rotes Icon zu ignorieren, wird es künftig direkt oben rechts im Panel sehen.
Der ehrliche Vergleich zur Nabu-Casa-Cloud
Weil die Frage in jeder HA-Runde kommt: Ist Nabu Casa noch sinnvoll, wenn ich nur Backup brauche? Meine Antwort ist ein klares Nein, aber mit Sternchen.
Nein, wenn dein einziger Grund für HA Cloud das Backup ist. Die Dropbox-Variante ist kostenlos oder sehr günstig, technisch gleichwertig und du sparst 90 Euro pro Jahr. Nein auch, wenn du für Remote-Access ohnehin einen Wireguard-Tunnel oder Cloudflare-Tunnel eingerichtet hast, was heute keine große Kunst mehr ist.
Ja, wenn du die Alexa- oder Google-Assistant-Integration nutzt, weil die über HA Cloud um Welten einfacher zu konfigurieren ist als jede Eigenbau-Lösung. Ja auch, wenn du das Home-Assistant-Projekt aus Überzeugung finanziell unterstützen willst, weil das ganze Ecosystem von diesen Abo-Zahlungen lebt. Ja, wenn du die neue "Home Connect"-Skill mit Bosch- und Siemens-Geräten nutzt, die im April 2026 exklusiv für Cloud-Abonnenten gestartet ist.
Und ja mit Sternchen, wenn du wirklich technisch unbeleckt bist und die Wartungsaufwände scheust. Für 7,50 Euro im Monat bekommst du ein Rundum-Paket, das dich nichts weiter kostet als die monatliche Abbuchung. Wer Zeit hat und Freude an der Bastelei, fährt mit Dropbox billiger und flexibler.
Zusammenfassung: die zwölf Regeln für HA-Backups im Sommer 2026
Wenn du diesen Artikel in einem Bulletpoint mitnehmen willst, hier sind die zwölf Regeln, die bei Andi und in meinem eigenen Setup seit Jahren funktionieren.
Erstens, jedes HA-Setup braucht ein automatisches Off-Site-Backup. Zweitens, die native Dropbox-Integration in HA 2026.7 ist der einfachste Weg. Drittens, HA-Cloud-Konto ist Pflicht für die Autorisierung, kostet aber nichts. Viertens, Retention auf mindestens zehn Snapshots setzen. Fünftens, Verschlüsselung aktivieren und Passwort dreifach sichern. Sechstens, Recorder auf drei bis fünf Tage kürzen, um Backups klein zu halten. Siebtens, Frigate und andere Video-Daten aus dem Backup ausschließen. Achtens, Node-RED-Flows zusätzlich manuell sichern. Neuntens, InfluxDB entweder ins HA-Supervisor-Add-On packen oder separat sichern. Zehntens, mindestens einmal im Jahr einen kompletten Restore-Test auf einer zweiten SD-Karte machen. Elftens, das Passwort an drei physisch getrennten Orten hinterlegen. Zwölftens, Dropbox-Konto selbst mit Zwei-Faktor-Auth absichern.
Andi hat seit dem 4. Juli genau dieses Setup laufen. Ende Juli wollte er wissen ob die Automation zuverlässig durchläuft, wir haben in den Log geschaut. 26 Backups in 26 Tagen, keine einzige rote Zeile, die Dropbox belegt 1,7 GB von 2 GB. Am gleichen Nachmittag hat er auf der zweiten SD-Karte im Regal einen Restore-Test gemacht und ist glatt durchgekommen, ohne dass er dabei ins Schwitzen kam. Er hat mich gefragt, wie er die Automation feiern kann. Ich habe ihm gesagt, feier sie nicht, vergiss sie, das ist der beste Zustand für ein Backup. Ein Backup, an das du dich nicht erinnerst weil es einfach läuft, ist ein Backup, das seinen Job macht.
Das SD-Karten-Grab in Andis Schreibtischschublade hat er mir am Ende der Session gezeigt. Drei tote Karten aus drei Jahren, jede ein kleines Denkmal an eine Nacht, die er nicht mehr erleben will. Der neue Pi 5 mit der Samsung Pro Endurance und dem täglichen Dropbox-Backup wird nicht ewig laufen, aber wenn er fällt, wird Andi in unter zehn Minuten wieder da sein, wo er vor dem Crash war. Das ist der Unterschied zwischen einem gepflegten Smart Home und einem Bastel-Setup, das dich beim nächsten Fehler wieder wochenlang beschäftigt.
Der Autor betreut seit 2019 Home-Assistant-Setups in Augsburg und Umgebung. Alle Screenshots und Zeitangaben aus einer laufenden Installation auf einem Raspberry Pi 5 mit HAOS 2026.7.4, Stand 30. Juli 2026. Preisangaben von Dropbox in US-Dollar zum Stichtag 28. Juli 2026, Umrechnungen zum EZB-Referenzkurs 0,92.