Am 1. April hat das Home-Assistant-Team Version 2026.4 veröffentlicht. Der Untertitel: „Infrared never left the chat." Als ich das gelesen habe, dachte ich: Infrarot? Ernsthaft? Das ist die Technik, mit der mein Opa den Grundig-Fernseher stumm geschaltet hat, wenn meine Oma zu laut telefoniert hat. Was soll das in einem Smart-Home-System?

Stellt sich raus: ziemlich viel. Und das Infrarot-Feature ist nicht mal das Interessanteste an diesem Update.

37 Jahre alte Technik, 2026 immer noch überall

Infrarot-Fernbedienungen gibt es seit 1989 in quasi jedem Gerät mit Bildschirm. Die Technik ist simpel: Ein Sender schickt gepulste Lichtsignale im Infrarotbereich, ein Empfänger am Gerät dekodiert sie. Einwegkommunikation, kein Pairing, kein Netzwerk, kein Passwort. Das Gerät weiß nicht mal, wer den Befehl geschickt hat.

Und genau das ist der Punkt. Schau dich in deiner Wohnung um: Der Fernseher hat einen IR-Empfänger. Die Klimaanlage. Der Ventilator. Die Soundbar. Der Beamer. Die meisten dieser Geräte sind nicht smart, haben kein WLAN, keinen Zigbee-Chip, keine App. Aber sie haben einen Infrarot-Empfänger, der seit einem Jahrzehnt auf Befehle wartet.

Home Assistant 2026.4 macht diese Geräte steuerbar. Nicht über Cloud-Dienste, nicht über einen Herstelleraccount, sondern über einen kleinen IR-Sender, der an einem ESPHome-Chip hängt und für unter 10 Euro zusammengebaut werden kann.

Wie das technisch funktioniert

Das Konzept kennen Home-Assistant-Nutzer schon von Bluetooth. Seit 2022 gibt es Bluetooth-Proxys: kleine ESP32-Boards im Haus verteilt, die Bluetooth-Signale an Home Assistant weiterleiten. Das gleiche Prinzip funktioniert jetzt für Infrarot.

Du nimmst ein ESPHome-Gerät mit IR-Transmitter, zum Beispiel das Seeed Studio XIAO IR Mate, flasht die Firmware direkt im Browser über die ESPHome-Ready-Made-Projects-Seite, und Home Assistant erkennt das Gerät automatisch als „Infrared Proxy". Dann installierst du die passende Integration — zum Start gibt es die LG Infrared Integration für LG-Fernseher — und kannst das Gerät steuern. Ein/Aus, Lautstärke, Eingangsquelle, Navigation.

Weil Infrarot eine Einbahnstraße ist, arbeitet Home Assistant mit „angenommenen Zuständen". Wenn du den Fernseher einschaltest, geht Home Assistant davon aus, dass er jetzt an ist. Es gibt keine Rückmeldung vom Gerät. In der Praxis funktioniert das erstaunlich gut. Solange du den Fernseher nicht nebenher mit der physischen Fernbedienung steuerst, bleibt der Zustand synchron.

Die LG-Integration ist die erste, aber die Infrarot-Plattform ist als offenes System gebaut. Weitere Integrationen für Samsung, Sony, Klimaanlagen-Hersteller und andere werden kommen. Wer einen alten Broadlink RM Mini in der Schublade hat, kann auch den als IR-Proxy nutzen.

Warum das mehr ist als eine Spielerei

Die Open Home Foundation, die Stiftung hinter Home Assistant, nennt Nachhaltigkeit als Hauptargument. Millionen funktionierender Geräte stehen in Haushalten, die nicht „smart" sind, aber einen IR-Empfänger haben. Statt sie durch WLAN-fähige Neugeräte zu ersetzen, kannst du einen 8-Euro-IR-Sender danebenlegen und hast das gleiche Ergebnis. Weniger Elektroschrott, weniger Kosten.

Für mich hat das einen ganz praktischen Reiz. Die Klimaanlage in meinem Büro hat keinen WLAN-Chip. Die Fernbedienung liegt immer irgendwo, wo sie nicht hingehört. Mit einem IR-Proxy kann ich die jetzt über das Dashboard steuern, oder besser: Home Assistant schaltet sie automatisch ein, wenn die Temperatur über 26 Grad steigt, und wieder aus, wenn ich das Büro verlasse. Das war vorher nicht möglich, ohne die Klimaanlage komplett auszutauschen.

Automatisierungen, die denken wie Menschen

Das zweite große Feature in 2026.4 ist weniger spektakulär auf dem Papier, aber langfristig wichtiger: domänenübergreifende Trigger und Bedingungen.

Das klingt sperrig. Hier ist, was es bedeutet:

Bisher musstest du, wenn du eine Automatisierung für eine Tür bauen wolltest, wissen, ob die Tür technisch ein Binary Sensor ist (Kontaktsensor), ein Cover (motorisiertes Garagentor) oder ein Lock (smartes Schloss). Drei verschiedene Gerätetypen, drei verschiedene Wege, den Zustand abzufragen. Wenn du den Kontaktsensor irgendwann durch ein smartes Schloss ersetzt hast, musste die Automatisierung komplett umgebaut werden.

Ab 2026.4 gibt es Trigger, die sich an realen Konzepten orientieren, nicht an technischen Kategorien. Du sagst: „Wenn eine Tür geöffnet wird." Home Assistant findet selbst heraus, welche Gerätetypen das betrifft, und reagiert auf alle davon. Das funktioniert für:

  • Türen, Fenster, Garagentore
  • Bewegung und Anwesenheit
  • Temperatur und Luftfeuchtigkeit
  • Helligkeit
  • Stromverbrauch
  • Batteriestatus
  • Luftqualität (CO, CO2, Rauch)
Du kannst auch nach Bereichen filtern. „Wenn ein Fenster im Obergeschoss geöffnet wird" funktioniert, ohne dass du jedes einzelne Fenster aufzählen musst. Fügst du später einen neuen Fenstersensor hinzu und weist ihn dem Obergeschoss zu, ist er automatisch in der Automatisierung drin.

Ich habe bisher eine Automatisierung, die alle Heizungsthermostate runterdreht, wenn ein Fenster geöffnet wird. Dafür hatte ich eine Liste von sieben Fenstersensoren im Trigger. Mit dem neuen System brauche ich einen einzigen Trigger: „Wenn ein Fenster geöffnet wird." Fertig. Sieben Zeilen werden zu einer.

Das Feature ist noch als Labs-Funktion markiert (aktivierbar unter Einstellungen > System > Labs), wird aber seit vier Releases entwickelt und ist laut Team fast fertig. Ich nutze es seit einer Woche und hatte null Probleme.

Matter-Türschlösser: PIN-Codes direkt verwalten

Wer ein Matter-kompatibles Türschloss besitzt — zum Beispiel das Aqara Smart Lock U200 oder das Nuki Smart Lock Pro — kann jetzt PIN-Codes direkt in Home Assistant anlegen, ändern und löschen.

Auf der Geräteseite des Schlosses gibt es einen neuen „Manage Lock"-Button. Dort siehst du alle angelegten Benutzer, kannst neue anlegen, PINs vergeben und Zugriffsarten festlegen: dauerhafter Zugang oder Einmal-Code, der nach der ersten Nutzung automatisch gelöscht wird.

Das Interessante: Die Funktionen sind auch als Aktionen in Automatisierungen verfügbar. Du kannst eine Automatisierung bauen, die einen temporären PIN-Code generiert und per Benachrichtigung an deinen Gast schickt. Airbnb-Vermieter werden das feiern.

Dashboard: Farben, Favoriten und ein neues Gauge-Design

Die Oberfläche hat ebenfalls Verbesserungen bekommen, die einzeln klein wirken, zusammen aber einen Unterschied machen.

Hintergrundfarben für Sektionen

Dashboard-Sektionen können jetzt eine eigene Hintergrundfarbe haben. Das klingt banal, aber es löst ein echtes Problem: Dashboards mit vielen Karten sehen schnell nach einer endlosen Liste aus. Mit farbigen Sektionen kannst du visuell gruppieren — Sicherheit in zartem Rot, Beleuchtung in Blau, Energie in Grün. Die Farbe lässt sich im Editor direkt einstellen, Transparenz inklusive.

Favoriten auf Dashboard-Karten

Lichtfarben, die du als Favoriten gespeichert hast, tauchen jetzt als Schnellzugriff direkt auf der Kachel auf. Kein Umweg mehr über das Detail-Menü. Das funktioniert auch für Rollläden und Ventile: Lieblingsposition speichern, auf der Kachel anzeigen, ein Tipp und die Jalousie fährt auf 60%.

KI-Assist zeigt sein Denken

Wer einen KI-gestützten Sprachassistenten in Home Assistant nutzt (z.B. über die OpenAI-Integration, die jetzt auch GPT-5.4 unterstützt), kann jetzt sehen, was die KI im Hintergrund tut. Im Assist-Dialog gibt es einen aufklappbaren „Show details"-Bereich, der die Denkschritte, Tool-Aufrufe und Ergebnisse anzeigt. Für Debugging von Automatisierungen über Sprache ist das Gold wert.

14 neue Integrationen

Jedes Home-Assistant-Update bringt neue Integrationen, aber ein paar stechen heraus.

Wer Ubiquiti-Zugangssysteme besitzt, kann mit der neuen UniFi Access-Integration Türen, Schlösser und Zugangsleser jetzt lokal in Home Assistant einbinden — kein Cloud-Zwang. Die Solarman-Integration bringt Überwachung und Steuerung von Solarman-Energiegeräten über das lokale Netzwerk, mit Echtzeit-Monitoring von Produktion und Verbrauch. WiiM-Streamer (WiiM Pro, WiiM Amp) werden automatisch erkannt und als Mediaplayer eingebunden. Das Schlummerlicht Casper Glow lässt sich über Bluetooth steuern und in Schlafenszeit-Automatisierungen einbauen — nischig, aber genau die Art Integration, die Home Assistant so mächtig macht. Und die Qube Heat Pump-Integration ermöglicht Wärmepumpen-Monitoring über Modbus TCP, lokale Einbindung, ohne Hersteller-Cloud.

Insgesamt sind es 14 neue und Dutzende verbesserte Integrationen. SmartThings hat ein massives Update für Saugroboter bekommen: Lüftergeschwindigkeit, Reinigungsmodi, Staubbeutel-Sensor, Bitte-nicht-stören-Zeiten. Proxmox VE zeigt jetzt Uptime, Netzwerkauslastung und kann Snapshots direkt aus Home Assistant verwalten.

Und sonst so?

Ein paar kleinere Sachen, die in keiner Überschrift landen, aber im Alltag nützlich sind.

Du kannst jetzt deinen Staubsauger per Sprache in bestimmte Zonen schicken. „Saubere die Küche" funktioniert über den Sprachassistenten — das Feature wurde in 2026.3 vorbereitet und ist jetzt sprachgesteuert verfügbar. Beim Hochladen von Backups siehst du jetzt den Fortschritt pro Speicherort, was mit Home Assistant Cloud, Google Drive, OneDrive und S3-kompatiblen Diensten funktioniert. Markdown-Karten unterstützen jetzt Tap-, Hold- und Double-Tap-Aktionen, sodass du sie zu interaktiven Elementen machen kannst, die navigieren oder Aktionen auslösen. Und die Netzwerkgrafik für ZHA, Z-Wave und Bluetooth hat endlich ein Suchfeld.

Update-Empfehlung

2026.4 ist ein großes Update mit vielen beweglichen Teilen. Der Patch 2026.4.1 kam bereits am 3. April und behebt 27 Bugs — unter anderem Probleme mit Tuya-Energiesensoren, Ring-Snapshots und Sonos-Statusanzeigen.

Meine Empfehlung: Warte auf 2026.4.2 oder 2026.4.3, wenn du ein stabiles Produktivsystem betreibst und kein Feature dringend brauchst. Wenn dich die Infrarot-Steuerung oder die neuen Automatisierungs-Trigger reizen, kann ich das Update nach einer Woche Nutzung empfehlen. Die Labs-Features laufen stabil.

Ein Backup vor dem Update ist Pflicht. Das gilt immer, aber bei einem Update dieser Größe besonders. Hier ist unsere Anleitung zur Home-Assistant-Einrichtung, falls du gerade erst anfängst.

Stand: April 2026. Basiert auf den offiziellen Release Notes von home-assistant.io und eigenen Tests.